Die Natur ist auch kein Gesetzbuch

Wir argumentieren in ethischen Diskussionen allzu oft mit der „Natürlichkeit“ – insbesondere bei der Sterbehilfe. Leider müssen wir uns hier bessere Argumente einfallen lassen, denn die Natur zur moralischen Instanz zu erheben, führt zum naturalistischen Fehlschluss (fälschliche Ableitung vom Seinszustand zum Sollenszustand) oder zum Sozialdarwinismus. John Stuart Mill hat es ganz wunderbar formuliert: „Sie pfählt Menschen, zermalmt sie, wie wenn sie auf Rad geflochten wären, wirft sie wilden Tieren zur Beute vor, verbrennt sie, steinigt sie wie den ersten christlichen Märtyrer, lässt sie verhungern und erfrieren, tötet sie durch das rasche oder schleichende Gift ihrer Ausdünstungen und hat noch hundert andere scheussliche Todesarten in Reserve, wie sie die erfinderischste Grausamkeit eines Nabis oder Domitian nicht schlimmer zu ersinnen vermochte […].Entweder ist es richtig, dass wir töten, weil die Natur tötet, martern, weil die Natur martert, verwüsten, weil die Natur verwüstet; oder wir haben bei unseren Handlungen überhaupt nicht danach zu fragen, was die Natur tut, sondern nur danach, was zu tun richtig ist. Wenn es überhaupt so etwas wie eine reductio ad absurdum gibt, dann haben wir es hier mit einer zu tun“ (John Stuart Mill). Sicher können wir eine Menge lernen von der Natur. Aber sie ist keine moralische Lehrmeisterin und sollte nicht dazu gemacht werden.

posted by sara http://diskutabel.wordpress.com/2006/11/20/die-natur-ist-auch-kein-gesetzbuch/

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