1. Petrus 3,2 wenn sie sehen, wie ihr in Reinheit und Gottesfurcht lebt.

Der griechische Begriff, der hier mit „sehen“ übersetzt wurde, enthält die Beibedeutung „aufmerksame Beobachtung“. Hier ist kein zufälliges Hinschauen gemeint. Wenn Männer, „die das Wort nicht hören wollen,“ das gottestreue Verhalten ihrer Frauen beobachten, werden sie allmählich aufgeschlossener für geistliche Dinge. Ein solches Verhalten wird zuweilen als „wortlose Predigt“ bezeichnet.
Die Furcht, von der die Frau bestimmt wird, ist nicht die Furcht vor dem Mann, sondern – wie 2, 17 f – die Furcht vor Gott, in der die Frau gebunden ist. Der Mann soll ahnen und wahrnehmen, daß über dem Leben der Frau eine hohe, die göttliche, Macht waltet, die zu verletzen sie sich fürchtet und der zu gefallen sie sich bestrebt. Aus dem lauteren und edlen  Wandel der Frau soll der Mann die Wirklichkeit Gottes erkennen.

1. Petrus 3,3 Euer Schmuck soll nicht äußerlich sein wie Haarflechten, goldene Ketten oder prächtige Kleider,

Einige der Leser dieses Briefes waren offensichtlich nicht arm; sie besaßen Schmuck und Gold. Es ist aber zu beachten, dass V. 3 nicht einfach von Frisuren, Goldschmuck und hübschen Kleidern redet, sondern von der Tätigkeit der Frauen, von dem, was ihre Zeit ausfüllt. Hier stehen drei Verben von ziemlicher Bedeutung: „flechten“, „umhängen“, „anziehen“. Diese „sollen die Vorstellung arbeits- und zeit- intensiver Prozesse vermitteln, bei denen viel Zeit verschwendet wird“ (Bengel). Das ist nicht immer natürliche Freude, sondern manchmal ein Zwang, sich in Szene setzen zu müssen. Doch zeigt sich hier wohl, dass die damalige hellenistische Geringschätzung des Körpers, als wäre er als etwas Materielles weniger wert als der reine Geist, in der Luft lag.
Lange vor Petrus’ Zeit verkündete Gott durch den Propheten Jesaja das Gericht über die Frauen, die wie besessen nach äußerlichem Schmuck waren: Und der Herr sprach: Weil die Töchter Zions stolz geworden sind und mit emporgerecktem Hals einhergehen und herausfordernde Blicke werfen; weil sie trippelnd einherstolzieren und mit ihren Fußspangen klirren, deshalb wird der Herr den Scheitel der Töchter Zions kahl machen, und der Herr wird ihre Scham entblößen. An jenem Tag wird der Herr die Zierde der Fußspangen, der Stirnbänder und Halbmonde wegnehmen, die Ohrgehänge, die Armspangen, die Schleier, die Kopfbünde, die Schrittfesseln und die Gürtel, die Riechfläschchen und die Amulette, die Fingerringe und die Nasenringe, die Festkleider und die Mäntel, die Überwürfe und die Täschchen; die Handspiegel und die Hemden, die Hüte und die Schleier. Und es wird geschehen: Statt des Wohlgeruchs gibt es Moder, statt des Gürtels einen Strick, statt der gekräuselten Haare eine Glatze, statt des Prunkgewandes einen Kittel aus Sacktuch und ein Brandmal statt der Schönheit. (Jes 3,16-24; vgl. Jer 2,32)