Jesu Schweigen

Zu diesem Zeitpunkt wurde Jesus auf dem Balkon des Prätoriums – direkt neben Pilatus stehend – wahrscheinlich von römischen Soldaten bewacht. Matthäus schreibt: »Und als er von den Hohenpriestern und den Ältesten angeklagt wurde, antwortete er nichts. Da spricht Pilatus zu ihm: ”ºHörst du nicht, wie vieles sie gegen dich vorbringen? ”¹ Und er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, so dass der Statthalter sich sehr verwunderte« (Matthäus 27,12-14). Pilatus wusste sehr wohl, dass Jesus sich keines der Vergehen hatte zuschulden kommen lassen, derer sie ihn anklagten. Er konnte erkennen, dass die Ratsmitglieder von Neid getrieben wurden (V. 18). Er hatte Jesus verhört und keine Schuld an ihm gefunden. Er hatte bereits in der Öffentlichkeit Jesu Unschuld verkündet. Der Fall hätte abgeschlossen werden können. Pilatus hätte Jesus freilassen und die aufgebrachte Menge zerstreuen sollen. Er fürchtete aber noch immer zu sehr die politischen Auswirkungen, die eine Kränkung des Hohen Rats mit sich gebracht hätte. In zahllosen gegen Verbrecher geführten Prozessen war Pilatus der Richter gewesen. Er hatte Hunderte – vielleicht sogar Tausende – angeklagter Verbrecher gesehen. Sie alle – unschuldige und schuldige gleichermaßen – hatten bei jeder Gelegenheit nachdrücklich ihre Unschuld beteuert. Niemals zuvor war Pilatus jemandem begegnet, auf den das Urteil »unschuldig« so vollkommen zutraf und der dennoch darauf verzichtete, zu seiner Verteidigung zu sprechen. Pilatus war über das gelassene und majestätische Schweigen Jesu erstaunt und verwundert. Im Grunde wünschte er, dass Jesus es seinen Anklägern verbal gehörig zurückgab. Doch Jesus blieb still. Was gab es noch zu sagen? Wer sollte noch überzeugt werden? Bei welchen der vorliegenden Anklagen lohnte sich die Beantwortung noch? Pilatus hatte ihn bereits von jedem Fehlverhalten freigesprochen. Und auch die Mitglieder des Hohen Rats wussten von seiner Unschuld – selbst wenn sie weiterhin entschlossen waren, ihn zu töten. Weil es an dieser Stelle nichts bewirkt hätte, wenn Jesus zu seiner Verteidigung gesprochen hätte, schwieg er. Erneut stellte dies alles eine vollkommene Erfüllung des göttlichen Plans dar. Hunderte Jahre zuvor schrieb Jesaja davon, dass Christus sich selbst opfern würde: »Er wurde misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf« (Jesaja 53,7). John F. MacArthur „Tatort Golgatha.Gedanken über das Leiden und Sterben Jesus CLVBielefeld, 2004 ISBN3-89397-958-I  www.factum-magazin.de 2/08 http://schwengeler.ch/wFactum_de/aktuelles_heft/aktuelles_heft.php

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