Das lauernde Gespenst der Gewalt

Die Geschichte bringt uns dazu, die wesentlichsten Fragen des Lebens – manchmal mit tödlicher Gewalt – zu konfrontieren. Die Nachrichtenreporter geben täglich die Schrecken an uns weiter, während sie neben Ruinen und Zerstörung stehen. Sobald sich die harte Wirklichkeit zeigt, kommt die unbezähmbare Frage nach dem „Warum?“ im Verstand des Betrachters zum Vorschein. Gelegentlich wird sogar das Gewissen einer Nation so aufgerüttelt, dass die Menschen nach dem „Warum?“ fragen. Doch in Wirklichkeit ist die Frage des „Warum?“ bei einer Gewalttat, so schmerzhaft eine solche sinnlose Schreckenstat auch sein mag, trotzdem bedeutungslos, es sei denn, wir stellen die Frage nach dem Leben selbst – warum sind wir hier? Aber ach! Diese Frage wird in einer akademischen, fortschrittlichen Kultur als nicht mehr relevant angesehen. Ist dies denn kein selbstzerstörerischer Widerspruch für jemanden, der die Auffassung von objektiver Moral entlarvt? Ein ganzes Heer von säkularen Denkern hat die Notwendigkeit für einen Schöpfer schlagfertig wegerklärt. Und indem sie ein sinnloses, zufällig entstandenes Universum postulieren, behaupteten sie in Wirklichkeit, dass es keine Notwendigkeit gibt, die Frage nach dem „Warum?“ des Urknalls zu stellen. Warum ist es dann notwendig, die Frage nach dem „Warum?“ irgendeiner anderen Explosion zu stellen? Es ist offensichtlich, dass diejenigen, die gegenüber dem Absoluten eine solche Feindschaft an den Tag legen, niemals berücksichtigen, dass sie dann das Recht verwirken, Fragen zu stellen, die ein moralisches Bezugssystem voraussetzen. Jene Menschen, welche die Welt bloß auf das Physische reduzieren, mogeln, wenn sie sich in das Metaphysische verirren. Im starken Unterschied dazu finden wir hier einmal mehr, wie uns Gottes Wort mit seinen Appellen an eine taube Welt zuwinkt. Zugegeben, die gestellte Frage kommt von zwei Gruppen. Der tiefe und persönliche Schmerz jener Menschen, für die der Verlust persönlich und verheerend ist, kann nicht auf simplifizierende Weise behandelt werden. Für sie gibt es jemand, der von einem Kreuz herab spricht. Aber es gibt eine andere Seite zu dieser Frage, und diese liegt im Verständnis, wie und warum Hass und Mord überhaupt im menschlichen Herz Fuß fassen und genährt werden. Auf diese Frage gibt es eine Antwort – es gibt Antworten. „Wer Ohren hat, der höre.“ Interessanterweise geschah der erste in der Bibel berichtete Mord nicht auf Grund von zwei unvereinbaren politischen Theorien. Der Mord eines Mannes durch seinen Bruder war eine Tat, die unmissverständlich aus ihren unterschiedlichen Reaktionen gegenüber Gott geboren wurde. Vom Zeitlichen gefangen wurde Kain vom Glauben irregeführt, dass er die geistliche Wirklichkeit mit brutaler Gewalt besiegen könnte. Gott sah das unvermeidbare Resultat der Eifersucht und des Hasses, die tief aus dem Herzen Kains kamen, und er warnte ihn mit einer Herausforderung, die sein Schicksal bestimmen würde, sich damit zu befassen: „Ist’s nicht also? Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie“ (1Mo 4,7).
Es gibt nur zwei Optionen.
Entweder kommen wir zu Gott zu seinen Bedingungen und finden vollkommenen Frieden in seiner Annahme von uns, oder wir „spielen Gott“, indem wir unsere Moral selber definieren und morden – wir werden zu ruhelosen Wanderern, die immer von der Stimme des Blutes unseres Bruders, das von der Erde schreit, weglaufen. In seinem Kern ist das Leben heilig und von unschätzbarem Wert, ob es das Leben eines Lieblingskindes in der frischen Blüte der Kindheit, oder das Leben eines älteren, schwachen und zerbrechlichen Einsiedlers ist. Beide haben eines gemeinsam – sie sind nach dem Bilde Gottes geschaffen. Das ist der Grund, warum Mord in der Heiligen Schrift auf diese Weise beschrieben wird – als ein Angriff auf das Bild Gottes, eine Leugnung unseres geistlichen Wesens. Es ist dieses Wesen, das uns Würde und Wert verleiht. Es ist dieses Wesen, das unsere Herrlichkeit ist. Durch intellektuelle Doppelzüngigkeit mögen wir versuchen, die Einrichtung des Lebens neu zu arrangieren und sie nur in materiellen Begriffen zu definieren, aber jedes Mal, wenn wir uns zurücklehnen, und von der menschlichen Erfahrung in Dafur, oder Virginia, Bosnien oder Ruanda lesen, schalten wir um und wenden uns mit Ekel ab, weil wir erkennen, dass es im weltlichen „Dekor“ keine Harmonie gibt, denn der Schrei in unserem Herzen nach dem Heiligen kann nicht unterdrückt werden. Das ist der Grund, warum wir das „Warum?“ herausschreien, wenn wir die Schlagzeilen lesen: Wir können die stille, sanfte Stimme im Herzen, die von der intrinsischen Heiligkeit des Lebens spricht, und dass sie nicht missachtet werden sollte, nicht zum Schweigen bringen. Wir mögen versuchen wie wir wollen – wir können der logischen Auswirkung eines geleugneten Absoluten nicht entkommen. Gott sagte es damals zu Kain und er sagt es heute zu uns. „Bist du aber nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.“ Kain wurde ein Mörder, weil er vorsätzlich die Anbetung des wahren Gottes verweigerte und durch Gewalt entschied, sich selber auf den Thron zu setzen. Dies ist ein Aspekt der modernen Gesellschaft, den wir in grober Weise unterschätzt haben, und in diesem Prozess haben wir uns sogar des gesunden Menschenverstandes beraubt. Gott ist nicht nur der Schöpfer, der uns philosophisch definiert, aber er ist auch der Versorger, der uns existentiell in unserer größten Not begegnet und uns die Zuversicht und den Trost gibt, dass wir geliebt und in dieser Welt keine Waisen sind. Der Apostel Paulus bringt diese größte aller Befriedigungen gegenüber der ganzen Schöpfung zum Ausdruck, indem er sagt, dass wir zur Verherrlichung des himmlischen Vaters geschaffen wurden – zu seinem Lobpreis. Das ist der Grund, warum wir hier sind. Welch ein Augenblick wird es sein, wenn Sie und ich vor ihm stehen, und er zu uns sagt: „Recht so, gut gemacht!“ Gottes geschaffene Ordnung und Gottes fürsorgliche Anteilnahme an unserem Leben sind für die Lösung der Gewalt unerlässlich. Wenn wir jemals eine Antwort auf das quälende Problem der Gewalt finden wollen, wird es einen radikalen Wandel in unserem Verständnis geben müssen, indem wir nicht nur das Sichtbare, sondern auch die Realität des Unsichtbaren anerkennen, denn das Letztere geht dem Ersteren voraus. Wir täten gut daran, Notiz davon zu nehmen, dass lange bevor Schlagzeilen in unserem Verstand wie Sprengstoff einschlagen, eine sogar noch größere Explosion im Herz und Verstand derjenigen, die diese Nachrichten in Bewegung gesetzt haben, stattgefunden hat. Menschliche Regierungen können mit dieser inneren Verwüstung nicht fertig werden, aber Gott kann es. Dieses „Unsichtbare“ ist ein geistlicher Kampf – die Wahl, sich entweder an Gott zu wenden oder Gott zu spielen. Für diesen Triumph ist nur Christus groß genug, und je früher wir unsere Notwendigkeit für ihn erkennen und anerkennen, desto eher werden wir uns von den Symptomen und dem Gegenstandslosen hin zur Heilung bewegen.

Dr. Ravi Zacharias

Mit freundlicher Genehmigung von Ravi Zacharias International Ministries, http://www.rzim.org, © 2007

Den Originalartikel finden Sie im Internet unter http://www.rzim.org/slice/slicetran.php?sliceid=1415

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