Vom Unbehagen eines nicht-charismatischen Evangelikalen

Mein spiritueller Weg

Ich wuchs auf in einer konservativen baptistischen Gemeinde im Süden von Kalifornien. Im Alter von vier Jahren erfuhr ich meine Bekehrung, als ich im Sommer 1956 die Ferien-Bibelkurse besuchte. Es war mein Bruder, der mich im reifen Alter von fünfeinhalb Jahren zu Christus brachte. Ironie des Schicksals: Er selbst war zu dieser Zeit gar nicht gläubig. Ein Dutzend Jahre später war ich dann Werkzeug dafür, ihn zum Erlöser zu bringen.

Meine Jugend war von Furchtsamkeit geprägt: Ich war ein Clark Kent ohne Alter. Ich hatte Angst vor dem Leben, Angst vor Neuem, Angst davor, meine Fragen laut zu äußern. Trotzdem – oder vielleicht deswegen – war ich Jugendgruppenleiter. Aber ich hatte Fragen, die mir keine Ruhe ließen – Fragen über eine authentische christliche Erfahrung. Im Alter von sechzehn Jahren befand ich mich dann mitten in einer lebensbedrohlichen Krise: In Anbetracht des Aufruhrs in meinem Herzen stimmte ich rasch zu, als ein Freund mich zu einem Revival der Charismatiker im Melodyland in Anaheim/Kalifornien einlud. Das Gebäude war überfüllt, einige tausend Menschen bildeten die Zuhörerschaft. Der Sprecher sagte Verschiedenes, das mich intellektuell aufrührte. Er forderte uns auf, zum Altar zu kommen, und ich war bereit, nach vorne zu gehen und ihm einen Teil meines Wesens zu überantworten. Als ich von meinem Sitz aufstand, ergriff der Heilige Geist mein Herz und sagte: „Nein, deshalb gehst du nicht nach vorne. Du musst mit Gott ins Reine kommen.“ Natürlich sprach er nicht hörbar zu mir, und diese Worte sind nicht als Neonlettern zu verstehen. Aber als ich aufstand und bevor ich auch nur einen Schritt tat, war ich auf überwältigende Weise meiner Sündhaftigkeit überführt. Der Geist Gottes war eindeutig an diesem Ort!

Während ich mich vorwärts bewegte, strömten ungefähr vier- oder fünfhundert andere Menschen nach vorne zur Mitte der Bühne. Unter Hunderten von Menschen dort war ich recht verblüfft. als der Sprecher, mit dem Mikrophon in der Hand, ausgerechnet mich auswählte. „Warum bist du nach vorne gekommen, junger Mann?“ fragte er mich. „Ich bin gekommen, um mein Leben aufs Neue Christus zu weihen“, antwortete ich. Gut, dass der Heilige Geist Einfluss auf mein Herz nahm, bevor meine Lippen in Gang kamen!

Dieser Abend des 6. Januar 1969 war ein Wendepunkt in meinem Leben. Noch immer begehe ich diesen Tag als meinen spirituellen Geburtstag (da das genaue Datum meiner Bekehrung mit vier Jahren etwas nebulös war und noch immer ist). In derselben Nacht lud mich, bevor ich Melodyland verließ, ein Mann namens David Berg ein, seine Gefolgschaft in Huntington Beach zu besuchen. Diese Gruppe, die damals unter dem Namen „Leuchtturm von Huntington Beach“ bekannt war, wurde später als „Die Kinder Gottes“ bekannt, und David Berg wurde später David Moses oder Moses David genannt.

Ich schloss mich dieser Gruppe an und wurde ein Charismatiker. Die Gruppe sprühte vor Anbetung und vertrat mutig das Evangelium. Mein Glaube lebte. Mein Gebetsleben wuchs und gedieh. Und ich gewann Mut. Ich betete mehrere Stunden jeden Tag; ich betete darum, dass Gott mir die Gabe des Zungenredens gewähren möge. Als einer der „Apostel“ (Apostel Bob, glaube ich hieß er) im Leuchtturm entdeckte, dass ich noch nicht in Zungen geredet hatte, fragte er mich, ob ich schon im Geiste getauft worden sei. Als ich das verneinte, legte er mir die Hände auf und erledigte das gleich an Ort und Stelle. Und als er sah, dass sich dadurch nichts änderte, äußerte er Zweifel an meiner Erlösung. So verließ ich still und leise die Gruppe. Die darauf folgenden Monate verbrachte ich in der Gemeinschaft der Calvary Chapel, wo die neo-charismatische Bewegung ihre Ursprünge hat. Schließlich, wandte ich mich überhaupt von der charismatischen Bewegung ab. Aber mein Eifer für Gott war nicht gestillt. Ich wurde als Nicht- Charismatiker Teil der Jesus-Bewegung. Ich fuhr fort zu beten, zu missionieren und die Bibel zu lesen. Tatsächlich gab es einen längeren Zeitraum, wo ich das Neue Testament jede Woche von vorne bis hinten las. Ich sah Gottes Hand in Allem. Und der Herr gewährte mir Mut in einem Maße, wie es mir von Natur aus nicht zukam. Auch nachdem ich die charismatische Bewegung verlassen hatte, brauchte ich noch lange Zeit, um meine Leidenschaft für Jesus Christus durch eine Leidenschaft für die Bibel zu ersetzen.

Aufgrund meines Interesses an spirituellen Dingen entschloss ich mich, ein christliches Liberal Arts College [in etwa: Schule für Christliche Allgemeinbildung; Anm. d. Ü.] zu besuchen. Ich ging zur Biola-Universität, heiratete ein hübsches irisches Mädel direkt vom College weg und ging dann nach Dallas, um dort meine theologische Ausbildung fortzusetzen.

Während meines Studiums, verlor ich über die Jahre unmerklich meinen früheren, lebensprühenden Kontakt mit Gott. Meine Erkenntnis der Schrift wurde vervollkommnet, aber mein Weg mit Gott wurde immer schleppender, bis er nur noch ein dahin kriechen war. In meiner Beschäftigung mit der Schrift nahm ich eine defensive und apologetische Haltung ein. In den letzten paar Jahren habe ich schließlich begonnen, die Richtigkeit dieser Einstellung infrage zu stellen, weil ich – zumindest im Unterbewusstsein – erkannte, dass er meine tiefste Sehnsucht nicht befriedigen konnte.

Joe Aldrich, der Präsident des Multnomah Bible College, sagte einmal zu mir: „Nach dem Abschluss des Seminars braucht der durchschnittliche Student fünf Jahre, um aus dieser Erfahrung aufzutauen.“ Für die meisten Seminar-Studenten geschieht dieses Auftauen, so vermute ich, durch den ganz natürlichen Gang der Dinge. Dagegen waren bei mir gleich mehrere Krisen notwendig, bevor der Herr mich wiederaufzuwärmen begann. Die jüngste davon betraf meinen Sohn Andy, als er acht Jahre alt war – das ist gerade zwei Jahre her. Im Dezember 1991 wurde Andy mein Sohn von einem Mitschüler in den Bauch getreten. Er hatte danach Bauchschmerzen, die eine ganze Zeit lang anhielten. Zwei Monate danach vergaß Andy einmal, durch einen Zufall des Herrn geleitet, die Badezimmertür zu schließen, und meine Frau kam in diesem Moment vorbei. Sie sah etwas, das sie zutiefst erschreckte: sein Urin war braun. Noch am gleichen Tag ging sie mit ihm zu unserem Hausarzt. Der war nur der Erste einer ganzen Reihe von Ärzten und Spezialisten. Keiner von ihnen konnte herausfinden, was Andy fehlte. Schließlich wurde er am 20. April 1992 für eine Nierenbiopsie in der Kinderklinik aufgenommen. Bevor die Nierenbiopsie stattfand, wurde noch eine Ultraschall-Untersuchung durchgeführt. Wir hatten ein Blutgerinnsel in der Niere erwartet, doch das Sonogramm zeigte, dass es mehr als das war. Es konnte ein Tumor sein. Einer der Ärzte schlug vor, statt der Biopsie gleich eine explorative Operation durchzuführen. Für mich klang das völlig verrückt! Meinen „Beaker“ aufschneiden! Widerwillig gaben wir unser Einverständnis für den Eingriff. Die Operation fand am Mittwoch, dem 22. April statt. Damit begann einwahrer Alptraum. Einer der Ärzte bereitete uns im Voraus darauf vor: Mr. und Mrs. Wallace, Sie brauchen sich wegen dieser Operation keine allzu großen Sorgen zu machen. Was man auf dem Sonogramm gesehen hat, kann immer noch einfach ein Blutgerinnsel sein. Und wenn es kein Blutgerinnsel ist, dann handelt es sich am wahrscheinlichsten um einen gutartigen Tumor. Und wenn er nicht gutartig ist, dann ist es wahrscheinlich ein Wilms-Tumor. Das ist ein angeborener Nierenkrebs, der bei Kindern vorkommt. Er ist behandelbar und heilbar. Wenn es allerdings kein Wilms-Tumor ist, dann gibt es die ganz entfernte Möglichkeit, dass ihr Sohn ein Nierenzellkarzinom hat. Aber das ist bei Kindern eine so seltene Krebsart, dass die Wahrscheinlichkeit dafür äußerst gering ist. In den endlosen Stunden während und nach der Operation wurden wir von einer furchtbaren Nachricht nach der anderen überrollt. Andy hatte tatsächlich ein Nierenzellkarzinom. Und es handelte sich dabei nicht nur um den normalen Typ – der an sich schon tödlich genug ist – sondern Andy hatte den aggressiveren Typ eines Nierenzellkarzinoms. Weniger als zehn Kinder, bei denen dieser Typ weltweit je diagnostiziert wurde, haben damit mehr als zwei Jahre überlebt. Außer einer radikalen Operation gibt es buchstäblich keine Behandlung und keine Heilung, soweit die medizinische Wissenschaft es sagen kann. Aber mitten in alldem gab es auch positive Erkenntnisse – Erkenntnisse von schicksalhaftem Charakter, Erkenntnisse, die mir die Hoffnung gaben und immer noch geben, dass mein Sohn am Leben bleiben wird. Erstens: Der Raufbold, der Andy in den Bauch getreten hatte, hatte ihm wahrscheinlich das Leben gerettet. Nur in einem Drittel der Fälle gibt es beim Nierenzellkarzinom blutigen Urin. Andere Symptome bestehen gewöhnlich in leichten Bauchschmerzen und gelegentlich erhöhter Temperatur . Erst der Tritt in den Bauch hatte wahrscheinlich den blutigen Urin ausgelöst. Zweitens: Der eine Arzt, der auf einer explorativen Operation statt einer Biopsie bestanden hatte, hatte ihm ebenfalls das Leben gerettet. Das Nierenzellkarzinom ist ein so aggressiver Krebs, dass in jedem berichteten Fall, in dem eine Biopsie durchgeführt wurde, der Patient daran verstarb. Inmitten aller Fragen, aller Verwirrung und aller Schreie zu Gott konnte ich doch in alledem noch seine Hand erkennen. Andys Niere wurde entfernt und er durchlief verschiedene sehr strapaziöse Untersuchungen, bei denen sein Körper nach irgendwelchen Resten von Krebs durchsucht wurde. Denjenigen von Ihnen, die mit Krebsleiden vertraut sind, brauche ich nichts über die Qualen einer Knochenmarkszintigraphie zu erzählen. Sechs Tage voller Untersuchungen brachten keine Spur von Krebs zutage. Ein Nierenzellkarzinom ist bei Kindern so selten, dass Andy der erste bekannte Fall in den Vereinigten Staaten seit acht Jahren war. Weltweit ist er das 161. Kind, bei dem jemals diese Diagnose gestellt wurde. Es gibt keine Selbsthilfegruppen! Bevor Andy aus dem Krankenhaus kam, konnte sich ein Team von zehn Ärzten nicht darüber einigen, ob eine Chemotherapie durchgeführt werden sollte. Es wäre eine rein präventive Maßnahme, aber beim Nierenzellkarzinom ist Prävention alles. Wenn der Krebs metastasiert, wird Andy sterben (nach dem, was die Statistiken sagen). Kein Kind hat je das erneute Auftreten eines Nierenzellkarzinoms überlebt. Uns wurde die Entscheidung überlassen, ob wir eine Chemotherapie wollten oder nicht. Wir entschieden uns für eine Chemotherapie, weil das Risiko, sie zu unterlassen und ihm dadurch möglicherweise das Leben zu nehmen, unerträglich war. Ich kann gar nicht in Worten ausdrücken, was die folgenden sechs Monate für uns waren – für Andy, für mich und seine Mutter, für seine drei Brüder. Aber ich kann Ihnen sagen, dass ich mich emotional in einer Einöde befand. Ich war wütend auf Gott und fand ihn sehr distanziert. Hier war doch dieser kostbare kleine Junge, dem die Haare ausfielen und der immer mehr an Gewicht verlor. Es gab eine Zeit, da wog er nur noch fünfundvierzig Pfund. Sein Zwillingsbruder hatte zu diesem Zeitpunkt fünfundachtzig Pfund. Andy war so schwach, dass wir ihn überall hintragen mussten. Durch diese Erfahrung stellte ich fest, dass die Bibel nicht reichte. Ich brauchte Gott auf eine persönliche Art – nicht als Objekt meiner Studien, sondern als Freund, als Führer, als Tröster. Ich brauchte eine existenzielle Erfahrung des Einen Heiligen. Offen gesagt fand ich, dass die Bibel nicht die Antwort war. Ich fand die Schriften hilfreich – sogar in autoritativem Sinne hilfreich – als Anleitung. Aber solange ich Gott nicht fühlte, gab die Bibel wenig Trost. Mitten in diesem „Höllensommer“ begann ich zu erforschen, was aus meinem Glauben geworden war. Ich fand in mir eine Sehnsucht nach größerer Nähe zu Gott; aber ich sah mich nicht in der Lage, diese mit meinen eigenen, normalen Mitteln zu erreichen: mit Exegese, Schriftlesung, weiterer Exegese. Ich glaube, ich hatte Gott so sehr entpersonifiziert, dass ich gar nicht mehr wusste, wie ich mich mit ihm verständigen könnte, als ich ihn wirklich brauchte. Ich sehnte mich nach ihm, stellte aber in meiner cessationistischen* Umgebung viele, in der gesamten Gemeinde verbreitete Beschränkungen fest. Ich stellte fest, dass der Heilige Geist in meiner evangelikalen Tradition ebenso erstickt worden war wie in meinem eigenen Herzen. Diese Erfahrung mit der Krebserkrankung meines Sohnes war es, die mich zur Besinnung brachte, die mich zurück zu meinen Wurzeln brachte. Und aus dieser Erfahrung heraus habe ich mich in den vergangenen achtzehn Monaten mit den praktischen Aspekten der Pneumatologie auseinandergesetzt.*Der Begriff „cessationistisch“ stammt von dem lateinischen cessatio (aussetzen, nachlassen, aufhören)ab.

Elf Thesen
Ich glaube, im heutigen Nordamerika gibt es zwei Richtungen des konservativen Christentums, aber keine von beiden ist wirklich ganz zufrieden stellend. Es gibt das charismatische Christentum – die freigeistige, rechtshirnige Achterbahn der Erfahrungen. Und es gibt den evangelikalen Rationalismus – angespannt, linkshirnig, kopflastig, argumentativ. Keins von beidem ist eigentlich adäquat. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin ein überzeugter Cessationist. Ich glaube, dass die Zeichengaben im Verlauf des ersten Jahrhunderts aufhörten. Aber ich denke, dass die Cessationisten anfangen sollten, sich ernsthafter mit Gott einzulassen. Was wir brauchen, ist eine tief wurzelnde Reue – sowohl individuell als auch auf die ganze Gemeinschaft bezogen. Ich möchte Ihnen elf Vorschläge präsentieren, elf Provokationen – elf Thesen, wenn Sie so wollen –, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Ich habe noch keine 95 davon – und hier ist auch nicht die Wittenberger Kirche. Und, wie eingangs gesagt, diese Aufzählung befindet sich noch in einem Entwurfsstadium. Die Reihenfolge der Thesen ist daher etwas zufällig.

(1) Im ersten Jahrhundert starben zwar die Zeichengaben aus, aber nicht der Heilige Geist. Wir alle können das in theologischer Hinsicht bestätigen, aber in praktischer Hinsicht verhalten wir uns so, als wäre der Heilige Geist auch gestorben. Das ist meine fundamentale These, und es lohnt sich, diese These näher zu untersuchen. Wo können wir, als Cessationisten, das Wirken des Heiligen Geistes heute noch bezeugen? Was meinte Jesus, als er sagte: „Meine Schafe hören meine Stimme.“? Was meinte Paulus, als er erklärte: „Die vom Geist geleitet werden, diese sind die Söhne Gottes.“? Was meinte Johannes, als er schrieb: „Ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist.“?

(2) Während die Charismatiker der Erfahrung höhere Priorität einräumen als der Beziehung, räumen die rationalistischen Evangelikalen dem Wissen höhere Priorität ein als der Beziehung zu Gott. Beides trifft aber den Kern nicht. Und Paulus verurteilt im 1.Korintherbrief beides. Wissen macht aufgeblasen, und spirituelle Erfahrung ohne Liebe ist nichts wert.

(3) Die Betonung des Wissens vor der Beziehung führt uns in eine Bibel-Anbetung hinein. Da der Text unsere Aufgabe ist, haben wir ihn zu unserem Gott gemacht. Er ist unser Idol geworden. Ich will es einmal klar und deutlich sagen: Die Bibel ist kein Glied der Dreieinigkeit. Eine Dame in meiner Gemeinde sagte einmal betont witzig zu mir: „Ich glaube an die Dreieinigkeit: Vater, Sohn und Heilige Bibel.“

Eines der großen Vermächtnisse, die uns Karl Barth hinterlassen hat, ist sein christozentrischer Fokus. Es ist wirklich eine Schande, dass allzu viele von uns so heftig auf Barth reagiert haben, denn vor lauter Eifer, mit dem wir seine bibliologischen Mängel aufgezeigt haben, sind wir geradewegs zu Biblioten geworden. Barth und Calvin haben eine Menge gemeinsam: Sie zeigen eine Wärme, eine Frömmigkeit, eine Hingabe, ein Staunen in Gottes Gegenwart, das in vielen theologischen Wälzern fehlt, die aus unseren Kreisen hervorgegangen sind.

(4) Unter dem Strich kommt bei dieser Bibel-Anbetung eine Entpersonifizierung Gottes heraus. Und am Ende nehmen wir gar keine Beziehung mehr zu ihm auf. Er wird zu einem Objekt unserer Forschungen statt zu unserem Herrn, für den wir Subjekte sind. Unsere Religion wird aller Vitalität entleert. Und während Gott disseziert und (in Ihrem Falle, liebe Trichotomisten) triseziert wird, ändert sich unsere eigene Haltung vom „ich glaube an“ zu einem „ich glaube, dass“.

(5) Die Motivation für diese Entpersonifizierung Gottes kommt teilweise aus dem zunehmenden Bedürfnis nach Kontrolle. Was wir an den Charismatikern am meisten verachten, ist ihr Kontrollverlust, ihre Emotionalität. Davor haben wir Angst. Wir trösten uns damit, dass die „Selbstbeherrschung“ ein Teil der Frucht des Geistes ist. Aber wir meinen damit „tu alles in Maßen“ – einschließlich der Anbetung Gottes. Sollten wir aber in der Verehrung Gottes nicht vielmehr eine rücksichtslose Hingabe zeigen? Sollten wir uns nicht ganz auf ihn werfen, wo wir doch wissen, dass wir ohne ihn nichts tun können? Stattdessen wollen wir als typische Cessationisten jederzeit die Kontrolle behalten. Selbst wenn das bedeutet, dass wir Gott dadurch aussperren. Dieser Punkt, die Kontrolle, war es, der meinen Freund Sam so lange bei den Cessationisten hielt. Inzwischen ist Sam Mitglied der Vineyard-[Weinberg]Bewegung und ganz glücklich dabei: er erkennt nun an, dass er eigentlich niemals die Kontrolle innehatte. Mitten in dieser meiner Ansicht nach heterodoxen Verlagerung seinerseits hat er den aufrichtigen Durchbruch zu Gott geschafft.

(6) Gott ist noch immer ein Gott des Heilens und der Wunder. Als Cessationist kann ich die Tatsache anerkennen, dass es Wunder gibt, ohne einen Wunderwirkenden anzuerkennen. Gott ist noch immer ein Gott des Heilens, auch wenn sein üblicher Modus operandi nicht unbedingt ein Gesundbeter ist. Wenn Sie mir eine plumpe Verallgemeinerung erlauben: Das Problem bei den Charismatiker ist ihr Glaube, dass Gott nicht nur heilen kann, sondern heilen muss. Gott wird auf diese Weise zu einem Werkzeug, das der allmächtige Glaubende handhabt. Das ist einer der Gründe dafür, dass in der Geschichte der charismatische Glaube eine Bewegung unter den Arminiern war. Das Problem bei den Nicht-Charismatiker ist andererseits, dass sie zwar behaupten, dass Gott heilen kann, aber davon ausgehen, dass er es nicht tun wird. Ich glaube eigentlich nicht, dass sie an Gottes Fähigkeit glauben – sie glauben wohl eigentlich nicht, dass Gott heilen kann. Das Problem bei den Charismatikern ist also die Negierung von Gottes Souveränität; das Problem bei den Nicht-Charismatikern die Negierung von Gottes Fähigkeiten oder seiner Güte oder von beidem gleichzeitig. Und keine der beiden Parteien geht vollkommen ehrlich mit Gott um. Keine vertraut ihm bedingungslos. Lassen Sie mich das noch etwas weiter ausführen: Ist es einem Calvinisten möglich zu sagen, dass der Herr von einem Arminier Gebrauch machen könnte, um jemandem Erlösung zu bringen? Ja, ich denke, Calvinisten würden einräumen, dass so etwas möglich wäre. Wenn das so ist, ist es nicht gleichbedeutend damit, dass Gott einen „Gesundbeter“ benutzen könnte, um jemanden zu heilen? Mit anderen Worten: Kann ich, als Cessationist, dem beistimmen, dass Gott manchmal jemanden durch die Anwesenheit oder den Stimulus eines Gesundbeters heilt? Vielleicht zeigte der Kranke oder der Gesundbeter ja einen besonders starken Glauben. (Schließlich zeigen die Charismatiker ja eher Glauben an Gottes Fähigkeiten als die Cessationisten.) Könnten wir in einem solchen Fall nicht sagen, dass Gott weniger dem Gesundbeter Macht verliehen als vielmehr einfach seinen Glauben belohnt hat?

Wenn diese Vorstellung zutrifft, würden wir nicht unbedingt erwarten, dass jeder Mensch, den ein Gesundbeter berührt, auch geheilt wird. Und genau so ist es auch: Nicht jeder wird geheilt. Da der normale Modus operandi des Heilens der durch den Glauben eines Menschen ist, kann ich als Cessationist sowohl sagen, dass in charismatischen Kreisen oft ein starker Glaube existiert, als auch, dass es heutzutage so etwas wie einen Bonafide(ehrliche,redlich)-Gesundbeter nicht gibt. Ich kann akzeptieren, dass in ihrer Mitte Wunder geschehen, ohne zu akzeptieren, dass es einen Wunderwirkenden gibt.

(7) Evangelikaler Rationalismus kann zum Abfall von der Spiritualität führen. Ich spreche hier über die Erstickung des Geistes während des theologischen Aufbaustudiums und über die Verführung des akademischen Denkens. Den meisten von uns werden wohl Beispiele einfallen für junge, begabte Studenten unter unserer Mentorschaft, die in der akademischen Umgebung all ihre christlichen Überzeugungen zu verlieren schienen. Für viele von uns sind diese Erinnerungen nur zu schmerzlich. Wie oft haben wir schon einen Daniel in die Löwengrube geschickt und ihm gleichzeitig durch unser Verhalten klargemacht, dass Beten überhaupt nichts bringt? Für mich gibt es ein bestimmtes Beispiel, bei dem mir die Erinnerung schwer wird. Einer meiner intelligentesten Studenten ging, vor etwa dreizehn Jahren, für seine Doktorarbeit nach Übersee. Wir bereiteten ihn gut darauf vor, was die Exegese betraf. Aber wir bereiteten ihn nicht gut vor, was das Beten betraf. Vor ein paar Jahren traf ich ihn wieder und stellte fest, dass über sein evangelikales Erbe nur noch verwirrt war. Er stellte selbst die Einmaligkeit Jesu infrage. Dieser Student hatte einen Teil des Arsenals, das ihm zur Verfügung gestellt worden war, einfach verdrängt: das Zeugnis des Heiligen Geistes, etwas, zu dem ein Ungläubiger keinen Zugang hat. Bis heute frage ich mich, inwieweit ich selbst beigetragen habe zu der Verwirrung dieses Mannes und zu seiner Verdrängung des Zeugnisses des Heiligen Geistes. Es sind nicht alleine die geschichtlichen Daten und Fakten, die jemanden dazu bringen, die Auferstehung als Wahrheit anzunehmen. Der Geist muss auf unser Herz einwirken und unsere natürliche Reserviertheit überwinden. Wenn unsere Studenten, die nach dem Abschlussexamen an ihre Doktorarbeit gehen, nicht mehr daran denken, dass es zuerst und vor allem der Heilige Geist war, der sie zu Christus gebracht hat, und wenn sie dann sein Zeugnis in ihrem Herzen verdrängen, dann sind sie reif zum Abfall von der Spiritualität. Sie müssen – ebenso wie wir alle, die wir in einer akademischen Umgebung leben – daran erinnert werden, dass ein christliches Leben nicht nur aus Exegese und Apologetik besteht. Ich spreche hier nicht nur von Erfahrungen meiner Studenten. Ich selbst fand mich, als ich mich während meines Promotionsstudiums intensiv mit den Daten und Fakten über die Auferstehung herumschlug, plötzlich mitten in einer existenziellen Krise wieder. Damals studierte ich biblische Theologie und setzte mich intensiv mit den zwei großen Denkern Rudolf Bultmann und Karl Barth auseinander. Ich war beeindruckt von der Tatsache, dass – so stringent die geschichtlichen Daten und Fakten über die Auferstehung auch sein mochten – immer noch ein gewisser Zweifel blieb und bleiben würde. Daten und Fakten alleine können die Kluft zwischen uns und Gott nicht überbrücken. So sehr ich auch versuchte, die Daten vom Anfang bis zum Ende reichen zu machen, damit zwischen Herz und Verstand vollkommene Übereinstimmung herrschte – ich schaffte es nicht. Irgendwann war ich dann bis tief ins Herz verzweifelt. Ich war schon so tief in den Objektivitäts-Kult hineingezogen worden, dass ich vergessen hatte, wer mich überhaupt erst zum Glauben gebracht hatte. Erst als ich zögernd die Tatsache akzeptierte, dass doch zumindest an irgendeiner Stelle der Glaube eine Rolle spielen musste – und zwar unter Vermittlung durch den Heiligen Geist –, schaffte ich es, meine Verzweiflung zu überwinden. Die nicht-verifizierbaren Elemente des Evangelikalismus waren mir eher zur Peinlichkeit geworden als zu einem Anker.

(8) Die Power-Broker des rationalen Evangelikalismus seit der Jahrhundertwende waren weiß, männlich und zwanghaft. Seit den Tagen der Princeton-Absolventen (Warfield, Hodge, Machen u.a.) wird der amerikanische nicht-charismatische Evangelikalismus von weißen, linkshirnigen, nachaufklärerischen, zwanghaften Männern mit schottischer Vernunft dominiert. Durch diese Situation wird möglicherweise ein Teil vom Bilde Gottes unterdrückt, vielleicht wird dadurch auch das Zeugnis des Geistes zum Teil unterdrückt. Und vielleicht fällt sie auch aus dem historischen Verlauf des Christentums heraus. Die demographischen Gegebenheiten haben vielfältige Folgen.

”¢ Die weiße evangelikale Gemeinschaft muss auf die schwarze evangelikale Gemeinschaft hören und von ihr lernen. Ich finde es äußerst faszinierend, dass die Erfahrungen mit Gott in der schwarzen, nicht-charismatischen Gemeinschaft sehr verschieden sind von denen in der weißen nicht-charismatischen Gemeinschaft. In vieler Hinsicht ähneln sie eher den Erfahrungen weißer Charismatiker als den Erfahrungen weißer Cessationisten mit Gott. Eine umfassende Erfahrung von Gott findet immer Kontext der Gemeinschaft statt. Und diese Gemeinschaft muss heterogen sein. Wenn, wie oft gesagt wird, in Amerika die Absonderung Sonntags vormittags zwischen 11 und 12 Uhr am größten ist, dann stimmt irgendetwas ganz und gar nicht mit der Kirche.

”¢ Der Heilige Geist wirkt nicht nur in der linken Gehirnhälfte. Er arbeitet auch am rechten Hirn: Er facht unsere Vorstellungskraft an und lässt uns froh sein, lachen, singen und erschaffen. Nur wenige Christen arbeiten heutzutage oder widmen sich ganz der Kunst. Wo sind die Liedkomponisten? Wo sind die Romanschreiber? Die Maler? Die Dramatiker? Ein sehr hochrangiger Herausgeber einer christlichen Zeitschrift sagte mir vor zwei Wochen, dass er auf dem Gebiet der Belletristik nur einen einzigen hervorragenden christlichen Schriftsteller wisse. Was machen unsere theologischen Seminare, um die Rechtshirnigen anzuspornen? Was tut die Kirche, um sie anzuregen?

”¢ Im Großen und Ganzen sind Frauen mehr auf Empfang als Männer, was das rechte Hirn anbetrifft. Wir Männer haben es versäumt, den Frauen in unserer Mitte zuzuhören – und dieses Versäumnis hat damit zu tun, dass wir nicht auf die Stimme des Geistes hören. Wenn das Imago Dei männlich und weiblich ist, dann verzerren wir eben dieses Bild vor den Augen der Welt, indem wir den wertvollen Beitrag, den Frauen leisten, im Kern ersticken.

(9) Wir brauchen noch immer die Führung des Heiligen Geistes, um den Willen Gottes zu erkennen. Der Rationalismus in unseren Kreisen macht das Fällen von Entscheidungen zu einem rein intellektuellen Vorgang. Das Gebet hat dabei keinen Platz. Der Heilige Geist hat dabei keinen Platz. Ich glaube, dass es noch einen Mittelweg gibt zwischen der täglichen Erwartung von Offenbarungen einerseits und den ausschließlich auf Logik und Vernunft basierten Entscheidungen andererseits. Garry Friesens „Decision-Making and the Will of God” [„Unsere Entscheidungen und der Wille Gottes“] hat viel dazu beigetragen, manche einfältigen Vorstellungen darüber zu korrigieren, wie wir im weltlichen Bereich funktionieren. Aber ich glaube, Friesen ist dabei zu weit gegangen. Ich empfange vielleicht keine Offenbarungen, aber ich glaube trotzdem, dass der Geist mich oft mit unausgesprochenen Impulsen leitet. Zugegebenermaßen geschieht das vor allem im moralischen Bereich, und Friesen behandelte im Prinzip den amoralischen Bereich. Aber für die Führung des Geistes im moralischen Bereich bin ich immer sensibler geworden durch die grundlegende Erkenntnis, dass der Geist mich heute eigentlich in allen Bereichen leitet.

(10) Wenn wir nach der Kraft des Geistes suchen, dürfen wir dem Leiden Christi dabei nicht aus dem Wege gehen. Das ist die Botschaft des Markus-Evangeliums: Die Jünger konnten den Christus in seiner Herrlichkeit nicht ohne den Christus in seinem Leiden haben. Allzu oft, wenn wir beschließen, dass es jetzt wieder einmal angebracht wäre, unsere Bekanntschaft mit Gott zu erneuern, tun wir das nach unseren eigenen Vorstellungen. Wiederum spreche ich aus persönlicher Erfahrung. Vor sechs Wochen starb einer meiner Studenten an Krebs. Ein anderer lag im Sterben. Ich begann die Studenten am Seminar in Dallas zu drängen, dass sie für ein Eingreifen Gottes beten sollten. Der Herr antwortete auf unser Gebet nicht so, wie wir es uns erhofft hatten. Vor drei Wochen wurde Brendan Ryan beerdigt. Mein Schmerz nahm noch zu, als ich seine drei kleinen Kinder beim Gedenkgottesdienst vor den Trauernden aufgereiht stehen sah. Ich hatte Brendan nur einmal im Krankenhaus besucht, und ich war entschlossen, dass so etwas nicht noch einmal vorkommen sollte. Zwei weitere meiner Studenten stehen am Rande des Todes. Ich habe sie letzte Woche angerufen und besucht. Und ich habe etwas über das Leiden und über die Aufrichtigkeit vor Gott gelernt. Ich stellte Gott Fragen – und tue das immer noch. Aus meinem Schmerz heraus – dem Schmerz über diese Studenten und ihre Familien, dem Schmerz über meinen Sohn, dem Schmerz über mich selbst – entstehen Aufrichtigkeit und Wachstum. Es gibt Momente, in denen ich an Gottes Güte zweifle. Doch ich zweifle nie daran, dass er für mich viel mehr gelitten hat, als ich je für ihn leiden werde. Und das ist der einzige Grund dafür, dass ich ihn meine Hand halten lasse auf dem Weg durch dieses dunkle Tal. Auf der Suche nach Gottes Macht habe ich seine Persönlichkeit entdeckt. Er ist nicht nur allmächtig, sondern er ist auch der Gott allen Trostes. Und eines der wichtigsten Mittel, die der Geist einsetzt, um uns zu Gott zu bringen, besteht darin, dass er uns durch das Leiden hindurch und nicht aus dem Leiden heraus führt.

(11) Eine Frage am Ende: Wofür legt der Geist Zeugnis ab? Mit Sicherheit über die Auferstehung Christi. Aber was ist mit den Schriften? Für eine bestimmte Interpretation vielleicht? Für eschatologische Dinge? Für exegetische Methoden? Antworten Sie nicht vorschnell. Manches davon muss man noch einmal überdenken. Und das ist auch meine Herausforderung an Sie: Ergründen Sie noch einmal, was das Neue Testament über den Heiligen Geist lehrt. Beschönigen Sie nicht die Texte, sondern kämpfen sie um ihre Bedeutung. Wenn der Geist nicht im ersten Jahrhundert gestorben ist – was tut er dann heute?
Vom Unbehagen eines nicht-charismatischen Evangelikalen von Daniel B. Wallace, Ph.D. Associate Professor für Neutestamentarische Forschung Theologisches Seminar Dallas Translation: Anne Schulz
Anmerkung des Herausgebers: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um die leicht modifizierte Version eines Vortrags, der auf der Regionalkonferenz der Evangelical Theological Society [Evangelikalen Theologischen Gesellschaft] 1994 an der John Brown University in Arkansas gehalten wurde. http://www.bible.org/page.php?page_id=2640

Ein Gedanke zu „Vom Unbehagen eines nicht-charismatischen Evangelikalen

  1. Dieser Satz stach beim Überfliegen besonders für mich hervor:

    „Wenn Sie mir eine plumpe Verallgemeinerung erlauben: Das Problem bei den Charismatiker ist ihr Glaube, dass Gott nicht nur heilen kann, sondern heilen muss. Gott wird auf diese Weise zu einem Werkzeug, das der allmächtige Glaubende handhabt.“

    Vielleicht sind solche „Extreme“ (letztlich auf beiden „Seiten“) ein Grund dafür, weshalb die Entfremdung zwischen Charismatikern und Pietisten wuchs und nicht die Einheit.

    Ja, Gott kann und will heilen!
    Amen und auf jeden Fall!
    Nicht die Krankheit ist Sein Ziel mit uns, sondern die Heilung!

    Und doch:
    Es gibt für uns keinen Automatismus.
    Gott kennt uns besser als wir uns.
    Wir wollen „Heilung“ mitunter „jetzt und sofort“.
    Aber Gott weiß, dass wir mitunter erst eine Heilung der Seele brauchen, bevor Er auch äußerlich heil macht.

    Letztlich:
    Es wird für uns Christen wohl zeitlebens eine Spannung bleiben.
    Pauschalantworten werden selten helfen.
    Aber ich meine:
    Wir dürfen von Gott erhoffen und erwarten, dass Er mit uns einen heilenden Weg vor Augen hat.
    Unser Job: Dranbleiben an Jesus.
    Sein Job: Alles weitere!

    Sei gesegnet!
    Dirk.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s