Fragen an John Lennox: Ist das Christentum vereinbar mit der Wissenschaft?

John Lennox: Schon seit meiner Kindheit, ich komme aus einem christlichen Hintergrund, war die Wahrheitsfrage äußerst wichtig. Ich konnte zwar sehen, dass das Christentum funktioniert, zum Beispiel bei meinen Eltern. Aber als ich nach Cambridge kam, eröffnete sich mir eine neue Welt. Ich las sehr viel und sprach mit vielen Menschen. Meine Grundfrage war: Ist das Christentum die Wahrheit? Oder der Atheismus? Der Pantheismus? Ich verstehe den Glauben an Jesus Christus als den Sohn Gottes als eine Reaktion auf Indizien. Glaube an und für sich ist immer nur so stark wie sein Fundament. Ob es klug ist, an die Wahrheit zu glauben? Immer. (pro)
John Carson Lennox (* 7. November 1943 in Nordirland) ist ein emeritierter Professor für Mathematik der University of Oxford.

Um was geht es im christlichen Leben?

Nun geht es allerdings beim christlichen Leben letztlich gar nicht um äußerliche, sondern um innere Dinge. Den Höhepunkt der Zehn Gebote bildet das zehnte Gebot in 2 Mo 20,17: »Du sollst nicht begehren nach dem Hause deines Nächsten: du sollst nicht begehren nach dem Weibe deines Nächsten, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, nach seinem Rinde oder seinem Esel, nach irgend etwas, was dein Nächster hat.« In diesem Gebot, nicht zu begehren, geht es ganz und gar um eine innere Haltung. Die Begehrlichkeit oder Gier ist von ihrer Natur her niemals eine Äußerlichkeit. Es ist aufschlußreich, daß dies das letzte der Zehn Gebote Gottes ist, also gewissermaßen der Abschlußstein. Am Ende gelangen wir zu einer inneren Haltung und nicht nur zu äußerlichem Verhalten. Ja, tatsächlich übertreten wir dieses letzte Gebot, das Gebot, nicht zu begehren, bevor wir irgendeines der anderen übertreten. Und sobald wir eines der übrigen Gebote übertreten, übertreten wir gleichzeitig dieses letzte Gebot. Welches der übrigen Zehn Gebote man Übertritt, man Übertritt immer zwei: das Gebot selbst und das Gebot, nicht zu begehren. Dies ist der springende Punkt.
Francis Schaeffer. Geistliches Leben – was ist das? S. 13

Die drei Fabeln deiner Gabeln

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In einem gewissen gemeindlichen Kontext – meist so die eher evangelikalen Richtungen – haben sie Konjunktur: Gabentests.

„Finde deine Bestimmung!“, so könnte man das Anliegen verstehen. Das Prinzip: mehr oder weniger nah am Bibeltext werden diverse Gaben identifiziert, mittels eines Fragebogens, den der Interessierte selbst ausfüllt und z.T. durch Fragebögen, die von anderen ausgefüllt werden sollen, werden Persönlichkeitseigenschaften erhoben, schließlich das jeweilige Profil einigen der Gaben zugeordnet. Garniert wird das ganze mit (zu kaufenden) Büchern, der Aufforderung, den (zu bezahlenden) Test doch immer mal wieder zu machen, um so einerseits immer mehr Gaben zu erlangen, andererseits diese eigene Entwicklung zu erkennen und zu überprüfen. Alles nach dem Motto: du musst nur wollen, dann kannst du besser werden; wir weisen dir den Weg dahin, kaufe unsere Publikationen, sie werden dir helfen. Und: es liegt an dir, wenn sich nichts tut. Denn, so ein oft geäußerter Satz: wenn du dein Christenleben nicht gemäß der erkannten Gaben lebst, kannst du dich auch nicht entwickeln. Unterlegt wird diese Behauptung durch moralinsaure Geschichten, z.B. von den Tieren, die trotz unterschiedlicher Begabung alle denselben Test machen, den dann die gehirn- und rückgratlose Qualle gewinnt. Zaunslattenmoral der Geschichte: wenn du hier bei unserem Test nicht mitmachst und somit nicht deine eigene, speizelle Fähigkeit entdeckst, bleibst du ein blubberndes Meerestier.
Besonders gut eignen sich für solche Tests natürlich christliche Jugendgruppen – wer, wenn nicht Jugendliche, ist auf der Suche nach dem Sinn, Ziel und Zweck des Lebens, nach seiner Bestimmung? Also schnell einen Test gemacht, herausgefunden, dass meine Gabe die Gastfreundschaft ist (weil ich angekreuzt habe, dass ich gerne Gäste empfange), eine Kellnerlehre in einem christlichen Restaurant begonnen und sich für das Kirchenkaffee verantwortlich erklärt? Auch wenn das überspitzt klingen mag, genau das sollen die Tests letztlich bringen: Finde deine Aufgabe innerhalb deiner Gemeinde und finde dich selbst. Und wenn du daran zweifelst, was du eigentlich tun sollst, mach schnell unseren Test, um zu bemerken, wie wenig du von dem, was du eigentlich tun solltest, wirklich tust. Ein großes Programm der Überforderung also: erstens, weil du natürlich immer mehr Gaben erlangen musst, sonst bist du wie der Mensch in dem Gleichnis, der sein eines kümmerliches Talent im Boden vergräbt – dabei sollst du doch der Mensch mit den 10 Talenten werden!, zweitens, weil du die einmal erkannten Talente natürlich entwickeln musst, um in ihnen immer besser zu werden. Ein „genug“, einen Endpunkt gibt es nicht. Läuft es nicht in deinem Glaubensleben? – Na dann entwickel doch endlich mal deine Gaben. Läuft es gut? Na dann umso mehr! Immer mehr, immer weiter. Und wenn mal etwas nicht geht, dann bist du selbst verantwortlich dafür, und nur du kannst es ändern. Klar, auch durch beten und andere „fromme Handlungen“, aber diese Handlungen zu tun, bis sich der gewünschte Effekt einstellt, das bleibt eben an dir hängen. Da braucht man die Tests noch gar nicht theologisch beurteilen, es gibt schon so eine Menge anzusprechender Probleme: Ein allgemeiner Test von vllt. einer Stunde Länge soll meine Begabungen individuell ermitteln? Schlimm wird es dann bei all zu hanebüchenen Fragen, „Bist du mehr als andere bereit dein Leben für Jesus zu lassen?“ (dann hast du die Gabe des Leidens) – wie soll es überhaupt möglich sein, diese Frage zu beantworten, zu wissen, wie sehr andere dazu bereit sind?

Aber gut, schauen wir uns das Ganze nun noch einmal theologisch an. Folgende Thesen werden von Gabentests impliziert:
(1) Gott hat mir geheime Gaben gegeben, in denen meine Bestimmung versteckt liegt. Wer ich wirklich bin, das zeigt mir Gott durch diese Gaben. Und wenn du deine Gaben nicht kennst, kannst du dein Christsein nicht entwickeln!
(2) Es gibt einen festen Kanon an Gaben, mindestens eine der Gaben musst du bei dir identifizieren, je mehr du daran arbeitest, desto mehr Gaben kannst du erhalten.
(3) Wenn der Gemeinde ihre Begabungen bekannt sind, wird sie sich gut entwickeln
Worauf beziehen sich Gabentests? – Natürlich auf die Gabenkataloge des neuen Testaments, z.B. Röm 12; 1. Kor 12. Gerade letzteres Kapitel ist mit der Aufforderung „Strebt aber nach den größeren Gaben!“ geradezu Paradestelle für jeden Gabentest. Also, ist das alles biblisch, und gut so? Schauen wir uns das mit den Thesen an.

Erstens: „Wenn du deine Gaben nicht kennst, kannst du dein Christsein nicht entwickeln“. Dagegen gilt: Gott hat uns schon angenommen, als wir noch Sünder waren. Wir können unser Christsein nicht machen, sondern uns nur in Gottes Hand begegen. Wir werden keine besseren Christen dadurch, dass wir viel Mühe haben, sondern dadurch, dass wir zu Füßen des herrn sitzen, und seine Rede hören. Der Glaube kommt aus der Predigt. Wer ich wirklich bin, entdecke ich nicht erst, wenn ich spannende Gaben identifiziert habe, die mich zu einem ganz besonderen geistlichen Leistungssportler machen, den die Welt so noch nicht gesehen hat. Wer wir sind, wird uns vor dem Wort Gottes offenbart: Wir sind Sünder und ermangeln des Ruhms, den wir haben sollten und sind Kinder Gottes, die von ihm angenommen sind, weil Christus unser Fürsprecher ist. Was uns am Ende ausmacht, ist nicht eine bestimmte Leistung, eine bestimmte Gabe, sondern, auf welche Weise Gott auf uns schaut.

Zweitens: „Es gibt einen festen Kanon an Gaben, mindestens eine der Gaben musst du bei dir identifizieren, je mehr du daran arbeitest, desto mehr Gaben kannst du erhalten“. Nein, nein, und nochmals nein. Schon die Gabenkataloge im Neuen Testament sind unterschiedlich. Das steht ja auch nirgendwo, dass Paulus  da alle Gaben aufzählen wollte. Im Gegenteil, er betont die Verschiedenheit und Vielfalt der Gaben. Ihr Bestimmungsmerkmal ist nur, dass ihnen der eine Geist zugrunde liegt. So ist auch ihr einziger Zweck der Dienst an der Gemeinde. Gaben werden daran erkannt, dass sie den anderen nützlich sind. Am Ende des zwölften Kapitels im Korintherbrief, dem einen Gabenkatalog, schreibt Paulus ganz folgerichtig, er wolle einen noch besseren Weg zeigen, woraufhin 1. Kor 13 folgt, das „Hohelied der Liebe“: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“ Grundlage aller und wichtiger als jede noch so gute Gabe ist die Liebe, sie ist das entscheidende (hier gehts um die Agape-Liebe). Nicht, zu wissen, was ich tolles kann, sondern, auf Gott zu schauen, ihn mit allen Kräften zu lieben, das zählt. Wer Gott mit allen Sinnen und Verstand liebt, der tut auch genug. Aber nicht, weil das tun wichtig wäre um irgendwas zu erreichen, sondern weil er es möchte. Das erklärt Paulus dann im 14. Kapitel. Da schreibt er, dass er lieber wolle, dass man prophetisch rede, als in Zungen zu reden, denn: „Wer in Zungen redet, der erbaut sich selbst; wer aber prophetisch redet, der erbaut die Gemeinde.“ Die Gaben sollen also der Gemeinde dienen, das ist ihr Ziel. Und nur unter dieser Bedingung gilt: „Da ihr euch bemüht um die Gaben des Geistes, so trachtet danach, dass ihr sie im Überfluss habt und so die Gemeinde erbaut.“

Da geht es also nicht um Selbstfindung, ebenso wenig um Selbstversicherung. Eine Gabe nützt nicht dir etwas. Die Gemeinde soll erbaut werden. Dazu ist nicht nötig, dass ich möglichst viel leiste, sondern dass ich die Liebe habe, die Gott zuerst in den Blick nimmt. Das zeigt die Geschichte mit den Talenten, in der Jesus am Ende den mit dem einen Talent nicht etwa verurteilt, weil er nur ein Talent gehabt hatte, sondern wegen seines Umgangs damit. Nicht, weil er nicht sich selbst entwickelt hätte, ist er der, der am Ende hinausgeworfen wird, sondern weil er sich an der Stelle, an die er gesetzt war, nicht um das, was ihm anvertraut war, gekümmert hat. Er hätte das Talent nur zu den Wechslern bringen müssen: Er hätte also nicht einmal selbst etwas investieren müssen. Er hat keine Liebe zum Herrn gehabt und nicht mit dessen Augen das Talent betrachtet, sondern nur mit Augen der Angst und den Anforderungen seiner Welt. Nun ist das nur ein Gleichnis. Es zeigt aber, dass es nicht darum gehen soll, immer mehr und immer bessere Gaben zu erlangen, um selbst immer besser zu werden. Entscheident ist die Treue und Liebe zu dem, der allein alle Talente vergibt.

Drittens: „Wenn der Gemeinde ihre Begabungen bekannt sind, wird sie sich gut entwickeln“. Hier ist (mal wieder) ein Kirchenbild der Machbarkeit impliziert. Es geht alles – du musst nur wollen. Und im Umkehrschluss natürlich: Wenn nichts geht kann es nur an uns liegen! Aber das ist nicht das, was unser Herr Jesus Christus seiner Kirche verheißen hat. Die Gemeinde ist (1) in Gottes Hand. Er baut sie durch Menschen, nicht bauen Menschen sie durch ihren Willen. Die Gemeinde ist (2) Verfolgung ausgesetzt. Menschen können noch so treu sein, die Gemeinde bleibt eine kleine Schar. Was ist die Aufgabe der Gemeinde? Na, Hören des Evangeliums & Genuss der Sakramente natürlich! Und wieder ein Umkehrschluss: somit natürlich ebenso die Ermöglichung der Ausbildung und Bereitstellung des Lebensunterhaltes derjenigen, die das erste verkünden und das zweite verwalten und austeilen sollen! Oder wie Apg sagt: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet.“ Was soll ich also tun? Dazu muss man vllt nochmal daran erinnern, was Kirche eigentlich ist – hier und hier. Am Ende gilt: „Heiligung wird von Gott ausgeführt.“ (hier). Ein Kirchenreformprogramm ist etwas relativ banales und kann z.B so aussehen.

Fazit:
Natürlich gilt: strebt nach den Gaben des Geistes: Dabei gehts aber nicht um euch, sondern um die Gemeinde. Man darf um Gaben beten. Aber es geht nicht um einen Wettbewerb, wer ist der Beste in der Gemeinde. Und, Dein Christsein hängt nicht davon ab, welche oder wie viele Gaben du hast, sondern vom Glauben daran, dass Gott der Vater dich liebt, dass Jesus Christus für dich gestorben und auferstanden ist, und dass der Heilige Geist durch die Taufe in dir ist und wirkt.

Sicherlich ist es – gerade für Jugendliche – wichtig, sich zu orientieren, und in der Gemeinde sollte dazu Platz sein, Stärken und Schwächen, Gaben und Interessen zu entdecken. Gabentests eignen sich in ihrem Gesamtpacket dafür allerdings nicht, Verantwortliche sollten andere Wege finden, Gemeindeglieder über diese Fragen nachdenken zu lassen.
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Alice Schwarzer: „Angriff auf die Rede- und Denkfreiheit“

Alice Schwarzer ist die bekannteste Vertreterin des deutschen Feminismus. Man muss sie nicht mögen. Ich habe mich über sie schon oft geärgert. Nicht nur, weil sie aggressiv für die Legalisierung von Abtreibungen eintritt. Aber ich habe auch Respekt, da sie heiße Themen wie Prostitution, Pornographie oder die Unterdrückung von Frauen deutlich anspricht.
Alice Schwarzer sollte kürzlich einen Vortrag an einer Hochschule in Österreich halten. Einige Studentinnen wollten sie daran hindern, da Schwarzer den politischen Islam kritisiert. Sie sprach trotzdem. Es kam zum Eklat. Die WELT berichtet:
Im Gespräch mit der Tageszeitung „Standard“ widersprechen zwei Funktionärinnen der Österreichische Hochschüler_innenschaft (ÖH). Schwarzer habe sich mehrfach „sexarbeitsfeindlich, transphob und antimuslimisch-rassistisch geäußert“. Über diese Diskriminierungen dürfe man „nicht hinwegsehen. Diese Kämpfe sind nicht voneinander losgekoppelt.“
Es gebe viele andere Feministinnen, aber es werde immer nur die Position eingeladen, die Schwarzer repräsentiere: „Es geht einfach nicht, dass schon wieder eine weiße Frau etwas dazu sagen darf.“ Die Geschichte des Feminismus sei nicht nur weiß. „Wir wünschen uns eine Bühne, auf der mehrere Stimmen gehört werden“, sagten die ÖH-Vertreterinnen. Wenngleich sie auch betonen, dass es ihnen nicht darum gehe, „irgendeine Meinung zu verbieten“. Ron Kubsch
Punkt.
Ich kann verstehen, dass eine Mehrheit der Bürger in Deutschland meint, die Meinungsfreiheit schwindet. In einer Allensbach-Umfrage äußerten fast zwei Drittel der Befragten das Gefühl, man müsse im öffentlichen Raum „sehr aufpassen“, was man sagt.
VD: WH https://theoblog.de/alice-schwarzer-angriff-auf-die-rede-und-denkfreiheit/34212/

Altern als geistliche Herausforderung

Kann man als Vertreter der mittleren Generation, zu der ich gehöre, überhaupt über dieses Thema schreiben oder gleicht man nicht dem Blinden, der von der Farbe redet? Man darf, indem man zugrunde legt, was einem aus Gesprächen, Beobachtungen und insbesondere aus der Heiligen Schrift an Erkenntnis zugewachsen ist. Man darf, indem man sich der Unvollständigkeit des Ausgeführten aufgrund der fehlenden persönlichen Erfahrung bewusst ist. Man darf in dem Wissen, dass der eigene Umgang mit dem Alter die größere Herausforderung ist. Das Thema „Altern als geistliche Herausforderung“ fragt nach dem Alter unter einer ganz bestimmten Perspektive, der Perspektive des Glaubens. Was bietet der Glaube an den Gott der Bibel an Hilfen für das Alter?
1. Das Alter annehmen Das Alter ist ein Teil des Lebens, das Gott gegeben hat, unter den nicht immer einfachen Bedingungen dieser Welt. Auch für diese Lebensphase gilt der Vers: „Meine Zeit steht in deinen Händen“ (Ps 31,16). Die wörtliche Übersetzung „meine Zeiten“ hebt die Unterschiedlichkeit der Lebensphasen, die dieser Vers anspricht, noch deutlicher hervor. Aber für jede Phase, egal wie sie geprägt ist, gilt eben: sie ist in Gottes Hand. Für die meisten Menschen ist das Alter mindestens zu einem gewissen Teil der schwerste Lebensabschnitt, in dem sich zu bewähren hat, was man an geistlicher Einsicht und Weisheit im bisherigen Leben erworben hat. Was nicht erworben wurde, lässt sich nur schwer, oft schmerzlich oder gar nicht mehr nachholen. Das Schwere am Alter ist das Loslassen-Müssen. Die Kräfte schwinden, die Abhängigkeit von Anderen wird größer, körperliche Beschwerden nehmen zu, der Aktionsradius und damit die Möglichkeit zu Begegnungen werden geringer, bei vielen stellt sich Einsamkeit ein. Das Alter entspricht in vielem der Kindheit nur in umgekehrtem Verlauf. Wer dies grundsätzlich als von Gott geordnet annehmen kann, wird sich leichter damit tun. Wer im Alter versucht, all das nachzuholen, was bisher vermeintlich versäumt wurde, wird letztlich unbefriedigt bleiben. Die Begrenzung der Möglichkeiten führt zu einem wichtigen geistlichen Aspekt. Im Alter gilt es nochmals ganz neu zu buchstabieren, was Gnade heißt: ohne eigene Leistung mit allen Zeichen des vergänglichen und begrenzten Menschen ganz von Gott angenommen zu sein. Wer sein Leben bisher über die eigene Leistung, evtl. auch die fromme Leistung, definiert hat, wird den Verlust der Leistungsfähigkeit schmerzlich durchbuchstabieren müssen. Gerade das schwächer werdende Leben ist vor Gott nicht weniger wertvoll, weil dem alten Menschen seine Liebe nicht weniger gilt. Treffend kommt dies in Jes 46,4 zum Ausdruck: „Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben und tragen und erretten.“
2. Notwendige Regelungen treffen Gemäß dem Lied „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende“ (EG 530,1) ist die Nähe des Todes für jeden Menschen unsicher. Aber mit zunehmendem Alter rückt er unausweichlich näher. Angesichts des näher rückenden Todes sollten die Dinge geklärt und geordnet werden, die zu klären und zu ordnen sind und zwar solange man es geistig und körperlich noch kann. „Lass mich beizeit´ mein Haus bestellen“ (EG 530,4) ist kein ungeistliches Handeln, im Gegenteil (vgl. 1Mo 50,22-26; 5Mo 31,18; Joh. 19,25-27). David ist diesbezüglich ein schlechtes Vorbild. Er hat die Nachfolgefrage nicht rechtzeitig geregelt. Die Folgen kann man in 1Kön 1-2 nachlesen. Die notwendigen Regelungen können die Besitzverhältnisse für die Erben (vgl. 1Mo 25,5-6) oder Versorgungs- und Vertretungsverhältnisse (in juristischen, finanziellen und medizinischen Fragen) für die noch lebende ältere Generation betreffen. Aber auch wichtige geistliche Anliegen können weitergegeben werden (vgl. 1Mo 49; 5Mo 33; Joh. 13,31-17,26). Was steht den Regelungen im Wege? Es kann – etwa in Erbfragen – der fehlende Mut zur Entscheidung sein. Oder man will nicht wahrhaben, welche Stunde das Leben geschlagen hat. Oder man tat sich immer schwer mit solchen Entscheidungen und ihrer Kommunikation. Wer ein Ja zum Alter hat mit allem was dazugehört, wird sich auch mit den notwendigen Regelungen leichter tun.
3. Das Verhältnis zur Vergangenheit klären Ganz irdisch gesehen gilt: Die Jugend hat keine Vergangenheit und das Alter keine Zukunft; die Jugend hat das Leben vor sich, das Alter hat das Leben hinter sich; die Jugend kann die Zukunft erträumen, die Vergangenheit liegt dagegen unveränderbar fest. Je älter man wird, umso größer wird der Anteil der Vergangenheit, umso kleiner die noch zu erwartende Zukunft. Nur wer eine persönliche Geschichte hat (der man sich erst bewusst werden muss), kann in dieser Geschichte leben und über sie reden. Aus diesen Beobachtungen lässt sich schließen, dass der Umgang mit der eigenen Vergangenheit im Alter eine wichtige Rolle spielt. Dass der älter werdende Mensch zunehmend in seiner Vergangenheit lebt und darüber spricht, ist zunächst verständlich. Er sollte sich aber bewusst machen, dass es auch ungute Dimensionen annehmen kann. Dies ist dann der Fall, wenn die Wirklichkeit der Gegenwart und der Zukunft (Tod) verdrängt wird und deshalb die notwendigen Regelungen nicht getroffen und die Wirklichkeit des Todes verdrängt wird. Eine weitere Gefahr besteht darin, die eigene Vergangenheit zu idealisieren. „Früher“ war eben alles besser. Es besteht dann die Gefahr, dass die Gegenwart nur am „Früher“ gemessen und von diesem Maßstab her kritisiert wird. Die Idealisierung der Vergangenheit kann das Miteinander der Generationen sehr erschweren. Die jüngere und mittlere Generation braucht aber den Freiraum der eigenen Gestaltung und der eigenen Erfahrung, was auch das Scheitern einschließt. Es gehört zum Altern, dass die Verantwortung in jüngere Hände abgegeben wird, in dem Vertrauen, dass Gott auch die nachwachsende Generation segnet. Der Optimismus der Jugend und der Pessimismus der Älteren, der Mut, ja gelegentlich Überschwang der Jugend und die mahnende Erfahrung der Älteren sollte zu einem positiven Ausgleich kommen. Noch ein Punkt ist im Blick auf die Vergangenheit anzusprechen. Mit der eigenen Lebensgeschichte liegt auch das Schwere, nicht verstandene Führungen Gottes und eigene Schuld fest. Nichts kann mehr zurückgenommen und ungeschehen gemacht werden. Älter werdende Menschen können unter diesen Lasten zunehmend leiden und niedergeschlagen oder gar schwermütig werden. Wie aber damit geistlich umgehen? Der Glaubende darf sein Leben zurückgeben in die Hand dessen, von dem es gekommen ist. Die angemessene Reaktion ist dann der Dank für alles, was in diesem Leben gut war. Das Schlechte, das Unverstandene und die Schuld aber werden auf den gelegt, von dem es heißt: „Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen … Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen“ (Jes 53,4-5). Wer Gott seine Vergangenheit lassen kann, ist frei für die Gegenwart und die Zukunft auch und gerade im Alter.
4. Von Gott noch etwas erwarten Auch im Alter im Heute mit Gott leben ist eine wichtige und nicht immer einfache geistliche Herausforderung. Dabei darf sich die Erwartung nicht darauf beschränken, dass Gott diese Lebensphase so einfach wie irgend möglich gestaltet. Die Erwartung sollte sich darauf konzentrieren, dass Jesus gemäß seiner Zusage jeden Tag nahe ist und das zuteilt, was für mein Leben gut ist. Das Ringen um die Gewissheit der Nähe Jesu unabhängig vom äußeren Ergehen ist bei Vielen verbunden mit tiefen Anfechtungen, die sich in der biblischen Klage gegenüber Gott einen Ausdruck verschaffen darf. Zur Gewissheit des Glaubens kann man in der Anfechtung oft nicht selber gelangen. Hier hat die Gemeinschaft eine tragende Bedeutung. Alte Menschen sollten sich, solange es körperlich möglich ist, nicht aus der Gemeinschaft zurückziehen. Andererseits hat die Gemeinde eine Aufgabe, die Alten, Einsamen, Kranken und Sterbenden nicht zu vergessen und ihnen in der persönlichen Zuwendung die Nähe Jesu zuzusprechen. Oft schleicht sich Unzufriedenheit über die begrenzte Kraft und Leistungsfähigkeit ein. Im Heute leben bedeutet, dass ich mich selbst nicht mit meiner früheren Kraft und Arbeitsfülle vergleichen muss. Was noch möglich ist genügt. Aber mit dieser kleinen und kleiner werdenden Kraft kann ich auf andere Weise Gott dienen. Viele alte Menschen nützen ihre Zeit zur Fürbitte, die ein ganz wichtiger Dienst in der Gemeinde ist. Die zeugnishafte Weitergabe der Lebens- und Glaubenserfahrung ist nicht zu unterschätzen. Für die große Zahl rüstiger Senioren gibt es ein breites Betätigungsfeld. Dabei dürften aufgrund des Umbaus der sozialen Sicherungssysteme auch überschaubare diakonische Aufgaben zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Erwartungen erschöpfen sich jedoch nicht in der Gegenwart. Christen können gerade auch im Alter bewusst mit Gottes Zukunft rechnen. Die Angst vor dem Sterben und die Lasten des Alters dürfen auch bei Christen nicht unterschätzt und verdrängt werden. Und doch strahlt über diesem vergänglichen Leben der Glanz von Ostern. Gott hält in seinem Reich ein Leben bereit, das frei ist von aller Vergänglichkeit und Sündhaftigkeit. Durch Jesus Christus darf diese Zukunftsperspektive ergriffen werden, sodass man gerade im Alter mit Paulus sagen kann: „Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein“ (Phil 1,23). Hartmut Schmid Zeitschrift Theologische Orientierung Ausgabe 136 Oktober/Dezember 2004

Die Ehe – ein Auslaufmodell?

Einige soziologische Beobachtungen und theologische Perspektiven
„Eine Ehe ist soviel wert, wie ihre Scheidung kostet“ hat der Schriftsteller Rolf Hochhuth spöttisch vermerkt. Die Institution Ehe scheint zum bloßen Marktwert zu verkommen. Was bringt es mir zu heiraten? Was habe ich davon, wenn ich treu bin? Ist das Unternehmen Ehe nicht zu riskant? Jedenfalls nimmt in unserer Gesellschaft die Zahl der Eheschließungen ab und die der Ehescheidungen zu. In manchen städtischen Regionen liegt die Scheidungsrate bei 50 Prozent. Was steckt hinter der Krise der Ehe in der modernen Gesellschaft?
Es sind ohne Frage eine Reihe von tiefgreifenden soziologischen Veränderungen, die die Krise der Ehe verstärkt und beschleunigt haben. Von diesen Problemen sind auch Christen – bis hin zu Pfarrersehen – betroffen. Dennoch muß man klar unterscheiden zwischen den sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen, die die konkrete Gestaltung der Ehe ausmachen, und dem Schöpfungsauftrag, der das Wesen der Ehe bestimmt. Die äußeren Formen wandeln sich im Laufe der Zeit und von Gesellschaft zu Gesellschaft. Aber die Bestimmung des Menschen, als ein Mann mit einer Frau in Liebe und gegenseitiger Treue zu leben, bleibt. Was dies angesichts der gegenwärtigen Umbrüche bedeutet, wollen wir im Folgenden kurz bedenken.
Die Ehe: keine Arbeitsgemeinschaft, sondern Freizeitbeschäftigung
Vor der industriellen Revolution waren Ehe und Familie das grundlegende Fundament der wirtschaftlichen Existenz. Durch gemeinsame Arbeit auf dem Bauernhof oder im Handwerkerbetrieb sicherte man seinen Lebensunterhalt. Jeder und jede hatte eine klar definierte Rolle mit einem festen Arbeitsauftrag. In der modernen Gesellschaft trennen sich die Ehepartner, um in Fabriken, Büros und Geschäften ihrer je eigenen beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Die Frauen verfügen häufig über eine hoch qualifizierte Ausbildung und stehen ebenfalls im Beruf. Das einst große Hauswesen ist zur Wohnung einer Kleinfamilie zusammengeschmolzen. Der klassische Arbeitsbereich der Frau ist Dank vieler technischer Geräte auf ein Minimum geschrumpft. Ehe und Familie, einst die Säule des Wirtschaftssystems, werden auf die Freizeitwelt reduziert. Die Ehe findet individualisiert im Privatbereich statt. Sie ist der beruflichen Selbstverwirklichung der Partner untergeordnet.
Damit stellt sich die Frage nach Prioritäten. Stimmen die Ehepartner ihr berufliches Engagement so aufeinander ab, daß genug Freiräume für die Gestaltung ihrer Beziehung und die Erziehung der Kinder bleiben. Mehr gemeinsame Freizeit durch kürzere Arbeitszeiten, Wochenenden und Urlaub zu haben, ist auch ein Zugewinn, der Ehe und Familie ganz neue Chancen zur Entfaltung gibt.
Emanzipation der Frau und neue Rollenverteilung
Waren früher die Rollen zwischen Mann und Frau eindeutig zugeordnet, so werden diese nun kräftig durcheinander gewirbelt. Wer ist für das finanzielle Auskommen der Familie zuständig? Wer kümmert sich um die Kinder? Wer versorgt den Haushalt? Darüber mußte früher nicht diskutiert werden, das stand zwischen den Ehepartnern fest. Heute müssen mit einiger Unsicherheit erst einmal Kompromisse gesucht und Vereinbarungen getroffen werden. Das bringt unter Umständen kräftige Konflikte mit sich. Die Frau ist wirtschaftlich weithin unabhängig. Das Scheidungsrecht verzichtet auf die Klärung der Schuldfrage und reguliert lediglich Versorgungsansprüche.
Die Rollenunsicherheit ist eine Herausforderung für die Liebe und den Respekt, den sich die Ehepartner entgegenbringen. Leben sie angesichts der gesetzlichen Gleichberechtigung so, daß die Begabungen, beruflichen Qualifikationen etc. beider Partner zum Zuge kommen? Finden sie Wege, häusliche Aufgaben ohne Überbelastung der Frau gerecht zu verteilen. Sind Mütter und Väter bereit, ihre Karriereansprüche zum Wohl von Kindern einzuschränken und auch Verzicht zu üben? Wenn dazu Offenheit besteht, sind die modernen Rahmenbedingungen ein Zugewinn an Freiheit und Lebensmöglichkeiten.
Mobilität mischt die Partnersuche auf
In früheren Jahrhunderten fand man seinen Ehepartner in der angestammten Umwelt des Heimatdorfes, seines Standes bzw. seiner Zunft. Heute leben wir in einer globalen Welt, in der Menschen unterschiedlicher Rassen, Nationalitäten, Bildungsschichten, Religionen und Konfessionen sich begegnen. Das bedeutet eine enorme Herausforderung an die Ehepartner aus unterschiedlichen Milieus, sich aufeinander einzustellen und eine gemeinsame Identität zu entwickeln.
Der Glaube an Jesus bedeutet eine neue christliche Identität. Die Nachfolge umfasst alle Lebensbereiche. Die Ehe ist ebenfalls ein totales Engagement. Damit es hier nicht zu Zerreißproben kommt, ist der gemeinsame Glaube das wichtigste Fundament für die Ehe. Auf dieser Grundlage können kulturelle und gesellschaftliche Unterschiede und Spannungen fruchtbar gemacht werden, weil man eine tragfähige Mitte des Lebens hat.
Der Tod scheidet nicht mehr so schnell; deshalb dauern Ehen länger
Die Menschen leben dank gewaltiger medizinischer Fortschritte etwa dreimal so lange wie noch vor hundert Jahren. Früher galt die Statistik, daß die Ehe die Kinder im Haushalt nicht überlebt. Heute überlebt ein Ehepaar in Zweisamkeit die Kinder, die längst das Nest der Familie verlassen haben. Dadurch erstreckt sich die Ehe über Zeiträume, die in vergangenen Jahrhunderten so in der Regel nicht gemeinsam erlebt wurden. In den einzelnen Lebensphasen eines Ehepaares wird es nötig, sich immer neu aufeinander einzustellen; vor allem wenn sich mit der Zeit auch die Persönlichkeit und die Lebensgewohnheiten der Partner verändern.
Liebe ist der Wunsch miteinander alt zu werden. Wenn man als Ehepaar nicht nur „ein Fleisch wird“, sondern – um mit Hölderlin zu reden – auch „ein Gespräch wird“, kann die Liebesbeziehung in den verschiedenen Lebensphasen mit wachsen. Veränderungen am anderen und sich selbst zu erleben ist spannend, wenn man sich gegenseitig immer neu bejaht und annimmt. Eine lange Biographie als Liebesgeschichte erweist sich dann als Geschenk. Man lernt sich immer besser kennen und verstehen.
Große Glückserwartungen und kleine Kinderzahlen
Weil die Ehen im Normalfall von der gemeinsamen Arbeit für den Lebensunterhalt abgekoppelt und dem Freizeitbereich zugeordnet sind, nehmen die individuellen Glückserwartungen zu. In einer kalten und oft harten Arbeitswelt sollen Ehe und Familie Wärme, Intimität und Geborgenheit schenken. Die Anerkennung und Zuwendung, die in der rauen Wirklichkeit da draußen nicht erlebt wird, soll zuhause vom Ehepartner vermittelt werden. Er bzw. sie ist der Garant meines privaten Glücks, das auch so eingefordert wird. Mit derart übersteigerten Glückserwartungen fühlen sich viele Ehepartner schlicht überfordert, was dann zu Enttäuschungen und nicht selten zur Scheidung führt.
Das wird nicht zuletzt am gewandelten Verständnis der Sexualität deutlich. Der primäre Sinn von Geschlechtlichkeit lag bei früheren Generationen in einer möglichst hohen Zahl von Nachkommen, die nicht nur den Fortbestand der Familie, sondern auch die wirtschaftliche Versorgung sicherstellten. Auf Grund möglicher Empfängnisverhütung und sozialer Altersversorgung hat die Sexualität eine andere Bestimmung erlangt. Sie soll eine Chance wechselseitiger Glückserfahrung sein, auch ohne die spezifische Absicht Kinder zu zeugen. Die Umkehrung der Alterspyramide zeigt diese Verschiebung drastisch. Nun bedeuten Kinder für ein Ehepaar jedoch eine hohe persönliche Verantwortung. Lebt das Paar willentlich kinderlos oder nur mit einem Einzelkind, hat dies auch Einfluss auf die Bereitschaft sich unter Umständen – scheinbar problemlos – zu trennen.
„Nicht glücklich werden, sondern den anderen glücklich machen, ist das Geheimnis der gelingenden Ehe.“ Dieser Rat findet sich in alten Handbüchern zur Ehevorbereitung. Auch wenn die Forderung steil klingt, trifft sie die Sache am entscheidenden Punkt. Nicht möglichst viel vom anderen profitieren, sondern ihn fördern. Nicht in erster Linie Liebe erwarten, sondern sie verschenken. Diese Grundhaltung der Hingabe und des Dienstes lernen und erleben wir bei Jesus Christus, der seine göttlichen Rechte nicht festhielt, sondern für uns dahingab (vgl. Philipper 2,5-11). Weil wir von Jesus Liebe empfangen, sind wir in der Lage Liebe zu schenken. Dr. Rolf Hille
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Geistliches Leben

„Wenn jemand nach seiner Wiedergeburt fragt: »Was soll ich nun tun?«, nennt man ihm oft einen — gewöhnlich sehr begrenzten und in erster Linie negativen — Katalog von Vorschriften. Häufig vermittelt man ihm die Vorstellung, wenn er sich an diese Vorschriften halte, dann sei er »geistlich« (wobei dieser Negativkatalog von Land zu Land, Ort zu Ort und Zeit zu Zeit verschieden ist).“
„Zunächst einmal müssen wir betonen, daß nur der als Christ zu leben beginnt, ja überhaupt wissen kann, was wahres geist­liches Leben bedeutet, der wirklich Christ ist. Und Christ wird man nicht, indem man irgendwie »christlich« zu leben versucht oder sich um irgendwelche religiösen Erfahrungen bemüht, sondern indem man Christus als Retter annimmt.“
Weil das so ist, kann man fast sicher sein, daß sich bald eine andere Gruppe von Christen erhebt und gegen einen solchen Verbotskatalog zu arbeiten beginnt. Folglich besteht in christlichen Kreisen die Tendenz zum Streit zwischen denen, die bestimmte Tabus aufstellen, und denen, die aus dem Gefühl heraus, daß das nicht richtig ist, fordern: »Weg mit allen Tabus! Weg mit allen Vorschriften!« Francis Schaffer, Geistliches Leben