Wie ich Atheist wurde

Zusammenfassung des Buchs von Antony Flew: There is a god How the world’s most notorious atheist changed his mind, HarperCollins, New York, 2007
In seinem Vorwort stellt Roy Abraham Varghese fest, dass sich die Bücher und Aufsätze der ‚neuen Atheisten‘ wie fundamentalistische Predigten anhören. Sie sind schwarz-weiss. Antony Flew ist für sie ein Apostat (=Abtrünniger). Und sie wollen nicht anerkennen, dass es bedeutende Physiker und andere Wissenschaftler gibt, die an die Existenz Gottes glauben.
I My Denial of the Divine
1. Wie ich Atheist wurde
Als Sohn eines Methodistenpredigers aufgewachsen, verlor Antony Flew erst mit 13-15 Jahren im Gymnasium den Glauben an Gott. Obwohl er vorher schon nie religiöse Gefühle entwickelt hatte. Dagegen war er immer sehr geistig interessiert. Ein Grund für seine Abkehr vom Glauben war das Problem des Bösen, das er während der Nazizeit erlebte (persönliche Erlebnisse auf Ferienreisen nach Deutschland und Frankreich). Er wurde Philosophieprofessor und erhielt den John Locke Wissenschaftspreis in Philosophie. Die Philosophie Ludwig Wittgensteins wurde für ihn in Oxford wichtig, obwohl er realisierte, dass dieser sich in Bezug auf die Nazis geirrt hatte (er hatte gemeint, wegen den Beziehungen seiner Familie nicht in Gefahr durch die Nazis zu sein). Im Sokrates-Club in Oxford diskutierte er auch mit C.S.Lewis, einem der bedeutendsten christlichen Philosophen des 20. Jahrhunderts, über die Gottesfrage.
2. Wohin die Evidenz führt
Während der Schulzeit wurde er Kommunist. Als Atheist glaubte er, dass der evolutionäre Prozess Fortschritt garantiere. In Oxford wurde er ein Anhänger der ‚neuen Philosophie‘, die als linguistisch bezeichnet wurde. Das Sokratische Prinzip, der Evidenz zu folgen, wohin sie auch immer führt, wurde für ihn wichtig. Deshalb war er auch bereit, seine Meinung zu ändern (z.B. in Bezug auf seine politische oder weltanschauliche Auffassung). Im Aufsatz ‚Theologie und Falsifikation‘ legte er dar, dass eine These wie „Gott liebt die Menschen“ leer wird, wenn es zu viele Widersprüche gibt, die dann wegerklärt werden müssen, um die These zu halten. Durch die Entgegnungen auf seinen Aufsatz lernte er einiges, z.B. dass der Glaube eine Interpretation von Erfahrung ist, die weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Und dass Theisten glauben, dass Gott transzendent ist und deshalb jenseits unseres Verstehens ist. Er realisierte auch, dass Theisten um das Problem des Bösen wissen (Theodizeefrage), aber trotzdem an einen liebenden Gott glauben. In ‚Gott und Philosophie‘ versuchte er, die Argumente für eine ‚natürliche Theologie‘ wie für eine Offenbarung zu widerlegen. Es ist unmöglich, von religiöser Erfahrung auf die Existenz Gottes zu schliessen. Frederick Copleston, Philosophie-Historiker, stimmte zu, dass man Gott nicht wie einen Schmetterling festpinnen und beschreiben könne; „Gott wird Realität für das menschliche Denken in der persönlichen Bewegung des Transzendierens“, sagte er.
10 Jahre später publizierte Flew ‚Die Annahme des Atheismus‘, wo er darlegte, dass die Beweislast bei den Theisten liegen müsse. Der Thomist Ralph McInerny entgegnete, die natürliche Ordnung der Natur lege den Gottesglauben als natürlichen Ausgangspunkt nahe; die Beweislast liege daher bei den Atheisten. Flew betont, dass er einen methodologischen Atheismus vertrat, den auch (gewisse) Theisten akzeptieren konnten, keine ontologische Festlegung. Dann setzte er sich mit Hume’s Skeptizismus gegenüber Ursache-Wirkung auseinander und vertrat die Unterscheidung von physical und moral causes. Menschliches Verhalten ist nicht im gleichen Sinn kausal wie physikalische Vorgänge.
3. Atheismus in Ruhe überdacht
Wie ein Baseballspieler, der das Team gewechselt hat, jetzt mit der gleichen Passion spielt und nach den selben Regeln, so hat A.Flew 2004 in New York bekanntgeben, dass er die Meinung über Gott geändert hat nach 6 Jahrzehnten Atheismus. Sein ganzes Leben war er an den gleichen Fragen interessiert, nur sah er es jetzt aus einer neuen Perspektive. Atheistische Kritiker haben ihm vorgeworfen, er habe sich (nur) durch das hohe Alter und die Nähe des Todes bekehrt, wodurch sie seine Kursänderung nicht ernstzunehmen brauchten.
Flew hatte schon vor dieser Zeit an verschiedenen öffentlichen Debatten über die Gottesfrage (bzw. die Evolutionstheorie) teilgenommen: 1976 mit Thomas Warren in Texas, 1985 mit Wallace Matson, Kai Nielsen, Paul Kurtz (Atheisten) und Alvin Plantinga, William P. Alston, George Mavrodes, Ralph McInerny (Theisten) in Dallas, Texas. Mit zwei evangelikalen Philosophen (Terry Miethe + Gary Habermas) wurde er befreundet und diskutierte mit ihnen über die Auferstehung Christi und die Existenz Gottes. Miethe vertrat die Überzeugung, dass es eine erste Ursache geben muss, die selbst nicht von etwas verursacht wurde (aristotelischer Gottesbeweis). Richard Swinburne, Flew’s Nachfolger in Oxford, einer der besten Verteidiger des Theismus, beeinflusste ihn auch durch seine Schriften.
Plantinga kommentiert Flew’s change of mind: „Es spricht für seine Ehrlichkeit, dass er nach all den Jahren, wo er die Idee eines Schöpfergottes bekämpft hatte, seine Position aufgrund von Evidenz geändert hat.“
1998 Debatte mit William Lane Craig in Madison, Wisconsin. Craig: Die komplexe Ordnung des Universums kann am besten erklärt werden mit der Existenz Gottes. Flew: Unser Wissen kann nur bis zum Urknall zurückgehen, weiter nicht. Sogar das Komplexeste im Universum – menschliche Wesen – ist Produkt physikalischer und mechanischer Kräfte.
Die Lehre der Prädestination hatte ihn immer abgestossen. In New York 2004 vertrat Flew dann aber die gegnerische Meinung, dass die Komplexität der DNA, die nötig ist, damit Leben hervorgebracht wird, eine Intelligenz voraussetzt. Er war beeindruckt von der Punkt-für-Punkt-Widerlegung des ‚Affen-Theorems‘ durch den israelischen Wissenschaftler Gerald Schroeder: Es gibt nicht genügend Teilchen im Universum, dass eine Gruppe von Affen mithilfe einer Computertastatur zufällig ein Shakespear-Sonnett produzieren könnten, geschweige denn dass aufgrund der Wahrscheinlichkeit so etwas Kompliziertes wie der Mensch entstehen konnte.
Darauf duellierte sich Flew mit Richard Dawkins: Natürliche Selektion bringt nichts Positives oder gar Neues hervor, sie eliminiert nur das, was weniger tauglich ist. Dawkins: Der Mensch ist eine survival-machine, ein Roboter, der blind darauf programmiert ist, seine Gene zu bewahren. Trotz dieser Anschauung predigt Dawkins Grosszügigkeit und Altruismus als mitmenschliche Werte. Was sollen programmierte Roboter damit anfangen?
II My Discovery of the Divine
4. Pilgerreise der Vernunft
Ein Gleichnis: Ein Satellitentelefon wird auf eine Insel geschwemmt, wo Eingeborene ohne Kontakt zur modernen Welt leben. Werden sie sagen: die Stimmen aus dem Gerät sind nichts mehr als Töne? Oder werden sie sagen, das sind echte Menschen, die hier sprechen? Unsere Auffassung von Wirklichkeit wird leicht von vorgefertigten Meinungen bestimmt. So ist es beim dogmatischen Atheismus, wenn deren Vertreter etwa sagen: Leben entstand spontan aus Materie. Was müsste geschehen, dass sie ihre Meinung ändern? Flew: Ich glaube jetzt, dass das Universum durch eine unbegrenzte Intelligenz in Existenz gebracht wurde, dass die Gesetze der Natur aus dem Geist (‚mind‘) Gottes entstammen und dass das Leben aus einer göttlichen Quelle kommt. Die moderne Wissenschaft weist auf Gott hin: 1. Naturgesetze, 2. Leben (Genetik), 3. Intelligente Wesen. Dazu kamen die klassischen philosophischen Argumente; der Philosoph David Conway überzeugte Flew mit dem aristotelischen ‚Gottesbeweis‘: Es muss ein allmächtiges, allwissendes, gutes Wesen der Ursprung der Welt sein. Dies entspricht den monotheistischen Religionen. Flew kam zu dieser Überzeugung durch die Vernunft, nicht durch ein religiöses Erlebnis.
5. Wer schrieb die Gesetze der Natur?
Das populärste und plausibelste Argument für die Existenz Gottes ist das sogenannte ‚Design‘. Eine gewisse Symmetrie und Gesetzmässigkeit in der Natur brachte schon viele moderne Wissenschaftler zur Überzeugung, dass Gott existiert. Z.B. Einstein sprach von der ‚inkarnierten Vernunft‘. Hawking: „Je mehr wir das Universum erforschen, desto mehr finden wir heraus, dass es durch rationale Gesetze bestimmt wird.“ Einstein hatte gesagt: „Ich möchte wissen, wie Gott diese Welt erschaffen hat…, ich möchte seine Gedanken erkennen, der Rest sind Details.“ In seinem Buch ‚The God Delusion‘ behauptet Dawkins zwar (meine alte Position), dass Einstein ein Atheist gewesen sei. Er ignoriert aber (wie früher Flew!), dass Einstein selber immer dagegen protestiert hatte, als Atheist angesehen zu werden, er wollte auch nicht als Pantheist bezeichnet werden. Einstein: „Wo das Vertrauen in die Rationalität der Natur fehlt, degeniert Wissenschaft zu einem uninspirierten Prozeder.“ Originalzitat Einstein: „Meine Religiosität besteht in einer demütigen Verehrung des unendlich überlegenen Geistes, der sich im kleinsten Detail zeigt, das wir mit unserem zerbrechlichen und schwachen Denken erkennen können.“ Einstein, der Entdecker der Relativität, war nicht der einzige grossartige Wissenschaftler, der eine Verbindung zwischen den Gesetzen der Natur und dem Geist Gottes sah. Die Vorläufer der Quantenphysik, Max Planck, Werner Heisenberg, Erwin Schrödinger und Paul Dirac haben alle ähnliche Statements abgegeben. Max Planck: „Es kann nie einen wirklichen Gegensatz zwischen Religion und Wissenschaft geben; denn das eine ist die Ergänzung des anderen.“ Dieser Gedankenstrang setzt sich auch in den Schriften vieler heutiger führender Wissenschaftler fort. Sogar atheistische Wissenschaftler gehen vom Glauben an die Existenz einer gesetzmässigen Ordnung in der Natur aus. John Barrow beobachtete, dass die unendliche Komplexität und hervorragende Struktur des Universums bestimmt wird durch einige wenige einfache Gesetze, die symmetrisch und verständlich sind. Die Ordnung der Natur lässt sich am besten erklären mit einem göttlichen Planer. Atheisten sagen, diese Erklärung sei zu komplex. Aber dass die Naturgesetze grundlos existieren und das Universum letztlich absurd ist, ist noch schwerer zu glauben.
6. Wusste das Universum, dass wir kommen?
Man stelle sich vor, man kommt in ein Hotelzimmer und alles ist nach dem persönlichen Geschmack eingerichtet: Lieblingsfarben, Lieblingslektüre, Lieblingsbilder, Lieblingsgetränke usw. Natürlich würde man annehmen, jemand hat sich nach mir erkundigt und das Zimmer extra so eingerichtet. Genau dies finden wir bei der Erforschung des Universums: Alles ist auf die Existenz der Menschen ausgerichtet. Man nennt dies in der Wissenschaft das ‚anthropische Prinzip‘ (Martin Rees, John Barrow, John Leslie u.a.). Wenn z.B. die Lichtgeschwindigkeit nur ein klein wenig anders wäre, so hätte kein Planet entstehen können, auf dem sich Leben entwickelt. Dieses Finetuning kann am besten erklärt werden durch göttliches Design. Atheisten versuchen dieses Argument zu entkräften mit der Theorie von Multiversen: Es gibt unendlich viele verschiedene Universen, unseres ist einfach das, welches Leben ermöglichte, wie wir es kennen. Damit aber erklärt man nichts, abgesehen davon, dass dieser Gedanke rein spekulativ ist. Es ist verrückt, eine Trillion Universen zu postulieren, nur um die Probleme eines davon zu erklären.
7. Wie begann Leben? (How did Life go live?)
Wie konnte Leben aus unbelebter Materie entstehen von Anfang an mit der Fähigkeit, sich genetisch zu reproduzieren? Dafür gibt es keine naturalistische Erklärung. Kritiker schrien auf dieses Argument hin auf, Flew habe die neusten Arbeiten der Protobiologen nicht gelesen. Dawkins warf ihm vor, einen ‚Gott der Lücke‘ zu vertreten. Das ist aber nicht der Punkt. Flew kennt Protobiologen, die in der Lage sind, Theorien für die Evolution der ersten belebten Materie zu entwickeln. Nur zeigen die aktuellsten Werke der Physiker, dass dafür nicht genug Zeit zur Verfügung stand. Ausserdem sind die meisten Biologen sich der philosophischen Tragweite ihrer Theorien nicht bewusst. Wie konnte ein Universum aus reiner Materie ohne Denken Wesen hervorbringen mit eingebauter Zielorientierung, Replikationsfähigkeiten und codierter Chemie? Dies ist eine philosophische Frage, keine rein biologische.
Es gibt dazu 3 Schlüsselprobleme: 1. Alles Leben ist zielorientiert (Selbsterhaltung). Wie kann so etwas aus unbelebter Materie hervorgehen ohne geistige Einwirkung? 2. Von der ersten Lebensform an muss die Fähigkeit zur Reproduktion eingebaut sein. Wie kann dies rein materialistisch geschehen? 3. Woher kommt der genetische Mechanismus der Codierung von DNA und die Fähigkeit, diese Information zu verarbeiten und damit Proteine herzustellen? Der genetische Code ist eine ‚Sprache‘. Die Zelle ist ein Information speicherndes, verarbeitendes und replizierendes System. Wie kann so etwas spontan aus Materie entstehen? Andy Knoll, ein Biologieprofessor in Harvard sagte deshalb: „Wenn wir sagen wollen, was wir über die Entstehung des Lebens auf der Erde wissen, müssen wir zugeben, dass wir hier durch ein dunkles Glas schauen. Wir wissen nicht, wie das Leben auf diesem Planeten begann.“ Gerald Schroeder fügt an, dass das Leben begünstigende Umstände noch nicht erklären, warum Leben tatsächlich entstehen konnte. Und der Nobelpreisträger George Wald sagte: „Wir haben uns entschieden, das Unmögliche zu glauben: Dass Leben spontan und zufällig entstand.“ Später kam er zur Überzeugung, dass „das Denken nicht eine spät entstandene Frucht der Evolution des Lebens ist, sondern schon immer existierte als Matrix, Quelle und Bedingung der physischen Realität.“
8. Entstand etwas aus Nichts?
In dem Film ‚The sound of music‘ singen sie: „Nichts kommt von nichts, nichts könnte das je.“ Jedes System von Erklärungen muss an einem Punkt beginnen, bei einem Axiom, das nicht weiter erklärt werden kann, sondern einfach einleuchtet. Früher vertrat Flew die Meinung, dies müsse das Universum sein, nicht Gott. Zu dieser Zeit war die Urknall-Theorie und das ‚anthropische Prinzip‘ noch nicht bekannt. Die moderne Kosmologie lehrt nun aber, dass alles einen Beginn hat. Dadurch wird der Satz Genesis 1,1 plötzlich relevant (bestätigt?): „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Wenn das Universum schon immer da war, gab es aus meiner Sicht keinen Grund, Gott als Erklärung beizuziehen. Wenn nun aber der Beginn des Universums einen Event darstellt, ändert sich alles. Dann muss man fragen: Was verursachte diesen Urknall? Einige atheistische Wissenschaftler versuchten das mit der Theorie von ‚Multi-Universen‘ zu erklären. Das ist aber ein verzweifelter Erklärungsversuch. Wenn die Existenz eines Universums mit vielen erklärt werden muss, ist das Problem der vielen noch schwieriger zu erklären! Stephen Hawking versuchte eine andere Erklärung: Das Universum sei ‚selbst-kontent‘. Jeder Nicht-Wissenschaftler wird darauf antworten: Was soll der Urknall bedeuten, wenn das kein Beginn ist?
Die primäre philosophische Kritik des kosmologischen Arguments für Gottes Existenz, so stellte Flew fest, kommt von David Hume, der gesagt hat, dass was wir Ursache nennen, nichts als eine Assoziation von Ideen darstelle. Bei David Conway’s ‚Wiederentdeckung von Weisheit‘ und Swinburne’s ‚Die Existenz Gottes‘ fand er effektive Antworten auf die Hume’sche und Kant‘sche Kritik am kosmologischen Argument. Wenn man jeden einzelnen Teil aus einem anderen herleiten kann, heisst das noch nicht, dass man das Ganze erklärt hat. Die Existenz eines komplexen Universums ist zu gross für die Wissenschaft, um es zu erklären. Verschiedene Wissenschaftler haben versucht, die Entstehung des Universums als Quantum-Fluktuation aus nichts zu erklären. Aber warum gibt es dann überhaupt etwas? Hawking hat zugegeben, dass wenn man sagt, die Gesetze der Physik hätten festgelegt, wie das Universum begann, dies keine Aussage darüber ist, ob Gott existiert oder nicht. Es sagt nur aus, dass das Universum nicht in einer willkürlichen und zufälligen Weise entstand.
9. Platz finden für Gott
In ‚Gott und Philosophie‘ vertrat Flew die Meinung, das Konzept ‚Gott‘ sei nicht kohärent, weil eine Person ohne Körper Nonsens sei, wie in dem Gedicht: As I was walking up the stair / I met a man who wasn’t there. / He wasn’t there again today. / Oh, how I wish he’d gone away. Seit den 80er- und 90er-Jahren gab es unter analytischen Philosophen aber eine Renaissance von Theismus. Da wurde darüber nachgedacht, was eine Person ausmacht und dass es dazu keines Körpers bedarf. Leftow z.B. strich heraus, dass die Idee Gottes ausserhalb von Raum und Zeit durchaus der Relativitätstheorie entspricht. Die Studien von Tracy und Leftow haben gezeigt, dass die Idee eines allgegenwärtigen Geistes als Handelnder ausserhalb von Raum und Zeit aus sich heraus nicht inkohärent ist (=keinen Widerspruch darstellt). Es gibt also keinen guten philosophischen Grund, Gott als Erklärung für die Existenz des Universums abzulehnen.
10. Offen für Omnipotenz
Die Existenz des Bösen und von Leiden muss erklärt werden, aber es ist kein Hindernis für den Glauben an Gott. Auch die Frage einer Offenbarung Gottes in der menschlichen Geschichte ist ein gültiges Thema der Diskussion.
Anhang A
Im Anhang A macht Varghese ein Gedankenexperiment: Man stelle sich einen Marmortisch vor. Ist es denkbar, dass dieser in Trillionen Jahren oder unbestimmter Zeit ein Bewusstsein entwickelt? Es ist undenkbar! Materie kann nicht denken oder ein Selbstbewusstsein entwickeln. Genau das aber glauben die Atheisten! Es gibt 5 Phänomene, die nur mithilfe einer Existenz Gottes erklärt werden können:
1. Rationalität, 2. Leben, 3. Bewusstsein, 4. Konzeptionelles Denken, Sprache, 5. Menschliches Selbst.
1. Rationalität
Wenn überhaupt etwas existiert, muss es etwas geben, das davor schon da war und immer existierte: Gott oder das Universum. Atheisten sagen, das Universum war schon immer. Die natürliche Selektion, durch die Leben entstanden sein soll, setzt aber ein rationales Prinzip voraus. Nach der Urknalltheorie entstand das Universum aus dem Nichts. Wenn man postuliert, dass das Universum eine Netz-Energie von Null hat, warum existiert dann überhaupt etwas? Warum gibt es eine strukturelle Ordnung? Diese Fragen können die Atheisten nicht beantworten.
2. Leben
Der Ursprung des Lebens, die Entstehung der ersten Zelle ist immer noch ein Geheimnis.
3. Bewusstsein
Auch das Bewusstsein können wir nicht erklären. Es kommt nicht vom Gehirn, denn Computer haben kein Bewusstsein.
4. Denken
Denken in Konzepten, abstraktes Denken, überschreitet Materielles. Das Gehirn versteht nicht, sondern ich verstehe. Ein DVD-Player kann weder Musik verstehen noch geniessen, die er spielt.
5. Das Selbst
Das Selbst (dass ich mich als ICH empfinde) kann weder physikalisch noch chemisch erklärt werden. Es ist Ausgangspunkt jeder Erkenntnis.
Die Sprache hat keinen evolutionären Vorläufer, sie ist einfach da. Ein Kraftfeld kann weder planen noch denken.
Anhang B – Die Selbst-Offenbarung Gottes in menschlicher Geschichte: Ein Dialog über Jesus mit N.T. Wright
Flew: Ich glaube, der Anspruch, dass Gott in Jesus Christus verkörpert ist, ist einmalig. Entweder glaubt man es oder nicht, wie soll man das sonst entscheiden?
N.T.Wright: Dass Jesus gelebt hat, wird heute von keinem namhaften Historiker bezweifelt. Inwiefern aber kann man von den Texten her belegen, dass Jesus der inkarnierte Gott ist? Dazu muss man den alttestamentlichen Hintergrund kennen und sich fragen, wie Juden des ersten Jahrhunderts Gott und sein Wirken in der Welt verstanden. Es gab nach jüdischem Verständnis 5 Wege, wie Gott in der Welt aktiv war:
1. Das Wort Gottes: sein Wort ist lebendig und kreativ und bringt etwas hervor. Er sprach und es geschah.
2. Die Weisheit Gottes: Die Weisheit in den Sprüchen und anderswo verkörpert Gott, sie ist wie sein zweites Selbst.
3. Die Herrlichkeit Gottes: sie wohnte im Tempel. Der Tempel in Jerusalem war ein Inkarnations-Symbol.
4. Das Gesetz Gottes (Torah): Nicht nur ein geschriebenes Gesetz, die Torah ist eine ontologische Kraft, sie ist vollkommen und belebt das Herz (Psalm 19).
5. Der Geist Gottes: er wohnt in Menschen und gibt Kraft, Prophetie…, so dass Menschen Ausserordentliches tun können.
Diese 5 Weisen charakterisieren die Art, wie Gott, der ewige Schöpfer der Welt nach dem Verständnis der Juden des 1. Jahrhunderts in der Welt gegenwärtig und aktiv ist, besonders in Israel. Wenn wir mit diesem Verständnis die Evangelien lesen, stellen wir fest, dass Jesus sich so verhält (nicht nur so spricht!), wie wenn in seiner Person diese 5 Weisen auf neue Art zusammenkommen. Er selber ist das Wort Gottes (cf Gleichnisse), er selber ist die Weisheit (Bergpredigt), er ist der Tempel in Person, er verkörpert die Torah in neuer Weise (ich aber sage euch…), er treibt Dämonen aus durch den Geist Gottes. Juden des 1. Jahrhunderts mussten erkennen: diese ganze grosse Geschichte, dass Gott zu seinem Volk kommt, passiert wirklich! So verstand wohl Jesus auch seine Geschichten über die Rückkehr des Königs zu seinem Volk. Er meinte damit nicht sein 2. Kommen, sondern sein damaliges Kommen nach Jerusalem. Nach der Auferstehung begannen seine Jünger zu verstehen: Wir sind mit dem zusammen gewesen, der Israels Gott verkörpert. Interessanterweise verstanden nach den Berichten der Evangelien, die auf sehr frühe mündliche Überlieferung zurückgehen (das belegt N.T.Wright auf eindrückliche Weise!), die ersten Christen die Auferstehung nicht als Aussage über ihre eigene Zukunftshoffnung (so später Paulus, Petrus, Offenbarung), sondern als Bestätigung, dass in Jesus Gott auf die Erde gekommen ist.
Welche Evidenz gibt es für die Auferstehung Christi?
In der griechisch-römischen Welt gab es den Glauben an ein Leben nach dem Tod, eine Auferstehung aber war etwas völlig Fremdes. Die Juden kannten die leibliche Auferstehung am Ende der Zeit, aber eine vorzeitige Auferstehung eines Einzelnen war eine radikale Innovation. Wie kamen die ersten Christen auf diese Idee? Es gibt einen modernen Mythos, dass die Menschen zu jener Zeit noch nicht aufgeklärt waren und deshalb all diese Wunder geglaubt hätten; das ist völliger Unsinn! Die Menschen jener Zeit wussten sehr genau, dass wenn jemand tot ist, dann bleibt er tot. Die ersten Christen glaubten alle an die leibliche Auferstehung Jesu, es gibt keine andere frühe Tradition. Wie ist das möglich? Nur durch 2 Geschehnisse: das leere Grab und die Erscheinung des Auferstandenen. Von Daniel 12 („die Gerechten werden leuchten wie die Sterne“) her müsste man erwarten – wenn die Berichte erfunden wären –, dass die Erzählungen von der Auferstehung Jesus als leuchtenden Stern beschreiben würden. Das ist aber nirgends der Fall. Die Berichte über die Auferstehung brauchen unterschiedliche Worte, sie haben sie also nicht voneinander abgeschrieben. Ausserdem verwenden sie im Unterschied zur Passionsgeschichte kaum Anspielungen auf das Alte Testament; dies lässt nur den Schluss zu, dass es sich hier um eine sehr alte, mündliche Überlieferung handelt, geprägt vom wirklichen Ereignis der Auferstehung. Ein weiteres interessantes Detail ist die Position der Frauen: In späteren Berichten (Paulus) kommen die Frauen nicht mehr vor, man wusste, dass sie als Zeugen in der antiken Welt eher gegen die Glaubwürdigkeit der Auferstehung sprechen würden. Wären diese Berichte später mit mehr Reflektion entstanden, so wäre ganz sicher nicht Maria Magdalena als erste Zeugin aufgeführt worden! Daher müssen die Berichte von den Frauen, die als erste zum leeren Grab gingen und dem Auferstandenen begegneten, als verlässliche historische Berichte angesehen werden. Die ersten Christen glaubten also alle, dass Jesus leiblich auferstanden war und obwohl dies ein Schock für sie war, sahen sie darin die Bestätigung, dass in Jesus Gott, der Schöpfer des Universums, verkörpert war (Inkarnation). Aus rein historischen Überlegungen heraus müssen wir also festhalten: 2 Dinge mussten wirklich geschehen sein: a) es musste ein leeres Grab gegeben haben, das wirklich das richtige Grab war, in dem Jesus gelegen hatte, b) es muss wirklich Erscheinungen des auferstandenen Jesus gegeben haben. Wenn nur eines der beiden Ereignisse wirklich geschehen wären, hätte man andere Erklärungen gefunden. Wie kann man als Historiker diese beiden Tatsachen erklären, das leere Grab und die Erscheinungen des Auferstandenen? Die einfachste Erklärung ist, dass Jesus wirklich leiblich auferstanden ist, und seitdem gleichzeitig in Gottes und in der irdischen Dimension lebt.
Pfr. Andreas Bänziger, andreas.baenziger@evang-frauenfeld.ch

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