Fight Club – Ein postmodernes Sittengemälde

Fight Club zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Filmen unserer Generation, weil er unsere inneren Nöte und Sehnsüchte kennt und uns dadurch einen Spiegel vorhält. Er zeichnet das Leben in einer materialistischen Welt, in welcher sich Sinn und Leben des in ihr lebenden Menschen auf seine Funktion reduzieren: Güter herstellen und diese verbrauchen. Produktion und Konsum als Selbstzweck. Die Hauptfigur verzweifelt an der Sinnlosigkeit des Lebens, die permanent empfundene innere Leere, tiefe innere Ängste und eine scheinbar uferlose Orientierungslosigkeit lösen sich der Hauptfigur des Films auch nach unzähligen Besuchen bei Selbsthilfegruppen nicht auf in das erfüllte, glückliche Leben, welches die TV-Werbung propagiert. In Aussagen wie dieser schreit die Hauptfigur der Welt ihre Verzweiflung entgegen: „…Herrgott noch mal, eine ganze Generation zapft Benzin! Räumt Tische ab! Schuftet als Schreibtisch-Sklaven! Durch die Werbung sind wir heiß auf Klamotten und Autos.. Machen Jobs, die wir hassen! Kaufen dann Mist, den wir nicht brauchen! Wir sind die Zweitgeborenen der Geschichte, Männer ohne Zweck und ohne Ziel! Es gibt heute keinen großen Krieg, keine große, wirtschaftliche Depression! Aber wir haben eine, unsere Depression ist geistig. Unsere große Depression ist unser Leben. Wir haben eine spirituelle Depression. Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen, in dem Glauben, dass wir alle irgendwann einmal Millionäre werden, Filmgötter, Rockstars.. Werden wir aber nicht! Und das wird uns langsam klar! Und wir sind kurz, ganz kurz vor dem Ausrasten…“
So gründet die Hauptfigur einen Fight Club, in welchem sich die sinnentleerten Menschen dieser amerikanischen Großstadt versammeln, um sich in großer Euphorie gegenseitig zu verprügeln. Die Schmerzen der Schläge zeigen ihnen an, dass sich überhaupt noch etwas empfinden können, dass sie noch am Leben sind. Die Schlägerei reißt sie los aus ihrem alltäglichen Siechtum, sie spüren den Instinkt der Wildnis und kämpfen wie Tiere. Die Fight Clubs entwickeln sich zu einem Erfolgskonzept und verbreiten sich über alle Staaten Amerikas. Sie sind geheim, haben einen eigenen Kodex und ihre Mitglieder sind gegenüber Dritten zum schweigen verpflichtet. Nachts trifft man sich, um angestaute Agressionen auszuleben, um in der Art des Zweikampfs antiker Gladiatoren die heute verloren gegangene Begeisterung und Erregung für das primitive Leben zu feiern.
Die dadurch sich vollziehende Barbarisierung sozialer Strukturen geht einher mit der an der Hauptfigur personifizierten Schizophrenie der Gesellschaft: auf der konventionellen Oberfläche wird das alltägliche Programm des gesellschaftlichen Funktionierens abgespult, während sich darunter Angst und Hilflosigkeit mehr und mehr umwandeln in Hass und Aggression auf eben diese verlogene, oberflächliche Welt. Ein zweites Symptom der aus der Sinn- und Orientierungslosigkeit postmoderner Großstadtexistenz sich ergebenden Barbarisierung, des seelischen Verfalles, ist die Entfaltung selbstzerstörerischer Kräfte. Das Ende des Filmes feiert die organisierte Zerstörung des amerikanischen Finanzsystems als Triumph der menschlichen Freiheit, obwohl doch Generationen von Vorfahren eben dieses heutigen Menschen gearbeitet haben an dem Aufbau von finanziellem Wohlstand und kultureller Blüte.
Der heutige Mensch ist sich selbst zum Problem geworden. Er hält sich und seine Lebenswelt nicht mehr aus. Weil Materialismus und Selbstsucht zum Zentrum menschlichen Lebens geworden sind, weil der westliche Mensch in seiner Überheblichkeit glaubt, einen Lebenssinn auch ohne Gott finden zu können, steht er heute im Sinn des Films Fight Club vor dem Scheiterhaufen seiner Existenz: eine autoaggressive, d.h. selbstzerstörerische Gesellschaft, die in ihren Grundfesten „Lebenssinn“, „Zwischenmenschlichkeit“, „Sexualität“ etc. zunehmend verwahrlost und verkommt, eine seelische Armut und Leere, die verzweifelt nach fernöstlichen, esoterischen und okkulten Antworten greift, eine zwischenmenschliche Kälte und Gefühlsarmut, die in exzessiven Konsumorgien und hemmungslosen Parties explodiert, Teile der Gesellschaft, die als einzige Antwort auf die Angst vor dem Leben, ja, als einzigen Lebensinhalt überhaupt Gewalt, Hass und Zerstörung in Form von Hip-Hop, Metal, Computerspielen etc. kennen, eine gesellschaftliche Elite, deren Prinzipienlosigkeit sich ausdrückt in teilweise maßloser finanzieller Selbstbereicherung – dies alles sind wahrscheinlich Phänomene eines grundlegenden Problems auch unserer Zeit, nämlich, dass sich der Mensch abgewendet hat von Gott, seinem Schöpfer. Gott, den heute mancher für einen Weihnachtsmann hinter den Wolken hält, ist ein allmächtiger und strafender Gott, der den Menschen bezahlen lässt für seine Selbstsucht: „Seit Erschaffung der Welt wird Gottes unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. Daher sind die Menschen unentschuldbar. Denn sie haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. Sie verfielen in ihrem Denken der Nichtigkeit und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert.“ [Römer 1.20,21] „Und da sie sich weigerten, Gott anzuerkennen, lieferte Gott sie einem verworfenen Denken aus, sodass sie tun, was sich nicht gehört: Sie sind voll Schlechtigkeit, Habgier und Bosheit, voll Neid, Mord, Streit, List und Tücke, sie verleumden und treiben üble Nachrede, sie hassen Gott, sind überheblich, hochmütig und prahlerisch, erfinderisch im Bösen und ungehorsam gegen die Eltern, sie sind unverständig und haltlos, ohne Liebe und Erbarmen.“ [Römer 1.28-30]. Der Mensch in seiner sich aus Stolz selbst auferlegten Gottesferne findet nur die Sinnlosigkeit und den Tod. Ohne Gott gibt es kein wahres Leben, denn Jesus Christus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ [Joh 14.6] Das ist eine absolute Aussage. Abseits dieses einen Weges lagern sich die Fight Clubs der Weltgeschichte.
In diesem Sinne kann man den Film Fight Club verstehen als eine Dokumentation von Symptomen gesellschaftlichen Verfalls vor dem Hintergrund der postmodernen Gottlosigkeit. Bezeichnend ist, dass die in der Bibel geoffenbarte Botschaft Gottes selbst in diesem Film nicht vorkommt: „Fight Club“ gibt sich der Illusion hin, dass nach dem Zusammenbruch des globalen Finanzsystems alles schon wieder besser wird. Solange aber der Mensch, solange also wir uns nicht abwenden von uns selbst und fragen, wer denn eigentlich Gott ist und was er von uns will, werden wir weiter in der Hölle Fight Club vor uns hin vegetieren.
Autor: Dominik

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