1. Petrus 2,10 die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid (Hosea 2,25).

Das „einst“ und das „nun aber“ stehen in gewaltigem Gegensatz einander gegenüber. Sie waren vorher kein Volk. Es gab eine Zeit in ihrem Leben, in der sie nicht begnadigt waren (wörtlich: ohne Erbarmen), sondern unter dem Zorn Gottes (Röm.1,18 ff) und daher preisgegeben an die Verderbensmächte. Als Ungläubige kannten sie das Erbarmen von Christus nicht – sie waren einst „nicht ein Volk“, jetzt aber waren sie ein Volk Gottes geworden, weil sie Barmherzigkeit empfangen hatten. Barmherzigkeit ist gleichbedeutend mit Erbarmen und beinhaltet im Kern, dass Gott Mitgefühl mit der elenden Lage von Sündern hat und sie vor der gerechten Strafe für ihre Sünden rettet. Es rettet die Gläubigen vor dem Gericht in der Hölle und schenkt ihnen ein ewiges Erbteil im Himmel 1,4; Ps 37,18.
Jetzt wendet Petrus diese Worte des Propheten über Israel (vgl. Hos 2,25) auf die Gemeinde an – bestehend aus Judenchristen und Heidenchristen (vgl. Röm 9,22-26). „nicht ein Volk…. nun aber Gottes Volk“ Das griech. Wort, das hier mit „Volk“ (laos) wiedergegeben ist steht in LXX in erster Linie für Israel. Auch an dieser Stelle bezieht Petrus einen Begriff aus dem AT auf die Gemeinde. Er zieht Hos 1,6,9,10 und 2,23 (nach LXX) heran. Im urspr. Zusammenhang ging es um die Wiederannahme Israels durch Gott, nachdem es zunächst verworfen worden war. Petrus interpretiert (wie Paulus. Rom 9.25 f.) diese Passage aus Hosea jedoch als gleichzeitige Aufnahme der erwählten Heiden in das Gottesvolk. Gottes Gnade kommt Juden und Heiden unverdientermaßen zu, und so besteht eine wesentliche Kontinuität zwischen dem atl. Israel und der ntl. Gemeinde.
Auffällig ist, daß 1 Petr in all seinen ekklesiologischen Aussagen die Bezeichnung Kirche meidet und die Christenheit konsequent als „Volk Gottes“ darstellt. Dadurch will er den universalen Charakter des durch Jesus Christus geschenkten göttlichen Heils herausstellen und zugleich dem Selbstbewußtsein der im ganzen römischen Reich verbreiteten Christen als universale neue Gemeinschaft religiösen Charakters Ausdruck geben. Weder die Heiden noch die Juden sind das eine wahre Volk Gottes: Dies sind die Christen allein. Ihnen
allein ist daher die endgültige Zukunft in der voll erlösten Welt von Gott zugesagt. Insofern sind sie die Vorhut der erlösten Menschheit.

Nein zur Besserwisserei

„Es gilt miteinander neu zu fragen, was es – jenseits von frommer Besserwisserei und arroganter Rechthaberei –  heute heißen könnte, in Sanftmut und selbstkritischer Bescheidenheit, aber mit Mut und Zivilcourage Böses nicht mit Bösem zu vergelten, sondern durch Gutes zu überwinden. Und zwar sowohl im privaten und lokalen Bereich, wie auch national und global. Nicht primär, weil wir es uns wert sind, sondern weil wir Wertgeschätzte Gottes sind, die mit andern teilen möchten, was für Grundlage des Lebens geworden ist: Gottes Güte und Vergebung“
Hanspeter Jecker, Dozent für Kirchengeschichte am Theologischen Seminar Bienenberg, in einem Beitrag über die Geschichte der Täuferbewegung  http://schwengeler.ch/wFactum_de/aktuelles_heft/aktuelles_heft.php

Zeit der Verwirrung

Die Erfahrung, tatsächlich vor dem Abgrund der Sinnlosigkeit zu stehen, gebiert entweder die schwere Depression, die Höllenwut des Amoks, oder den Taumel einer rauschhaften Erfahrung im Massenevent. Es kann auch das geradezu verzweifelte Engagement für ein Ziel sein, dessen Hauptmerkmal seine Beliebigkeit ist. Der eine wird zum Kämpfer gegen das Passivrauchen, der andern verliert sich in esoterischen Gefühlswelten, der dritte kämpft in Berlin mit dem Heuerzeug in der Hand gegen Oberklasse-Limousinon oder in Stuttgart gegen den Umbau eines Bahnhofes, als hinge Wohl und Wehe des Abendlandes daran. Und der Staat? Er nutzt die postmoderne Verwirrung und erweitert seine Rolle als vormundschaftlicher Hüter der vermeintlich unmündigen Bürger.  Er regiert zunehmend in die Lebensführung des Einzelnen hinein. Ständig erweiterte Schutznormen, verhaltensreglementierende Vorgaben deklassieren den Bürger zum Unmündigen. Stück um Stück wird den Eltern das Grundrecht auf die Erziehung aus den Händen gewunden. Der britische Publizist Mick Hume schreibt, heute werde „der neuartige „therapeutische Staat“ sichtbar, der seine Aufgabe darin sieht, „einer unwissenden Öffentlichkeit den Weg zu neuer Rechtschaffenheit zu weisen“. Wo früher der christliche Glaube der sittliche Kompass war, ist jetzt staatlich definiertes Gesundheitsbewusstsein die Richtschnur, schreibt der Kolumnist Michael Miersch. Miersch bringt den Wandel auf den Punkt: «Einst ging man in die Kirche, jetzt zelebriert man den Körperkult.» Wer geistlich keinen Sinn mehr finden kann, muss den Körper vergötzen. In der postmodernen Gesellschaft kann es keine Sünde mehr geben. Es geschehen zwar allerorten Dinge, die offenbar nicht richtig sind. Aber sollte jemand schuld sein? Wo es keine Wahrheit gibt, kann es auch keine Schuld geben – allenfalls Verstösse gegen gesellschaftliche Normen. Die sind aber so relativ und beliebig wie alles andere. Der Medientheoretiker Peter Weihet kritisiert diese Entwicklung mit den Worten: „Im Sport, in der Finanzwirtschaft. in der Justiz werden Schulden, Schuld und Sühne abgeschafft. In Duisburg (Loveparade) hat niemand Schuld, an der Finanzkrise hat niemand Schuld. Das System schluckt die Schuld. Es ist der letzte Rest des Christentums, der damit von uns gehl. Thomas Lachenmaier   Der komplette Artikel ist in factum 8/2010
http://schwengeler.ch/wFactum_de/aktuelles_heft/aktuelles_heft.php

1.Petrus 2,9 Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht;

Petrus schließt diesen Abschnitt seines seelsorgerlichen Schreibens mit einer eindringlichen Mahnung an seine Leser, den Weg der Heiligung in die Praxis umzusetzen.
Im Gegensatz zu den Ungehorsamen konzentriert sich Petrus auf die Gläubigen mit den Worten „Ihr aber“.
Hinter diesen Kennzeichnungen der christlichen Gemeinde als „auserwähltes Geschlecht“, „heiliges Volk“ und „Volk des Eigentums“ stehen atl. Gottesworte an Israel (vgl. 2. Mo 19,5f.; Jes 43,20f. 5. Mose 7,6-9). Der Titel „auserwähltes Geschlecht“, der ursprünglich nur Israel gebührte, gilt nun den Heidenchristen ebenso wie den Judenchristen. Die Gemeinde des neuen Bundes tritt also mit in die Stellung Israels ein. Allerdings tritt sie nicht an Israels Stelle, denn das atl. Gottesvolk ist von Gott nicht verworfen, sondern bis zum Ende der Zeit zurückgestellt. Wir sind ein -gepfropfte Zweige am Baum Israel (so drückt es Paulus aus, vgl. Röm 11,17.25f.).
Israel wird das Privileg, Gottes heiliges Volk zu sein, erst wieder genießen, wenn es sich am Ende im Glauben zum Messias hinwendet (vgl. Hes 36,25-31; Röm 11,24.26). Es ist heilsgeschichtlich bedeutsam, daß für die Berufung zur Gemeinde de Neuen Bundes nun nicht mehr Volkzugehörigkeit entscheidet, sondern Glaube! Nun, im Kirchenzeitalter, werden die Gläubigen als königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums bezeichnet. Petrus gebraucht für die Christen den Begriff „heilige Priesterschaft“ (1. Petr 2,5) und „königliche Priesterschaft“ (1. Petr 2,9; vgl. Offb 1,6). Königlich ist sie, weil sie der Königsherrschaft Gottes angehört und auf sie hin lebt. Trotz Bedrängnis und Verachtung ist sie dennoch königlich frei, weil sie gebunden ist an Gott.
Das neue Gottesvolk steht im Dienst seines Herrn: „… dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten.“ Christen sind Zeugen ihres Herrn und rufen vor den Menschen die „Wohltaten“ ihres Herrn einladend aus. Das griechische Wort „Wohltaten« kann mit „Herrlichkeit, Stärke, Machttat“ wiedergegeben werden. Dahinter steht Jesaja 43,21, Israel soll Gottes Ruhm verkündigen. Und diese „Machttat“ Gottes gipfelt eben darin, dass er uns „berufen hat von der Finsternis“. „Finsternis“ ist der Zustand des „alten“ Menschen, ist der „Schatten des Todes“ (vgl. Ps 107,10; Jes 42,7; Jes 58,10; Jes 60,2; Mt 4,16; Lk 1,79; Joh 1,5; Joh 8,12; 2. Kor 4,6; Eph 5,8; Kol 1,13; 1. Thess 5,4; 1. Joh 2,8.11).
Das grie Wort für Eigentum kann auch „Erhaltung“ und „Erwerbung“ bedeuten. Gemeint ist ein Eigentum, das Gott selbst für sich erworben hat. Niemand anderes kann Besitzanspruch auf dieses Volk erheben als allein Gott. Auch nicht für sich selbst ist dieses Volk da, sondern nur für Gott (vgl. Tit 2, 14). „Jesus Christus, der sich selbst für uns [Christen] hingegeben hat, um uns von aller Gesetzlosigkeit zu erlösen und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen“ (Tit 2,13-14; vgl. Apg 20,28; 1Kor 6,20).
Gottes Plan in der Erwählung der Gläubigen zu seinem Volk ist es, daß sie verkündigen … die Wohltaten dessen, der sie berufen hat. Statt „Wohltaten“ könnte man auch „hervorragende Eigenschaften“, „außergewöhnliche Qualitäten“ oder „Tugenden“ (aretos; das Wort taucht nur viermal im Neuen Testament auf; Phil 4,8; 1. Petr 2,9;

2. Petr 1,3.5) schreiben. Die alte LÜ hat „Tugend“, aber das ist zu moralisch. Die rev. LÜ hat „Wohltat“, das ist richtig, wenn wir es nicht auf das Gebiet des äußeren Lebens beschränken, sondern als machtvolle Heilstat verstehen.
Die priesterlichen Gläubigen sollen so leben, daß das Wesen ihres himmlischen Vaters in ihrer Lebensführung zum Ausdruck kommt. Sie sollen die Herrlichkeit und Gnade Gottes bezeugen, der sie von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat. Petrus
von der Finsternis“ Die ganze Geschichte hindurch kannte die unerlöste Welt zwei Arten von Dunkelheit: in geistiger und in moralischer Hinsicht. Geistige Dunkelheit ist Unwissenheit – die Unfähigkeit, die Wahrheit zu sehen und zu kennen. Moralische Dunkelheit hingegen ist Unmoral – die Unfähigkeit, das Richtige zu erkennen und zu tun (Ps 58,4; Jer 17,9; Röm 8,7-8; 1Kor 2,14; Eph 4,17-19). Die Finsternis, die Petrus hier meint, fällt in die zweite Kategorie – der sündige Zustand der Ungläubigen, die in der geistlichen Dunkelheit des Teufels, des Fürsten der Finsternis, gefangen sind (Eph 2,1-2; 2Tim 2,25- 26; 1Jo 5,19). Eine solche Dunkelheit ist durchdringend und tief greifend (Ps 143,2; Pred 7,20; Jes 53,6; Röm 3,9-12).
Hier ist vom Licht als von einem Bereich gesprochen, nämlich dem der Nähe Gottes. Licht ist sein Kleid (Ps 104, 2), sein Reich ist von Licht geprägt, und er wohnt in einem Licht, da niemand zukommen kann (1 Tim 6, 16). Ja, sein Licht ist so intensiv, daß man ihm nicht ohne weiteres nahen kann: „Wer ist unter uns, der bei ewiger Glut wohnen kann“ (Jes 33, 14)?

Lasst euch nicht für dumm verkaufen!

Lasst euch nicht für dumm verkaufen!
Politische Korrektheit und die Freiheit des Denkens
Ob Schweinegrippe, Sarrazin oder die Ansiedlung von Wölfen – auf Schritt und Tritt erlebe ich in den Medien die politische Korrektheit. In Deutschland hat sie als Besonderheit noch eine Dimension der historischen Korrektheit. „Wenn das Denken korrekt sein soll, dann gibt es kein Denken mehr“, so der verstorbene Dramatiker Heiner Müller. Recht hat er! Denn Denken ist nicht korrekt, sondern menschlich. Und der FOCUS titelte schon 1995 (16/1995): „Political Correctness, in Deutschland vor allem präsent als historische Korrektheit, bläst zur Attacke auf die Meinungsfreiheit“. Wieso sind wir in Deutschland so anfällig für politische Korrektheit? Gert Mattenklott (Berlin) vermutet u.a. ein „hohes gesellschaftliches Potential latenter Schuldgefühle“ ausgelöst u.a. durch die NS-Zeit. Diese Schuldgefühle werden wachgehalten und instrumentalisiert. Wer politisch korrekt moralisiert, der predigt, theologisch gesprochen, das Gesetz. Er sucht das Unkorrekte, er sucht nach dem Sündenbock. Und nach dem Sündenbock sucht eine Gesellschaft, die von Vergebung nichts mehr weiß. Wer das Evangelium von Jesus Christus verkündet, predigt keine Korrektheit, sondern stiftet Unruhe. Denn in der Christusverkündigung ergeht ein Weckruf. Der rüttelt auf. Er bezeugt Gottes Gericht über unsere Sünde. Er redet davon, dass wir in der Gefahr stehen, geistlich weiter zu schlafen und in der Hölle aufzuwachen. Dieser Weckruf bezeugt aber auch, dass Gott sein Gericht im Kreuzestod Jesu vollzogen hat und nun jeder Vergebung und Leben empfängt, der sie dort sucht. Offen von Schuld und Vergebung reden, von Gottes Heiligkeit und Gnade, sie erleben und aus ihr leben, das ist der beste Schutz gegen die säkulare (Gesetzesreligion der political correetness – und gegen diese Form von Volksverdummung. Von meinem Vater, einem Schuhmacher, habe ich zweierlei gelernt: 1. Schuhe werden nicht vorbeigebracht, damit ich mir jeden anziehe. 2. „Wo Vergebung der Sünden ist, da ist Leben und Seligkeit“ (Luther).
Dr. Manfred Dreytza Leiter des Krelinger Studienzentrums Krelinger Briefe Nr.11/12 November / Dezember 2010

1. Petrus 2,8 ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses« (Psalm 118,22; Jesaja 8,14); sie stoßen sich an ihm, weil sie nicht an das Wort glauben, wozu sie auch bestimmt sind.

Man kann über Jesus nicht zur Tagesordnung übergehen und an ihm vorbei Zukunft bauen. Wer ihm begegnet, wird durch die Begegnung auf alle Fälle verändert: Er wird sehend, „lebendiger Stein, oder stößt sich an ihm wie ein Blinder und kommt zu Fall, d.h. er verfehlt seinen Schöpfer und Erlöser und damit seine Bestimmung.
„Stein des Anstoßes“ meint einen Steinblock, gegen den man anrennt und an dem man sich Schaden holt. Das wird unterstrichen durch den Ausdruck Fels, der zu Fall bringt“. Der Stein, den die Bauenden verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden, und ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses. Ob der kostbare Eckstein dem Menschen Kostbarkeit ist oder Anstoß zum Fallen wird, das kommt nicht schicksalhaft über ihn, sondern hat seine Ursache im Glauben oder im Ungehorsam gegenüber dem „Wort“.
Nun verschiebt sich das Bild ein wenig von Christus als dem Prüfstein und Eckstein zum Stein des Anstoßes.
Mit Psalm 118,22 beschreibt Petrus noch einmal die Ausstoßung und Verurteilung Jesu durch die Führer Israels. Sie hielten sich für „Bauleute, wollten Gottes Herrschaft in Israel bauen, aber Jesus passte nicht in ihren frommen, so eigensüchtigen Bauplan. Deshalb haben sie ihn „verworfen“. „Hinweg mit ihm, kreuziget ihn!“, schrie damals die aufgehetzte Volksmenge vor dem Richterstuhl des Pilatus. Gott aber hat durch Kreuz, Leiden, Sterben und Auferstehung den Sohn zum kostbaren »Eckstein«, zum Ersten der neuen Schöpfung gemacht.
Während nach Jes. 8,14 Israel an Gott selbst zu Fall kommt, wenn es in seiner Politik nicht mit Gott rechnet, stolpert der Unglaube nun über Christus.
“wozu sie auch bestimmt sind“ –, weil sie dem Evangelium nicht glauben und gehorchen. Gott bestimmt Menschen nicht aktiv zum Unglauben; aber er verhängt das Gericht über jeden Ungläubigen (Joh 3,18.36; 8,24; 2Thes 1,6-9; Hebr 3,19; 4,11). Gott richtet Ungläubige als eine Folge ihrer mangelnden Liebe zu ihm, ihres Ungehorsams gegenüber seinem Wort und ihrer Weigerung, an ihn zu glauben. Paulus schrieb den Korinthern: „Wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht liebt, der sei verflucht!“ (1Kor 16,22).
Hier wird sowohl die freie Gnadenwahl Gottes als auch die Verantwortung des Menschen aufgezeigt. Die Menschen sind verdammt ( nehmen Anstoß«), „weil sie dem Wort nicht glauben“. Doch auch dieser Ungehorsam vollzieht sich nicht außerhalb des souveränen göttlichen Willens (Rom 9,14-24). 2,9 f. Durch seine Sprache, die er hier gebraucht indem er Begriffe, die im AT auf Israel bezogen waren, auf die Gemeinde anwendet stellt Petrus beide als das eine Gottesvolk vor.

1. Petrus 2,7 Für euch nun, die ihr glaubt, ist er kostbar; für die Ungläubigen aber ist »der Stein, den die Bauleute verworfen haben und der zum Eckstein geworden ist,

Hier haben wir zuerst einen Zuspruch: „Für euch, die ihr glaubt, ist er kostbar.“ Für den, der Jesus Christus ganz vertraut, ist er der höchste Wert, das Beste, was ich im Leben gewinnen kann.
Hinsichtlich Christus kann es keinen neutralen Standpunkt geben. Den Pharisäern sagte Jesus: „Wer nicht mit mir ist, ist wider mich, und wer nicht mit mir sammelt, zerstreut“ (Mt 12,30). Somit gibt es nur zwei Gruppen hier, die Glaubenden und die Ungehorsamen, die die Wahrheit verschmähen. Dies schmettert die falschen Argumente des „nicht-glauben-Könnens“ ab. Unglaube ist Ungehorsam dem Ruf der frohen Botschaft gegenüber, es ist eine Sache der persönlichen Entscheidung. Diejenigen, die die Vergeltung des kommenden Herrn kennen lernen werden, sind die, „die dem Evangelium nicht gehorcht haben“. Dem Glaubenden ist Christus kostbar. Noch mehr, denn dieser Vers lautet: „Euch nun, die ihr glaubt, ist die Kostbarkeit“.
Der grie. Text enthält in V. 6 (timios = kostbar) und V. 7 (timae = Kostbarkeit) den gleichen Wortstamm. Das sollte auch in der Übersetzung zum Ausdruck kommen, denn V.7 nimmt das in V.6 zitierte als Gotteswort auf und wendet es auf die Empfänger an Das grie. timae heißt: Wert, Ehre, Ehrenstellung. hier am besten Kostbarkeit entsprechend dem „kostbar in V. 6. V. 6 sprach vom kostbaren Eckstein, und V. 7 f macht deutlich: den Gläubigen wird das Kostbare, die Ehre dieses Ecksteins zuteil, die Ungläubigen aber haben gerade den verworfen, den Gott zum Eckstein gemacht hat.
Damit ist der Gekreuzigte für sie zu einem Stein geworden, an dem sie sich stoßen, und zu einem Felsen, über den sie stolpern. So hat also der gleiche Stein ganz entgegengesetzte Wirkung, je nachdem die Menschen sich im Glauben oder Unglauben ihm stellen.

1. Petrus 2,6 Darum steht in der Schrift (Jesaja 28,16): „Siehe, ich lege in Zion einen auserwählten, kostbaren Eckstein; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden.“

Der Schreiber kehrt zum Thema, „Christus als Eckstein“ zurück und entwickelt es weiter. Dies tut er mit einer frei aus Jes 28,16 zitierten Stelle. Dort wird berichtet, daß die Obersten dem Volk von Jerusalem Rettung schaffen wollten dadurch, daß sie mit dem Tode und mit der Lüge einen Bund machten. Und die Führer Israels, die dem Gericht Gottes frech entgehen wollten. Sie meinten, sie hätten sich abgesichert, sogar gegenüber dem Tod, und könnten so ungestraft die Armen ausbeuten. Dem setzt Gott sein Rettungshandeln entgegen. Die Wortwahl sowie das Bild vom festgegründeten Eckstein drückt das souveräne, machtvolle Handeln Gottes so massiv aus, daß man spürt: wer das nicht respektiert, wer sich dem widersetzt, steht gegen Gottes entschiedenen Willen und wird daran zugrunde gehen. Schon im Judentum wurden diese Worte auf den Messias gedeutet. Die Apostel sahen in ihnen das Ostergeschehen geweissagt.
Durch Siehe soll die Aufmerksamkeit geweckt werden: Achtung! Hier geschieht etwas, was niemand ohne Schaden übergeht. Im Ostergeschehen ist Gott dem Verwerfungsurteil der Menschen entgegengetreten, hat das Urteil der Menschen korrigiert und ein Heil geschaffen, das der ganzen Welt gilt.
Während die von Menschen gebauten Tempel verschwinden, steht hier etwas, was alle Zeit überdauert. Hier wurde dieser große Stein in Zion gelegt. Der geographische Hinweis erstreckt sich auf Jerusalem in dem Abschnitt aus Jesaja (28,14). Zion ist der Bereich des neuen Bundes der Gnade in Gegensatz zum alten Bunde des Gesetzes vom Berg Sinai (Hebr 12,22-24). Dieser Stein ist der „Haupteckstein“. In Jes 28 wird von einem Grundstein gesprochen. Wir können ihn den „Eckstein des Fundamentes“ nennen. Es ist der Stein, der zwei Wände miteinander verband und von dem alle Messungen vorgenommen wurden. So ist es auch mit Christus, dem „Haupteckstein“. Er verbindet den alten und den neuen Bund in sich selbst. Er bringt in einer Verbindung Juden und Heiden zusammen (Eph 2,14-16) Die Kirche ist errichtet auf den Propheten und den Aposteln, die durch den entscheidenden Eckstein – Christus – zusammen gehalten werden ( Eph.2,20 ).
“wer an ihn glaubt“ In der hebr. Grundsprache haben die Worte „glauben“ und „gründen“ die gleiche Sprachwurzel: aman. Daran wird deutlich, daß Glauben nicht nur mit den Gedanken geschieht, sondern mit dem ganzen Leben. Weil es um die zeitliche und ewige Existenz geht, ist die Zusage so wichtig; Wer sich auf den von Gott gesetzten Eckstein „gründet“, ihm sich anvertraut, der wird nicht zuschanden.
Das Wort zuschanden meint, in seinem Vertrauen missbraucht worden zu sein oder seine Hoffnung auf jemanden gesetzt zu haben, der sie zunichte gemacht hat. Menschen, die ernsthaft an Christus als ihren Herrn und Heiland glauben, werden von ihm niemals enttäuscht (Röm 10,11-13; vgl. Jer 17,7-8).

1. Petrus 2,5 Und auch ihr als lebendige Steine erbaut euch zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft, zu opfern geistliche Opfer, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus.

Ehe die Leser nun an das Paradoxon eines „lebendigen Steines“ gewöhnt werden, führt der Text sie in die doppelte Metapher ein, nämlich daß sie selbst „lebendige Steine“ sind.
Wenn Sünder im Glauben zu Christus, dem „lebendigen Stein“, kommen, werden auch sie lebendige Steine; wenn jemand an Christus glaubt, dann teilt er dessen Leben (vgl. Joh 17,21.23; 2Kor 3,18; Eph 4,15-16; 1Jo 3,2). Lebendige Steine zu sein, bedeutet, dass die Gläubigen das ewige Leben Christi haben. Sie sind mit ihm verbunden, was ihr erstes geistliches Privileg ist. Sie verehren ihn nicht nur, sind ihm gehorsam und beten zu ihm; sie sind mit ihm als Steine in einem geistlichen Haus verbunden, dessen Eckstein er ist. Christen werden Teilhaber des göttlichen Wesens: Kol 3,3-4; vgl. Gal 2,20. Der Brennpunkt jeder Baureihe und die Perspektive jedes Winkels in diesem herrlichen Gebäude lenken das Augenmerk immer auf Christus hin.
Dieser Vergleich führt uns zu dem ersten geistlichen Vorrecht, dessen sich die Christen erfreuen: die Einheit mit Christus selbst. Das macht das Christentum einmalig unter den Religionen. Von Buddhisten heißt es nicht, sie seien in Buddha; Muslime sind nicht in Mohammed oder gar in Allah; Konfuzianer sind nicht in Konfuzius. Nur die Christen sind mit Christus vereint und empfangen ihr geistliches Leben von dem Gegenstand ihrer Verehrung. Weiterlesen