Für moderne Sinnsüchtige. Du suchst doch den Sinn in deinem Leben.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens 

Unzählige Menschen leiden und zerbrechen an der gefühlten Sinnlosigkeit des Lebens. Wir sind als Menschen so gemacht, für unser Leben einen tragfähigen Lebenssinn, eine großartige Bedeutung zu entdecken. Der Atheismus hat keine wirklich befriedigende Antwort auf die Sinnfrage. Der englische Dramatiker Tom Stoppard (Shakespeare in Love) schreibt: „Ich habe die Vorstellung, dass es Gott gibt, 

• Woher komme ich?

• Wozu bin ich da?

• Wohin gehe ich?

Die oberflächlichen Antworten unserer Zeit, die den Sinn des Lebens vor allem in Genuss, Partnerschaft, Sexualität, Kindern, Arbeit finden wollen, versagen bei Leid, Kinderlosigkeit, Armut, Krankheit, Scheidung, Sterben, Arbeitslosigkeit und Erfolglosigkeit. Wenn Atheisten aber Menschen begegnen, deren Leben Geborgenheit, Getragensein und Heiterkeit ausstrahlt, weil sie durch Gott den Sinn ihres Lebens gefunden haben, dann wird nicht selten das Verlangen wach, sich ernsthaft mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Christen müssen gegenüber Atheisten darüber sprechen, wie sie durch den Glauben an Gott zu Halt, Geborgenheit und Lebensglück gefunden haben. 

Alexander Garth

Gedanken zur Bibel

Die Grundlage für spezifische christliche Offenbarung Gottes bilden die Heiligen Schriften der Bibel. Für Christen ist diese normativ. Über das Phänomen der Existenz der Bibel, ein singuläres Buch,[1] gab es viele Auseinandersetzungen. Das zentrale Thema der Bibel ist das Reden Gottes, die Offenbarung Gottes. Jesus sagte: Johannes 5:39   Ihr erforschet die Schriften, weil ihr meinet, darin das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir zeugen. Durch die Begegnung mit Jesus Christus wird den Menschen der existierende Gott menschlich fassbar. In dem priesterlichem Gebet erklärt Jesus das “wie”, d.h. die Möglichkeit, des Menschen, das ewige Leben zu erreichen. Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. (Joh17,3)  Diese war das Ziel seines Lebens und Werkes auf der Erde. Die gesamte Bibel ist das Zeugnis des sich offenbarenden Gottes. Die Geschichte des Volkes Israel ist die Geschichte progressiver Erkenntnis in der Begegnung mit dem existierenden Gott. In dem Handeln Gottes mit dem jüdischen Volk wird die Heiligkeit und Gerechtigkeit Jahwes deutlich. Jakob Kroeker sagt: Wohl war die israelitische Nation mit ihren Propheten je und je Empfängerin, jedoch niemals Schöpferin ihrer Offenbarungen. Nicht Israels Glaube schuf sich Jahwe als seinen Offenbarungsgott, sondern der Gott der Offenbarung schuf sich in Israels Glauben den menschlichen Träger und Vermittler für seine göttliche Offenbarung.[2] Die biblischen Propheten[3] sind die Vermittler des Redens Gottes. Petrus definiert die Propheten als Menschen, die getrieben vom Heiligen Geist im Namen Gottes geredet haben (1.Petr 1,21).  Redewendungen, wie „das Wort des Herrn geschah … (Hes 23,1), oder ich hörte die Stimme des Herrn … (Jes 6,8), oder „der Herr sprach … (Jes 8,1)“ durchziehen die Botschaften der Propheten. Reden ist immer auch Selbstoffenbarung[4]. Gottes Reden beinhaltet göttliche Selbstmitteilung. In den Poetischen Büchern, ganz besonders in den Psalmen, wird die subjektive Erfahrung Gottes durch Menschen dargestellt. Viele dieser Liedergebete stellen den Dialog des glaubenden Menschen mit Gott dar. Die Antworten, welche sie dann bekommen sind von tiefster Gotteserfahrung geprägt. So beschreibt Asaph seine Gottesbegegnung mit dem Besuch im Heiligtum Gottes (Ps 73,17), welche ihm in seinem Zweifeln und Fragen eine neue Sicht für sein Dasein gibt. Dann kann er freudig bezeugen: Es ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte! (Ps 73,28). David bezeugt, wenn ich auch im finsteren Tal wandelte, bist Du bei mir! (Ps 23,4). So kommt nun auch Hiob, durch sein Leiden und Anklagen doch zu der krönende Aussage: Bisher hatte ich dich nur vom Hörensagen gekannt, nun aber hat mein Auge Dich gesehen (Hiob 42,5). Das Zeugnis der vielfachen Gotteserfahrung wird zu einer Quelle der Gotteserkenntnis. Das Neue Testament zeigt die Offenbarung des Sohnes Gottes, Jesus Christus, und gibt so dem Alten Testament Kontinuität. Die Evangelien habe als Inhalt die Beschreibung der Person Jesus Christus. Die vier Evangelisten stellen ihn von unterschiedlichen Gesichtspunkten dar. Matthäus beschreibt ihn als den König der Juden. Markus dagegen als den Knecht Gottes. Während Lukas Jesus als den Menschen Sohn darstellt, will Johannes durch sein Evangelium klarmachen, dass er der Sohn Gottes ist. Diese Darstellungen werden noch ergänzt durch den Schreiber des Hebräerbriefs, welche uns Jesus als den wahren Hohen Priester, den Mittler zwischen Gott und Mensch, kennen lernen läst. Die Apokalypse des Johannes wird mit den Worten: Dies ist die Offenbarung Jesu Christi … eingeleitet. In diesem Buch wird das Lamm Gottes, Jesus von Nazareth, als der Kyrius  Gottes dargestellt. Jesus selbst stellte seine Sendung unter das Motto … ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen (Mat 5,17). Er verstand sich als der, den Juden verheißenen Messias Jahwes, als der Heiland Gottes. In allem ging es ihm um die Vermittelung von Gotteserkenntnis. Diese gipfelt in der Aussage: … wer mich sieht, sieht den Vater (Joh 14,9). Ihm ging es letztendlich darum, dass Gott, der Vater, verherrlicht würde. Das zentrale Thema der Bibel ist Jesus Christus. Im Alten Testament prophetisch als Messias angekündigt und im Neuen Testament in der Erfüllung dargestellt. 


[1] McDowell, Josh, Evidence that demands a Veredict, (Campus Crusade for Christ, San Bernadino, CA: 1972) 17 – 27 [2] Kroeker, Jakob, Die erste Schöpfung, ihr Fall und Wiederherstellung – Noah und das Damalige Weltgericht, 4.Auflage (Brunnenverlag, Giessen: 1972) 11 – 12 [3] Das Wort Prophet (gr. Prophetes) bezeichnet nach Bauer jemand, der Verkünder und Ausleger der göttlichen Offenbarung ist. Walter Bauer, Griechisch-Deutsches Wörterbuch (Töpelmann, Berlin: 1963)Sp 1434 [4] Friedemann Schulz von Thun, Miteinander reden: 1 Störungen und Klärungen, Sonderausgabe 2006 (Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbeck bei Hamburg: 1981)99
Johannes Heinz Klement
http://johannesklement.blogspot.com/2013/05/gedanken-zur-bibel.html

Sei unser König!

In der Bibel gibt es eine wunderbare Fabel, die die Gefahren von einer falsch gewählten Regierung skizzieren:
Einst beschlossen die Bäume, einen König zu wählen. Sie sprachen zum Olivenbaum: `Sei unser König!´ Doch dieser antwortete ihnen: `Soll ich vielleicht aufhören, Öl hervorzubringen, das Gott und Menschen ehrt, nur um über den Bäumen zu schweben?´ Da sprachen sie zum Feigenbaum: `Sei du unser König!´ Doch der Feigenbaum entgegnete: `Soll ich vielleicht aufhören, meine süßen Früchte hervorzubringen, nur um über den Bäumen zu schweben?´ Da sprachen sie zum Weinstock: `Sei du unser König!´ Doch der Weinstock erwiderte: `Soll ich vielleicht aufhören, den Wein hervorzubringen, der Gott und die Menschen erfreut, nur um über den Bäumen zu schweben?´ Schließlich wandten sich alle Bäume an den Dornbusch und sagten: `Komm, sei du unser König!´ Und der Dornbusch antwortete: `Wenn ihr mich wirklich zu eurem König machen wollt, dann kommt und sucht Schutz in meinem Schatten. Wenn nicht, soll Feuer aus dem Dornbusch hervorbrechen und die Zedern des Libanon verzehren.´ (Ri9,8-15)

Wir sind systemrelevant

„Viele Kirchenleitungen wollen zeigen: Wir sind systemrelevant. Doch sie haben systemkonform daraus gemacht. Sie sind nur noch Abbild eines Bemühens, das auch ausserhalb ihrer Mauern zu sehen ist: um sozialen Zusammenhalt, Gesundheit, Umweltschutz usw. Nicht mehr das, was die Welt sich nicht selbst sagen kann, ist nun der kirchliche Beitrag, sondern die Verstärkung dessen, was sich auch sonst findet.
Wenn selbst unter Evangelikalen als grösste Häresie die Rechthaberei an sich gebrandmarkt wird, über welche Wahrheit darf sich der Christ dann noch gewiss sein?
Was bleibt, ist eine moralisierende Haltung, für die eine freundliche Beziehung fast den Himmel auf Erden bedeutet, und mystische Flucht in nonverbale Frömmigkeit.“ Treffend charakterisiert. Danke für die kurze Begegnung, Stefan Felber.

Bullinger: Ist eine schlechte Obrigkeit von Gott?

Heinrich Bullinger schreibt über die Herkunft einer schlechten Obrigkeit (H. Bullinger, Schriften III, S. 334–336):

Die meisten Autoren unterscheiden zwei Arten von Obrigkeiten, nämlich gute und schlechte. Gut ist eine Obrigkeit, wenn sie auf rechtmäßige Weise eingesetzt worden ist und rechtmäßig ihr Amt versieht. Schlecht ist sie, wenn sie ihre Herrschaft mit Übeln Machenschaften erlangt hat und willkürlich ausübt. Dabei stellt sich aber die Frage, ob eine schlechte, d. h. tyrannische Obrigkeit von Gott sei. Darauf antworte ich, dass Gott das Gute bewirkt, nicht das Böse. Gott ist von seinem Wesen her gut, und alles, was er einrichtet, ist gut und ist eingesetzt worden zum Wohl und Heil der Menschen, nicht zu ihrem Schaden. So ist die Obrigkeit als eine gute und heilsame Einrichtung ohne Zweifel von Gott, dem Urheber alles Guten. An dieser Stelle muss man aber das Amt und die Einrichtung Gottes von der Person unterscheiden, die nicht mit diesem guten Amt übereinstimmt. Wenn demnach an einer Obrigkeit Schlechtes gefunden wird statt des Guten, um dessentwillen sie eingerichtet wurde, sind andere Gründe dafür verantwortlich: Die Schuld liegt bei den Personen, den Menschen, die Gott missachten und eine gute Einrichtung verderben, nicht bei Gott oder der Einrichtung Gottes. Ein schlechter Herrscher, der vom Teufel verführt worden ist, verkehrt die Wege Gottes zum Schlechten. Er verletzt mit seiner Lasterhaftigkeit und seinem üblen Tun seine Pflicht, so dass er den Namen einer satanischen, nicht der göttlichen Macht verdient. Das lässt sich an der Obrigkeit von Jerusalem ersehen. Der Ursprung dieser Obrigkeit geht zwar bis auf Mose zurück, und sie kann sich damit auf Gott selbst als Gründer berufen; weil sie aber den Heiland gefangen genommen und im Garten Gethsemane gefesselt hat, bekommen ihre Diener zu hören [Lk 22,52f.]: »Wie gegen einen Räuber seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Stöcken. Als ich täglich bei euch im Tempel war, habt ihr nicht Hand an mich gelegt. Aber dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.« Er nennt also die rechtmäßige Obrigkeit, die jedoch ihre Macht missbraucht, eine teuflische Macht. Wie könnte man es klarer sagen? Der Tadel richtet sich gegen die Personen, nicht gegen das Amt.

So ist es wichtig, dass man niemals eine tyrannische Regierung verteidigt, als sei sie eine göttliche. Denn eine tyrannische Regierung ist teuflisch und nicht von Gott, und Tyrannen sind recht eigentlich des Teufels, nicht die Diener Gottes. Es kommt auch vor, dass es ein Volk mit seinem lasterhaften Leben verdient, einen Tyrannen anstatt eines Königs zu haben. Die Schuld fällt also wiederum auf den sündigen Menschen zurück. Manchmal gewährt der Herr zwar einen König, aber lässt einen Heuchler regieren. So kommt die schlechte Obrigkeit von Gott, wie auch Aufruhr und Krieg, Seuchen, Hagel, Kälte und andere Plagen der Menschen von Gott kommen als Strafen für die Sünden und Verbrechen, Strafen, die er ihnen auferlegt, der spricht [Jes 3,4.8]: »Ich will ihnen Knaben zu Fürsten geben, und Buben sollen über sie herrschen. Denn ihre Zunge und ihr Trachten ist wider den Herrn.«

https://theoblog.de/bullinger-ist-eine-schlechte-obrigkeit-von-gott/37657/

Gesellschaft

Corona: Christlicher Unternehmer wirbt für neue Strategie

21.01.2022

Der christliche Unternehmer Hermann Butting. Screenshot: YouTube/ BUTTING Group
Der christliche Unternehmer Hermann Butting. Screenshot: YouTube/ BUTTING Group

Knesebeck (IDEA) – Der christliche Unternehmer Hermann Butting (Knesebeck) hat eine Aktion gestartet, um für eine neue Strategie im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu werben. Er schaltete in den überregionalen Zeitungen Bild am Sonntag, Zeit und Süddeutsche Zeitung ganzseitige Anzeigen, in denen die Grundrechte des Grundgesetzes abgedruckt waren. Die Anzeigen enthielten außerdem einen Hinweis auf den Aufruf „Für Toleranz, Verbundenheit und Menschenwürde. Es ist Zeit, gemeinsam eine neue Corona-Schutz-Strategie zu erarbeiten.“ Die Anzeigen kosteten über 100.000 Euro. Den Aufruf hat Butting auf der Internetseite seines Unternehmens veröffentlicht.

In dem Text heißt es, die aktuelle Corona-Strategie müsse überarbeitet werden, „um der Einheit unserer Gesellschaft wieder näher zu kommen“. Viele der bisher getroffenen Maßnahmen seien nicht verhältnismäßig. Im Kampf gegen die Krankheit sei Impfen zwar hilfreich, „aber für sich allein nicht die Problemlösung“. Es sei auch keine sinnvolle Kommunikationsstrategie, Ängste zu verstärken und nicht-geimpfte Menschen als die Schuldigen für die Ausbreitung des Virus hinzustellen. Deshalb sollten Politiker und Medien aufhören, zu polarisieren und die Gesellschaft weiter zu spalten.

Weiter schreibt Butting, er selbst sei geimpft und sein Unternehmen biete den Beschäftigten Corona-Impfungen während der Arbeitszeit an. Eine Impfpflicht lehne er aber ab, weil sie die Freiheitsrechte und die Ängste vieler Menschen missachte.

Motivation aus der Bergpredigt

Butting erklärte gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA, die Bergpredigt Jesu (Matthäus 5–7) habe ihn motiviert, in der aktuellen gesellschaftlichen Situation aktiv zu werden. Darin rufe Jesus unter anderem dazu auf, nicht über andere Menschen zu richten (Matthäus 7,1) und andere Menschen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden wolle (Matthäus 7,12). Derzeit würden Ungeimpfte in der Gesellschaft ausgegrenzt, verurteilt und benachteiligt. Deshalb wolle er „gerade als Geimpfter meine Möglichkeiten nutzen, um zur Umkehr aufzurufen und einen neuen, gemeinsamen Weg zu suchen“. Er schlage das Umschwenken auf die sogenannte „1G-Strategie“ vor, nach der alle Bürger unabhängig von ihrem Impfstatus regelmäßig mit hochwertigen Tests getestet würden.

Weitere geeignete Maßnahmen im Kampf gegen Corona seien höhere Entgelte für Pfleger, ein Bonus für Pflegekräfte auf Intensivstationen, der Erhalt und Wiederaufbau von Intensivbetten sowie die Modernisierung der Schulen unter anderem mit neuen Fenstern und Lüftungsgeräten. Butting ist seit 2000 geschäftsführender Gesellschafter der weltweit operierenden Butting-Gruppe, einem Edelstahl-Verarbeiter, Rohrspezialisten und Anlagenbauer. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.900 Mitarbeiter. 2020 veröffentlichte er das Buch „Pipeline zum Leben – Ein Unternehmer entdeckt die Bergpredigt“ (Fontis).
https://www.idea.de/artikel/corona-christlicher-unternehmer-wirbt-fuer-neue-strategie?fbclid=IwAR2simNxfMUBlAo8CZXD2Iy8wMAINS30Q2-imODTdYqYtmLv3dxNIzCNM-E

Das Kreuz Christi

Das ganze Neue Testament verwendet eine überfließende Fülle von unterschiedlichen Worten, Bildern, Vorstellungen, nur um zu verdeutlichen, dass durch das Kreuz Christi die Sünde gerichtet und entmachtet ist. Diese gar nicht eingängige Wahrheit hat Millionen Menschen die Freiheit gebracht von Schuld, Hoffnungslosigkeit, zerstörerischen Die Bindungen und Süchten.
Die Zeugnisse aus Geschichte und Gegenwart sind überwältigend. Dennoch stehen Leute im erkenntnis- reduktiven Setting achselzuckend vor dem Kreuz. Alexander Garth

Paulus erteilt Ethnozentrismus und Rassismus eine Absage

Paulus, der „Völkerapostel“ (Apostelgeschichte 9,15; 13,46; 22,21; Römer 15,16; Galater 1,16; 2,2.8.9), musste u.a. von seinen eigenen Landsleuten viel Widerstand, Schläge und Verfolgung für seinen kulturübergreifenden Dienst bei der Ausbreitung des Evangeliums erdulden. Aber auch die zum Glauben an Jesus Christus gekommenen Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen hatten immer wieder mit traditionellen Denkweisen (Paradigmen) zu kämpfen, die den Vorrang der eigenen Gruppe betonten und damit die Einheit der Gemeinde Jesu bedrohten. Im 3. Kapitel des Kolosserbriefes kommt Paulus auf die Lebensführung des Christen zu sprechen. In Kolosser 3,11 macht der Apostel dann folgende Aussage:

„Da ist weder Grieche noch Jude, Beschneidung noch Unbeschnittensein, Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus alles und in allen.“

Genauso, wie wir in der heutigen Welt Ethnozentrismus (das Denken, die eigene Kultur wäre die beste und allen anderen überlegen; mit anderen Worten: wir wären der „Nabel der Welt“ und hätten „die Weisheit mit Löffeln gefressen“) und Rassismus finden, genauso gab es das schon früher, auch in der Antike. Damals wurde unterschieden zwischen Grieche und Jude, zwischen Beschnittenem (Juden) und Unbeschnittenem (Heiden); die Nichtgriechen wurden als „Barbaren“ bezeichnet, von denen die Skythen als die Schlimmsten betrachtet wurden. Sowohl die Griechen als auch die Juden hielten sich jeweils für etwas Besonderes. Und dann gab es damals noch die Sklaven und die freien Bürger, deren soziale Stellung und Rechte unterschiedlich definiert waren.

Wir könnten nun, je nach Land und Kultur, der wir angehören, diese Kategorien der Antike auf die jeweilige Gesellschaft übertragen. Und egal, wo wir uns auf der Welt befinden, würden wir eine Art hierarchische Pyramide erstellen können, auf der manche ganz oben, andere mehr in der Mitte und andere ganz unten eingeordnet werden.

Doch nun, macht Paulus auf etwas ganz Wichtiges und Besonderes aufmerksam: Obwohl die jeweilige Gesellschaft, der wir angehören, weiterhin in diesen Kategorien denkt, für uns als Gemeinde Jesu, als Leib Christi, haben sie keine Gültigkeit mehr. Die Kategorien von Nationalität und sozialer Stellung stehen nicht mehr im Vordergrund, sie trennen uns auch nicht mehr. – Zumindest theoretisch sollte es so sein! (Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt schmerzlich auf, wie die Gefallenheit des Menschen auch vor Kirchentüren nicht halt macht, und wie Paradigmen oder Traditionen der eigenen Kultur immer wieder der Vorrang vor oft unangenehmen Aussagen in der Bibel gegeben wurden, welche die eigene Kultur in Frage stellen).

Paulus begründet seine Aussage damit, dass „Christus und in allen ist“. Paulus macht in verschiedenen Stellen des Kolosserbriefes deutlich, dass ein Mensch, der wirklich gläubig und wiedergeboren wurde nun „in Christus“ ist. Paulus schreibt „den heiligen und gläubigen Brüdern in Christus“ (Kolosser 1,2). „In ihm (in Christus) haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden“ (Kolosser 1,14). Wir sind nun mit Christus zu neuem geistlichem Leben auferweckt worden (Kolosser 3,1) und Christus ist unser Leben (Kolosser 3,4). D.h. der Gläubige ist aufs Engste mit Jesus Christus verbunden. Zusammen mit der Sündenvergebung und Erlösung durch Jesus hat Gott dem Gläubigen gleichzeitig eine neue Identität gegeben, die ihn und sein Leben nun ausmacht: er ist „in Christus“. Das betrifft nicht nur den einzelnen Gläubigen als Individuum, sondern auch die Gläubigen als Gemeinschaft, als Gemeinde Jesu Christi. Durch Christus wurden die Gläubigen Bürger des Himmelreichs, aber auch „Geschwister“: Brüder und Schwestern im Herrn! Christus ist nun alles und in allen. Daher dürfen wir als einzelne Gläubige und als Gemeinde unsere Glaubensgeschwister – und seien sie noch so andersartig aufgrund ihres sozialen oder kulturellen Hintergrundes – nicht mehr weltlichen Kriterien unterwerfen, sondern sie in ihrer neuen – von Gott geschenkten – Identität als gleichwertige Brüder und Schwestern annehmen. Das ist eine wichtige Anfrage an die Gemeinde Jesu, die durchaus zu einer Herausforderung werden kann, v.a. wenn sehr unterschiedliche Menschen neu dazukommen bzw. schon dazu gehören.

Doch dieses Prinzip der Gleichwertigkeit jedes Menschen ist nicht auf den Gläubigen und die Gemeinde Jesu Christi beschränkt (Viele traditionelle Gesellschaften sind auf eine Weise kollektivistisch geprägt, in der die Vorrechte, die für die eigene Gruppe gelten [das „Wir“], noch lange nicht für die Angehörigen anderer Gruppen [das „Ihr“] gelten). Immer wieder weist die Bibel darauf hin, dass bei Gott „kein Ansehen der Person“ ist (vgl. 5.Mose 1,17; 10,17; Apostelgeschichte 10,34; Römer 2,11; Epheser 6,9; Kolosser 3,25; Jakobus 2,1; 1. Petrus 1,17). Dies gilt ausnahmslos für alle Menschen, auch für diejenigen, die den christlichen Glauben ablehnen.

Letztlich sind das Prinzip, dass bei Gott kein Ansehen der Person ist, sowie die Aussage der Bibel, dass der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen ist (1.Mose 1,26-27), die philosophische Grundlage für die Aussage „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (UN-Menschenrechtscharta). – Dieser Aussage, die heute zumindest noch im „Westen“ als Grundpfeiler einer freien Gesellschaft gilt, hätten in der Antike viele widersprochen. Und selbst in der heutigen Welt teilen nicht alle diese „von westlichem Denken dominierte Philosophie“ (es lohnt sich, die Ausführungen in der Wikipedia über die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, sowie die damit verknüpften Artikel „Kairoer Erklärung der Menschenrechte im Islam“ und „Arabische Charta der Menschenrechte“ zu lesen). Es ist zu befürchten, dass eine weitere Abwendung von der Bibel sowie dem christlichen Glauben im Westen – trotz bester „humanistischer“ Absichten – das Wiederaufkeimen von Rassismus fördert (wie es bereit schon einmal bei der Ausbreitung der antichristlichen Ideologie des Nationalsozialismus geschehen ist). Dabei sind nicht diejenigen Menschen, die aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen das Problem. Wir sind das Problem, indem wir die biblischen Grundlagen, auf denen unsere Gesellschaft aufgebaut ist achtlos (ohne Achtung) über Bord werfen, ohne uns bewusst zu sein, was wir da eigentlich tun! (Jürgen Schmidt)

Wer sich näher mit den Beziehungen, die zwischen der westlichen Gesellschaft und der Bibel bestehen, beschäftigen möchte, dem kann ich die Lektüre der folgenden beiden Bücher wärmstens empfehlen:

Der Heilige Geist schafft Glauben

„Der Heilige Geist schafft Glauben!

Er füllt dich nicht mit Licht, das alle Dunkelheit vertreibt,

und legt nicht eine Kraft in dich, die dich zum Helden macht;

aber er lehrt dich,

die Hand Jesu fassen in der festen Zuversicht: Du bist mein Hirte;

und er lehrt dich,

den Weg Jesu gehen in der Gewissheit: das ist Gottes Weg.“

Adolf Schlatter