Unterschiede in den Evangelien

„Ist Jesus nach seiner Taufe in die Wüste oder zu einer Hochzeit gegangen?“
Wenn man die neutestamentlichen Evangelien aufmerksam liest und miteinander vergleicht, stellt man dabei fest, dass die Schreiber Matthäus, Markus, Lukas und Johannes nicht immer genau von den gleichen Ereignissen aus dem Leben Jesu berichten oder die gleichen Reden wiedergeben. Auch ist die Reihenfolge zum Teil unterschiedlich. So stimmen die ersten drei Evangelien untereinander stärker über ein als mit dem. Johannesevangelium – doch an etlichen Stellen gibt es auch unter ihnen Unterschiede. Manche Begebenheit, wie die Hochzeit von Kana, findet sich nur in einem der Evangelien. Wie lassen sich diese Unterschiede erklären?
Die Autoren der Evangelien waren entweder Augenzeugen der Ereignisse oder standen in engem Kontakt zu ihnen. Jeder Einzelne hat in seiner Darstellung eigene Schwerpunkte gesetzt. Außerdem haben sie, innerhalb eines grundsätzlich chronologisch ausgerichteten Berichts, ihren Stoff auch thematisch unterschiedlich angeordnet. Und dabei hat jeder aus der Fülle der vorhandenen Berichte über Ereignisse und der Lehre Jesu eine unterschiedliche Auswahl getroffen. So schreibt beispielsweise Johannes am Ende seines Evangeliums, dass es über seinen Bericht hinaus noch weitere Dinge gab, die Jesus getan hat. Am Ende des au. Kapitels verrät er, warum er gerade diese Ereignisse aufgezeichnet hat: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinen Namen“ (20.30-31). Das erklärt, warum Johannes nur einige wenige Begebenheiten ausgewählt, teilweise aber sehr ausführlich berichtet hat. Andere Ereignisse, die wir in einem oder mehreren anderen Evangelien finden, hat Johannes nicht überliefert, so zum Beispiel die Versuchung Jesu in der Wüste, die in den ersten drei Evangelien als eine „Wegentscheidung am Anfang“ eine große Rolle spielt. In ihr erweist sich Jesus als Sohn Gottes, der seinem Vater – und nur ihm – und dessen göttlichen Auftrag die Treue hält. Nach dieser Versuchung beginnt Jesus sein öffentliches Wirken.
Im Johannesevangelium wird Jesus bei seiner Taufe durch Johannes den Täufer und den Heiligen Geist als Sohn Gottes bestätigt. Dort geschah etwas Ähnliches wie bei der Versuchung Jesu in den anderen Evangelien.
Nach seiner Taufe beruft Jesus in göttlicher Vollmacht die ersten Jünger und geht mit ihnen zu einer Hochzeit. Dort wirkt er sein erstes Zeichen, indem er viel Wasser in viel Wein verwandelt als Hinweis auf die messianische Fülle, die mit ihm kommt. Dadurch offenharte er seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn (2,11). Dem folgen bei Johannes noch sechs weitere Zeichen, bevor Tod und Auferstehung Jesu als das größte Zeichen ausführlich erzählt werten.
Schon früh in der Kirchengeschichte hat es Versuche gegeben, die vier Evangelien zu einer einzigen Darstellung (Evangelienharmonie) zu verschmelzen. Doch diese Versuche haben sich nicht durchgesetzt Die Kirche hat an den vier Evangelien festgehalten – trotz der Unterschiede. Durch die vier Evangelien entsteht ein umfassendes Bild von Jesus. Wichtiger als die Unterschiede zwischen ihnen ist die Zielsetzung der Evangelien. Sie wollen nicht nur informieren, Sondern auch zum Glauben an Jesus aufrufen, Sie malen uns Jesus vor Augen als Sohn Gottes, als unseren Retter und Herrn.

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