Ist Gott eine Projektion? Teil 1

Ist Gott eine Projektion? oder: Wie wissen wir, dass wir etwas wissen?

1. Die These: Gott ist eine Projektion
2. Die Konsequenz der Projektion Gottes
3. Wie kann ich Gottes sicher werden?

Wenn man heute jemanden fragt, was ein Hauptargument gegen den Glauben an Gott sei, bekommt man sehr oft die zweifelnde Antwort: «Ist das nicht alles Einbildung?»

Der Gedanke einer möglichen Projektion verbirgt sich dahinter. Ich habe mich aus diesem Grunde näher mit der folgenden Frage befasst und sie zu meinem Thema gemacht:

Ist Gott eine Projektion? oder: Wie wissen wir, dass wir etwas wissen?
Dass das eigentliche Problem ist nicht psychologisch, sondern erkenntnistheoretischer Art sei. Es geht darum, wie man gesicherte Erkenntnis gewinnen und wissen kann, die Wahrheit erkannt zu haben – d.h. um das Dilemma: «Wie erlangt man Wissen, und woher weiss man, dass das Wissen Wissen ist?» Ich möchte diese Fragestellung auf unsere Erkenntnismöglichkeit der Person Gottes übertragen; «Wie können wir Gott erkennen, wie wissen wir, dass es sich bei dieser Erkenntnis um Wahrheit, um gesichertes Wissen handelt?» «Episteme» steht im Griechischen für Erkenntnis, und «logisch» bedeutet die sorgfältige Reflektion unserer Erkenntnis. In der Hoffnung, dass es Sie in Ihren eigenen Verständnis weiterbringt, möchte ich aufzeigen, wie ich zu meiner persönlichen Erkenntnis gelangt bin.

1. Zur These: Gott ist eine Projektion
Zur Verdeutlichung dazu die bekannte Parabel von John Wisdom: «Zwei Forscher erkämpften sich ihren Weg durch dichten Dschungel, als sie überrascht an eine Lichtung gerieten und auf einen wunderbaren, grasbewachsenen Garten mit allen möglichen Blumenarten stiessen. Der eine Forscher meinte dazu: ‘Das ist sicherlich das Werk eines Gärtners.‘ Sein Kollege entgegnete: ‘Unmöglich, das muss anders zu erklären sein, ein Gärtner kann nie hier gewesen sein!‘ (weil man sich mitten im Dschungel befand…). Der erste Forscher blieb bei seiner These, ein Gärtner habe den Garten angelegt. So schlugen sie ein Zelt auf und warteten die‘ Ankunft des Gärtners ab. Sie warteten, aber der Gärtner kam nicht. ‘Gut‘, sagte der erste Forscher, vielleicht kommt er nachts oder auf verborgene Weise. Lass uns einen Zaun aufrichten und Fallen aufstellen. Dann wird der Gärtner gefangen. Sie warteten und warteten wiederum Nacht für Nacht, und nichts geschah. Der skeptische Forscher schloss daraus: ‘Es gibt keinen Gärtner…‘ Sein Kollege hielt an seinem Glauben an die Existenz eines Gärtners fest und meinte: ‘Er ist unsichtbar. Hunde und Zäune können ihm nichts anhaben. Er macht keinen Lärm und kommt heimlich, um seinen geliebten Garten zu pflegen.‘ Schliesslich stiess der Skeptiker unwillig hervor: ‘Was hast du davon? Was ist der Unterschied zwischen deinem Glauben an einen unsichtbaren Gärtner und blosser Einbildung? » Diese zweifelnde Frage nach dem Unterschied der Unsichtbarkeit und unserer Einbildung Gottes ist es, die uns ganz unvermutet konfrontieren kann und viele Menschen heute berührt. Plötzlich ist diese nagende Überlegung da, auch wenn man in einer behüteten, gläubigen Familie aufgewachsen ist. «Ist mein Glaube ein Produkt meiner Einbildung?» Um den Kern dieser Frage zu verstehen, sollten wir einen Augenblick ihren Ursprung historisch verfolgen. Wo liegen ihre Wurzeln, und wie hat diese Denkweise ihren Anfang genommen? Wann hat man begonnen, so zu denken? Der erste, der diesen Zweifel anmeldete, war der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach im letzten Jahrhundert. Sein Name ist an sich schon bedeutungsvoll. Marx meinte, man könne eigentlich kein wirklicher Mensch des 20. Jahrhunderts sein, bevor man nicht durch diesen «Feuer-Bach» gegangen sei. Dieser Mann namens Feuerbach stand in der Nachfolge Kants und Hegels – beide Denker führten die Menschen unter die Linie der Verzweiflung – und zeichnete sich dadurch aus, dass er ihre Gedanken in Beziehung zum Christentum brachte, wie wir in seinem Buch «Das Wesen des Christentums» lesen können. Dort heisst es: «Das Wesen des Christentums ist nicht Offenbarung einer an sich bestehenden Realität sondern geheimnisvolle Projektion von Realitäten innerhalb des menschlichen Wesens.» Er umschreibt die Aufgabe seiner Schrift mit: «…nachzuweisen dass den übernatürlichen Mysterien der Religion ganz einfache, natürliche Wahrheiten zugrunde liegen. » «Das Geheimnis der Theologie ist die Anthropologie.» Das Vorwort seines Buches könnte man mit dem Satz zusammenfassen, dass die Religion eine Illusion sei, soweit man es als Beschreibung einer an sich bestehenden Realität nimmt. In einem weiteren Band mach! Feuerbach deutlich, dass Christen seiner Meinung nach nur an Gott glauben, weil sie ihrem eigenen Wesen entfremdet sind, und nun in Gott das suchen, was sie in sich selbst als Idealbild der eigenen Person tragen. «Das absolute Wesen, der Gott des Menschen, ist sein eigenes Wesen. Die Macht des Gegenstandes über ihn ist daher die Macht seines eigenen Wesens.» «Das Christentum ist eine fixe Idee, die mit unseren Feuer- und Lebensversicherungsanstalten unseren Eisenbahnen und Dampfwagen, unseren Kriegs- und Gewerbshallen, unseren Theatern und Naturalienkabinetten im schreiendsten Widerspruch steht…» Feuerbach erklärt, dass sich der Mensch selbst schwach fühlt und sich deshalb seinen mächtigen Gott einbildet. Er sieht in sich selbst nur Sterblichkeit, und so setzt er seine Hoffnung auf einen unsterblichen Gott. Er kennt seinen eigenen Mangel an Liebe, und deshalb glaubt er an Gott als vollkommene Liebe. Die zynischste Bemerkung, die ich in seinem Buch gefunden habe, lautet: «Der arme Mann hat einen reichen Gott.» Hier kommt die Idee einer Projektion am deutlichsten zum Ausdruck. Auch verstehen wir heute noch viel besser als Feuerbach damals, was mit Projektion gemeint ist, da wir alle den Diaprojektor kennen, der Bilder an die Wand projiziert. Schon ein Kind weiss, dass nicht die Wand, sondern der Apparat die Bilder her vorbringt Genau dieser Gedanke verbirgt sich hinter der Behauptung Feuerbachs, dass Theologie lediglich Anthropologie sei. Sie sage nichts über Gott aus, weil dieser Gott nicht existiere, sondern rede allein über die in der menschlichen Vorstellung herrschende Realität. Für ihn kann daher das Leben mit Anthropologie und Hedonismus umschrieben werden. «Der Mensch ist, was er isst… das ist die Definition des Menschen», sagt er, «Mein erster Gedanke war Gott, mein zweiter die Vernunft, mein dritter und letzter Gedanke: der Mensch!» Feuerbachs Grab trägt deshalb die Inschrift: «Homo homini deus.» «Der Mensch ist ein Gott für den Menschen.» Eine zweite Persönlichkeit, die ich in diesem Zusammenhang erwähnen möchte, ist Sigmund Freud. Er versuchte, den wissenschaftlichen Beweis der Kritik zu liefen, die Feuerbach philosophisch aus gedrückt hatte. Freud hat als erster die Idee des menschlichen Unterbewusstseins als Erklärungsprinzip gebraucht. Er meinte zu beobachten, dass der Mensch Bilder, Gedanken und Ängste projiziert, die er tief in seinem Unterbewusstsein unterdrückt. Das Verdrängte kann plötzlich an der Oberfläche zum Ausbruch kommen, wobei wir es auf Umwelt und Beziehungen projizieren. So kann jemand seinen Selbsthass projizieren. ohne sich dieser Tatsache selbst bewusst zu sein. Aufgrund dieser negativen Einstellung zu sich selbst geht er bald von der Annahme aus, dass ihn alle Menschen hassen. Ist dies jedoch wirklich der Fall? Nein, aber weil er seinen eigenen Selbsthass auf seine Umwelt überträgt, glaubt er schliesslich, alle würden ihn hassen. Freud definiert Projektion in seinem Buch «Totem und Tabu»: «Projektion ist, die innere Wahrnehmung (das Gefühl) durch eine Wahrnehmung von aussen zu ersetzen.» In Holland haben wir folgendes Sprichwort: «So wie der Wirt ist, so vertraut er seinen Gästen.» Wir gebrauchen es, wenn jemand seinen Gästen übermässig misstraut und bringen in diesem Fall damit zum Ausdruck: «Vielleicht bist du selbst unehrlich und möchtest es nicht zugeben. Weil du es unterdrückst, projizierst du deine eigene Unehrlichkeit auf deine Mitmenschen.» Das wäre ein echtes Beispiel von Projektion. Bis zu diesem Punkt können wir Freud zustimmen. Er weitete diesen Gedanken jedoch aus und wandte ihn auf alle Religionen an: «Überall, wo der Mensch religiös ist, ist er so, weil er sein tiefes Verlangen nach Schutz, seinen Wunsch nach einer absoluten Autorität, sein Schuldgefühl gegenüber einer absoluten Autorität, unterdrückt.» Diese unterdrückten Gefühle führen zu jenen Vorstellungen im menschlichen Verstand und Denken, die Freud Projektion nennt. «Es sind Illusionen, Erfüllungen der ältesten, stärksten, dringendsten Wünsche der Menschheit; das Geheimnis ihrer Stärke ist die Stärke dieser Wünsche».

6 Gedanken zu „Ist Gott eine Projektion? Teil 1

  1. Warum beginnt Ihr schon mit unverständlichen Sätzen? Liest keiner Korrektur?
    So macht Ihr mir keine Lust weiterzulesen. „Dass das eigentliche Problem ist nicht psychologisch, sondern erkenntnistheoretischer Art sei.“

    Liken

  2. Ich setze einfach mal zwei christliche Glaubenszeugen zu Eueren Ausführungen:

    Dietrich Bonhoeffer: Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.

    Angelus Silesius: Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir.
    Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.

    Also: Gott ist nicht zu finden wie die Wahrheit aus 23 mal 23. So „gibt“ es ihn nicht.
    Gott ist in dir: Alle Bilder, die Du nach außen malst, sind Projektionen.
    Kann man das so sagen.

    Liken

  3. Ich finde den Bericht „Ist Gott eine Projektion“ sehr gut.Sie stellt das Problem der heutigen Zeit dar.Ob das in der Politik ist oder in unserer gesamten Gesellschaft.
    Gott kann nicht projektiert werden, Gott will gelebt werden, durch Jesus Christus.

    Liken

  4. Eine Person sagt: „Zeige mir Gott!“ Die andere Person erwidert: „Schau in die Sonne.“ Die andere Person: „Das geht nicht, es blendet.“ Wiederum die andere Person: „Und da willst Du Gott sehen?“ – Ich kann ihn nicht sehen, aber wenn ich mich auf sein Wort einlasse, kann ich ihn erleben und bezeugen.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s