Wehe denen, die widersprechen…

Wehe denen, die widersprechen…
Ronald Lärm
„Wer Fragen an Darwin stellt, begibt sich – jedenfalls im Bereich von Forschung und Lehre – auf vermintes Gelände. Wissenschaftler, die auch nur leise Zweifel zu äußern wagen, machten Erfahrungen, wie Häretiker bei religiösen Glaubenswächtern oder Dissidenten in autoritären Regimen machen können. Es scheint zu einem gewissen Reflex mancher wissenschaftlicher Meinungsführer geworden zu sein, jedes kritische Nachdenken über Darwin mit hysterischer Aufgeregtheit zu beantworten.“
So schreibt Joachim Bauer (2008, 21f.) in seinem Buch “ Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren“. Und er hat Recht, denn er weiß es aus eigener Erfahrung. Jüngstes Beispiel kann man hier nachlesen. Dabei lässt sich Bauer nicht im entferntesten mit Kreationismus oder „intelligent design“ in Verbindung bringen. Er führt in der Folge weiter aus: “ Eine gegenüber kritische Stimmen routinemäßig vorgebrachte Unterstellung lautet, man gehöre zu den sogenannten Kreationisten […]. Dieses Buch argumentiert weder für den Kreationismus noch für die Theorie des »intelligent design« […].“ Bauers „Kritik betrifft einen ganz anderen Punkt, nämlich ob die Evolution tatsächlich nach dem Prinzip des Kampfes ums Dasein voranschreitet, ob Gene »egoistisch« sind und ob der Mensch , wie Darwin es formuliert, ein Wesen ist, welches dem Kampf ausgesetzt bleiben muss.“
In „Warum ich fühle, was du fühlst: Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone“ (2006, 173) drückte er es meines Erachtens nach noch etwas vorsichtiger aus , wenn er schrieb: „Survival of the fittest“ ist möglicherweise nicht das einzige Leitprinzip der Evolution, sondern wäre zu ergänzen durch ein weiteres, eigenständiges biologischens Kernmotiv: die Suche nach Passung, Spiegelung und Abstammung zwischen biologischen Systemen.“ (Kursiv im Original). Mit seiner neuesten Veröffentlichung spricht er jedoch eine etwas direktere Sprache die sicher schon im Titel für einige Aufregung gesorgt hat: „Das kooperative Gen: Abschied vom Darwinismus“. Dass dieser Abschied nicht allumfassend zu verstehen ist, wird dem Leser seiner Bücher natürlich schnell klar, wenn Bauer in Verbindung mit seiner Kritik verdeutlicht: „Darwins Abstammungslehre steht aufgrund einer überwältigenden Ansammlung von entsprechenden Funden und Beobachtungen außer Frage.“ („Prinzip Menschlichkeit“, 22)
Bauer geht es also nicht um Grundlegendes, vielmehr stellt er jedoch grundlegende Prinzipien der Evolutionstheorie in Frage. Dies ist natürlich gerade in Anbetracht dessen, was zum Darwinjahr für die Allgemeinheit wiederholt aufgewärmt wurde, für manch einen etwas verwirrend. Während „Mutation und Selektion“ als die Triebwerke der Evolution beschrieben werden, liest man bei Bauer: „Aufgrund der durch ihn verursachten Einengung des Denkens ist der Darwinismus mittlerweile zu einer Art Albtraum geworden, von dem wir uns befreien sollten. Das große Rätsel der Biologie ist, warum anorganische (nichtbelebte) Moleküle einst eine Tendenz zur Bildung lebender Strukturen hatten und wie sich aus einfachen biologischen Systemen höhere (komplexe) Systeme, Lebewesen entwickeln konnten. Diese Fragen sind mit Darwins Prinzipien der Variation und Selektion und dem von ihm ins Zentrum gestellten Kampf ums Dasein nicht zu beantworten.“ (132). Für Bauer ist es nicht der Kampf ums Dasein, sondern wie er ergänzt, „Kooperation, Zugewandheit, Spiegelung und Resonanz.“ Sie wären „das Gravitationsgesetz biologischer Systeme.“
An mehreren Stellen hebt er in Fußnoten den Stellenwert von Mutationen hervor:
„Unklar ist bis heute allerdings, welche Art von „Variation“ im Bereich der Gene zur Bildung neuer Arten führt. Für die landläufige Meinung, genetischer Mutationen seien dafür verantwortlich, gibt es – worauf unter anderem Lynn Margulis (2002) hingewiesen hat – kein einziges Beispiel.“ (99)
„Für die Annahme, dass neue Arten durch Mutationen entstehen, gibt es, wie schon erwähnt, keinerlei Beweise. Wahrscheinlicher Ausgangspunkt für neue Arten sind Endosymbiose, Gentransfer oder Bastardbildungen.“ (118)
Aber es soll in diesem Beitrag weniger darum gehen, inwieweit man Bauers Sichtweise teilt oder nicht. Keine Frage, da befleißigen sich nicht wenige andere Interpretationswege zu gehen. Vielmehr geht es um die Art und Weise, wie man damit umgeht, wenn jemand scheinbar gesicherte wissenschaftliche Standards in Frage stellt.
Lesenswert ist, was Bauer selbst noch zu dieser Problematik sagt:
„Interessant ist, wie sich manche Autoren wissenschaftlicher Arbeiten, in denen zum Teil äußerst eindrucksvolle kooperative Phänomene beschrieben werden, bei der Erläuterungen ihrer Daten mit zum Teil abenteuerlichen Erklärungen bemühen (müssen), Darwins These zu „retten“, der zufolge der Konkurrenzkampf das grundlegende Prinzip biologischer Systeme sei. Unter angloamerikanischen Forschern gilt es als Sakrileg, Darwins Theorie des „struggle for life“ in Frage zu stellen. Da die meisten Gutachter von hochrangigen internationalen Wissenschaftsjournalen auf solche Zweifel ungnädig reagieren, gehört es bei allen wissenschaftlichen Publikationen derzeit zum guten Ton, die eigenen Daten im Sinne der Darwinschen Theorie des “ survival of the fittest“ zu interpretieren. Darwinistisches Denken ist zu einer Form von „scientific correctness“ geworden. Dies erscheint vor dem Hintergrund der geschilderten Fehlentwicklungen, die sich in den Wissenschaften – vor allem in der Medizin – aus Darwins Denken ergeben haben, als bedenklich. Warum muss alles, was an wissenschaftlichen Daten vorgelegt wird, in die darwinistische Denkschablone eingepasst werden?“ (129, 130) Verständlich freilich, dass in Anbetracht dessen wohl heutzutage wenige überhaupt dazu bereit wären evolutionären Theorien zu widersprechen, wenn führende Wissenschaftler sie als eine unverrückbare Tatsache hinstellen und zu verstehen geben, dass sich nur jemand weigere, sie anzunehmen, der mit der Materie nicht vertraut sei.
Aber wie sagten schon Hoyle und Wickramsinghe: „Entweder glaubt man an diese Ideen, oder man wird unweigerlich als Ketzer gebrandmarkt.“ Das hat natürlich bisher auch dazu beigetragen, dass nur wenige Wissenschaftler bereit waren, eine teleologische Sichtweise unvoreingenommen zu untersuchen. Schade eigentlich.
Quellen:
Handelsblatt 04. + 18.12. 2008, jeweils S. 9
Bauer J. (2008) Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren; München: Wilhelm Heyne Verlag
Bauer J. (2006) Warum ich fühle, was du fühlst: Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone; München: Wilhelm Heyne Verlag
Hoyle F. und Wickramasighe C. (1981) Evolution aus dem All S.153
Der ganze Artikel ist auf folgender Internetseite zu finden:
http://evolution-schoepfung.blogspot.com/2009/01/wehe-denen-die-widersprechen.html

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