„Sind Pastorinnen biblisch?“

Kein Theologe kann die Frage „Sind Pastorinnen biblisch?“ im engeren Wortsinne positiv beantworten– die Bibel kennt schlichtweg keine Pastorinnen.
Vielmehr gebraucht die Schrift verschiedene Worte für die Funktion eines „Pastors“. Keiner der Begriffe wird dabei je in weiblicher Form angeführt und auch bei allen in der Bibel namentlich erwähnten „Pastoren“ handelt es sich ausnahmslos um Männer.
Ebenso sehen die Passagen, die direkt die Qualifikation für das Ältestenamt benennen, von dem für gewöhnlich das Pastorenamt als hauptamtliches Ältestenamt abgeleitet wird, dieses Amt nur Männer für vor (1.Tim 3,1-7; Tit 1,5-9).
Trotzdem kann die Frage nach Frauen im Pastorendienst gestellt werden.
Laut Bibel sind Mann und Frau in Ihrer Gottesebenbildlichkeit absolut gleichwertig. Auch bestätigt die Bibel, dass Frauen einander lehren (Tit 2,3) und als Diakone wirken können (Röm 16,1).
Daneben benennt die Schrift klar unterschiedliche Rollen für Mann und Frau, sowohl in der Ehe (1.Kor 11,3; Eph 5,22-33; Kol 3,18; Tit 2,5; 1.Pet 3,1) als auch in der Gemeinde, wo es Frauen untersagt ist, im Gottesdienst zu lehren und über den Mann zu herrschen (1. Kor 14,33f; 1.Tim 2,12). Dies soll die Unterordnung der Frau unter ihren Ehemann im Gemeindeleben widerspiegeln. Begründet wird das unter Verweis auf Schöpfungsordnung und Sündenfall, also keineswegs zeithistorisch. Auch stellt es ein Bild für die Unterordnung Christi unter den Vater dar (1.Kor 11).
Aktuell jedoch geben viele Männer die Verantwortung in Gemeinden auf, während Frauen diese anstreben. Hier ist Korrektur erforderlich. Gott will, dass entsprechend begabte Männer das Pastorenamt zur Ehre Gottes und zum Wohle der Gemeinde wahrnehmen. Das ist eindeutig biblisch.
Matthias Lohmann

6 Gedanken zu „„Sind Pastorinnen biblisch?“

  1. Spannendes Thema. Einer der Gründe, weshalb ich überhaupt mit dem Bloggen angefangen habe!
    Nur isolierte Gedanken/Fragen:
    – Das Altgriechische kennt für bestimmte Wörter keine weibliche Form. Ist z.B. relevant für die Frage nach weiblichen Aposteln.
    – Das Pastorenamt ist wichtig, aber oft überbewertet. Der Pastor steht biblisch in einer Reihe mit Evangelisten, Lehrern, Propheten, Aposteln… die Frage nach den Frauen stellt sich dort genauso (weibliche Propheten? Weibliche Lehrer?).
    – 1.Tim 3 & Co behandeln wortwörtlich Männer als Älteste (oder Pastoren?). Sind Frauen damit automatisch ausgeschlossen, auch, wenn ihnen dieses Amt per Bibel nicht verboten wird? (Vgl. Parallele: wenn vom Gebet in der Bibel geschrieben ist, dann wird oft das Händeheben genannt (u.a. 1.Tim 2). Heißt das, dass wir nur Händeheben dürfen? Heißt das, dass wir die Hände nicht falten dürfen? Übertrag auf 1. Tim 3: Wenn Männer für das Ältestenamt genannt sind, heißt das, dass das nur Männer machen dürfen?==> Letztlich eine Frage des Auslegungsmaßstabs!)
    – Inwieweit gilt die Unterordnung der Frau in der Ehe automatisch gegenüber allen Männern, auch, wenn sie nicht mit anderen verheiratet ist?

    Naja, nur ein paar Gedanken und Anfragen, die letztlich darauf zielen, wie wir was auslegen. Spannend!

    Gott segnet!

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  2. Hallo Dirk,
    ein paar Antworten und Gedanken zu Deinem Kommentar:
    – Das Altgriechische kennt für bestimmte Wörter keine weibliche Form. Ist z.B. relevant für die Frage nach weiblichen Aposteln.“
    -> Richtig – aber da wo es weibliche Formen gibt, werden diese nicht gebraucht, das heißt, es wir nie eine weibliche Älteste, etc. genannt.

    – Das Pastorenamt ist wichtig, aber oft überbewertet. Der Pastor steht biblisch in einer Reihe mit Evangelisten, Lehrern, Propheten, Aposteln… die Frage nach den Frauen stellt sich dort genauso (weibliche Propheten? Weibliche Lehrer?).
    -> Die Einschränkung auf den Zugang zum Amt nur für Männer bezieht sich jedoch recht eindeutig auf das wesentliche Lehr- und Leitungsamt in der Gemeinde. Mir geht es hier nicht um eine Bewertung im Verghleich zu anderen Ämtern … jedoch sehe ich z.B. im Bezuig auf Evangelisten nicht die gleiche Einschränkung. Das hat sicher damit zu tun, dass das Pastoren- bzw Ältestenamt eben ein Amt im Rahmen einer Gemeinde ist und dabei eben Ordnung von Wichtigkeit ist (siehe dazu 1. Kor 14), während sich bei Evangelisten die Frage nach Ordnung (und Unterordnung) nicht in gleicher Form stellt.

    – 1.Tim 3 & Co behandeln wortwörtlich Männer als Älteste (oder Pastoren?). Sind Frauen damit automatisch ausgeschlossen, auch, wenn ihnen dieses Amt per Bibel nicht verboten wird? (Vgl. Parallele: wenn vom Gebet in der Bibel geschrieben ist, dann wird oft das Händeheben genannt (u.a. 1.Tim 2). Heißt das, dass wir nur Händeheben dürfen? Heißt das, dass wir die Hände nicht falten dürfen? Übertrag auf 1. Tim 3: Wenn Männer für das Ältestenamt genannt sind, heißt das, dass das nur Männer machen dürfen?==> Letztlich eine Frage des Auslegungsmaßstabs!)
    -> Sicher ist die ganze Frage nach Pastorinnen eher eine Frage der Hermeneutik als der Exegese. Ich würde aber eben 1. Tim 3 im Zusammenhang mit 1. Tim 2,12 betrachten und auch die Qualifikation von Diakonen und Frauen (deren Frauen oder Diakoninen?) mit betrachten und eben die Begründung zu 1. Tim 2,12, sowie den Zusammenhang zur Ordnung in der Ehe (1. Kor 11,2-6; Eph 5). Wenn man also nicht eine einzelne Bibelstelle betrachtet, sondern die Grundtenor der Schrift, dann wird man wohl kaum zu zwei Meinungen kommen können.

    – Inwieweit gilt die Unterordnung der Frau in der Ehe automatisch gegenüber allen Männern, auch, wenn sie nicht mit anderen verheiratet ist?
    -> Das tut sie nicht! Es sollen sich auch in der Gemeinde ja nicht alle Frauen allen Männern unterordnunen, sondern eben nur den Ältesten. In der Familie Gottes (der Gemeinde), nehmen die Ältesten also die Haupt-Funktion analog zum Ehemann in der Familie ein.

    Ich hoffe, dass das hilfreich ist.
    Gruß, Matthias

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  3. Matthias´ Beitrag hilft, die Zusammenhänge zu einem brisanten Thema richtig zu bedenken! Inhaltlich möchte ich dem nichts hinzufügen, nur einige Anmerkungen hierzu: Hinter der immer wieder aufkommenden Anfrage, ob Frauen etwas dürfen oder nicht steckt meiner Meinung nach eine falsche Grundannahme. Es geht bei deiesem Thema doch nicht in erster Linie um die Frage, ob bestimmte Ämter für Frauen nicht zugänglich sind. Vielmehr geht es darum, dass innerhalb der unterschiedlichen Grundstruktur menschlicher Begabungen ein Unterschied in den Verantwortungsbereichen von Gottes Seite vorgesehen ist. Sich dafür zu entscheiden, die biblische Grundlinie zu bejahen, ist von daher zunächst einmal ein Akt der Anerkennung vor dem Schöpfer, der Mann und Frau in gegenseitiger Zuordnung und Unterstützung geschaffen hat und ihnen die ihnen gemäße Bestimmung gegeben hat: zunächst in der Ehe, dann auch im Raum der alten Schöpfung allgemein und in besonderer Weise dort, wo die neue Schöpfung sich auf die alte Schöpfung auswirkt, das ist die christliche Gemeinde, die die Ethik christlicher Lebensgestaltung nach dem Vorbild Jesu Christi anschaulich widerspiegeln soll. Unterordnung ist ein Kernprinzip christlicher Existenz und wurde auch von Jesus Christus selber vorgelebt, ist also in keinster Weise eine Benachteiligung. Natürlich beinhaltet dieser Zusammenhang auch, dass es weder schöpfungs- noch heilsbezogen irgend eine Auf- oder Abwertung der geschlechtlichen Identität von Mann und Frau gibt. Aber das gilt ja auch innerhalb der Geschlechter: ein Pastor oder Ältester (Presbyter) ist kein besserer Christ als ein “einfaches” Gemeindeglied!! Jeder darf lernen -innerhalb bestimmter Grenzen und Möglichkeiten – seinen Verantwortungsbereich auszufüllen. Die Grundhaltung dabei ist: wir sind einander Diener und als solche setzen wir Maßstäbe! Dies gilt für Mann und Frau. Aus diesem Geist heraus kann jeder, Männer und Frauen, ohne Konkurrenz- und Vergleichsdenken in wahrer evangeliumsgemäßer Freiheit agieren! (dazu kann gelesen werden: Mark. 9,35; 10,42-45). Wenn wir aus diesem neutestamentlichen Zusammenhang die Frage nach der Stellung der Frau in der Gemeinde beurteilen, gibt es einen tieferen Sinn: das “Dienen” hat an sich einen Wert und hat nichts mit falscher Unterwürfigkeit zu tun, sondern ist eine Frage der Demut. Wer sich z.B. über die zunächst geäußerten Absichten des amerikanischen Pastors Terry Jones (Stichwort “Koranverbrennung”) empört, sollte auch die christliche Alternative kennen: nicht große Machtdemonstration, sondern Bereitschaft, den Menschen im Namen Christi Liebe und Verantwortung entgegen zu bringen, zeichnet die christliche Gemeinde aus. Dass Männer und Frauen von der Form her anders dienen sollen, aber im Geist die gleiche Grundgesinnung dabei aufbringen, schafft Raum für Frieden und Liebe, die sich an der Wahrheit des Wortes Gottes und SEINER Autorität orientiert!

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  4. Pingback: Frauen als Pastorinnen? Der BFEG entscheidet am 18.09.2010 | apologet

  5. Pingback: Quo vadis BFEG? | apologet

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