1. Petr 2,1 So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede

Die christliche Gemeinde lebt in und aus der Bruderliebe – das war das vorhergehende Thema (1. Petr 1,22ff.). Daran knüpft Petrus jetzt an mit dem „So“ („nun“) und entfaltet in den folgenden Versen das neue Sein der Gemeinde, was sie von Gott her ist.
Eine ähnliche Aussage finden wir in Jak. 1,21. Die hier aufgezählten Verhaltensweisen haben alle mit dem Verhalten andern gegenüber zu tun und sind der „ungefärbten Bruderliebe“ entgegengesetzt, von der wir in Kapitel 1,22 gelesen haben.
Der Apostel Paulus schreibt an die Heiligen und Getreuen in Ephesus und Kolossä, dass sie den alten Menschen abgelegt oder ausgezogen und den neuen angezogen haben (Eph 4,22-24; Kol 3,9-11) Dieselbe Wahrheit stellte uns Petrus in den letzten Versen des ersten Kapitels vor, allerdings nicht so dem Grundsatz nach wie Paulus, sondern mehr praktisch, so wie er es überall in diesem Brief tut.
Das Wörtchen „So (nun)“ verbindet das zweite Kapitel mit den letzten Versen von Kapitel 1. Kapitel 2 hätte bei 1, 22 beginnen müssen.
Das griechische Wort für „leget nun ab“ ist ein Zeitwort in der Form des Aorist. Das bedeutet, dass es nicht eine fortschreitende Handlung angibt, sondern eine Handlung, die einmal für alle Zeiten getan ist, die aber bleibende Folgen hat. Diese Handlung haben in der Vergangenheit stattgefunden hat. Aber in Zusammenhang mit der Befehlsform von Vers 2 sehen wir auch, dass es eine Ermahnung ist.
“Ablegen“ – dahinter steht das Bild vom Ausziehen der alten Kleider (vgl. Röm 13,12; Eph 4,22f.; Kol 2,11; Kol 3,8; Hebr 12,1; Jak 1,21; vgl. auch Mt 22,11). Die „alten Kleider“ kann ich ablegen, weil mir Jesus Christus das neue Kleid der Gerechtigkeit schenkt.
Petrus zählt fünf verschiedene Sünden der inneren Haltung und der Rede auf, die Zwietracht unter den Gläubigen säen. Bosheit (kakian) ist böser Wille; Betrug (dolon) ist bewußte Unehrlichkeit; Heuchelei (hypokriseis) ist vorgetäuschte Frömmigkeit und Liebe. „Heuchelei“ (im Griechischen steht der Plural „Heucheleien“) meint das konkrete Verhalten in vielen einzelnen Begegnungen, wo wir dem anderen etwas vorspielen, einen Schein aufrechterhalten, obwohl es hinter der Fassade, in unserem Herzen, ganz anders aussieht. Heuchelei ist eigentlich gelebte Lüge, die oft in großer Frömmigkeit erscheint, aber nur auf die eigene Ehre aus ist. Darum warnt auch Jesus so vor der Heuchelei (vgl. Mt 6,2ff.; Mt 7,5; Mt 15,7; Mt 23,13; Mt 24,51), denn sie zerstört die Liebe nachhaltig.
Neid (phthonous) ist Mißgunst. (Im griech. steht es in der Mehrzahl; eigentlich »Neidgedanken«). Diese Gedanken sind oft ganz verborgen, entspringen der Ichsucht und gönnen dem andern nicht das Seine. In der griechischen Wortwurzel wird deutlich, dass Neid kein harmloses „Gefühl“ ist, sondern dem anderen sogar Böses wünscht. Denn die Grundbedeutung heißt »untergehen, umkommen, vernichten«.
“üble Nachrede“ (katalalias) ist Verleumdung. Nichts von alldem sollte in den Wiedergeborenen Raum haben. Vielmehr wird von ihnen erwartet, daß sie in Gehorsam gegen das Wort vollständig mit ihrer sündigen Vergangenheit brechen.
“üble Nachrede“ „Wer einmal geklatscht hat (und das machen wir alle, weil uns nichts mehr interessiert als das Menschliche) weiß, dass der Reiz von Gerüchten über das Privatleben von Nachbarn, Freunden und Kollegen gerade im Spekulativen besteht. Sie können richtig, sie dürfen auch falsch sein. Sie wachsen mit einer Dynamik, die sich nicht nach Wahrheitsgehalt, sondern nach Verbreitungsgrad richtet. Die größte Kraft entfaltet Klatsch, wenn er beginnt, sich selbst zu transportieren. Denn, so lautet der schlagende Beweis im Fall von Gerüchten: Wenn alle es sagen, dann muss doch etwas dran sein!“

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