Gibt es unterschiedliche Belohnung im Himmel?

Die reformatorische Überzeugung „sola gratia“ spielt in evangelikalen Kreisen eine große Rolle: Wir sind allein aus Gnaden gerechtfertigt. Demgegenüber macht sich verdächtig, wer von einer „individuellen Belohnung im Himmel“ spricht, von „Abstufungen im Himmel“ – wie es manche bezeichnen. Weil eine individuell unterschiedliche Belohnung irgendwie von einer „Leistung“ abhängen muss, die man als Christ bringt oder eben nicht bringt. Manche fühlen sich dabei an katholische Theologie erinnert, vielleicht auch an Johann Tetzel und seinen Ablasshandel. Um solche Missverständnisse zu vermeiden, ist genau zu definieren, wovon hier die Rede ist:
„Lohn im Himmel“ meint, dass wiedergeborene Christen von Gott nach ihren Werken beurteilt werden und demgemäß individuell unterschiedlich belohnt werden. Von dieser Beurteilung hängt nicht ab, ob der Betreffende errettet oder verdammt wird, vorausgesetzt, dass er ein treuer Christ bleibt. (Das Urteil, das über ewigen Tod und ewiges Leben entscheidet, ist ja bereits getroffen: Joh 5,24:“Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben durchgedrungen.“ ) Es geht um einen Preis, um unterschiedlich großen Lohn.
Der Richterstuhl Christi
Die Kardinalstelle für unser Thema ist 2Kor 5,10: „Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder empfange, was er durch den Leib vollbracht hat, dementsprechend, was er getan hat, es sei Gutes oder Böses.“ Wohlgemerkt, es kann hier gar nicht um ein Gericht gehen, das über Herrlichkeit oder Verdammnis entscheidet, denn
1. ist diese Frage schon geklärt (siehe oben)
2. benutzt Paulus dieses Argument als Motivation zur Mission, also für Gläubige („wir alle“), ja auch für sich selbst.
Man kann deshalb ohne weiteres von einem „Preisgericht“ sprechen, ohne sich dabei festzulegen, wie dieses Gericht eschatologisch-chronologisch einzuordnen ist. (Möglicherweise auch als Teil des Gerichtes Gottes über alle Menschen, wobei die Frage nach Errettung oder Verdammnis für Wiedergeborene bereits entschieden ist.)
Schätze im Himmel
Zu den loci classici unseres Themas gehört auch die Bergpredigt, vor allem Mt 6,19-21: Die bekannte Aufforderung, sich „Schätze im Himmel“ zu sammeln, macht ja nur Sinn, wenn dort so etwas wie ein „Konto“ existiert, auf dem man viel oder wenig einzahlen kann. Jesus spricht von einer echten Immobilie, bei der es sich einzuzahlen lohnt, die Bestand hat über unseren biologischen Tod hinaus. Dabei macht der Kontext (V.19) deutlich, dass hier in erster Linie finanzielle/ materielle Belange gemeint sind. Das heisst, Jesus weist uns auf die unerhörte Möglichkeit hin, dass wir mit dem, was wir auf Erden zur Verfügung haben, unseren Lohn in der Ewigkeit vergrößern (oder verkleinern) können. Warum sollte ich Schätze im Himmel sammeln, wenn sie auf die Ewigkeit ja doch keinen Einfluss haben?!
Lohn bei Gott oder bei Menschen
Auf der gleichen Ebene bewegt sich Mt 6,1ff: Gib dein Almosen so, dass es außer Gott niemand sieht. Andernfalls hast du keinen Lohn beim Vater. „Sie haben ihren Lohn dahin.“ sagt Jesus. Das Ansehen, die Ehre, die man als mildtätiger Spender genießt, ist Lohn genug. Aber V.4: “ Wenn du dein Almosen im Verborgenen gibst, dann wird dir dein Vater, der im Verborgenen sieht, vergelten.“ Wieder geht es um Lohn (griech. misthos meint die „Bezahlung für eine geleistete Arbeit“[1] ! Und dieser Lohn fällt unterschiedlich aus, je nachdem, was man bereit war, zu geben.
Das berührt unsere Spendenpraxis. Wir lassen uns Spendenquittungen ausstellen, um nur ja dem Finanzamt keinen Pfennig zu schenken, aber denken weniger an dieses Wort: „So soll deine Linke nicht wissen, was die Rechte tut.“ Warum den gleichen Betrag nicht einfach in den Opferkasten legen?
Der Ausblick auf einen Lohn bei Gott wird in der Bergpredigt aber nicht nur mit „Almosen“ verbunden, sondern auch mit Fasten (Mt 6,16ff) und Gebet (Mt 6,5ff).
Unser Vermögen – Gottes Maßstab
Auch die „Schärflein der Witwe“ (Mk 12,41ff) zeigen einen wichtigen Sachverhalt: Gott geht von unseren Möglichkeiten aus! Er richtet gerecht! In Lk 12,48 drückt Jesus dieses Prinzip definitiv aus: „Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert werden.“ Und das gilt in jeder Hinsicht: Wer reich ist, von dem erwartet Gott, dass er viel gibt. Wer wenig hat, von dem erwartet Gott aber auch, dass er gibt, was er geben kann. Dieses Prinzip der Relationen entspricht auch dem Gleichnis der anvertrauten Talente (Mt 25,14ff). Der Herr verlangt von dem, der nur ein Talent bekam, nicht, dass er ihm fünf Talente zurückgibt.
Gott lässt sich nichts schenken
Der Text von Mk 10,29-31 sagt aus, dass Gott es belohnen wird, wenn Christen etwas um des Reiches Gottes willen opfern oder verlieren. Dabei geht es um Belohnung auf zwei Ebenen.
Einerseits belohnt Gott schon jetzt (in diesem Äon): Wer zum Beispiel seine Familie verliert (wie im Islam), der bekommt statt dessen die Gemeinde als Familie. Gott wird aber auch „in dem kommenden Zeitalter“ belohnen: Hier ist vom ewigen Leben als Lohn die Rede (vgl. Texte, die von Siegeskranz, Krone oder Preis handeln: Off 3,11; 1Kor 9,24ff; 2Tim 4,8).
Ist daraus nun zu schlussfolgern, dass es am Ende doch keine unterschiedliche Belohnung im Himmel gibt?
Eindeutig nein, denn dann hätte V. 31 keinen Sinn: „Aber viele Erste werden Letzte und Letzte werden Erste sein.“ Wie es auf der Erde Erste und Letzte gibt, wird es auch im Himmel Erste und Letzte geben. Allerdings ist Gottes Maßstab völlig anders als menschliche Maßstäbe.
Dieses Faktum wird auch von Mt 11,11 unterstrichen. Jesus bemerkt im Blick auf Johannes den Täufer: „Der Kleinste im Reich der Himmel ist größer als er.“ Was soll der Ausdruck „der Kleinste“, wenn ja doch alle gleich sind in Gottes Augen?!
Nicht nur unterschiedlicher Lohn, auch unterschiedliche Strafe!
Wenn Gott gerecht richtet und Lohn im Himmel unterschiedlich verteilt, dann liegt der Gedanke nahe, dass Gott auch unterschiedlich straft. Und auch dafür gibt es eindeutige Aussagen:
Lk 12, 35-48 ist ein Text, der sich mit mehreren Gleichnissen Jesu zur Parusie beschäftigt. Folgendes fällt dabei auf:
Die Rückfrage des Petrus („Herr, sagst du dieses Gleichnis zu uns oder auch zu allen?“) ist verständlich und bezieht sich wohl auf den unbekannten Augenblick der Parusie. Petrus will wissen, ob der Zeitpunkt völlig geheim oder wenigstens ein paar wenigen – sprich den Jüngern – bekannt ist: „Meinst du die Allgemeinheit oder meinst du uns Jünger?“
Jesus antwortet in einem Gleichnis mit einer Gegenfrage: „Wer ist denn der kluge Verwalter?“ Die Antwort ist integriert: Ihr, die Jünger, seid gemeint! Auch ihr bekommt keinen Zeitpunkt genannt (keine Geheimlehre). Es kommt auf ganz andere Dinge an: Seid treue Knechte, auch wenn es lange dauert!
Dann spricht Jesus von einem schrecklichen Gericht, das bei seiner Wiederkunft über untreu gewordene Gläubige (!) hereinbricht. Es ist von untreuen Knechten (??????) des Herrn die Rede, also von Christen, denen ein Teil mit den Ungläubigen gesetzt wird.[2]
Wenn wir die letzten zwei Verse des Textes ansehen, dann fällt auf, dass auch die Höllenstrafen unterschiedlich ausfallen. Wenn Gott in der Herrlichkeit Lohn unterschiedlich verteilt, dann ist verständlich, dass er auch in der Hölle unterschiedlich straft!
Der entscheidende Punkt ist dabei die Frage: Was konnte der betreffende Mensch über Gott und Jesus wissen? Wenn er viel wusste und trotzdem untreu wird, dann gibt es noch härtere Strafen. Mit anderen Worten: Untreue Christen werden härter gestraft als Agnostiker! An Theologen und „Schriftgelehrte“ wird Gott einen anderen Maßstab anlegen.(vgl. Jak 3,1)! Aber warum wird auch der bestraft, der gar nichts wusste? Antwort: Er hätte es wissen können! Unwissenheit schützt nicht vor Strafe! Grundlegend ist wieder das Prinzip der Relationen: Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert werden! (V.48)
Vor Gott und im Stau sind alle Menschen gleich?
Eng verbunden mit diesem Themenkreis ist die Frage, wie Gott Sünde bewertet. Da hört man in christlichen Kreisen immer wieder: „Vor Gott sind alle Sünden gleich schlimm.“ Oder: „Vor Gott und im Stau sind alle Menschen gleich.“ Woher nimmt man solche Gedanken? Woher stammt diese Gleichmacherei? Ich habe den Verdacht, dass es sich dabei eher um humanistische Wurzeln handelt als um biblische!
Dass Gott Sünde durchaus sehr unterschiedlich bewertet, zeigt
1. Lk 12,35-48 (siehe oben)
2. Joh 19,11; Jesus zu Pilatus: „Du hättest keinerlei Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat der, welcher mich dir überliefert, größere Sünde.“
3. Mt 12,31f: die Sünde gegen den Heiligen Geist
4. 1Joh 5,16f: Sünde zum Tod und Sünde nicht zum Tod
5. 1Tim 1,15: Paulus bezeichnet sich als Erster unter den Sündern
6. Im Gesetz werden Greuelsünden besonders hervorgehoben.
Wie durchs Feuer
Auch in 1Kor 3 geht es wieder um Gericht und um arbeitsabhängigen Lohn.
V. 8: Es gibt individuell unterschiedlichen Lohn „nach der eigenen Arbeit“.
V.11: Der gelegte Grund ist für alle der gleiche (Jesus Christus), unterschiedlich ist allerdings, wie Menschen darauf bauen.
V.13: Der Tag wird es offenbar machen, welche Baumaterialien zum Einsatz kamen.[3] Auch hier bedeutet die Begegnung mit Gott Gericht für die Gläubigen (Feuer).
V.14ff: Wer mit soliden Materialien gebaut hat, empfängt Lohn für seine Arbeit. Wer kein feuerfestes Material einsetzte, erleidet Schaden. Im Unterschied zu Lk 12 ist hier allerdings die Rede davon, dass es zur Errettung „wie durchs Feuer“ kommt. Es gibt für den betreffenden Menschen keinen Lohn, aber er geht auch nicht verloren!
Offensichtlich geht es hier um eine andere Kategorie von Christen als in Lk 12. In 1Kor 3,15 sind meines Erachtens Gläubige gemeint, die sich eingesetzt haben, aber Material benutzten, das nicht zum Fundament passt (z.B. aus Eigennutz, aus Geldliebe Gemeindearbeit getan; vgl. 1Thess 1).
V.17: Eine andere Kategorie (meines Erachtens gleichzusetzen mit jenen, die von Gott nach Lk 12 verdammt werden) bilden diejenigen, die bewusst Schaden am Tempel Gottes anrichten. Diese „wird Gott verderben“.
Jedem das Seine
Was in der nationalsozialistischen Zeit ein höhnisches Motto war, wird bei Gott zur gerechten Realität: „Siehe ich komme bald und mein Lohn mit mir, um jedem zu vergelten, wie sein Werk ist.“ Dieses Zitat aus dem letzten Kapitel der Bibel (Off 22,12) lenkt unsere Hoffnung auf dieses Ziel: Lohn bei Gott!
Kritische Einwände
Wenn wir in einer absoluten Herrlichkeit bei Gott leben, wie kann man dann überhaupt noch Lohnunterschiede feststellen?
Diese spitzfindige Frage (formuliert z.B. von Craig L. Blomberg[4] resultiert aus einer unzulässigen Spekulation. Man überträgt irdische Gegebenheiten auf Vorstellungen vom Himmel. Aber das ist undenkbar! Welcher Mensch könnte das leisten? Wird nicht in vielen Weissagungen deutlich, wie die Propheten nach Worten ringen, um himmlische Dinge in die menschliche Vorstellungswelt zu passen? Johannes beschreibt: „Ich sah ein Lamm stehen wie geschlachtet“ (Off 5,6). Wo findet man auf Erden ein geschlachtetes Lamm, das noch steht? Jesus erwidert Nikodemus in Joh 3,12: „Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubt nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?“ Man kann nicht von irdischen Verhältnissen ausgehen, um sie auf himmlische zu beziehen!
Ist denn das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1-16) nicht ein starkes Argument für die Gleichheit aller Gläubigen in Gottes Augen?
Keinesfalls, wenn man den Kontext gründlich betrachtet: Der „Reiche Jüngling“ (Mt 20,16ff) fragt nach den Bedingungen des Reiches Gottes und wendet sich nach Jesu Antwort betrübt ab. Die Jünger sind schockiert über dieses Geschehen und fragen: “ Wer kann dann (überhaupt) errettet werden?“ Und Petrus bringt die Frage auf den Punkt: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was wird uns nun werden?“
Jesus antwortet sinngemäß: Ihr werdet auf 12 Thronen sitzen und herrschen. Jeder bekommt hundertfachen Gewinn und ewiges Leben. Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein. Das Gleichnis schließt sich direkt an und gehört in dieses Gespräch über den Lohn der Nachfolge. Dabei werden folgende Akzente gesetzt: 1. Die völlige Gleichheit der Gläubigen kann nicht gemeint sein, weil Jesus am Ende wieder betont: Letzte werden Erste und Erste werden Letzte sein . Blomberg bemerkt dazu: „Dieser Satz will nicht ein besonderes himmlisches Rangsystem etablieren, sondern ist ein feststehender Ausdruck für die Gleichheit aller Gläubigen.“[5] Entgegnung: Ein feststehender Ausdruck Jesu ist der Satz ganz offensichtlich, aber nicht für die Gleichheit aller Gläubigen, sondern dafür, dass sich bei Gott menschliche Maße umkehren! 1. Das Gleichnis hebt die Gnade Gottes hervor. Er behält sich das Recht vor, nach seinem Ermessen zu belohnen. 2. Das Gleichnis hat die Rettung aller „Arbeiter“ vor Augen. Diese Rettung wird durch den einen Denar dargestellt. Jesus wirbt auf den Marktplätzen nach Arbeitern. Alle, die noch zu Jesus finden, können gerettet werden. Dabei ist egal, wann sie kommen. Entscheidend ist, dass sie kommen! 3. In dem Gleichnis steckt für die Fragesteller (Jünger) die Warnung: Wenn ihr eure eigenen Leistungen in den Mittelpunkt stellt und missgünstig auf die anderen blickt, seid ihr in Gefahr euren Lohn zu verlieren! Ihr habt keinen Anspruch auf Lohn! Gott misst anders als ihr! Auf der gleichen Ebene bewegt sich auch Lk 17,10: „Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, (so sprecht): Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.“ Auch hier wehrt Jesus jedem Anspruchsdenken!
Worin besteht der Lohn bei Gott?
Im Blick auf die Unvergleichbarkeit von Irdischem und Himmlischem wird man letzte Antworten schuldig bleiben müssen. Was wir als Lohn empfinden, kann gegenüber dem Himmel schwanken.
Aber dennoch ist die Frage nach dem Lohn berechtigt, gut und biblisch. Auch die Jünger stellen sie: Mt 19,27: „Was wird uns nun werden?“ Die Antwort Jesu lenkt unsere Gedanken in mehrere Richtungen:
1. Jesus beantwortet die Frage positiv : Es gibt Lohn bei Gott! Und zwar nicht nur als ewiges Leben (V.29: „… und ewiges Leben“!).
2. Der Lohn bei Gott ist nicht nur Ersatz für Verlorenes, sondern übersteigt unsere Vorstellung bei weitem. Was wir aufgeben und was wir gewinnen, steht in keinem Verhältnis („hundertfach“)!
3. Den zwölf Jüngern wird für die Zukunft (wenn der Messias sichtbar herrscht) vorausgesagt: „Ihr werdet … auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten.“ Die zwölf Jünger spielen offenbar eine besondere Rolle in der Herrschaft Christi. Und doch erlaubt 1Kor 6,2 die Übertragung des Gedankens auf uns: Die Heiligen werden „die Welt richten“. Sie bekommen Anteil an seiner Herrschaft.
Gabe, Aufgabe und Verantwortung
Die Antwort Jesu lässt irdische materielle Vorstellungen vom Lohn in den Hintergrund treten, stattdessen tritt Herrschen und Richten in den Vordergrund. Man sollte sich also von dem Gedanken lösen, dass ein größerer Lohn bei Gott eine „bessere Verpflegung im Schlaraffenland“ meinen könnte! Herrschen und Richten sind Aufgaben, die eine hohe Verantwortung bedeuten.
Ja, es entspricht den schöpfungsgemäßen Grundlagen des Menschseins, in der Verantwortung gegenüber Gott Aufgaben zu erfüllen. Eine Gabe Gottes an den Menschen ist immer eine Aufgabe Gottes für den Menschen (vgl. Gen 2). Das gilt offensichtlich auch für die „Lohn-Gabe“. Es wird auch in Gottes Zukunft Gaben und Aufgaben geben.
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Antworten des Herrn an die „guten und treuen Knechte“ im Gleichnis der anvertrauten Talente: „Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh ein in die Freude deines Herrn.“ (Mt 25,21.23).
Wer jetzt die Gaben Gottes als Aufgabe versteht, wird später von Gott noch bedeutendere Gaben und Aufgaben bekommen. Die Eignung, die ein „Knecht“ jetzt erwirbt, hat einen individuellen Einfluss auf seine Zukunft bei Gott.
Der Blick auf den Lohn motiviert!
In Hebr 12,2 werden wir zum Durchhalten motiviert: „…Indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.“
Der Antrieb Jesu für den schweren Weg nach Golgatha war neben der grenzenlosen Liebe zu uns Menschen auch die „vor ihm liegende Freude“! Vom Lohngedanken motiviert zu sein, um Aufgaben für Gott in Angriff zu nehmen, ist also nichts „ungeistliches“ oder „egoistisches“. Man ist dann angetrieben von der Überzeugung: Mein Vater, der im Verborgen sieht, wird mir vergelten.
Markus Schäller http://www.bibelbund.de/htm/99-3-227.htm
[1] Bauer, W., Wörterbuch zum Neuen Testament, Berlin, New York 1971, S.1034
[2] Es wäre ein unzulässiger pseudexegetischer Kunstgriff, diesem harten Text aus dogmatischen Gründen seine Schärfe zu nehmen! Was „ein Teil mit den Ungläubigen“ meint, ist völlig klar: Verlorensein! (vgl. Mt 25,14-30!)
[3] Dieser „Tag“ meint eindeutig den stehenden alttestamentlichen Begriff des „YOM JHWH“, Tag des HERRN, der im Neuen Testament mit der Parusie gleichzusetzen ist.
[4] Craig L. Blomberg, Gibt es Abstufungen im Himmel, in: Bibel und Gemeinde 2/97, S.147
[5] Ebenda, S.147

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