Die Krux der sensiblen Genies – die Gründerväter der Frankfurter Schule und ihre Väter

Das Buch über die Frankfurter Schule “Grand Hotel Abgrund: Die Frankfurter Schule und ihre Zeit” (Clett-Cotta, 2019) bietet einen faszinierenden biografischen Einblick in die Vater-Sohn-Beziehung seiner Gründerväter.
“Die Söhne revoltierten gegen das Erbe der Aufklärung, zu welcher sich ihre säkular eingestellten Väter eben aus dem Grund hingezogen gefühlt hatten, weil sie ihrem materiellen Erfolg einen intellektuellen Glanz verliehen hatte.” (50) Sie  bauten “aus einer Haltung geistigen Protests heraus ihre Gegenwelten” (48). Leo Löwenthal (1900-1993) beispielsweise rächte sich bei seinem Vater, indem er “sei es bewusst oder unbewusst –, … später absolut ›frei‹ wurde: nicht nur areligiös, sondern dezidiert antireligiös” (49). Dabei gab es “durchaus genügend Ersatzväter, welche altklugen Söhnen die geistige Nahrung zu geben wussten” (50). Für den Vater war es damals eine “entsetzliche Enttäuschung, dass sein Sohn, den er, der Vater, ein wahrer Nachkomme der Aufklärung, so ›fortschrittlich‹ erzogen hatte, jetzt in die ›widersinnigen‹, ›obskuren‹ und ›betrügerischen‹ Klauen einer positiven Religion geraten war.” (ebd.)
Max Horkheimer seinerseits verliess mit 15 Jahren die Schule, um im elterlichen Geschäft mitzuarbeiten und zum Juniorchef befördert zu werden.

Nachdem er die elterlichen Fesseln und die erstickend bürgerliche Stuttgarter Atmosphäre hinter sich gelassen hatte, schrieb er an einen Freund: ‘Wir sind der Welt entkommen, in der du leidest, und unsere Erinnerung daran besteht in einer anhaltenden Freude darüber, dass wir sie losgeworden sind.’ (52)

Später zurück im Geschäft, liess er sich mit der Privatsekretärin seines Vaters ein, die daraufhin entlassen wurde. Nicht nur bei Horkheimer, auch bei anderen wurde die “Religion der Liebe” zum Ersatz für die Religion der Väter, die sie verlassen hatten. Es ging um “das unentrinnbare, harte Schicksal der Geschöpfe, die Sucht nach Lust, die ewig brennt und quält, die alle Übel schafft und nie gelöscht wird.” (54) Trotz seinen Ängsten “vor der Irrationalität der Unterschicht (verband sich) sein Schuldgefühl wegen seiner eigenen privilegierten Stellung als Sohn eines reichen Stuttgarter Geschäftsmanns mit seinem Wunsch nach sozialem Wandel” (57).
Auch Walter Benjamin (1892-1940) bezog beträchtliche Summen von seinen Eltern. Sein Vater unterstützte jedoch nur, “wenn Walter und seine junge Familie sich darauf einließen, in eine Wohnung im väterlichen Haus einzuziehen” (59). Franz Kafka (1883-1924) schrieb 36-jährig einen “Brief an den Vater”, der ihm Lebensuntüchtigkeit vorwarf. Der Sohn entsprach nicht dem, “was von ihm erwartet wurde, wohingegen die Potenz des Vaters unbeeinträchtigt blieb” (61). Von da an ist es nicht weit weg zu Benjamins These: “der Sohn nicht dem entsprach, was von ihm erwartet wurde, wohingegen die Potenz des Vaters unbeeinträchtigt blieb.” (62)
Eine weitere Facette war die väterliche Grosszügigkeit und Duldsamkeit wie im Fall von Theodor Adorno (1903-1969). Fleiss, “sein souveränes Auftreten, sein Selbstvertrauen –, und mit dem Pfund seiner Herkunft zu wuchern, (verhalf ihm dazu), dorthin zu kommen, wo er hinwollte.” (65) Er sei “ein Wunderkind gewesen, das nie erwachsen wurde (weil er es nicht musste), das aber paradoxerweise im Unterschied zu Benjamin in der Erwachsenenwelt sehr gut zurechtkam.” (66)

In einer patriarchalen Kultur konnte der von Schuldgefühlen gepeinigte Sohn den Wünschen seines Vaters nie vollständig gerecht werden. Er wurde sozusagen zum Symbol der Verfassung jener kapitalistischen Gesellschaften, die sich in Europa herausbildeten – seine Schuld, seine Entfremdung, seine Distanz zu sich selbst, seine Anfälligkeit für Konflikte und emotionale Unterdrückung. (68)

Nur noch Sozialarbeiter

„Wir werden bald Priester haben, die auf die Rolle der Sozialarbeiter reduziert sind und die Botschaft des Glaubens auf eine politische Vision reduziert wird. Alles wird verloren erscheinen, aber zum richtigen Zeitpunkt, genau in der dramatischsten Phase der Krise, wird die Kirche wiedergeboren werden. Sie wird kleiner, ärmer sein, fast in Katakomba, aber auch heiliger. Weil es nicht mehr die Kirche derer sein wird, die die Welt gefallen wollen, sondern die Kirche der Gott treuen und sein ewiges Gesetz. Die Wiedergeburt wird das Werk eines kleinen Überbleibs sein, scheinbar unbedeutend, aber unbeugbar, der einen Reinigungsprozess durchführt. Weil Gott so arbeitet. Gegen das Böse hält eine kleine Herde aus. Joseph Ratzinger (1970) #BenediktXVI

Gottes Auftrag an die Menschheit: Die Erde bebauen und bewahren

Angesichts der Katastrophen durch Starkregen und Feuer in diesem Jahr bekommt die Klimadiskussion und die Frage, was dringend zu tun ist, eine neue Dringlichkeit. In diesem Artikel geht es um eine biblische Grundlegung zu dieser Thematik. Ich sage es gleich zu Beginn sehr deutlich: Wir finden keine biblischen Detail-Vorgaben für die Gegenwart. Aber wir finden Aussagen, die Rahmenbedingungen setzen. Den Schwerpunkt der Betrachtung bildet der Bericht in 1. Mose 1–3.
Die Schöpfung (1. Mose 1–2)
Die Schöpfung ein zusammengehöriger Organismus: In 1. Mose 1 werden die einzelnen Schöpfungswerke aufgezählt. Diese Werke stehen nicht für sich isoliert, sondern sie bilden einen organischen Zusammenhang.
Die ersten Werke sind Zeit und Raum. Diese sind selbst wieder strukturiert. Die Zeit in Tag und Nacht sowie die Jahreszeiten. Der Raum in Räume: Luftraum, Festland, Meere. Die anschließend aufgeführten Pflanzen, Tiere und Menschen sind eingefügt in die Rahmenbedingungen von Raum und Zeit, sind von ihnen ein Stück weit abhängig und müssen sich mit ihnen arrangieren. So ist der Lebensraum des Menschen das Festland. In Meer und Luftraum kann er sich nur begrenzt aufhalten. Auch zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen gibt es Abhängigkeiten in vielfacher Hinsicht, nicht nur im Blick auf die Ernährung. Bei der angezeigten Thematik geht es somit nicht nur um die egoistische Frage, was der Menschheit nützt, sondern umfassend ist das Ganze der Schöpfung im Blick zu behalten.
Der Mensch als Ebenbild Gottes:
Eine besondere und für die Schöpfung einmalige Aussage und Bestimmung Gottes über die Menschen ist, dass sie zum Ebenbild Gottes geschaffen sind. Das für Ebenbild stehende hebräische Wort zäläm meint eine Statue. Damit ist in Anwendung auf den Menschen gemeint: der Mensch ist der sichtbare Stellvertreter Gottes in dessen Schöpfung. In Ägypten war die Ebenbildlichkeit für die Pharaonen reserviert. In 1. Mose 1,26–28 wird es vom Menschen schlechthin gesagt. Man spricht von der Demokratisierung der Königsideologie. Was bedeutet es für den Menschen, wenn er Gottes sichtbarer Stellvertreter für Gottes Schöpfung (in 1. Mose 1 für die Tierwelt) ist? Gott hat den Menschen seine Schöpfung als Aufgabenbereich übergeben.
Konkrete Aufträge für die Menschen:
Unmittelbar nach der Ebenbildlichkeit wird der Herrschaftsauftrag über die Tiere formuliert, die Menschen sollen über diese »herrschen«. Es ist in der Tat eine Hierarchie angesprochen. Aber in der Antike wird die königliche Herrschaft positiv verstanden. Das Leben der Untertanen soll geschützt werden. Entsprechend ist der Mensch beauftragt, fürsorglich über den ihm anvertrauten Herrschaftsbereich zu herrschen. Das positive Verständnis der Herrschaft an dieser Stelle ist vor allem darin begründet, dass es um Gottes gute Schöpfung geht. Die Herrschaft soll nicht zerstörerisch sein, sondern beschützend und fördernd. Ein zweiter Auftrag ergeht, nachdem die Erschaffung des Menschen als Mann und Frau erfolgt ist.
Es ist der Auftrag, Nachkommenschaft zu zeugen. Für Mann und Frau wird die Ebenbildlichkeit nochmals besonders hervorgehoben (1. Mose 1,27). Ein Aspekt der Ebenbildlichkeit ist, dass Gott die Menschen am Fortbestand der Schöpfung beteiligt.
Für beides, für die Möglichkeit zur Nachkommenschaft und zur Herrschaft über die Tiere, werden die Menschen gesegnet. Ohne göttlichen Segen ist die Erfüllung der Aufträge nicht möglich.
In 1. Mose 2,15 kommt ein weiterer Auftrag hinzu. Gott setzt den Menschen in den Garten Eden, um ihn zu bebauen und zu bewahren. Voraus geht, dass Gott selbst den Garten gepflanzt, also angelegt hat. Ähnlich wie in 1. Mose 1 beauftragt Gott die Menschen mit der Fortsetzung seines Werkes.
Der mit der Schöpfung verbundene Auftrag hat eine zutiefst göttliche Dimension.
»Bebauen« meint »arbeiten« oder »bearbeiten«. Die Aufgabe, die Gott dem Menschen gibt, bedeutet für ihn Arbeit. Arbeit ist von Anfang an sogar im Garten Eden eine Grunddimension menschlichen Lebens und sie dient der Pflege der Schöpfung. Diese soll »bewahrt«, d. h. behütet, beschützt, bewacht werden. Das hier verwendete hebräische Wort ist auch ein Segenswort und begegnet z. B. im aaronitischen Segen (4. Mose 6,24; vgl. auch Ps 121).
Der Auftrag ist sehr allgemein formuliert und Konkretionen fehlen, aber die Tendenz ist eindeutig positiv. Die Menschheit hat die Aufgabe, kreativ zu überlegen und dann entsprechend zu gestalten, dass der von Gott angelegte Garten bearbeitet und behütet wird.
V Ein Mandat über Gottes Eigentum:
Die Erde ist Gottes Erde, der Garten ist Gottes Garten, die Tiere sind Gottes Geschöpfe.
Gott überträgt dem Menschen einen Auftrag an seiner Schöpfung. Der Mensch bekommt ein Mandat, keinen Besitz.
In diesem Sinn sind alle Menschen bestimmt zur Mitarbeit, Mitarbeiter Gottes zu sein. Es ist eine Verkürzung, wenn der »Mitarbeiterbegriff« reduziert wird auf die Mitarbeit in geistlichem Sinn in der Gemeinde. Diese Sicht wertet grundsätzlich die Arbeit in verschiedensten Berufen auf und macht die Verantwortung vor Gott deutlich.
V 1. Mose 1–2 formuliert einen allgemeinen Menschheitsauftrag (s. u.):
Es ist kein spezieller Auftrag an Israel und kein spezieller Auftrag an die Gemeinde. Gott überträgt das Mandat zur Herrschaft und Bewahrung der Schöpfung der Menschheit. Der Auftrag gilt grundsätzlich – die Frage ist, ob dies als göttlicher Auftrag von den Menschen erkannt wird.
Der Sündenfall
Der in 1. Mose 3 berichtete Sündenfall verändert die Situation. Das Ergebnis am Ende ist, dass die Menschen nicht mehr im Garten Eden sind. Zuvor wird mitgeteilt, dass es von nun an Schmerzen und Dornen und Disteln gibt. Gilt der Auftrag aus 1. Mose 1–2 trotzdem auch weiter? Ich meine ja. Dann ist aber die Erfüllung der Aufträge aus 1. Mose 1–2 nur noch im Bruch durch den Sündenfall möglich. Alles ist jetzt von diesem überschattet. Es muss ohne Illusionen festgehalten werden, dass der Auftrag nur noch bruchstückhaft und sündhaft wahrgenommen werden kann. Bei allem Mühen können wir das Paradies nicht schaffen.
Jenseits von Eden sind die richtigen Maßnahmen immer auch umstritten. Was richtig ist, steht nicht einfach fest. Oft zeigt es sich erst in der Folgezeit, was vermeintlich besser gewesen wäre und was wohl gut gemeint, aber sich dann doch als nicht so gut erwiesen hat. Und leider gibt es immer auch Menschen, die gegenüber dem Geschaffenen – seien es Pflanzen, Tiere oder Menschen – skrupellos agieren. Hier ist auch die Politik gefragt, entsprechende Gesetze inklusive Strafen festzulegen, wenn sie nicht gar selbst Beteiligte sind. Aber die Voraussetzungen sind jetzt andere. Und das ist die Wirklichkeit bis heute und auch unsere Wirklichkeit. Bund mit der Erde Nach dem biblischen Bericht gibt Gott mit der Sintflut ein Zeichen und Beispiel, dass er die Welt, wie sie durch den sündigen Menschen geworden ist, mitsamt den Tieren zurücknehmen kann. Aber Gott zieht die Sache nicht komplett durch. Menschen und Tiere werden in der Arche bewahrt.
Danach gibt es für die Welt, die durch die Sintflut nicht besser geworden ist, eine unglaubliche Bestandsgarantie. Nach 1. Mose 8,21–22 erhält Gott trotz der Bosheit der Menschen die Welt. Nach 1. Mose 9,12–13 schließt Gott einen Bund mit Menschen, Vieh und Erde. Ein umfassender Bund zum Erhalten auf die Vollendung hin. Dieser Bund schließt die Tiere als Nahrung nicht aus. Aber der Umgang mit dem Blut zeigt die Achtung vor dem Leben auch der Tiere.
Sabbat
Das Sabbatgebot (2. Mose 20,8–11) unterstreicht die Zusammengehörigkeit des Geschaffenen. Die Arbeitsruhe ist nicht nur für die Menschen da, sondern auch für die Tiere. Wenn aber Mensch und Tier komplett ruhen, dann geschieht auch nichts an Ackererde und Pflanzen. Das Sabbatjahr nach 3. Mose 25 regelt die Zeit einer Brache. Auch das Land braucht Erholung.
Diese Texte können ein Hinweis auf die Grenze des Wachstums sein. Bewahrung gibt es wohl nicht ohne Begrenzung. Sicherlich gibt es große Dankbarkeit für alle Fortschritte. Aber es ist auch ehrlich zu diskutieren, wo der Bogen überspannt wurde und wo bewusste Begrenzungen und Einschränkungen zum Wohle aller sind.
An dieser Stelle noch ein Satz aus der Weisheit (Sprüche 12,10): »Der Gerechte erbarmt sich seines Viehs; aber das Herz des Gottlosen ist unbarmherzig.«
Oben wurde darauf hingewiesen, dass der Schöpfungsauftrag im Schöpfungsbericht begründet ist. Daraus ist abzuleiten, dass es ein Auftrag an die Menschheit ist. Es ist kein spezifisch christlicher Auftrag.
Frage: Was können Christen dazu beitragen? Zunächst gehe ich davon aus, dass Christen in Sachfragen zur Bewahrung der Schöpfung kein Mehr-Wissen haben. Dies eröffnet die Möglichkeit, mit allen Menschen guten Willens unabhängig vom Glauben zusammenzuarbeiten.
Christen können jedoch die geistliche Dimension einbringen, dass es nach ihrem Glauben um einen göttlichen Auftrag geht. Die Menschheit ist berufen und von Gott dazu bestimmt, seine Schöpfung zu gestalten und zu bewahren. Aus dem Glauben ergibt sich nicht nur eine Verantwortung vor dem Geschaffenen, sondern vor Gott. Außerdem – s. Sprüche 12,10 – sollte der Glauben auch das Verhältnis zur Mitschöpfung verändern und bestimmen. Christen mit Sachkompetenz in den verschiedensten Bereichen sollten ermutigt werden, diese Kompetenz auch einzubringen und dies bewusst als Mitarbeiter für Gott.
Christen sollten jedoch aber auch klar sehen, was nur sie weitergeben können: die Verkündigung des Evangeliums. In Sachfragen zur Bewahrung der Schöpfung können auch Christen unterschiedlicher Meinung sein. In der Weitergabe des Evangeliums sollten sie eins sein, weil nur sie es weitergeben können.
Der Autor: Dr. Hartmut Schmid ist Vorsitzender des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes
https://lebendige-gemeinde.de/wp-content/uploads/2021/10/LG_2021_03_Schoepfung-Klima-Verantwortung.pdf

Die Deutsche Einheit: Ein Wunder Gottes.

Nur wenige hatten daran geglaubt. Noch weniger waren davon überzeugt, dass sie friedlich zu Stande kommen würde: die Deutsche Einheit. 28 Jahre lang liegt der Mauerfall zurück, als ganz Berlin eine große Party feierte.
Das Wunder begann in den frühen 80er Jahren in den Kirchen der DDR. Die Gotteshäuser wurden zum Ausgangspunkt für die Friedliche Revolution. Vor allem in der Leipziger Nicolaikirche trafen sich Hunderte zum Gebet. Von Montag zu Montag wurde das Kirchenschiff überfüllter. Auch politische Gruppen hatten hier die Chance, ein Publikum mit ihren Botschaften zu erreichen. Bald blieb der Protest nicht innerhalb der Kirchenmauern. Nach den Gebeten gingen Tausende auf die Straße und forderten mehr Bürgerrechte. Die „Feierabendrevolution“ hatte begonnen.

„Der Mauerfall hat meinen Glauben verändert“
„Mit allem haben wir gerechnet, nur nicht mit Kerzen und Gebeten“, sagte der SED-Funktionär Horst Sindermann. Am Ende waren es Hunderttausende, die fast täglich nach Gebetsveranstaltungen in den Kirchen auf die Straße gingen. Dass dabei keine Steine flogen oder die Gewalt sich anders Bahn brach, ist ein Wunder. Parolen wie „Keine Gewalt“, „Wir sind das Volk“ wurden nicht nur gerufen, sondern gelebt. Der Schrei nach Freiheit fand schließlich am 9. November 1989 im Mauerfall seinen Widerhall. Walter Momper, der erste Bürgermeister des vereinigten Berlins, sagte in einem Interview: „An Wunder glaube ich nicht. Aber nach dem Mauerfall dachte ich: So etwas fällt nicht einfach vom Himmel. So etwas wird von den Menschen gemacht, aber da wirkt auch eine höhere Gewalt. Der Mauerfall hat meinen Glauben verändert.“
Die Deutsche Einheit war ein Geschenk Gottes
Der Mauerfall und die Wiedervereinigung waren Wunder Gottes. Sie waren Geschenk und Ausdruck seiner Güte. Ja, aus menschlicher Sicht war es schier unmöglich, dass die DDR und BRD eines Tages auf friedlichem Weg wieder ein vereinigtes Land werden würden. Doch die Bibel zeigt ihren Lesern, dass Gott ein Gott der Wunder ist, bei dem alle Dinge möglich sind – sogar Friede mit Gott. Jesus sagte einmal:
„Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ (Die Bibel, Lukas 18,27)
So beantwortete Jesus die Frage seiner Zuhörer, wer vor dem ewigen Tod errettet werden kann. Er macht mit seiner Antwort klar: Kein Mensch kann aus eigener Anstrengung die Einheit mit Gott wiederherstellen und sich ewiges Leben verdienen. Zwischen jedem Mensch und dem heiligen Gott türmt sich eine Mauer aus Schuld.
Einheit mit Gott – das größte Wunder
Zum Glück sind Gottes Möglichkeiten viel größer als unsere. Er selbst hat diese Mauer eingerissen. Am Kreuz von Golgatha starb sein Sohn Jesus Christus stellvertretend für dich. Am dritten Tag erweckte Gott ihn zum Leben. Die trennende Mauer der Sündenschuld zwischen uns und Gott ist nun weg – die Einheit ist möglich geworden. Gott bietet dir in Jesus Christus eine friedliche Beendigung des Konflikts an. Wie ist deine Reaktion? Friede mit Gott verändert dein ganzes Leben und ist ein noch viel größeres Wunder als das der Deutschen Einheit. https://heukelbach.org/

Gottes Gnade

Ihr Deutschen dürft nicht denken, daß ihr es [Gottes Gnade und Wort] ewig haben werdet; denn der Undank und die Verachtung wird es nicht lassen bleiben. Darum greife zu und halte fest, wer greifen und halten kann; faule Hände müssen ein böses Jahr haben.“ – Luther

Spannender und bemerkenswerter Kommentar zum Tod von Königin Elisabeth II. von dem Neutestamentler N.T. Wright

Wright schreibt:
„In vielen britischen Familien endet das Weihnachtsessen regelmäßig damit, dass sich alle vor dem Fernseher versammeln, um die jährliche Botschaft der Königin an die Nation und das Commonwealth zu hören.
Vor etwa zwanzig Jahren wurde weithin berichtet, dass einige Berater Ihrer Majestät ihr vorgeschlagen hatten, dass sie angesichts der Tatsache, dass in Großbritannien viele verschiedene religiöse Traditionen beheimatet sind, den spezifisch christlichen Aspekt ihrer Botschaft herunterspielen sollte.
Die Antwort der Königin war eindeutig. An Weihnachten war sie deutlicher als je zuvor. Der Jesus, dessen Geburt wir feiern, und seine Lehre, so sagte sie, waren mein Begleiter und mein Wegweiser während meines ganzen Lebens, und mit seiner Hilfe können wir in ein neues Jahr gehen. Oder so ähnlich.
Ich erinnere mich, wie ich überrascht und erfreut auf den Fernseher starrte. Sie hatte das Evangelium vor einem Millionenpublikum gepredigt. Sie hatte die pingelige, kompromittierte politische Korrektheit der damaligen Zeit völlig in den Schatten gestellt, sowohl durch das, was sie sagte, als auch durch die Art, wie sie es sagte.
Der zweite Punkt ist ebenso wichtig wie der erste. Ihre Majestät sprach mit ruhiger, bescheidener Selbstsicherheit. Sie sprach nicht über sich selbst, sondern über den Jesus, den sie kannte und dem sie diente. Sie schätzte und würdigte die Millionen von Menschen in der ganzen Welt – Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Traditionen -, die sich von ihr leiten ließen. Aber ihr eigener Führer war Jesus, und sie scheute sich nicht, dies zu sagen.
Und wenn wir mit Dankbarkeit auf ihr außerordentlich langes Leben und ihre Herrschaft zurückblicken, wird deutlich, was es für sie bedeutete, Jesus zu folgen. Es bedeutete keinen bombastischen Dogmatismus, der das Gesetz aufstellt. Es bedeutete Demut, Treue, unerschütterliche Hingabe, selbstloser Dienst an anderen. Sie gab sich den unterschiedlichsten Menschen hin, mit echtem Interesse und Sorge, mit Humor und Anmut. Wir sprechen manchmal von einem „langen Gehorsam in dieselbe Richtung“. Nun, wie lang ist „lang“? Reichen siebzig Jahre unerschütterlicher Hingabe aus? Ich würde sagen, ja.
Ihre persönliche Spiritualität war tief und von Herzen kommend, schnörkellos und unaufdringlich. Sie lernte Billy Graham bei einem seiner frühen Besuche im Vereinigten Königreich kennen, und es würde mich nicht überraschen, wenn er dazu beigetragen hätte, den persönlichen Glauben, den sie schon in ihren frühen Tagen hatte, in eine deutlichere Form zu bringen.
Später, in den 1970er und 1980er Jahren, war einer ihrer „Kapläne“ – Geistliche, die sie um Rat und geistliche Weisheit bat – Reverend John Stott, der vielleicht bekannteste evangelikale Führer dieser Zeit. Doch wie auch im politischen Leben hielt sich Königin Elisabeth von kirchlichen Festen und Kontroversen fern.
Reto Pelli

Die Bedeutung der Bibel

Jede Stelle der Schrift ist von unendlicher Einsicht; darum was du erkennst, mache nicht hochmütig geltend, bestreite nicht dem anderen seine Einsicht und wehre ihn nicht ab! Denn es sind Zeugnisse, und jener sieht vielleicht, was du nicht siehst – So ist immer voranzuschreiten in der Erkenntnis der Heiligen Schrift. Martin Luther

Sechs Dimensionen der Hingabe

Völlige Hingabe an Jesus Christus beinhaltet
1. eine intellektuelle Dimension
Unser Verstand ist die zentrale Festung unserer Persönlichkeit und regiert unser Leben äußerst wirksam. Jesus Christus beansprucht jedoch die Autorität über unseren Verstand. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, sagte er (Mt 11,29). Seine jüdischen Zuhörer haben ihn sicherlich sofort verstanden, denn sie sprachen für gewöhnlich von dem „Joch der Torah“ (dem Gesetz), deren Autorität sie sich unterstellten. Nun sprach Jesus von seinen Lehren als einem Joch. Seine Nachfolger sollen seine Schüler, seine Jünger werden, die von ihm lernen. Ohne Furcht, denn Jesus ist sanftmütig und von Herzen demütig, und darum werden sie „Ruhe“ für ihre Seelen finden. Wahre Ruhe finden wir unter dem Joch Jesu und nicht, indem wir ihm widerstehen, und echte Freiheit erleben wir nur, wenn wir uns seiner Autorität unterstellen und sie nicht ablehnen. Der Apostel Paulus schrieb später von seiner Entschlossenheit, jeden Gedanken unter den Gehorsam Christi gefangenzunehmen (1 Kor 10,5).
Wer sich als Christ heute bemüht, einfühlsam auf die Anfragen und Herausforderungen der modernen Welt zu reagieren, darf die Autorität Jesu Christi nicht über Bord werfen. Wir Jünger haben nicht die Freiheit, anderer Meinung zu sein als unser göttlicher Lehrer. Was wir in Bezug auf Gott, die Menschen, die als Mann und Frau nach dem Bild Gottes erschaffen wurden, auf Leben und Tod, Pflicht und Bestimmung, Schrift und Tradition, Erlösung und Gericht glauben, lernen wir allein von Jesus. In unseren Tagen, in denen es von wilden und unheimlichen Spekulationen nur so wimmelt, ist es notwendiger denn je, unsere rechtmäßige Position zu seinen Füßen wieder einzunehmen. „Nur die Person, die den Geboten Jesu ohne Vorbehalt folgt“, schrieb Dietrich Bonhoeffer, „und sich widerstandslos seinem Joch ­unterstellt, findet seine Last leicht und unter seinem sanften Druck erhält sie die Kraft, in der rechten Art und Weise auszuharren. Das Gebot Jesu ist hart, unglaublich hart, besonders für diejenigen, die versuchen, sich ihm zu widersetzen. Für diejenigen, die sich ihm jedoch willentlich unterordnen, ist das Joch sanft und die Last leicht.“
2. eine moralische Dimension
In der heutigen Zeit entgleiten überall um uns herum die moralischen Maßstäbe. Der Relativismus hat sich in der Welt ausgebreitet und sickert langsam auch in die Gemeinde ein. Sogar einige evangelikale Gläubige legen die Schrift, was das Gesetz betrifft, falsch aus. Sie zitieren die bekannte Aussage des Apostels Paulus, dass Christus des Gesetzes Ende ist“ (Röm 10, 4) und ihr seid nicht unter dem Gesetz (Röm 6, 14) und übersehen dabei (absichtlich?) den Kontext der beiden Aus­sagen. Sie missdeuten die beiden Verse so, als ob das Gesetz aufgehoben sei, und wir nicht länger dazu verpflichtet seien, ihm zu gehorchen, sondern vielmehr die Freiheit besäßen, ihm gegenüber ungehorsam sein zu können. Paulus meinte jedoch etwas ganz anderes. Er bezog sich auf den Weg der Erlösung und nicht auf den Weg der ­Heiligung. Er betonte, dass wir uns für unsere Annahme bei Gott „nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade“ befinden, da wir allein aus Glauben gerechtfertigt sind und nicht durch Werke. Wir unterstehen jedoch immer noch dem ­moralischen Gesetz, was unsere Heiligung betrifft. Martin Luther pflegte zu sagen, dass uns das Gesetz zu Christus treibt, um gerechtfertigt zu werden, Christus uns aber an das Gesetz zurückverweist, um geheiligt zu werden.
Der Apostel Paulus betont, dass sowohl das Versöhnungswerk Christi als auch die innewohnende Gegenwart des Geistes dazu dienen, dass wir dem Gesetz gehorchen. Warum sandte Gott seinen Sohn, um für uns zu sterben? Die Antwort lautet: Damit die Rechtsforderung des Gesetzes erfüllt wird in uns, die wir … nach dem Geist wandeln (Röm 8,34). Und warum hat Gott uns seinen Geist gegeben? Die Antwort ist, um sein Gesetz in unsere Herzen zu schreiben (2 Kor 3,3-6). Jesus Christus fordert uns zum Gehorsam auf. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren (Joh 14,21). Das Kriterium der Liebe ist der Gehorsam und der Lohn der Liebe ist eine Selbstoffenbarung Jesu.
3. eine Berufung
Wenn wir sagen, dass Jesus der Herr ist, verpflichten wir uns zu einem lebenslangen Dienst. Dabei ist der Dienst eines Pastors lediglich einer von vielen Diensten, die es gibt. Alle sind zu ­einem Dienst (diakonia) berufen, weil wir Nachfolger dessen sind, der Knechtsgestalt angenommen hat (Phil 2,7), der betonte, dass er nicht gekommen war, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (Mk 10,45) und der hinzufügte: Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende (Lk 22,27). Wenn wir behaupten, Jesus nachzufolgen, dann ist es geradezu undenkbar, dass wir unser Leben mit etwas anderem als dem Dienen zubringen. Das bedeutet, dass wir lernen müssen, unseren Beruf als Dienst anzusehen. Unsere tägliche Arbeit soll ein bedeutender Bereich sein, in welchem Jesus seine Herrschaft über uns ausübt. Dann können wir sagen, dass wir von Herzen als dem Herrn und nicht für Menschen arbeiten, da wir dem Herrn Christus dienen (Kol 3,23.24).
4. eine soziale Dimension
Dies bedeutet zunächst, dass die Nachfolger Jesu sowohl soziale als auch individuelle Verantwortungen gegenüber ihrer Familie, der Firma, ihrer Nachbarschaft, ihrem Land und der Welt haben. Das Bekenntnis „Jesus ist Herr“ bedeutet auch, dass wir ihn als Herrn über die Gesellschaft anerkennen, sogar über die Teile der Gesellschaft, die seine Herrschaft nicht anerkennen. Denken wir einmal über die Spannung nach, die uns das Neue Testament vor Augen malt. Auf der einen Seite wird uns gesagt, dass Jesus der Herr ist. Er hat die Fürstentümer und Mächte entthront und entwaffnet, indem er am Kreuz über sie triumphierte (Kol 2,15). Gott hat ihn zu seiner Rechten erhöht und alles seinen Füßen unterworfen (Eph 1,20-22). Daraus folgt mit Recht sein Anspruch, dass ihm alle Macht gegeben wurde (Mt 28,18).
Auf der anderen Seite müssen wir aber immer noch gegen die Fürsten und Mächte der Finsternis kämpfen. Sie sind besiegt und sogar ihrer Macht beraubt, aber dennoch aktiv, skrupellos und einflussreich (vgl. Eph 6,11-18). Der Apostel Johannes geht ­sogar so weit, dass er sagt, dass die ganze Welt in dem Bösen liegt (1 Joh 5,19).
Wie können wir diese beiden Aussagen miteinander in Einklang bringen? Ist Jesus der Herr oder ist es Satan? Regiert Jesus über seine Feinde, oder wartet er darauf, dass sie kapitulieren? Die einzig mögliche Antwort auf diese Fragen lautet: beides. Wir müssen zwischen dem unterscheiden, was de jure (rechtmäßig) und was de facto (tatsächlich) ist. De jure ist Jesus der Herr, da Gott ihn auf den höchsten Platz erhoben hat. De facto regiert jedoch Satan, da er sich bisher noch nicht geschlagen gibt, noch nicht endgültig vernichtet ist.
Wie wirkt sich diese Spannung auf unsere Jüngerschaft aus? Weil Jesus – Kraft der göttlichen Ernennung – rechtmäßiger Herr ist, können wir keine Situation dulden, in der diese Tatsache verleugnet wird. Wir setzen uns dafür ein, dass sich seine Werte auch in einer Gesellschaft, welche seine Herrschaft nicht anerkennt, ausbreiten; dass die Rechte des Menschen und die Würde aller Menschen, egal welcher Rasse oder Religion sie auch angehören, gewahrt, dass Frauen und Kindern Ehre erwiesen, dass Gerechtigkeit für die Unterdrückten sichergestellt und dass die Gesellschaft gerechter, mitfühlender, friedfertiger und freier wird.
Warum kümmern wir uns um diese Angelegenheiten? Weil Jesus der rechtmäßige Herr der ­Gesellschaft ist, und weil er sich um sie kümmert. Wir wollen die Wahrheit, dass Jesus der Herr der Gesellschaft ist, ernstnehmen und uns daher darum bemühen, sie ihm wohlgefälliger zu machen.
Abraham Kuyper, der spätere Ministerpräsident der Niederlande, sagte während seiner Einführungsrede bei der Eröffnung der Freien Universität von Amsterdam im Jahre 1880: „Es gibt nicht einen einzigen Zentimeter in sämtlichen ­Bereichen des menschlichen Lebens, über den Christus, welcher der Souverän ist, nicht sein ‚Mein‘ ausruft.“
5. eine politische Dimension
Wir müssen uns daran erinnern, dass Jesus sowohl für ein politisches, als auch für ein religiöses Vergehen verurteilt worden war. Vor dem jüdischen Gericht wurde er der Blasphemie für schuldig befunden, da er sich selbst als Sohn Gottes ­bezeichnet hatte. Vor dem römischen Gericht wurde er wegen Volksaufwiegelung verurteilt, weil er sich selbst als König bezeichnet – also durchaus eine politische Aussage machte – und Rom keinen König außer Caesar anerkannte. ­Seine Aufforderung Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist (Mk 12, 17), mag bewusst zweideutig gewesen sein. Sie beinhaltet jedoch auch, dass es Bereiche gibt, über die Gott der Herr ist und in die sich Caesar nicht einmischen darf.
Die ersten Christen sahen sich einem anhaltenden Konflikt zwischen Christus und Caesar gegenüber. Während des ersten Jahrhunderts legten die Kaiser einen zunehmenden Größenwahn an den Tag. Sie ließen Tempel zu ihren Ehren errichten und forderten göttliche Huldigung von ihren Unter­tanen. Diese Inanspruchnahme führte zwangsläufig zum direkten Widerspruch mit der Herrschaft Christi, den die Christen als König (Apg 17,7), ja sogar als Fürsten der Könige der Erde (Offb 1,5) verehrten. Pliny, der Anfang des zweiten Jahrhunderts Stadthalter von Byzanz war, schrieb in einem Brief an Kaiser Trajan, wie er die Christen, die er der Untreue verdächtigte, vor ­Gericht gebracht und nur zwei von ihnen freiließ, da sie ihm die Anrufung des Standbildes des Kaisers mit Wein und Weihrauch angeboten hatten. Wie konnten die Gläubigen jedoch sagen, dass „Caesar der Herr ist“, wenn sie vorher bereits bekannt hatten, dass „Jesus der Herr ist“? Sie gingen lieber ins Gefängnis und in den Tod, als die Herrschaft Christi zu leugnen.
Die Vergötterung des Staates endete nicht mit dem römischen Reich. Auch heute gibt es totalitäre Systeme, die bedingungslose Ergebenheit fordern, eine Ergebenheit, die ihnen Christen unmöglich entgegenbringen können. Die Jünger Jesu sollen den Staat respektieren, sie werden ihn jedoch weder anbeten, noch ihm die unkritische Unterstützung, die er begehrt, gewähren. Daraus folgt, dass Jüngerschaft manchmal auch Ungehorsam fordert. Tatsächlich handelt es sich bei dem zivilen Ungehorsam um eine biblische Lehre, da es in der Schrift bemerkenswerte Beispiele dafür gibt (2 Mose 1,15-17; 5 Mose 3 und 6; Apg 4,19; 5,29). Dieser Ungehorsam ist die logische Folge der Tatsache, dass Jesus der Herr ist. Das Prinzip ist klar, obwohl seine Anwendung Gewissens­qualen hervorrufen kann. Wir sollen uns dem Staat unterordnen, da er seine Autorität von Gott erhalten hat und seine Beamten Gottes Diener sind (vgl. Röm 13,1-7), jedoch nur bis zu dem Punkt, an dem der Gehorsam dem Staat gegenüber den Ungehorsam Gott gegenüber zur Folge haben würde. Wenn der Staat seine gottgegebene Autorität missbraucht und sich anmaßt, etwas anzuordnen, was Gott verboten hat, oder etwas zu verbieten, was Gott ausdrücklich geboten hat, dann müssen wir dem Staat gegenüber „nein“ sagen, damit wir „ja“ zu Christus sagen können. Petrus sagt: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apg 5,29), und Calvin formulierte: „Gehorsam gegenüber Menschen darf nicht zum Ungehorsam gegenüber Gott werden.“
Lassen Sie mich noch ein Beispiel aus Südafrika erwähnen. Hendrik Verwoerd, der 1957 Minister für Eingeborenenfragen war, kündigte damals den „Zusatzantrag zur Verfassung bezüglich der ­Eingeborenengesetze“ an, dessen „Kirchenordnung“ jeglichen Umgang zwischen den verschiedenen Rassen in „Kirchen, Schulen, Kranken­häusern, Clubs und irgendwelchen anderen Institutionen oder Vergnügungsstätten“ verhindert hätte. Der Erzbischof von Cape Town war zu jener Zeit ein freundlicher Gelehrter mit Namen Geoffrey Clayton. Er und seine Bischöfe beschlossen, obgleich nur ungern und mit Zögern, diesem Gesetz nicht zu gehorchen. Clayton schrieb einen Brief an den Ministerpräsidenten, um ihm mitzuteilen, dass er sich im Falle der Verabschiedung des Gesetzesentwurfes „weder in der Lage sieht, ihm gegenüber gehorsam zu sein, noch seiner Geistlichkeit oder der Bevölkerung zu empfehlen, dies zu tun“. Am folgenden Morgen verstarb er – vielleicht sogar an dem Kummer und den Strapazen seines angedrohten zivilen Ungehorsams. Nachdem der Gesetzesentwurf zum Nachteil der schwarzen Gläubigen ergänzt worden war, wurde in allen anglikanischen Kirchen ein Brief verlesen, der sowohl die Geistlichkeit als auch das Volk zum Ungehorsam aufrief.
6. eine globale Dimension
Das Bekenntnis „Jesus ist Herr“ beinhaltet die Anerkennung seiner universalen Herrschaft. Gott hat Jesus über alle Maßen erhöht (Phil 2,9), wie wir das griechische Wort hyperypsoō, das nur an dieser Stelle im Neuen Testament vorkommt und vielleicht sogar von Paulus geprägt wurde, am ­besten wiedergeben sollten. Es bedeutet, dass Gott ihn „auf die erhabenste Höhe“ erhoben hat. Die Absicht Gottes ist, dass jedes Knie sich vor ihm beugen und jede Zunge ihn als Herrn bekennen soll. Wir dürfen keinesfalls das wiederholte Wort „jede“ in irgendeiner Weise einschränken oder eingrenzen. Wenn es Gottes Wunsch ist, dass ­jeder Mensch Jesus erkennt, dann soll das auch unser Wunsch sein. Hindus sprechen vom „Herrn Krischna“ und Buddhisten vom „Herrn Buddha“, aber wir können diese Behauptung nicht akzeptieren. Allein Jesus ist der Herr. Er hat keine Rivalen.
Es gibt keinen größeren Ansporn für die Welt­mission als die Herrschaft Jesu Christi. Mission ist dabei weder eine unverschämte Einmischung in die Privatsphäre anderer Leute noch eine belanglose Angelegenheit, die einfach außer acht gelassen werden könnte, sondern eine unausweichliche Schlussfolgerung, die aus der universalen Herrschaft Jesu Christi resultiert. Das kurze Bekenntnis Kyrios Jesous, Jesus ist Herr, hörte sich zu Beginn recht harmlos an, aber es weist in seiner Bedeutung weitreichende Verzweigungen auf. Es drückt unsere Überzeugung aus, dass Jesus Gott und Erlöser ist, und weist uns auch auf unsere Hingabe an ihn hin.
Die verschiedenen Dimensionen dieser Hingabe sind intellektuell (indem wir unseren Verstand unter das Joch Christi stellen), moralisch (indem wir seine Maßstäbe akzeptieren und seinen Geboten gehorchen), haben mit Berufung zu tun (indem wir unser Leben für Gott einsetzen), sind sozial (indem wir darauf bedacht sind, die Gesellschaft mit seinen Werten zu durchdringen), politisch (indem wir es ablehnen, irgendeine menschliche Institution zu vergöttern) und global (indem wir für die Ehre und Herrlichkeit seines Namens eifern). Von John Stott

(1921-2011), britischer Theologe und Pfarrer der Anglikanischen Kirche. Er gehörte zur evangelikalen Bewegung und war maßgeblich an der Ausarbeitung der Lausanner Verpflichtung zur Weltevangelisation im Jahre 1974 beteiligt.
https://www.ojc.de/brennpunkt-seelsorge/2019/hingabe-freiwillig-willen/hingabe-freiwillig-willen1/

Wo waren Sie?

Als Chruschtschow in seiner berühmten Rede die Stalin-Ära brandmarkte, soll jemand in der Kongreßhalle gesagt haben: »Wo waren Sie, Genosse Chruschtschow, als alle diese unschuldigen Menschen hingeschlachtet wurden?« Chruschtschow hielt inne, blickte sich in der Halle um und sagte: »Würde derjenige bitte aufstehen, der das gesagt hat!« In der Halle wuchs die Spannung. Niemand stand auf. Dann sagte Chruschtschow: »Nun, das ist die Antwort, wer Sie auch immer sein mögen. Ich war damals in genau der gleichen Lage wie Sie jetzt.«
Hoffsümmer, Willi: Kurzgeschichten 3. Beispiel 84.

Der Unterschied zwischen Menschlichen und göttlichen Zorn

Menschlicher Zorn ist meist launenhaft und hemmungslos; göttlicher Zorn ist immer
prinzipientreu und beherrscht. Unser Zorn zeigt sich of in krampfartigen Ausbrüchen,
angestachelt durch Ärger und auf Rache aus; Gottes Zorn ist eine beständige, entschiedene Gegnerschaft, die sich nur am Bösen entzündet und sich in dessen Verdammung ausdrückt.
Gott ist vollkommen frei von persönlicher Animosität oder Rachelust … Gottes Heiligkeit und Zorn können nicht mit der Sünde koexistieren. Gottes Heiligkeit entlarvt die Sünde; Gottes Zorn tritt ihr entgegen. Somit kann die Sünde Gott nicht nähern, und Gott kann die Sünde nicht tolerieren. John Stott