1.Petr.1,6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,

Was fängt man heute mit dieser Vertröstung auf ein Jenseits an? Gegenfrage: Was fangen wir mit einer Welt an, die ohne solche Zukunftssicht himmellos und hoffnungslos geworden ist? Sicher darf Hoffnung nicht zur Flucht ins Jenseits führen. Nach unserer Stelle führt sie gerade umgekehrt in eine Art von Training und damit auch in Not, die um des Zieles willen sein „muss“.
Luther übersetzt mit „dann werdet ihr…“. Das Griechische kann aber deutlicher mit „darüber“ wiedergegeben werden und so durchaus die jetzige Zeit mitbeschreiben.
„euch freuen“ Das Wort freuen wird gern verwendet, um die Freude über Gottes Heil, meist in der Vollendung, auszudrücken (Ps. 96, 11-13, Jes. 55 12f; Mt 5,12; Offb 19,7 u. a.). Jubelnd und freuen. D.h. sich übermäßig zu freuen und überschwänglich zu jubilieren. Diese Art von Freude basiert nicht auf veränderlichen, zeitlichen Umständen, sondern spricht von einer Freude, die hervorgeht aus einer unveränderlichen, ewigen Beziehung zu Gott. Christliche Freude mitten im Leid ist weder mit bloßer Vorfreude noch aber in schwärmerischer Weise mit endzeitlichen Jubel zu verwechseln; sie ist vielmehr Präludium und Vorschein der „unaussprechlichen und verklärten Freude“ (V. 8), auf die die Christen zugehen vgl. auch Ps. 126 .
die ihr jetzt eine kleine Zeit“
„jetzt“
deutet einen vorübergehenden Zustand an.
Sie währt für „eine kleine Zeit„. Das Wort oligos wird anderweitig als „wenig, klein, gering, kurz“ übersetzt. Alle diese Ausdrücke beinhalten die zeitliche Komponente des Leidens. „Eine kleine Zeit“ – das können, Irdisch gerechnet, Monate oder gar Jahre sein, und doch ist es eine kleine Zeit im Blick auf die Ewigkeit. Es können sehr heftige Leiden sein, und doch ist es in Blick auf die Größe der Herrlichkeit, um die es geht, „wenig“. Damit sollen die Leiden keineswegs verharmlost werden – das ist nie eine Hilfe für .Angefochtene -, wohl aber ins rechte Licht treten, nämlich ins Licht Gottes.
traurig seid in mancherlei Anfechtungen“,
Petrus ist da ganz nüchtern, wenn er schreibt: „die ihr … traurig seid in mancherlei Anfechtungen“.
Die Prüfungen sind mancherlei Art: „mancherlei“, ist das Wort eines Künstlers, der die vielen Farbschattierungen auf der Palette des Leides beschreibt. Es bedeutet „vielfarbig“, „vielfältig“. Er gebraucht es auch später (4,10), um die „mannigfache Gnade“ Gottes zu beschreiben, um damit anzudeuten, daß es für jede Nuance des Leides einen entsprechende, komplementäre „Farbe“ der Gnade gibt, um das Leid zu erleichtern.
„Anfechtungen“ (wörtlich: „Prüfung, Erprobung“, eigentlich „etwas durchbohren“, auf Kernechtheit prüfen) ist dabei Gottes Tun und soll die Echtheit des Glaubens zeigen und vertiefen. Anfechtungen wollen nicht kaputtmachen, sondern eingründen, festigen und vertiefen, zu unserem „Besten dienen“ (vgl. Röm 8,28). Petrus fügt noch tröstend zwei Anmerkungen dazu. Zum einen dauert diese Trauer durch die Anfechtungen eine „kleine Zeit“ („klein“ als „kurz“ oder auch als „beschränkt“ verstanden).
Die gleiche griechische Wendung (poikilois peirasmois, „mancherlei Anfechtungen„) verwendet Jakobus. Auch er betrachtet Anfechtungen als Anlaß zur Freude (Jak 1,2). Sie mögen zwar vorübergehendes Leid bringen, doch sie können die tiefe, unvergängliche Freude, die in der lebendigen Hoffnung auf Christus Jesus wurzelt, nicht auslöschen.
Die Leiden werden hier Prüfungen oder auch „Erprobungen“ genannt. Das Wort „Prüfung“ zeigt an, daß diese Leiden nicht sinnlos sind sondern daß sie in Gottes Plan hineingehören, daß eine göttliche, liebende Absicht dahinter steht. Darin liegt ein großer Trost. Sicher Ist für die urchristliche Anschauung von der Prüfung oder Versuchung das Hiob-Buch wichtig. Danach gestattet Gott es, daß Satan den Gläubigen versucht, um dessen Glauben an Gott zu erproben. Und Gott selbst bestimmt dabei Maß und Grenze der Prüfungsleiden, auch wenn er sie nicht selbst vornimmt, so dient sie, wenn sich der Glaube bewährt, der Ehre Gottes, obwohl Satan sie in böser Absicht ausführt.
Alle Heilsgüter, deren sich die Jünger Jesu rühmen, sind zukünftiger und gegenwärtig zugleich.

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