Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!

Ein bekannter Theologe der Gegenwart gibt gern zu, dass seine bibelkundlichen Kenntnisse nicht optimal sind, und er illustriert das durch einen Bericht von seiner Prüfung in Bibelkunde. Jeder Theologiestudent muss ja während seines Studiums so eine Prüfung ablegen. Er wurde also gefragt: „Sagen Sie mal, was steht denn im Philipperbrief?“ Antwort: „Freuet euch!“ – „Ja, und steht vielleicht noch etwas darin?“ – „Doch. Und abermals sage ich, freuet euch!“
Diese kesse Antwort hat den Inhalt des Philipperbriefes sehr gut zusammengefasst und den Nerv des Briefes getroffen. Und abermals sage ich, freuet euch!“ Philipper 4, 4 Luther 2017


Mein Wort zum Palmsonntag:

„Und das Volk rief: Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ (Matthäus 21,9)
„Hosianna“ ist – entgegen dem landläufigen Verständnis – kein Lobruf, sondern eine (durch den Adhortativ verdichtete) Bitte um Gottes rettendes Eingreifen („rette/erlöse doch!“). Womit wir beim Thema des Sonntags wären.
Abgesehen von den vielen verdienstvollen Aktionen einzelner Pfarrerinnen und Pfarrer haben die Kirchen in dieser Zeit kein eigenes Wort zu sagen. Ihr Verstummen, ihr Versagen, den religiös richtigen Ton zu treffen, ist symptomatisch für ihre lange versteckte Krise und zeigt ihre innere Erosion: Die appellativen politischen Statements auf den Kanzeln, die Larmoyanz über Politik und Gesellschaft, die für Klima und Flüchtlinge nicht genug täten, ist mit einem Mal pulverisiert und erweist sich, wenn es an das eigene Leben geht, als untaugliche Strategie, uns Mores zu lehren und dabei selbst wieder relevant zu werden.
Sie ist eher die gottvergessene Kirche, für die Gott als das große Thema unseres Lebens nur noch eine Chiffre für Flüchtlingshilfe, Klimawandel oder die mittlerweile ins Abseits geratenen Themen Weltfrieden und Abrüstung ist. Alles geschenkt. Dazu braucht man vor allem gesunden Menschenverstand – ohne religiös motivierte Überhöhung. Die Kirchen verkünden nicht das von Gott her Unerhörte, sondern repetieren das Gängige, das mal schwarz, mal braun, mal rot, mal grün ist.
Die Glut, die Leidenschaft des Apostels Paulus, der „in Christus“ lebte, lobte und liebte, für den Christus eine vitale und zum Greifen nahe dynamische Realität war, ist ihr abhanden gekommen. Corona offenbart, was jedes Kind über des Kaisers neue Kleider weiß: „Sie hat ja gar nichts an!“
Ihr derzeit grüner und staats- wie welttragender Moralismus („Weltverantwortung“) ist nur die höfliche Form ihres Unglaubens an den tatsächlich beistehenden und rettenden Gott (gratia adveniens). Dort, wo die Kirche etwas „tun“ kann, muss sie nichts glauben und keine darüber hinausgehende Realität verkünden, was sie weitgehend verlernt hat. Die systematisch-theologischen Fragen kamen für viele zuletzt im Studium vor. Das notwendende Handeln ist ja immer prioritär (natürlich!), aber es verleitet auch zum „Widerstandskitsch“ (Hans Michael Heinig), der in Zeiten von Corona obsolet wird und sich als Luxusproblem erweist, von der gesicherten Basis eines versorgten Lebens aus.
Das religiöse Kerngeschäft hat man derweil den Evangelikalen überlassen, die man – die Nase rümpfend – an der langen Leine laufen ließ, achselzuckend und meist augenrollend über deren Borniertheit.
Sie sind es aber, die in dieser Zeit nicht schweigen, sondern Lust und Hoffnung auf Gott verbreiten (lassen wir mal die Extremisten beiseite), der für sie kein Vorwand für billigen Moralismus ist, sondern gerade den moralisch depravierten Sünder in die Arme schließt, wie Paulus es auch tat. Die angesichts der Coronakrise nicht über Südafrika schwadronieren, wo alles noch schlimmer sei, sondern durch Fürbitte und Verkündigung dem Nächsten und nicht dem Fernsten nahe sein möchten.
„Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?” (Lk 18,8), fragte Jesus einst. Es ist die Frage, die an die Kirche und nicht an die ungläubige Welt gerichtet ist. Kim Strübind
https://www.facebook.com/Kim.Struebind.Oldenburg/posts/2832699710180319

Nächstenliebe in der Zeit der Pandemie

Rosaria Butterfield ist der Meinung, dass Nächstenliebe und Gastfreundschaft in einer Zeit der Pandemie besonders wichtig sind. Dazu gehört auch, dass wir sorgfältig mit den Informationen umgehen und drauf achten, nicht Botschafter manipulierter und manipulierender Nachrichten zu sein. Sie schreibt: 

Daniel Defoe, bekannt durch sein Werk „Robinson Crusoe“, schrieb Jahre vor seinem Bestseller ein kleines Buch mit dem Titel A Journal of the Plague Year (dt. „Die Pest zu London“). Dies ist Crusoes historisch-fiktives Tagebuch über das Leben während der Beulenpest des Jahres 1665. Crusoe war fünf Jahre alt, als die Pest seine Welt verwüstete. Sein aufschlussreiches Buch beginnt mit einem Dank an Gott für etwas, das mich zum Lachen brachte. Defoe bedankt sich dafür, dass es 1665 keine Zeitung – oder demnach kein anderes Mittel zur Verbreitung „berichtenswerter Informationen“ über die Beulenpest – gab. Crusoe schreibt: „Wir hatten damals keine gedruckten Zeitungen, um Gerüchte und Berichte über Dinge zu verbreiten, und diese durch menschliches Hinzutun noch zu vergrößern.“

Crusoe verstand, dass die Pest schlimm genug ist; wir sollten sie nicht noch durch emotionale Manipulation vergrößern. Im Jahr 2020 können wir uns der Berichterstattung in den Medien über das Coronavirus kaum entziehen. Wir scheinen auch nicht in der Lage zu sein, den abscheulichen Strom von Klatsch und Verleumdung von vermeintlichen Experten, der uns als „Information“ weitergegeben wird, richtig einzuordnen. Wenn wir selbst nicht dem zwanghaften Schauen von Nachrichten oder anderen Newsfeeds unterlegen sind, ist zumindest jemand in unserem Bekanntenkreis mehr als bereit, neue (schlechte) Nachrichten mit uns zu teilen. Wir möchten selbstverständlich etwas über dieses neuartige Virus erfahren, aber neue Viren kommen eben nie mit einer Gebrauchsanweisung.

Mehr hier: www.evangelium21.net.

54. Todestag des berühmten Baptistenpastors und Bürgerrechtlers Martin Luther King.

Am 4. April 1968 hielt King in Memphis, Tennessee, in einer Kirche seine letzte Rede; eine Ansprache, die im Nachhinein wie eine Todesahnung wirkt:
»Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne einstiger Sklaven und die Söhne einstiger Sklavenhalter zusammensitzen werden am Tisch der Brüderlichkeit. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, wo man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. …Wenn dies geschieht, und wenn wir erlauben, dass die Glocken der Freiheit läuten und wenn wir sie von jedem Dorf und jedem Weiler, von jedem Staat und jeder Stadt läuten lassen, werden wir diesen Tag schneller erleben, wenn alle Kinder Gottes, schwarzer Mann und weißer Mann, Juden und Christen, Protestanten und Katholiken Hände halten können und die Worte des alten Spirituals: Endlich frei, endlich frei singen.« (Martin Luther King, Testament der Hoffnung, 6.Aufl. 1989, Gütersloher Verlagshaus, S.124f)
»Ich habe das Gelobte Land gesehen… Aber ihr sollt heute abend wissen, dass wir, als ein Volk, in das Gelobte Land gelangen werden. Meine Augen haben die Herrlichkeit des kommenden Herrn gesehen.« (Martin Luther King, Testament der Hoffnung, 6.Aufl. 1989, Gütersloher Verlagshaus, S.117)