Alte Testament im Kreuzfeuer der Kritik

Bei der Arbeit mit Studierenden der Theologie begegnet uns eine große Unsicherheit besonders im Umgang mit dem AT (Altes Testament). Aber auch im Gespräch mit Gemeindegliedern stößt man auf viele Fragen, und nicht wenige beteuern, keinen Zugang zum AT zu finden. Da ist der gegenüber dem NT deutlich größere Umfang, der die Übersicht erschwert. Man spürt die zeitliche, kulturelle und religiöse Ferne. Themen werden genannt, mit denen man sich schwer tut: Schöpfung und Naturwissenschaft, die Frage nach der Gültigkeit der Gebote, die Anwendung von Gewalt im Namen Gottes … Es bricht die Frage auf: „Brauchen wir als Kirche das AT überhaupt?“ Machen wir uns vorab grundsätzlich klar: 1. Die Kirche hat von Anfang an um das AT und sein Verständnis gerungen. Dabei ging es immer um zwei Fragen: Erste Frage: „Muss die Kirche am AT als ganzer Heiliger Schrift festhalten oder nur an Teilen oder überhaupt nicht?“ Zweite Frage: „Wenn am AT als Heiliger Schrift der Kirche festzuhalten ist, wie ist es auszulegen?“ 2. Die Evangelien zeigen, dass es für das Leben und in der Verkündigung Jesu auch um die Auslegung des AT ging. Dies betraf inhaltlich ganz entscheidende Fragen: Die Auslegung des Gesetzes (Mt. 5, 17 – 48); die Notwendigkeit seines Leidens (Lk. 9, 30f; 24, 25-27); die Hauptfrage, wer Jesus ist (Mt. 22, 41-45; Joh. 5, 39). 3. Im Blick auf die Auslegung des AT gab es in der Kirchengeschichte verschiedene Phasen, in denen verschiedene Auslegungsmodelle dominierten, die dann auch wieder kritisiert wurden und in den Hintergrund traten. Ein Blick auf die Auslegungsgeschichte relativiert die Alleingültigkeit einer Auslegungsmethode. Auch waren verschiedene Zugänge zum Verständnis der Bibel immer parallel zueinander anzutreffen. Dies ist heute keineswegs anders. Wenden wir uns nun aber der Kritik am AT im Einzelnen zu. I. Kritik am AT In drei Linien soll die Kritik am AT zusammengefasst werden. 1. Kritik am AT als Kanon der Kirche Damit ist zunächst ein formales Kriterium angesprochen. „Kanon“ heißt „Richtschnur“ und meint in unserem Zusammenhang die verbindlichen Heiligen Schriften der Kirche. Es geht um den Umfang der Heiligen Schrift als Fundament der Glaubenslehre. Schon früh in der Kirchengeschichte gab es einen radikalen Kritiker: Markion, um 150 n.Chr. Er wollte einen Kanon heiliger Schriften für die Kirche völlig ohne AT. Ähnlich kritisch äußerte sich Friedrich D. Schleiermacher (1768 – 1834). Nun muss die Kritik nicht ganz so radikal ausfallen und fällt selten so radikal aus. So etwa, wenn ein Kanon im Kanon gefordert wird, d. h. dass eben nicht das ganze AT als Heilige Schrift und verbindliches Wort Gottes verstanden werden kann, sondern eben nur ein Teil. Dieser noch verbindliche Anteil ist dann zu bestimmen. Dabei stellt sich die Frage, nach welchem Kriterium dieser Teil bestimmt wird. So störte man sich in der Aufklärung an den Erzählungen des AT und daran wieder besonders an allem Übernatürlichen, also zum Beispiel, dass Gott direkt zu Menschen spricht oder Wunder tut. Festhalten wollte man das Vernünftige, die natürliche, allgemeine Wahrheit. Es werden also aus der Heiligen Schrift Aussagen herausgenommen, die Gültigkeit haben; der Rest ist nicht mehr von Bedeutung. Die automatische Folge ist die Unterscheidung von Bibel und Wort Gottes. Nun müssen wir allerdings fragen, ob nicht auch in bestimmten methodischen Ansätzen im Grunde die Kritik am Kanon mitschwingt. Heute haben wir in der alttestamentlichen Exegese gegenüber der Aufklärung die umgekehrte Situation. Die historische Auslegung versucht, den Text aus der Zeit seiner Abfassung zu verstehen, und fragt zunächst gar nicht nach seiner Anwendung für heute und seiner Gültigkeit. Hier ist kritisch zurückzufragen, ob dabei nicht die Bedeutung des AT als Heilige Schrift für heute zu sehr vernachlässigt wird. Und noch einen Punkt möchte ich hier ansprechen: Die Relativierung des AT als Kanon durch die Religionsgeschichte. Als im 19. Jahrhundert immer mehr Texte aus der Umwelt Israels entdeckt wurden, stellte sich die Frage nach der Beziehung zum AT. In den letzten Jahren wurde in der alttestamentlichen Wissenschaft neu die Diskussion geführt, ob nicht eine Religionsgeschichte Israels angemessener wäre als eine Theologie des AT. Der Vorteil einer Religionsgeschichte wird im neutralen Vergleich mit den anderen Religionen und dem dadurch erleichterten interreligiösen Dialog gesehen. 2. Kritik am AT als Offenbarung Gottes Ging es zunächst um die formale Seite, die Frage nach dem AT als Kanon, als Teil der Heiligen Schrift der christlichen Kirche in ihrem Umfang, so geht es nun um die inhaltliche Seite. Beides ist natürlich nicht voneinander zu trennen. Dies ist schon deutlich geworden. Wenn Kritik am AT als Teil des Kanons der Kirche geübt wird, dann ist zu fragen: Warum? Weil das AT nicht insgesamt als Wort Gottes, als Offenbarung Gottes angesehen wird. Auch hierzu Beispiele: Gehen wir nochmals zurück zu Markion. Er sagte: „Der Gott des AT ist ein anderer als der Gott des NT. Dem gerechten Gott des Gesetzes steht der gute, gnädige Gott gegenüber, den Jesus bezeugt.“ Die Ka-nonkritik Markions hat ihre Begründung in der Kritik an dem Gott, wie ihn das AT vorstellt. Ähnliche Aussagen sind uns heute durchaus vertraut. Zum Beispiel wird im Zusammenhang mit dem Sühnetod Jesu von vielen behauptet: Einen Gott, der seinen Sohn sterben lässt, kann ich mir nicht vorstellen; einen Gott, der Abraham den Auftrag gab, seinen Sohn zu opfern, einen Gott, der Israel den Auftrag gab, durch kriegerische Maßnahmen das Land einzunehmen, kann ich mir nicht vorstellen. Das Wort des AT wird dann weithin verstanden als Zeugnis menschlich-religiöser Auffassungen aus verschiedenen Zeiten, das uns heute vielleicht noch etwas sagen kann, aber nicht muss; ja, dem teilweise sogar direkt widersprochen wird nach dem Motto: „Die Bibel sagt – wir aber sagen heute …“ Ein Beispiel: Während im Alten Testament Nathan ein Prophet Gottes ist, der im Auftrag Gottes Salomo zum König macht, sieht die alttestamentliche Forschung in ihm weithin einen politischen Intriganten, der mit aller Macht seinen Günstling an die Macht bringen möchte. Von Gottes Wirken hinein in die Geschichte ist dann nicht mehr die Rede. Verliert das AT den Anspruch, Gottes Offenbarung zu sein, verliert es auch den Anspruch, dass Gottes Wahrheit in ihm zum Ausdruck kommt. Was für uns heute Gültigkeit hat, unterliegt dann dem Urteil des Auslegers und wird damit beliebig. 3. Die historische Kritik Die historische Kritik bildete sich im Wesentlichen im 18. und 19. Jahrhundert heraus und wurde zu der in der alttestamentlichen Wissenschaft bestimmenden Methode der Schriftauslegung bis heute, natürlich mit Veränderungen. Nach der formalen und inhaltlichen Kritik am Kanon als Heiliger Schrift und Wort Gottes geht es nun also um die Frage der angemessenen Auslegung. Freilich begegnen wir auch hier einem breiten Spektrum von unterschiedlichen Positionen, die teilweise gegenseitig nicht miteinander vereinbar sind. Und doch kann eine gemeinsame Grundposition beschrieben werden. Es geht um historische Kritik. Der Name ist Programm. Die Grundaussage ist: Die biblische Darstellung der Geschichte Israels entspricht nicht dem wirklichen Verlauf. Mit dem kritischen Ansatz verbindet sich ein eminent historisches Interesse. Man will die „wahre Geschichte Israels“ darstellen. Dazu dient die historisch-kritische Methode. Das Grundinteresse in der Rückfrage nach dem Geschehen ist äußerst positiv zu bewerten. Die kritische Anfrage ist, ob die Voraussetzungen und die Durchführung der historischen Kritik der Sache angemessen ist. Welches sind die Voraussetzungen? 1. Die Texte sind vor allem als Zeugnis ihrer Entstehungszeit zu verstehen. Diese ist aber, so wird behauptet, weithin eine spätere Zeit, als der Text selber angibt. Das heißt, die biblischen Angaben über Verfasser und Situation stimmen oft mit der wirklichen Situation nicht überein. So wird in der alttestamentlichen Wissenschaft fast übereinstimmend angenommen, dass ein großer Teil der 5 Bücher Mose erst ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. bis in die nach-exilische Zeit entstanden und auch aus dieser Zeit zu verstehen ist. Natürlich sind auch Erinnerungen aus früheren Zeiten aufgenommen. Da die intensive historisch-kritische Forschung der letzten rund zweihundert Jahre keine einheitlichen Ergebnisse erbrachte, wenden sich heute viele dem Endtext zu, wie er im AT vorliegt, der nach allgemeiner Auffassung aus später Zeit ist. Damit wird aber die Frage nach dem wirklichen Geschehen zurückgedrängt. Für die Geschichte Israels bedeutet dies: Die biblische Erzählung stimmt nur zum Teil mit der historisch-kritisch rekonstruierten Geschichte Israels überein. Die Übereinstimmung ist je nach Forscher unterschiedlich groß. Berichtet das AT, dass ganz Israel in Ägypten war und beim Auszug Ägypten verließ, war nach der historisch-kritischen Forschung nur ein kleiner Teil des späteren Israel am Auszug beteiligt. 2. Um dann aber die Texte nicht als bewusste Fälschung bzw. Verfälschung von Tatsachen verstehen zu müssen, wo-bei diese Konsequenz auch schon gezogen wurde, werden folgende Forderungen notwendig: a) Es ging gar nicht um historische Berichte. Die eigentliche Aussage, auf die es ankommt, wurde in einen geschichtlichen Bericht gehüllt, der aber im Grunde unwichtig ist. b) Es wird behauptet, die Menschen zur Zeit des AT hatten ein anderes Verfasser- und Literaturverständnis. Die einzelne Person war als Schriftstellerpersönlichkeit nicht so entscheidend. Es sei völlig unproblematisch gewesen, dass an Texten jahrhundertelang weiter gearbeitet wurde und dass sie auf wichtige Personen zurückgeführt wurden. Im Blick auf die historische Kritik stellt sich noch einmal die Grundfrage, wie Offenbarung in einem solchen System gedacht werden kann oder ob nicht doch die menschliche Erfahrung das Entscheidende ist. II. Ein Orientierungsrahmen für den Umgang mit dem AT Ich habe im ersten Teil bewusst versucht, die Kritik am AT unter drei Aspekten zu bündeln. Denn genau diese drei Bereiche, Kanon, Offenbarung und Geschichte, möchte ich im zweiten Teil wieder aufgreifen beim Versuch einer Darstellung, wie ich und wir Lehrer am Albrecht-Bengel-Haus das AT verstehen und mit ihm arbeiten wollen. Dabei sind bei weitem nicht alle Detailfragen geklärt. Ich spreche deshalb von einem Orientierungsrahmen für die Arbeit am AT. Das AT ist zusammen mit dem NT zu verstehen als Kanon der christlichen Kirche und damit als Heilige Schrift. Es ist zu verstehen als Offenbarung und damit Wort Gottes. Und das in ihm geschilderte Geschehen ist auch in seiner historischen Bedeutung ernstzunehmen. Alle drei Aspekte sind in gleicher Weise zu berücksichtigen. Nur die Gesamtsicht wird meines Erachtens dem AT gerecht. Wir sind dankbar für alle positiven Beiträge in einem dieser Bereiche, möchten aber auch kritisch zurückfragen im Blick auf das Gesamtverständnis. 1. Das AT als Kanonteil der christlichen Kirche Das AT ist Heilige Schrift und damit maßgebliche und verbindliche Grundlage für die Kirche – natürlich nur zusammen mit dem NT. Die Begründung: a) Das NT treibt keine Kanonkritik. Das Alte Testament ist „Schrift“. Dies meint anerkannte, Heilige Schrift. Inhaltlich wird das Neue des Neuen Bundes deutlich herausgestellt. Aber das Neue ist Erfüllung des im AT Verheißenen. So ist das NT ganz stark auf das AT bezogen und mit ihm vernetzt. Von vielen Stellen des NT können nur ein paar wenige genannt werden. Mt. 1,1: Der erste Satz des NT „Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams“ stellt Jesus in eine ganz enge Beziehung mit dem AT. Und dabei ist gerade die im AT erzählte Geschichte von großer Bedeutung (Mt. 1, 1-17). Joh. 2, 22 berichtet: Als Jesus von den Toten auferweckt war, erinnerten sich die Jünger an das Geschehen und „glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte“. Hier stehen das AT und das Wort Jesu als Grundlage des Glaubens nebeneinander. In 1. Kor. 15, 3f führt Paulus aus, dass Jesus „nach den Schriften“ gestorben und auferstanden ist. Der Gebrauch des Wortes „Schrift“ im NT legt nahe, für die Zeit Jesu von einem abgeschlossenen und anerkannten Kanon auszugehen; sonst könnte nicht in dieser Weise eben auf „die Schrift“ verwiesen werden. Auch in der Auseinandersetzung Jesu mit seinen theologischen Gegnern war mit dem Bezug auf „die Schrift“ eine anerkannte gemeinsame Basis angesprochen (Joh. 5, 39; 7, 38; 10, 35). b) Die Kirche ist nicht Markion gefolgt. Sie hat sich für den Kanon aus AT und NT entschieden, was bis zur beginnenden Kritik in der Aufklärung bis auf wenige Ausnahmen außer Zweifel stand. 2. Das AT als Offenbarung Gottes Auch hier gehen wir zunächst vom Zeugnis des NT aus. Einige Stellen seien genannt: Nach 2. Tim. 3, 16 ist „alle Schrift (gemeint ist das AT) von Gott eingegeben.“ Hebr. 1,1 nennt zwei verschiedene Weisen des Redens Gottes: „… zu den Vätern durch die Propheten“ und „zu uns … durch den Sohn“. Das prophetische Wort des AT ist als Reden Gottes verstanden. Im Röm. 3, 1 fragt Paulus nach dem Vorzug der Juden. Seine Antwort: „… ihnen ist anvertraut, was Gott geredet hat“. Das heißt, das AT ist Wort Gottes, indem Gott im und durch das AT redet. Nun muss an dieser Stelle aber auch bedacht werden, dass es nicht nur die Kritik an der Offenbarung gibt, sondern auch eine positive Zuwendung zum AT als Offenbarung, die doch zu falschen Ergebnissen führt. Dies ist dann der Fall, wenn Einzelworte oder Texte aus dem heilsgeschichtlichen und gesamtbiblischen Zusammenhang gerissen werden und ihre Übertragbarkeit für uns heute isoliert vom Ganzen gefordert wird. Im Blick auf die Bibel darf Offenbarung nicht so verstanden werden, dass ein vom Himmel gefallenes Buch lauter Gottesworte enthält, die je einzeln richtig verstanden werden können. Wenn es so wäre, hätte Jesus bei der Versuchung Satan mit seinen Bibelworten nicht zurückweisen können. Wie haben wir dann Offenbarung zu verstehen? Ein Doppeltes: a) Gott hat geredet zu Mose und den Propheten und über sie zu seinem Volk. Und Gott hat handelnd in die Geschichte eingegriffen. Direkt! Das „So spricht der Herr“ ist in dieser wörtlichen Bedeutung ernstzunehmen. b) Aber das AT (und NT) enthält nicht nur direktes Gotteswort, sondern auch viele Aussagen und Erzählungen von Menschen. Darunter sind auch Worte und Handlungen, die gar nicht befolgt werden sollen, etwa der Ehebruch Davids oder das Wort von Hiobs Frau: „Sage Gott ab und stirb!“. Dieses Wort wird für uns zur Offenbarung, zum Wort Gottes, weil Gott durch den Gesamtzusammenhang zu uns reden möchte. 3. Die Bedeutung der Geschichte für das AT Die Auseinandersetzung mit der historischen Kritik kann hier nicht ausführlich geführt werden. Mit ein paar Anmerkungen müssen wir uns begnügen. a) Es ist zu fragen, ob nicht Jesus und die Zeugen des NT das im AT Erzählte als wirklich geschehen verstanden haben. Dafür spricht die Darstellungsweise des NT. Hermann Gunkel, einer der großen Alttestamentler am Anfang dieses Jahrhunderts, hat eingeräumt, dass Jesus und die Apostel die Erzählungen des AT für Wirklichkeit hielten. Aber er misst ihnen in diesen Fragen keine besondere Stellung zu; sie teilen darin die Meinung ihrer Zeit. Es ist kritisch zurückzufragen: Verstehen wir heute aus einer viel größeren zeitlichen Distanz das AT besser? Und müsste nicht der Umbruch zu einem geschichtlichen Verständnis zwischen der Zeit des AT und NT greifbar sein? Es bleibt der Eindruck vom AT selber her, dass die erlebte Geschichte und das darin erfahrene Handeln Gottes berichtet wird. Anders ist der bewusste Geschichtsbezug der Texte letztlich nicht zu erklären. b) Ähnliches gilt für das Verständnis von Verfasser und Literatur. Dabei ist im AT zu beobachten, dass für manche Bücher oder Buchteile ein Verfasser nicht angegeben und bekannt ist. Andererseits wird aber häufig auf verwendete Literatur verwiesen. Gab es aber schon verhältnismäßig früh in Israel weitere Literatur, die uns nicht bekannt ist, dann ist die Entstehungs- und Überlieferungsgeschichte nur sehr schwer zu rekonstruieren, weil die notwendigen Quellen fehlen. Andererseits ist aber von einem bewussten Umgang mit Literatur auszugehen. Außerdem gibt es nicht wenige Aussagen, die für eine frühe Verschriftung von Teilen des AT sprechen. Auch werden Abschnitte, Buchteile und ganze Bücher bewusst einzelnen Personen zugeschrieben. c) Die Ergebnisse der historisch-kritischen Forschung sind nicht ausdrücklich den Texten zu entnehmen, sondern interne Rückschlüsse aus Beobachtungen am Text. Dabei sind die Beobachtungen teilweise nachvollziehbar, aber man kann durchaus andere Folgerungen daraus ziehen. Die Ergebnisse sind also häufig hypothetisch. Dies wird auch daran deutlich, dass innerhalb der historisch-kritischen Forschung in vielen Detailfragen keine Einigkeit besteht. d) Es ist einzuräumen, dass im Blick auf die Geschichte nur Wahrscheinlichkeitsurteile möglich sind. Aber gerade deshalb kann man unter anderen Voraussetzungen auch zu andern Ergebnissen kommen, die für die geschichtliche Zuverlässigkeit des AT sprechen. Schluss Das AT im Kreuzfeuer der Kritik. In der Tat. Die Bedeutung und die Deutung des AT ist umstritten. Deshalb will dieser Vortrag ermutigen, den Reichtum des AT neu zu entdecken und ihn festzuhalten. Dabei ist, so betonte Johann Albrecht Bengel, nicht jedem aufgegeben, das Ganze der Schrift zu erfassen. Aber die ganze Kirche braucht die ganze Schrift. Er schreibt: „Es ist nicht eben alles, was in der Heiligen Schrift enthalten ist, einem jeden Menschen, der selig werden soll, zu wissen nötig … Hingegen leuchtet die ganze Schrift der ganzen Kirche vor und zeigt nicht nur den Weg des Heils …, sondern erweist auch den Ursprung und das Ziel aller Dinge.“ Das Ziel der Bemühungen um das AT und die ganze Heilige Schrift ist dieses Anliegen Bengels: Die ganze Schrift für die ganze Kirche.

Alte Testament im Kreuzfeuer der Kritik Vortrag
von Hartmut Schmid, Tübingen, Studienleiter im Albrecht-Bengel-Haus (mit freundlicher Genehmigung entnommen aus „Theologische Orientierung“ Nummer 107, Juli 1997; das Mitteilungsblatt, eine Quartalszeitschrift, kann kostenlos bezogen werden bei: Albrecht-Bengel-Haus, Ludwig-Krapf-Str. 5, 72072 Tübingen) Leseprobe aus Das Fundament 1/98

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