Als ein Angeklagter vor Gericht seine Unschuld damit begründet, daß er so geboren sei und nicht anders können, daher nicht haftbar zu machen sei,

Der Mensch ist grundsätzlich mehr, als er von sich wissen kann. Unserer Freiheit sind wir uns bewußt, wenn wir Ansprüche an uns erkennen. Es liegt an uns, ob wir sie erfüllen oder ihnen ausweichen. Wir können im Ernst du nicht bestreiten, daß wir etwas entscheiden und damit über uns selbst entscheiden, und daß wir verantwortlich sind. Wer etwa versucht, das abzulehnen, kann konsequenterweise auch an andere Menschen keine Forderungen stellen. Als ein Angeklagter vor Gericht seine Unschuld damit begründet, daß er so geboren sei und nicht anders können, daher nicht haftbar zu machen sei, antwortete der gut gelaunte Richter: das sei eben so richtig wie die Auffassung vom Handeln des ihn strafenden Richters: nämlich auch dieser können nicht anders, da er nun einmal so sei und notwendig nach den gegebenen Gesetzen so handeln müsse. [Karl Jaspers. Was ist Philosophie?, Ein Lesebuch]

Gott ist kein Lückenbüßer

In dem, was wir erkennen, sollen wir Gott finden, nicht aber in dem, was wir nicht erkennen; nicht in den ungelösten, sondern in den gelösten Fragen will Gott von uns begriffen sein. Das gilt für das Verhältnis von Gott und wissenschaftlicher Erkenntnis. Aber es gilt auch für die allgemein menschlichen Fragen von Tod, Leiden und Schuld. Es ist heute so, daß es auch für diese Fragen menschliche Antworten gibt, die von Gott ganz absehen können. Menschen werden faktisch – und so war es zu allen Zeiten – auch ohne Gott mit diesen Fragen fertig, und es ist einfach nicht wahr, daß nur das Christentum eine Lösung für sie hätte. Was den Begriff der »Lösung« angeht, so sind vielmehr die christlichen Antworten ebenso wenig – (oder ebenso gut) – zwingend wie andere mögliche Lösungen. Gott ist kein Lückenbüßer; nicht erst an den Grenzen unserer Möglichkeiten, sondern mitten im Leben muß Gott erkannt werden; im Leben und nicht erst im Sterben, in Gesundheit und Kraft und nicht erst im Leiden, im Handeln und nicht erst in der Sünde will Gott erkannt werden. Der Grund dafür liegt in der Offenbarung Gottes in Jesus Christus. Er ist die Mitte des Lebens. Von der Mitte des Lebens aus fallen gewisse Fragen überhaupt aus und ebenso die Antworten auf solche Fragen. Dietrich Bonhoeffer

Quelle: Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 454 f

Was ist Epistemologie?

What is epistemology? It’s not a disease. It’s the study of how we know, and how we know we know. Epistemology has its roots in the Greek works for ‘knowledge’ and ‘study of’, so it’s about how we comprehend and contextualize our information. It’s about how we process and relate to information and experiences.
Epistemology is a very ordinary thing. It happens every day, and in quite different ways. For example, do you know that you like chocolate? If you do, then how do you know that? Do you have to discuss it with somebody before you know you like it? Do you have to read a book to figure out that you like it? Do you have to work out a mathematical equation to know that you like it?
No. You know that you like by experience. You put the chocolate in your mouth, and you experience pleasure, and you know. This knowledge is not open to discussion. If you tell me, “I like chocolate’, and if I doubt that, then I’m being silly.
The Romans had a proverb: ‘De gustibus non est disputandum,’ This means, ‘Taste is not debatable.’ It is rooted in experience. Similarly, if you tell me that your favorite color is red, it’s ridiculous for me to say, ‘that is wrong, it should be blue’, or to say, ‘Don’t you want to change it to blue?’ Experience cannot be disputed, although the meaning of it can.
Was ist Epistemologie? Es ist keine Krankheit. Es ist die Studie, woher wir es wissen und woher wir wissen, dass wir es wissen. Epistemologie hat ihre Wurzeln in den griechischen Werken für ‚ Wissen ‚ und ‚ Studium ‚, also geht es darum, wie wir unsere Informationen verstehen und kontextualisieren. Es geht darum, wie wir Informationen und Erfahrungen verarbeiten und in Beziehung setzen.
Epistemologie ist eine ganz gewöhnliche Sache. Es passiert jeden Tag und auf ganz andere Weise. Weißt du zum Beispiel, dass du Schokolade magst? Wenn du das tust, woher weißt du das dann? Muss man das mit jemandem besprechen, bevor man weiß, dass es einem gefällt? Musst du ein Buch lesen, um herauszufinden, dass es dir gefällt? Muss man eine mathematische Gleichung erarbeiten, um zu wissen, dass sie einem gefällt?
Nein, nein. Du weißt, dass du durch Erfahrung magst. Du steckst die Schokolade in den Mund, und du erlebst Vergnügen, und weißt es. Dieses Wissen steht nicht zur Diskussion offen. Wenn du mir sagst: „Ich mag Schokolade“ und wenn ich das bezweifle, dann bin ich albern.
Die Römer hatten ein Sprichwort: „De gustibus non est disputandum Das bedeutet :“ Geschmack ist nicht stritten. “ Es ist in Erfahrung verwurzelt. Ähnlich, wenn du mir sagst, dass deine Lieblingsfarbe rot ist, ist es lächerlich, wenn ich sage: „das ist falsch, es sollte blau sein oder zu sagen :“ Willst du es nicht blau ändern? “ Erfahrung lässt sich nicht streiten, obwohl ihr Sinn kann. Ellis H.Potter

Jesus ist ewig

Der Titel Jesu als „Sohn Gottes“, sowie die biblischen Berichte über Zeugung und Geburt Jesu können natürlich schnell missverstanden werden; so als sei Jesus erst jetzt entstanden. „Sohn Gottes“ ist aber lediglich ein irdischer Vergleich, der die sehr enge Beziehung zwischen Gott Vater und Jesus zum Ausdruck bringen soll. So wenig in der Bibel eine himmlische Mutter erwähnt wird, so wenig wird Jesus dadurch seinen Titel als biologischer Sohn Gottes angesehen. Seine Geburt durch Maria kennzeichnet lediglich den Beginn seiner irdischen Existenz als Mensch – Gott, nicht seinen absoluten Anfang.
Jesus selbst betont unmissverständlich, dass sein Leben nicht mit der irdischen Geburt begonnen hat: „Da sprachen die Juden zu ihm: Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und hast Abraham gesehen? Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham wurde, bin ich.“ (Joh 8, 57f.; vgl. Joh 1, 15) Hier spricht Jesus noch nicht von seiner ewigen Präexistenz; aber immerhin lebte Abraham rund 2000 Jahre vor Christus.
An anderer Stelle stellt Jesus fest, dass er auch schon vor der Erschaffung des Universums in engem Kontakt zu Gott dem Vater stand: „Und nun, Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ (Joh17, 5)
Paulus schreibt, dass alles, was ist, durch bzw. von Jesus geschaffen wurde: „Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, […] es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.“ (Kol 1, 16f.) Wäre Jesus selbst geschaffen worden, dann wäre diese kategorische Aussage falsch.
Überhaupt gehört es natürlich zur biblischen Definition Gottes ewig zu sein, keinen Anfang und kein Ende zu haben: „Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ (Ps 90, 2; vgl. 1Mose 21, 33; 5Mose 32, 40; Ps 93, 2). Wenn Jesus Gott ist, was die Bibel mehrfach bestätigt, dann müssten er folglich auch diese Eigenschaft Gottes haben. „[…] Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben.“ (1.Joh 5, 20; vgl. Joh 1, 1f.; Joh 20, 28)
Insgesamt kann mit großer Sicherheit festgehalten werden, Jesus ist Gott. Und als solcher war er schon immer und wird immer sein. Die Ewigkeit Jesu wird sowohl von Gott dem Vater bestätigt, als auch von Christus selbst und von anderen wichtigen Verfassern der Heiligen Schrift. Michael Kotsch FB  

Es ist aussergewöhnlich, dass überhaupt etwas existiert.

Es ist aussergewöhnlich, dass überhaupt etwas existiert. Sicherlich wäre der natürlichste Zustand der Dinge einfach nichts: Kein Universum, kein Gott, nichts. Aber es gibt etwas. Und so viele Dinge. … Jeder Gegenstand, wie weit auch immer in Zeit und Raum von uns entfernt, hat dieselben Kräfte und dieselben Dispositionen, diese Kräfte auszuüben, wie die Elektronen und Protonen, aus denen unsere Körper bestehen. Wenn es dafür keine Ursache gäbe, müsste es ein höchst aussergewöhnlicher Zufall sein. Zu aussergewöhnlich, als dass eine vernünftige Person daran glauben könnte. Aus: Richard Swinburne. Gibt es einen Gott? Ontos-Verlag: Heusenstamm 2006.

Die gefährliche Verweigerung des Geschlechts

In einem Beitrag im Wall Street Journal erklären die Biologen Colin Wright und Emma Hilton, dass es wissenschaftlich gesehen nur zwei Geschlechter gibt, nämlich männlich und weiblich. Es gäbe dem aktuellen Forschungsstand nach kein „Geschlechtsspektrum“. Sie betonen zudem, dass „Biologen und Mediziner“ aufhören müssen, politisch korrekt zu sein und „für die empirische Realität des biologischen Geschlechts einzutreten“ haben.
In dem Phänomen, dass einige Männer sagen, sie identifizieren sich als Frauen und einige Frauen sagen, sie identifizieren sich als Männer oder irgendeiner Kombination, „sehen wir einen gefährlichen und wissenschaftsfeindlichen Trend zur völligen Verleugnung des biologischen Geschlechts“, so die Biologen Wright und Hilton.
Die Vorstellung, dass es ein „Geschlechtsspektrum“ gibt, bei dem Menschen unabhängig von ihrer Anatomie sich „als männlich oder weiblich identifizieren“ können, sei irrational und habe „keine Grundlage in der Wirklichkeit“.
Colin Wright und Emma Hilton schreiben:
Beim Menschen, wie bei den meisten Tieren oder Pflanzen, entspricht das biologische Geschlecht eines Organismus einer von zwei verschiedenen Arten der reproduktiven Anatomie, die sich für die Produktion kleiner oder großer Geschlechtszellen – Sperma und Eier – und die damit verbundenen biologischen Funktionen bei der sexuellen Reproduktion entwickeln. Beim Menschen ist die reproduktive Anatomie bei der Geburt in mehr als 99,98% der Fälle eindeutig männlich oder weiblich. Die evolutionäre Funktion dieser beiden Anatomien besteht darin, die Fortpflanzung durch die Verschmelzung von Spermien und Eizellen zu unterstützen. Beim Menschen gibt es keinen dritten Typ von Geschlechtszellen, und daher gibt es kein „Geschlechtsspektrum“ oder zusätzliche Geschlechter über das männliche und weibliche hinaus. Das Geschlecht ist binär.
https://theoblog.de/die-gefaehrliche-verweigerung-des-geschlechts/34828/

Ranald Macaulay: Die Krise des Evangelikalismus

Ranald Macaulay hat mit EVANGELICALS NOW über die Krise des Evangelikalismus gesprochen. Hier ein Auszug:
Die Kirche befindet sich an einem kritischen Punkt der Geschichte. Die gesamte Kultur rast auf einer gefährlichen Schiene: Sie glaubt nicht an die Existenz Gottes; Jesus ist völlig irrelevant, nur eine Geschichte aus dem ersten Jahrhundert in Palästina. Ich nenne das manchmal das „Plausibilitätsproblem“ – die Botschaft des Christentums scheint unserer Kultur einfach nicht einleuchtend zu sein. Gleichzeitig haben wir eine Technologie, die sich mit einer Million Meilen pro Minute weiterentwickelt. Das beschleunigt die Wirkung des „Plausibilitätsproblems“ ganz erheblich.
Was den Ernst der Situation, der wir uns gegenübersehen, ausmacht, ist die „doppelte Verwirrung“ dieser beiden Dinge: die wahrgenommene Unwahrscheinlichkeit des Christentums und die Auswirkungen der Technologie.
Ein Beispiel für die beschleunigende Wirkung der Technologie ist David Attenboroughs Enthüllung auf dem Planeten Erde II, dass Kunststoffe unsere Ozeane zerstören. Dies ist eine von unzähligen Arten, wie die Technologie die Welt verändert hat. Und es ist mit einer solchen Geschwindigkeit geschehen. Hinzu kommen die Auswirkungen von Fernsehen, Internet, Telefonen, sozialen Medien und so weiter.
Ich denke, das ist der Kern des Problems. Wir haben es hier mit der wahrscheinlich gravierendsten Veränderung in der Geschichte der Menschheit zu tun, die es je gegeben hat. Die Veränderungen, die sich intellektuell und praktisch vollzogen haben, sind seismisch. Die westliche Zivilisation sieht die Realität jetzt ganz anders, nicht mehr als eine „Schöpfung“, sondern als eine mechanische Sache. Die Technologie verschärft dies noch weiter, und zwar mit 100-facher Potenz. Das ist es, was die Postmoderne so mächtig macht. Trotz der Tatsache, dass es ihr jede intellektuelle Kohärenz fehlt, ist die Stimmung der Postmoderne – ihre Atmosphäre, ihre Sorgen und die Geschwindigkeit des Wandels – sehr, sehr mächtig. Und die Richtung, in die sie geht, ist für den ganzen Planeten giftig. Sogar säkulare Schriftsteller sind besorgt. Nehmen Sie Douglas Murray, den Autor von The Strange Death of Europe, oder Leute wie Roger Scruton oder Melanie Phillips (die gerade eine Rede in Israel gehalten hat). Sie sind zutiefst beunruhigt darüber, wohin wir uns bewegen. Es ist sehr ernst.
Und, das ist der Punkt: Die Kirche scheint mir nicht sehr viel damit zu tun zu haben. Sie macht weiter, als ob sich nichts geändert hätte. Die meisten Evangelikalen scheinen den Kopf in den Sand zu stecken. Natürlich gibt es bemerkenswerte Ausnahmen, aber diese finden sich meist in überkirchlichen Organisationen. Im Großen und Ganzen scheinen sich die Kirchen selbst nicht über den Ernst der Lage im Klaren zu sein. Deshalb bin ich so beunruhigt.
Mehr: www.e-n.org.uk
https://theoblog.de/ranald-macaulay-die-krise-des-evangelikalismus/34823/