Wie das Evangelium uns befreit

Wir wissen, dass mit uns etwas nicht in Ordnung ist. Doch wir versuchen uns ständig einzureden, dass alles in Ordnung ist. Die gute Botschaft sagt dem Menschen: Es ist vollbracht!
Das Evangelium sagt uns, dass wir unerhört schlecht sind, schlechter als du es dir vorstellen kannst. Aber auch, dass wir mehr geliebt sind, als du es dir nur erahnen kannst. Deswegen können wir aufhören, Masken zu tragen, jemand vorgeben zu sein, der wir nicht sind. Wir müssen nicht mehr Leuten nach dem Mund reden, Menschen beeindrucken, Menschen benutzen, um selbst einen Vorteil davonzutragen.
In unserer perfektionistischen Burnout-Kultur befreit uns das Evangelium, weil es uns sagt, dass wir schwach sind. Dass aber gleichzeitig Christus unsere Stärke ist. Unsere Fehler und Schwächen können wir zugeben, weil unser Wert in Christus ist.
Das Evangelium befreit uns in dieser Gesellschaft die Ellenbogen auszufahren und Selbstverwirklichungs-Trips zu fahren. Wenn du verstehst, dass deine Sicherheit, dein Wert, deine Identität in Christus ist, dann musst du nicht mehr gewinnen. Du bist dazu befreit, zu verlieren. Vielleicht kannst du irgendwann mit dem Apostel Paulus sagen: „Das Leben ist Christus und Sterben Gewinn.“
Im Leben kannst du dann geben, statt immer nur zu nehmen, denn Christus ist dein reichster Besitz.
Freiheit gibt es dann, wenn das Evangelium dir deutlich macht, dass Christus dir alles gegeben hat. Dann ist man befreit von anderen Dingen, mit denen wir permanent versuchen, unser Selbstwertgefühl zu steigern und abzusichern.
weiterlesen: thegospelcoalition.org/bl…/its-okay-to-not-be-okay/

Der ehemalige Verteidigungsminister Hans Apel ist im Alter von 79 Jahren gestorben.

Hier ein kleines Zeugnis dieses großen Politikers: „Meine Freunde meinen, im Innersten meiner Seele sei ich naiv. Ich glaube, dass Jesus für mich gestorben ist. Gott hört mich an, wenn ich zu ihm spreche. Ich bin der „verlorene Sohn“, auf den Gott wartet. Er ruft mich bei meinem Namen. Ich bin sein. Wenn ich sterbe, ist der Eine bei mir. Natürlich verletze ich immer wieder seine Gebote, seine Vorgaben. Doch er verzeiht mir.
Das halten die „Aufgeklärten“, die „Nicht-Naiven“ für Humbug. Irgendeine Religion, selbst gezimmert, haben sie natürlich auch. Als ich vor einiger Zeit bei meiner Autowerkstatt anrufe und frage, „ob unsere Karre fertig sei“, antwortet man mir: „Reden Sie nicht so, auch Autos haben eine Seele!“ Für unser Auto wäre das schlecht. Denn bei der Verursachung von Blechschäden verfüge ich über eine gewisse Virtuosität.
Was ist das, was die Menschen glauben? Überzeugte Atheisten, die an gar nichts glauben, auch nicht an Amulette und Astrologie, sind die Minderheit. Die Vielen glauben mal dies und mal das. Die Fachleute bezeichnen das als „Patchwork – Religion“, also eine Art in Heimarbeit hergestellter Flickenteppich, der im Laufe des Lebens auch neuen religiösen Herausforderungen angepasst werden kann. Eins aber darf diese Art von Religion nicht: die eigenen Lebensziele, den individuellen Spielraum einengen. Und damit sind diese religiösen Gefühle, die auch vorübergehend ad acta gelegt werden können, um dann später in vielleicht anderer Form wieder aufzutauchen, nicht geeignet, unserem Leben in ernsten Zeiten Halt und Orientierung zu geben.
Christus antwortet auf unsere Fragen. Doch seine Antworten sind so schrecklich unbequem. Umkehr, wer will das schon? Also die eigenen Antworten finden. Das mag reichen, solange alles gut läuft. Doch spätestens der Tod beendet diese „Selbst-Medikation“. Deswegen wird dieses unabweisbare Schicksal aus den Gesprächen und den Gedanken der Menschen verdrängt. Nichts ist so peinlich und unwürdig wie eine Abschiedsfeier von einem Verstorbenen, bei der Jesus nicht anwesend ist. Hoffnungslose Trauer und Klamauk verbinden sich zu einer für mich ungenießbaren Melange.“
Hans Apel, Volkskirche ohne Volk (in diesem Buch begründet er auch, warum er auch der Kirche ausgetreten ist)

„Alle Menschen sind Sünder“ (2): Eine merkwürdige Spannung

Die jüdisch-christliche Anthropologie (Lehre vom Menschen) lebt von einer merkwürdigen Spannung. Einerseits ist der Mensch als „Ebenbild Gottes“ geschaffen und von Gott mit unglaublichen Fähigkeiten und Vielfältigkeiten ausgestattet. Andererseits hat sich der Mensch als „Sünder“ von Gott abgewandt und ist zu unglaublich bösen Gedanken und Taten fähig. Dieses Böse in der Welt kann (etwa durch den Staat) nur durch Begrenzung, Hinderung und Bestrafung einerseits, und durch Vergebung, Gnade, Friedenstiften und Versöhnung andererseits angegangen werden.
Wählen wir als Beispiel unsere Kinder. Sie werden als Ebenbilder Gottes gesehen, die Anleitung und Ermutigung brauchen, die ihnen von Gott gegebenen Fähigkeiten zu entfalten, denkerische ebenso wie künstlerische, literarische ebenso wie mitmenschliche. Die selbstständige Persönlichkeit unter ihrem Schöpfer ist das Ziel der Erziehung. Erziehung ist kein Selbstzweck, sondern zielt auf eine Zeit ab, in der der zu Erziehende selbst die volle Verantwortung für sein Leben übernimmt.
Kinder werden aber ebenso als Menschen gesehen, die aufgrund der Sünde nicht mehr ihrer ursprünglichen Bestimmung entsprechend leben und deswegen Erziehung vom Bösen weg brauchen, was Ermahnung, Grenzen und Strafe ebenso einschließt wie gnädige Zuwendung, Beratung und Ermutigung zum Neuanfang.
http://www.thomasschirrmacher.info/archives/1955

Wer bin ich (Dietrich Bonhoeffer)

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.
Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig, lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich?
Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?
Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!