Pink Floyd

Das Leben des Syd Barrett

Er genoss nur wenige Jahre seinen Rockstar-Ruhm und verbrachte sein restliches Leben als Pflegefall: Syd Barrett, legendäres Gründungsmitglied der Band „Pink Floyd“. Neben Brian Jones („Rolling Stones“), Jimi Hendrix oder Janis Joplin gehörte er zu den berühmten Drogenopfern dieser Szene in den späten 60er Jahren, obwohl er im Gegensatz zu den anderen überlebte.
Die Anfänge von „Pink Floyd“ waren kurios: Barrett und seine Bandkollegen Roger Waters, Nick Mason und Richard Wright spielten Mitte der 60er Jahre in London Rock’n’Roll-Standards, als sie von der Hippie-Bewegung in San Francisco hörten. Angeblich beschlossen sie, fortan Musik wie Grateful Dead zu machen, obwohl in ganz Großbritannien keine Platte dieser Band aufzutreiben war. Sie spielten psychedelischen Rock, von dem sie meinten, er müsse sich wie der von Grateful Dead anhören.
Der Kunststudent Barrett war in der Anfangszeit der kreative Kopf von „Pink Floyd“. Psychedelik bedeutete für ihn, phantasievolle, rätselhafte, oft kindlich-naive Songs zu machen, wie man sie nie zuvor gehört hatte. Die erste Einspielung bei der Plattenfirma EMI, „The Piper at the Gates of Dawn“ (1967), ist fast allein seine Schöpfung. Zu dieser Zeit experimentierte er aber auch bereits heftig mit LSD. Kaum jemand wusste damals, wie gefährlich diese chemische Substanz ist. Barrett hatte einen Freund, der jedem Besucher Drogen in den Tee tat, auch gegen seinen Willen, und er stand unter seinem Einfluss. Eine Bekannte sagte: „Vier oder fünf Trips pro Tag, und das jeden Tag, das hält keiner aus.“ Aber seine Bandkollegen griffen nicht ein.
Anfangs schrieb Barrett einen verrückten Song nach dem anderen. Aber an der zweiten „Pink Floyd“-Platte „A Saucerful of Secrets“ (1968), war er nur noch mit einem Song beteiligt. Nach etwa eineinhalb Jahren hatte ihn das LSD kaputtgemacht. Bei den letzten „Pink Floyd“-Konzerten, an denen er teilnahm, wurde er von Roger Waters und dem neuen Gitarristen David Gilmour mit umgehängter Gitarre auf die Bühne geführt. Dort stand er dann bewegungslos; er wusste nicht, wo er war. In der Mitte des Konzerts hob er vielleicht eine Hand, was das Publikum frenetisch bejubelte. Er war das beliebteste Bandmitglied – spindeldürr, mit einem magnetischen, wohl auch ein bisschen irren Blick.
Aber so, mit einem Barrett, der von seinem Trip nicht mehr zurückkehrte, konnte es nicht weitergehen. Im April 1968 zog die Band Konsequenzen und warf ihn raus. Mit Bedauern, denn sie widmete ihm später die Hymne „Shine on you crazy Diamond“. Unter dem Einfluss von Roger Waters entwickelte sich „Pink Floyd“ nun in eine ganz andere Richtung – bis zu den Grenzen des Bombast-Rock. EMI hielt Barrett anfangs die Treue und versuchte, Soloplatten mit ihm zu produzieren, während er dachte, er sei immer noch Bandleader von „Pink Floyd“.
Drummer Nick Mason berichtete kürzlich in der Süddeutschen Zeitung, wie Barrett eines Tages in den 70er Jahren im Tonstudio von „Pink Floyd“ auftauchte: „Wir nahmen gerade ,Wish you were here’ auf. Da stand ein dicker Mann mit einer Glatze. Wir haben ihn nicht erkannt. Ich dachte zunächst, einer von den Technikern hat einen ulkigen Kumpel mitgebracht. Er sah andererseits nicht aus wie jemand, den man in die Abbey Road Studios lässt. David schaute lange durch die Scheibe in den Regieraum. Dann drehte er sich plötzlich zu mir um und sagte: Das ist Syd. Er hat ihn nur an seinen Augen erkannt – like black holes in the sky… Wir wollten die Aufnahmen fortsetzen. Aber das ging nicht. Es war traurig, verstehen Sie? Wirklich unfassbar traurig! Ich hatte Tränen in den Augen.“
Ende 1974 war Barrett zum letzten Mal bei Plattenaufnahmen. Er verbrachte viele Monate in der Psychiatrie. Dann kümmerte sich seine Mutter bis zu ihrem Tod 1991 um ihn. Er lebte völlig zurückgezogen in ihrem Haus in Cambridge und arbeitete dort hauptsächlich im Garten. Bei den Fans blühten die Spekulationen darüber, was aus ihm geworden sein mochte. Manche sagen, er habe viele geniale Gemälde produziert, aber jedes nach Fertigstellung gleich wieder verbrannt. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass er seit Mitte der 70er Jahre noch irgendwie kreativ arbeiten konnte. Die „TV Personalities“ griffen 1980 den Kult mit ihrem Stück „I know where Syd Barrett lives“ auf. 1998 wurde bei ihm Altersdiabetes festgestellt. Am 7. Juli 2006 starb er, nach offizieller Darstellung an den Folgen der Krankheit. Es gibt aber auch Gerüchte, er sei einem Krebsleiden erlegen.
Willi Winkler schrieb über Barrett: „Drogen töten, und manchem schenken sie auch gnädiges Vergessen. Syd Barrett wurde nicht vergessen, so sehr er sich auch mühte.“

   

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