„Ohne Moos nichts los“

„Ohne Moos nichts los“, denkt sich der Student und bewirbt sich um einen Ferienjob. Nur vom Tierpark bekommt er eine Zusage. Am ersten Arbeitstag erklärt ihm der Wärter: „Unser einziger Gorilla ist gestorben und wir können uns keinen neuen Gorilla leisten. Ihr Job ist es, sich als Gorilla zu verkleiden und hier einen auf Gorilla zu machen.“ Dem Student ist die Sache etwas peinlich, aber weil er die Kohle braucht und ihn unter der Maske auch keiner erkennt, willigt er ein. Von Tag zu Tag entwickelt er immer mehr Begeisterung für seine Rolle. Eines Tages schaukelt er so schwungvoll an seiner Liane, dass es ihn in hohem Bogen in den benachbarten Löwenkäfig schleudert. Schon spürt er den heißen Atem des Löwen in seinem Nacken und schreit aus Leibeskräften um Hilfe, – als der Löwe ihn plötzlich anschnauzt: „Halt den Mund, du Kasper. Oder willst du, dass wir beide unseren Job verlieren?“
Masken tragen: Was hier witzig anmutet und an den Faschingstagen für manche eine Gaudi bedeutet, wird eine Not, wenn aus dem Tragen von Masken ein Lebensstil geworden ist. Man gibt sich glücklich, während ein für alle verborgener Schmerz zutiefst wehtut. Man unternimmt alles, um kompetent und souverän allen Aufgaben gewachsen zu wirken, und zerbricht doch fast an der Überforderung in der Ausbildung, im Beruf, als Eltern und in manch anderen Lebensbereichen. Singles wünschen sich einen Partner, und es ist ihnen doch unmöglich, darüber zu reden. Man will schließlich keine emotionale Schwäche zeigen. Ehepaare geben vor, eine harmonische Ehe zu führen, während in Wirklichkeit dort, wo das Herz schlagen sollte, ein großes Loch klafft. Nach außen wirkt alles in bester Ordnung. Nur das Gewissen erinnert einen ständig an eine Sünde, die auf uns lastet. Die Beispiele ließen sich fortsetzen. Die Maske abnehmen und die Karten auf den Tisch legen, wäre peinlich. Vielleicht wäre sogar die familiäre oder berufliche Existenz gefährdet. Die Maske allerdings aufzulassen, bringt einen über kurz oder lang in den Löwenkäfig, wo die Maske fällt oder man unter ihr zerbricht. In seinem Gleichniss „vom verlorenen Schaf“, „von der verlorenen Münze“ malt uns Jesus einen Gott vor Augen, der uns ermutigt, mit unseren Fehlern nicht das Weite zu suchen, sondern zu ihm zu kommen, Masken abzulegen, Fehler und Schuld zu bekennen, Vergebung zu erbitten und neu anzufangen.
Lukas 15,4-10
4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet? 5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
Vom verlorenen Groschen
8 Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? 9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. 10 So, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Pfr. Dr. Uwe Rechberger
Nr. 163, Juli-September 2011 – Albrecht-Bengel-Haus
www.bengelhaus.de/upload/to163.pdf

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