Der Christ in Krankheit und Leiden

Mit Gott zu leben ist keine pauschale Garantie für Gesundheit, Reichtum und Unbeschwertheit. Selbst junge Menschen haben kein Dauerlos für bleibende Fitness, gedeckte Kreditkarten und tägliches Abchillen gezogen. Leiden und Krankheit gehören zu unserem Leben in dieser Schöpfung. Obwohl uns Gott mit Jesus Christus an seinem ewigen Leben teilnehmen lässt, sind wir Geschöpfe und noch nicht aus unserer Welt herausgelöst. Die Bibel lehrt auch nicht, dass in unserem Leben das Leiden allgemein und die Krankheit speziell in dem Maß weniger werden wie wir an geistlicher Reife zunehmen. Aber das gilt: Gott hat Krankheit und Leiden zur „Chefsache“ gemacht. Er liebt uns so sehr, dass er seinen Sohn Jesus gesandt hat. Der bringt uns sein göttliches Heil. Und Gott hat nicht nur unser Seelenheil im Visier. Er möchte uns als ganze Person in allen Bereichen erneuern und vollkommen machen. Dazu kam Jesus, dazu bietet er uns das an, was er am Kreuz vollbracht hat, dazu bewahrt er uns in der Gemeinschaft mit sich. Nur so werden wir dorthin kommen, wo keine Krankheit und keine Tränen mehr sind, wenn er wiederkommt. [Ich habe diese Grundlagen und weiter in diesem Artikel angesprochene Aussagen in meinem Buch Wenn Gott nicht heilt: Theologische Schlaglichter auf ein seelsorgerliches Problem (Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft, 2005) exegetisch und theologisch begründet.]

Der Christ in Krankheit und Leiden
Arten des Leids Wir erfahren das Leiden an unserem Leib. Wir werden krank. Christen sind – ebenso wie alle Menschen – den auszehrenden Folgen von Kriegen oder Naturkatastrophen ausgesetzt. Menschen der Bibel erging es genauso. Selbst Jesus wurde im Blick aufs Kreuz als „Mann der Schmerzen“ tituliert. Mit den körperlichen Leiden verbunden sind die Leiden an der Seele. Die Medizin berücksichtigt inzwischen zum Glück die psychosomatischen Zusammenhänge. Seelisches Leid sind zum Beispiel innere Verwundungen, Herzensleid, Trauer um den Verlust eines nahe stehenden Menschen. Da der Mensch eine Einheit aus Leib, Seele und Geist ist, will ich noch das Leiden am oder im Geist erwähnen. Dabei ist „Geist“ einerseits der Bereich des Verstandes. Menschen leiden in ihrem Denken. Zehrende Fragen, wie die nach dem Sinn oder der Gerechtigkeit des Lebens, verursachen Leid. Ebenso empfindet jeder Leiden, der das unerklärbare, „sinnlose“ Leiden eines „Unschuldigen“ sieht und darüber nachdenkt. Das kann sich in Anfragen oder Anklagen gegen Gott entladen (Ich denke an die „Klagepsalmen“, an Asafs Ps 73 oder an Hiob, der Gott zum Rechtsstreit herausfordert) oder als Zweifel chronisch festsetzen. Der Bereich „Geist“ umschreibt auch das neue Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Wer dieses Leben im Glauben angenommen hat, gewinnt eine neue Dimension dazu. Und damit auch einen neuen Bereich zum Leiden. So leiden Christen, weil sie sich ihrer eigenen Schuld bewusst werden. Sie leiden, wo sie sehen, wie Gottes gute Ordnungen pervertiert werden und die Gottlosigkeit zunimmt. Sie leiden, wo sie Menschen in ihr Verderben laufen sehen. Sie leiden um Christi und des Reiches Gottes willen. Sie werden verfolgt, weil sie Christus nachfolgen. [Meine Zusammenstellung der „Leiden“-Begriffe im Neuen Testament (Kap. 7 und Anhang D in meinem Buch) ergibt, dass „leiden“ in den meisten Fällen für Verfolgungssituationen der Christen steht“. Nur in drei Fällen (Mt 17,5; Mk 5,26 und Apg 28,5) wird der Begriff „leiden“ im Zusammenhang mit einer Krankheit genannt.]

Highlight-Texte

Es sind Schlaglichter, die ich hier auf unser Sein in Krankheit und Leid werfe. Ich möchte drei unterschiedlich lange Passagen aus der Bibel anführen. Sie lösen die Frage des Leids in unserem Leben nicht. Aber sie können eine Hilfe sein, um in Krankheit und Leid das Wichtigste weiter zu pflegen: die Gemeinschaft mit Gott.

Hiob

Bekanntlich widerfuhr Hiob schreckliches Leid. Im altestamentlichen Buch Hiob werden verschiedene Ansätze zur Deutung dieses Leids genannt: In der Rahmenerzählung kommt das Motiv der Bewährung des Gerechten vor. Für den gerechten und gottesfürchtigen Hiob ist das Leid eine Zeit, in der er seine Beziehung zu Gott bewahrt. Hiobs drei Freunde interpretieren sein Leid als Strafe für seine (verborgenen) Sünden. Diese Art von „Vergeltungsdogma“ begegnet uns bis in unsere Zeit und wird möglicherweise auch uns Christen von unseren Freunden vorgehalten. Im Buch Hiob – und später auch im Neuen Testament (z.B. der Blindgeborene aus Joh 9) – verneint Gott diese Verrechnung von Schuld und Geschick. Als Grund für das Leid wird weiter die geschöpflich bedingte Sündhaftigkeit des Menschen erwähnt (Hiob 4,17-19; 15,14-17; 25,1- 6). Elihu sieht im Leid vor allem eine Erziehungsmaßnahme Gottes. Das erinnert mich an eine im Pietismus verbreitete pädagogische Erklärung von Leid und Krankheit als „Zuchtmittel“ Gottes. Elihus Ansatz kommt im Buch Hiob nicht so schlecht weg wie das Vergeltungsdogma der drei Freunde. Als schließlich Gott redet (ab Kap. 38), zeigt er seine Größe und Macht. Er ist zweifellos der Schöpfer, der diese Welt nach seinem Plan regiert. Dennoch bleibt das Leid ein Geheimnis, das zwar in den Schöpfungsplan Gottes eingebunden ist, sich letztlich aber einer Erklärung entzieht. Es wird keine generelle Antwort auf die Frage nach Grund und Ziel des Leidens gegeben. Hiob seinerseits erlebt Gott so bedrängend nah, dass er sich eine Auszeit von Gott wünscht (Hiob 14,13) bzw. in einen Rechtsstreit mit ihm eintreten möchte. Seine Frage nach dem Sinn seines (unschuldigen) Leidens wird erst in der Gegenwart Gottes zur Ruhe gebracht. Diese Ruhe erwächst nicht aus einer gedanklich plausiblen Lösung. Sie kommt, indem er neu lernt, sich vor Gottes Souveränität und Unergründlichkeit zu beugen. Ich schlussfolgere: Es gibt keine allgemeine und griffige Lösung der Frage nach dem Leid, in dem wir stehen. Die Lösung können wir als Leidende jeweils nur selbst in der Begegnung mit Gott finden.

Röm 5,3-5

Unmittelbar davor schreibt Paulus über das Neue, das Menschen mit Christus nun erleben und worüber sie jubeln: Wir dürfen jetzt aufgrund des Glaubens an Jesus als Leute vor Gott stehen, die nicht mehr schuldig gesprochen werden. Wir leben in Frieden mit Gott. Wir erfahren Gottes gnädiges Handeln in unserem Leben. Wir richten uns aus auf noch tollere Dinge, die kommen werden. Paulus fährt fort: „Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zu Schanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist“. Paulus vertritt hier tatsächlich die Position, dass Christen sich ihrer leidvollen Schwierigkeiten rühmen können. Also nicht dagegen rebellieren oder sie mit knirschenden Zähnen ertragen, sondern Gott dafür zu loben. Er weist uns auf einen Prozess, der durch die Bedrängnisse, das sind die mühseligen Leiden, die uns im Leben begegnen, startet. Er beschreibt diesen Prozess mit den Wörtern Geduld – Bewährung – Hoffnung. Es geht hier nicht um einen Erkenntnisprozess, sondern um eine Charakterschmiede. Deshalb kann ich zwar darüber schreiben, dass Gott uns hier etwas vom Zweck des Leidens mitteilt. Vielleicht hilft das auch dazu manches, was uns geschieht, schneller oder besser einzuordnen. Aber diese Bibelworte ersparen uns nicht den „Leidens-Drill“, der uns persönlich formt. Wenn ich im Film sehe, welchen Dingen sich ein „Offizier und Gentlemen“ unterzieht oder wenn ich in „Die Akte Jane“ sehe, was eine Frau auf sich nimmt, um ihr erstrebtes Ziel zu erreichen, dann dämmert mir etwas davon, dass Leidensdruck hinführt zu etwas Herrlicherem. Ich bin aber auch froh darüber, dass Paulus schreibt, dass es nicht von meiner Zähigkeit abhängt. Als Christ erfahre ich, dass immer wieder die Liebe Gottes in mein Leben hineingegossen wird. Das tut der Heilige Geist, den Jesus uns als „Beistand“ zugesagt hat.

2Kor 12,1-10

Noch einmal Paulus: Er berichtet von einem „Dorn für das Fleisch“, der ihm chronisches Leiden verursachte. Die Ausleger streiten sich, ob es eine Krankheit oder eine andere „physische Bedrängnis“ war. Jedenfalls verursachte dieser Dorn eine anhaltende und schmerzhafte Schwäche und veranlasste Paulus, den Herrn um Erlösung davon zu flehen. Doch der Herr nahm den Dorn nicht fort, sondern verwies Paulus auf seine Gnade. Mehr werde ihm nicht gegeben, aber dies sei auch ausreichend. Gerade auf diesem Weg, werde Paulus lernen, wie die göttliche Kraft in seiner menschlichen Schwachheit wirkt. Den Apostel bewahrte diese Lektion vor Hochmut, die Korinther mussten ihre Vorstellungen über Vollmachtskennzeichen eines Apostels revidieren. Beide – und nicht minder wir – sollten erkennen: Entscheidend ist die Christusbeziehung, die Leid und Schmerz nicht generell eliminiert, sondern sie in dieser Beziehung überwindet. Der Punkt ist so wichtig, dass ich ihn weiter verdeutlichen will: Der Herr gab Paulus die Zusage, dass Gnade und Kraft da sind und tatsächlich genügen. Paulus begann sich in seiner schmerzvollen Lage auf die täglich wirkende Gnade Gottes zu besinnen. Dies veränderte seine Einstellung zur Situation: Seine Ausrichtung auf den Herrn und das persönliche Annehmen seines Wortes wurden wichtiger als die Befreiung aus der Not. Die Begegnung mit dem Herrn und seinem Wort bewahrte ihn vor zwei falschen Haltungen. Es bewahrte ihn davor, sich einfach in die Umstände zu fügen. Das ist dann falsch, wenn man es resigniert tut, ohne die Kraft Christi darin zu ergreifen. Andererseits bewahrte ihn die Ausrichtung auf den Herrn vor einem Triumphalismus, der die Macht des Evangeliums, der Auferstehung Christi und des Heiligen Geistes einklagen will, ohne zu bedenken, dass diese Kraft auch durch die Schwachheit des Botschafters wirkt. Wenn wir heute leiden oder krank sind, können wir daraus lernen: Erstens, unser Leid kann von Gott gebraucht werden, um seine Absichten zu erfüllen. So wird Leiden zum Bestandteil der geistlichen Erfahrung und Entwicklung eines Christen. Zweitens, der Christ darf den Herrn um Befreiung, d.h. bei Krankheit um Genesung, bitten. Gebet ist die angemessene Reaktion eines Christen auf eine Notlage. Es darf spezifisches („wegnehmen“), anhaltendes („dreimal“) und auf die Antwort Gottes wartendes Gebet sein. Diese Antwort Gottes freilich gilt es anzunehmen, auch wenn sie anders lautet als erbeten („Lass dir an meiner Gnade genügen“). Drittens, die Beziehung zu Christus und das Leben in der und durch die Gnade wird durch solch eine Leidenssituation nicht zerstört. Wie leide ich? Die Frage ist nicht, ob wir (als Christen) leiden, sondern wie wir leiden. Aussagen, wie „Womit habe ich das verdient?“, „Wer weiß, wozu das gut ist?“ oder gar „Das muss doch mit dem Teufel zugehen!“ sind Reaktionen, die bei uns Christen auftauchen. Sie sind dann hilfreich wenn die erste dazu führt, uns einmal offen ins heilsame Licht des heiligen Gottes zu stellen, wenn die zweite uns dazu anleitet, „unsere Wege und was unser Herze kränkt der allertreusten Pflege des anzubefehlen, der den Himmel lenkt“. Die dritte ist hilfreich, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass unser Leben hier noch nicht den verheißenen himmlischen Bedingungen entspricht. Ein Weg mit Leiden umzugehen, ist zu beten. Gerade bei Krankheit weist uns Gott den speziellen Weg des Krankengebets (Jak 5,14ff). Diese biblische Anweisung fordert den Kranken auf, die Ältesten seiner Gemeinde zu sich zu rufen. Diese beten für ihn und zeigen durch das Zeichen der Salbung mit Öl, dass er noch mit hineingehört in die christliche Gemeinschaft. Gottes Wort verbindet mit diesem Vorgehen die Verheißung, der Rettung, der Wiederaufrichtung und der Vergebung (V. 15). Kranke Christen und die Gemeinde werden ermutigt, dieses Gebet tatsächlich zu praktizieren. [Im Anhang B meines Buches habe ich eine ausführliche Exegese zu diesem wichtigen Bibelabschnitt erarbeitet.] Es gibt genug Beispiele aus der gesamten Kirchengeschichte und bis in unsere Tage, dass Gott immer wieder wunderbar heilt. Freilich darf selbst das Krankengebet nach Jak 5 nicht als allwirksames Mittel gesehen werden, das immer Heilung bringt. Nicht der gehorsame Vollzug eines biblischen Ritus, auch nicht das mit vollem Vertrauen vorgebrachte Gebet schafft Heilung. Es ist immer Gott. Seine Souveränität gilt es anzuerkennen. Wie bei allen großen Verheißungen, die Jesus uns für das Gebet gegeben hat (z.B. Mt 7,7f; 21,22; Mk 11,24; Joh 14,13f; 15,7.16; 16,23f) schließt das Vertrauen auf Gott ein, dass wir uns ganz in seine guten Hände befehlen. Der Satz „Dein Wille geschehe.“ will das Warten auf Gebetserhörung nicht schmälern. Er befähigt vielmehr, den Horizont des Lebens hier zu übersteigen und die Perspektive auf die Ewigkeit voller Sehnsucht im Herzen zu behalten. Wem das wie ein unsinniger Spagat erscheint, weil ich sage, bete mit allem Vertrauen und gemäß den Anweisungen und Verheißungen der Bibel und halte die Hoffnung fest, auch wenn jetzt nicht das passiert, was du erwartest, der hat clever die Spannung erkannt. Ich kann sie denkerisch nicht lösen. Aber ich möchte Mut machen, mit dieser Spannung in die Gegenwart Gottes zu treten und in seiner Gemeinschaft zu bleiben. Die Frage nach bleibender Krankheit oder bleibendem Leid in unserem Leben löst die Bibel und lösen wir heute nicht pauschal und schematisch. Sie fordert uns Christen in unserem geistlichen Leben heraus. Deshalb möchte ich noch ein paar Gedanken anführen, die dieses geistliche Leben aufbauen. Erstens, suche die angebotene Vergebung. Ich will damit nicht sagen, dass jede Leidenssituation wegen einer persönlichen Schuld kam und besteht. Das lehrt die Bibel nicht. Dort trifft Leid Menschen auch ohne ihr Verschulden. Ein Leben mit dem heiligen Gott ist aber ohne Vergebung unmöglich. Es geht nicht darum, mit einem Sündenbekenntnis den Grund des Leidens zu annullieren. [In Einzelfällen kann eine Krankheit oder ein Leiden mit persönlicher Schuld zusammenhängen. Dann ist das Sündenbekenntnis und die Vergebung ein wichtiger Schritt zur Heilung (vgl. Jak 5,15b). ] Ich will uns hier dafür rüsten, in unserer spannungsvollen Existenz die Gemeinschaft mit Gott zu wahren. Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann vergibt uns Gott. Und selbst wo eine konkrete Sünde nichts mit dem gerade erfahrenen Leid zu tun hat, stärkt uns die durch Reue und Vergebung gewonnene festere Gemeinschaft mit Gott. Zweitens, stelle dich auf das feste Fundament der Wahrheit. Das Evangelium von Jesus Christus ist nicht nur eine gute, sondern auch eine kräftige Botschaft, die einen Halt gibt in den Stürmen. Mit einem anderen Bild: Das Evangelium bietet uns ein sicherndes Geländer auf einer schwierigen Wegstrecke. Es vermittelt Halt. Die Botschaft des Evangeliums macht mich getrost. Ich muss nicht mehr fragen: „Womit habe ich das verdient?“ Jesus hat die Schuldfrage ein für alle Mal bewältigt! Weil ich mit Jesus lebe, wird mir alles „zum Besten dienen“ (Röm 8,28.32). Weil Jesus auferstanden ist, ist Gottes „Endlösung“ der Leidfrage in der Vollendung und Neuschöpfung der Welt (vgl. Offb 21,3-5) gewiss. Drittens, bleibe in der lebendigen Gemeinschaft mit Gott. Das ist das Geheimnis und die Kraft des geistlichen Lebens. Diese Gemeinschaft besteht in einem versöhnten Leben mit Gott, dem Vater. In dieser Gemeinschaft ehre ich Jesus als meinen Heiland und Herrn. Der Heilige Geist führt mich und steht mir bei, damit ich diese Gemeinschaft nicht verliere. Bewährte Mittel wie das Gebet, das Nachsinnen über Gottes Wort und die Gemeinschaft mit anderen Gläubigen gehören zum grundlegenden Aufbauprogramm für unser geistliches Leben. Zu individuellen Trainingsprogrammen für tragfähigere Gemeinschaft verordnet uns Gott manchmal Zeiten des Wartens, der Verfolgung, der Trauer, der Furcht oder des Opfers. Hier lernen wir Tätigkeiten wie durchstehen, durchglauben und durchbeten. Für uns ist es angesagt und wohltuend, wenn wir in die Gegenwart Gottes treten und in der Gemeinschaft m
it ihm leben. Unser geistliches Leben ist ein wichtiger Faktor in Zeiten des Leids. Ich würde aber falsch verstanden, wenn das geistliche Leben nur „innerlich“ gefasst wird. Es besteht auch in Tätigkeiten. Im Angesicht von Krankheit und Leid „vergraben“ wir uns nicht nur in die Zweierschaft mit Gott. Wir kümmern uns solidarisch um die Schreie der Menschen in Leid und Not. Wir leisten tatkräftige Hilfe, drücken unser Mitgefühl aus, stimmen mit ein in die Klage. Wir bezeugen mit Wort und Tat, die neue Realität der Gemeinschaft mit Gott. Wir bezeugen, was wir mit Gott inmitten dieser leidvollen Welt erfahren. Gott ist im Leid nicht untätig. Was er tut? Er hat Jesus gesandt. Er gibt sein Wort. Er sendet den Heiligen Geist. Er erhält die Gemeinde als besonderen Ort seiner Gegenwart und der geschwisterlichen Solidarität. Er beruft uns Christen als Botschafter des Heils. Das – und vieles mehr – tut Gott angesichts des Leids. Das gibt Hoffnung. In dieser Hoffnungsperspektive darf ich heute zeichenhaft und ganz vorläufig (das Ganze tut allein Gott selbst!) mithelfen, im Namen Jesu Leid zu mindern, zu lindern, zu verhindern und Menschen im Leid zu trösten. In dieser Gemeinschaft mit Gott darf ich mit ihm vorwärts gehen, auch durch Perioden des Leids und der Krankheit. Es ist da und seine Gnade gibt, was ich jeweils brauche.

Dr. Roland Scharfenberg

http://www.periodical.ch/ DIE HALBJAHRESZEITSCHRIFT VON IGW ISSN 1660-8291 JAHR 3, AUSG.2, IGW Periodical

 

 

 

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