Die empirische Demonstration der Wahrheit

Der erste und wichtigste Schritt zum Verständnis der Natur der Wahrheit wird in einem Gespräch zwischen Jesus und Pilatus beispielhaft dargestellt. Pilatus fing das Gespräch an, indem er Jesus fragte, ob er tatsächlich ein König sei. Die überraschende Antwort Jesu war: „Sagst du das von dir aus oder haben dir’s andere über mich gesagt?“ (Joh 18,34). In Wirklichkeit fragte Jesus Pilatus, ob dies eine ehrliche oder eine rein akademische Frage war. Er prüfte nicht nur die Aufrichtigkeit von Pilatus. Er öffnete das Herz des Pilatus für sich selbst, um Pilatus seine fehlende Bereitschaft zu offenbaren, sich mit den Auswirkungen von Jesu Antwort zu beschäftigen. Im Streben nach der Wahrheit steht die Absicht vor dem Inhalt oder der dessen Verfügbarkeit. Die Liebe zur Wahrheit und die Bereitschaft, sich deren Anforderungen zu unterstellen ist der erste Schritt. Zweitens sagte Jesus etwas sogar noch Außergewöhnliches. Nachdem er seine Herrschaft in einem Königreich, das nicht von dieser Welt ist, bestätigte, sagte er: „Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme“ (Joh 18,37). Jesus hat nicht bloß die Existenz von Wahrheit etabliert, sondern er ist deren makellose Verkörperung. Er war mit der Wahrheit identisch. Dies bedeutete, dass alles, was er sagte und tat, und das Leben, welches er im Fleisch lebte, das repräsentierte, was mit der ultimativen Wahrheit im Einklang stand. Ihn abzulehnen bedeutet daher, die Wahl zu treffen, das eigene Leben mit einer Lüge zu führen. Gottes Antwort auf Lebensfragen des Ursprungs, des Daseinszwecks, der Moral und der letztendlichen Bestimmung werden nicht einfach durch den Prozess des abstrakten Denkens bewiesen, sondern sie werden auch durch die Strenge der Erfahrung unterstützt. In der Wirklichkeit der Geschichte hat Gott das Leben aus der Wahrheit empirisch durch die Geburt, das Leben, den Tod und die Auferstehung seines Sohnes bewiesen. Kurz, die Andeutungen der Wahrheit kommen in vielfältigen Farben. Der Hüter der Vernunft leitet uns, die Übereinstimmung seines Wortes mit der Wirklichkeit zu überprüfen und die Geschlossenheit der Behauptungen festzustellen. Aber unsere Erfahrung im Leben beweist diese Wahrheiten in der konkreten Wirklichkeit. Unser großes Privileg ist es, ihn zu kennen, unser Leben in Übereinstimmung mit der Wahrheit zu bringen, was uns zur Geschlossenheit im Inneren führt. Christus sagte: „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32). In einer Welt, die in zunehmendem Maße von Irrtum und Entfremdung versklavt und von Vorstellungen, eine Lüge zu glauben, verführt wird, ist es wunderbar, durch die Wahrheit zu seinem Frieden befreit zu sein. Die Heilige Schrift sagt uns, dass der Feind unserer Seele der Vater aller Lügen ist. Er wird alles tun, damit wir nicht zur Wahrheit gelangen, weil sie das Wertvollste in der Welt ist und uns zur Quelle aller Wahrheit, Gott selbst, führt. Zu all dem mag der Skeptiker sagen, dass solche Schlussfolgerungen nur gezogen werden können, wenn der Gott der Bibel existiert. Darauf antworte ich beherzt: Absolut! Und auf vielen Universitäten in aller Welt war es mein fesselndes Privileg, eine Verteidigung für die Existenz Gottes und für die Autorität der Bibel zu präsentieren, die in ihrer Großartigkeit einzigartig, und in der Wahrheit, die sie verkündigen, überzeugend sind. Aber wir wollen nicht verpassen, was der Skeptiker unbewusst aufgibt, indem er behauptet, dass all dies nur wahr sein kann, wenn Gott existiert. Denn in diesem Zugeständnis impliziert sind das „Gesetz des Nicht-Widerspruchs“ und das „Gesetz des rationalen Rückschlusses“, die nur existieren, wenn die Wahrheit existiert. Wahrheit wiederum kann nur existieren, wenn es einen objektiven Maßstab gibt, durch die sie gemessen werden kann. Dieses objektive, unwandelbare Absolute ist Gott. Ich hörte eine niedliche Geschichte, als ich in Indien aufwuchs. Es ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der eine Menge von hübschen Murmeln hatte. Aber er warf ständig ein Auge auf die Tüte voller Süßigkeiten seiner Schwester. Eines Tages sagte er zu ihr: „Wenn du mir all deine Süßigkeiten gibst, werde ich dir all meine Murmeln geben.“ Sie dachte tief darüber nach und stimmte schließlich dem Handel zu. Er nahm all ihre Süßigkeiten und ging zurück in sein Zimmer, um seine Murmeln zu holen. Aber je mehr er sie bewunderte, desto zögerlicher wurde er, sie alle herzugeben. So versteckte er die besten von ihnen unter seinem Kissen und brachte seiner Schwester den Rest. Diese Nacht schlief sie fest, während er sich ruhelos im Bett hin und her wälzte, nicht in der Lage zu schlafen und mit dem Gedanken: „Ich wundere mich, ob sie mir alle Süßigkeiten gegeben hat.“ Wenn ich unsere zornige Kultur sehe, die behauptet, dass Gott uns nicht genug Beweise gab, habe ich mich oft gefragt, ob es nicht die verborgene Ruhelosigkeit der Menschen ist, die wegen ihres eigenen Doppelspiels im Zweifel leben. Der Kampf in unserer Gesellschaft wird als Kampf des Intellekts dargestellt, mit der Behauptung, dass man die Wahrheit nicht wissen kann. Aber das mag nur ein schöner Schein für den wahren Kampf sein – dem Kampf des Herzens. Ravi Zacharias

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