Die Erziehung von leeren Köpfen

„Wir haben uns selber zur Blödheit erzogen“, witzelte der bekannte englische Journalist Malcolm Muggeridge, als er die schändlichen Ideen beklagte, die moderne Glaubensauffassungen prägen. In seinem Kommentar über die amerikanische Kultur, in dem er einer gleichen Desillusionierung Luft machte, beteuerte George Will, dass in unserer Erfahrung nichts mehr so Vulgäres übrig bleibt, wofür wir nicht irgendeinen Professor von irgendwoher herbeiziehen können, um es zu rechtfertigen. Warum gibt es dieses Nebeneinanderstellen von verirrendem Verhalten in den Hallen der Bildung? Es lohnt sich, der Antwort nachzugehen, wenn wir mit der gegenwärtigen kulturellen Malaise fertig werden wollen, indem wir deren Vorläufer verstehen und durchkreuzen, was sich als eine Zukunft von Furcht einflößenden Möglichkeiten abzeichnet. Es ist nicht ohne Präzedenzfall, dass sich eine junge Nation in der Phase ihres Heranreifens nach Freiheit von jeglicher Beschränkung sehnt. In Nachahmung eines Gerichtsverfahrens, in dem der Anwalt tapfer versucht, die Zeugen zu diskreditieren, die seinen oder ihren Fall beschädigen, haben weltliche Denker eine gezielte Anstrengung entfesselt, um den Verstand dieser Generation mit Vorurteilen zu beeinflussen. Selbst wenn ein leiser Zweifel über irgendein Detail des theistischen Glaubens erhoben werden könnte, wurde mit Jubel impliziert, dass die ganze Weltanschauung als falsch erachtet werden sollte. Das Ziel war es, eine neue Sorte von jungen Gelehrten und Meinungsmachern zu formen, die als Erlöser wahrgenommen werden, die die Gesellschaft von der Tyrannei einer Gott-infizierten Vergangenheit befreien und die Kultur nach ihrem eigenen Bilde umgestalten würden. Das hauptsächliche Mittel, um dieses Ziel zu erreichen, bestand darin, die Kontrolle über die intellektuellen Hochburgen, unsere Universitäten, zu erlangen, und die Plausibilitätsstruktur für den Glauben an Gott unter einem ständigem Sperrfeuer von „wissenschaftlichen“ Attacken zu verändern, sodass Gott im Gelehrtenmilieu nicht mehr länger ein glaubwürdiges Wesen war. Dieser Anschlag auf den religiösen Glauben wurde im Namen der politischen oder akademischen Freiheit ausgeführt, während die tatsächliche Absicht darin bestand, in philosophischer Hinsicht alles zu überwinden, was nach moralischer Beschränkung roch. Der Hauptstoß dieses Angriffes wurde schamlos gegen das Christentum gerichtet, während östliche Religionen ein unterstützendes Kopfnicken und den Schutz von mystischer Lizenz genießen. Was den Islam betrifft, wagt es keine Universität, ihn anzugreifen. Hand in Hand mit dieser bloßgestellten Feigheit und dem verheimlichtem Doppelspiel gab es Hohn und Spott für Christen, was nun alltäglich ist – eine „zivilisierte“ Form der Folter. In einer solchen Art und Weise wurde alles angegriffen, was vorher gewesen war; die Feder wurde zum Schwert und das Vortragspult des Professors zur Kanzel. Wenn junge, fruchtbare Köpfe zum Glauben programmiert werden könnten, dass die Wahrheit als Kategorie nicht existiert und dass Skepsis weltklug ist, dann würde es nur eine Frage der Zeit sein, bis jede gesellschaftliche Einrichtung im Kampf gegen das Absolute zum Vorteil verdreht werden könnte. Im Laufe der Zeit hat das Schwert jedoch die Hand, die es schwang, geschnitten, und die Bildung selber hat ihre Autorität verloren. Wenn wir heute unsere gesellschaftliche Landschaft betrachten, bleiben die grundlegendsten Fragen des Lebens, von der Geburt bis zur Sexualität bis hin zum Tod in völliger Verwirrung. Die Gelehrten, die ihre Studenten lehrten, Autorität infrage zu stellen, werden durch dieselbe Maßnahme selber verunglimpft. Niemand weiß mehr, was er noch als wahr glauben sollte; und wenn alles geglaubt wird, wird die Bürde der Rechtfertigung entfernt. Doch nicht alles ist verloren. Trotz der verschiedenen und vorsätzlichen Bestrebungen von atheistischen Denkern, das Geistliche zu unterminieren und es in den Bereich des Irrationalen zu drängen, oder es bestenfalls als private Angelegenheit zu betrachten, bleibt der Hunger nach dem Transzendenten unvermindert. Nach fast zwei Jahrzehnten, in denen ich Vorträge auf Hochschulen in aller Welt gehalten habe, ist es für mich offensichtlich, dass die Sehnsucht nach dem Geistlichen nicht sterben wird. In der Tat, nahezu bei jeder Veranstaltung fand ich ein voll besetztes Auditorium vor, und die wertschätzenden Reaktionen ziemlich überwältigend, sogar in feindlichen Milieus. Es gibt keine deutlichere Demonstration dieses unnachgiebigen Hungers als die Erfahrungen in Russland und China, wo beide Staaten auf ihre eigene Weise versucht haben, die Vorstellung von Gott auszurotten, nur um zu erkennen, dass er aufsteht, um seine Sargträger zu überleben. Unsere Universitäten erzählen eine ähnliche Geschichte. Obwohl stolzer Skeptizismus in akademischen Hochburgen weit verbreitet ist, sehnt sich der menschliche Geist nach mehr. Diese Spannung muss besonders in dieser Zeit des kulturellen Umbruchs angesprochen werden, und es ist zwingend erforderlich, dass die Antworten, die wir geben, nicht nur den Andeutungen des Herzens genügen, sondern auch den Anforderungen des Verstandes. Das bekannte Sprichwort ist wahr: Der Verstand ist ein zu großes Kapital, um ihn einfach zu verschwenden, denn er ist die Kommandozentrale jedes individuellen Lebens. Es ist mein Verlangen, dass jeder von uns dazu kommt, den größten Verstand von allen, nämlich Gott selber, zu erkennen, dessen Existenz oder Nicht-Existenz wesentlich ist, um alles andere zu definieren. Ravi Zacharias

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