Biblischer Engelglaube und heutiger Engelkult

Engel sind seit einigen Jahren in Mode. Engelausstellungen und „Workshops“ zum Thema Engel durchziehen viele Gemeinden und Bildungswerke. Vor Jahren hätte sich das kaum jemand vorstellen können. Engel waren etwas für Kinder, denn Kinder lieben Engel. Aber die Welt der Erwachsenen hatte dafür lange Zeit keinen Raum. Seit den Zeiten des Rationalismus, der sogenannten Aufklärung vor gut 200 Jahren, waren Engel für den gebildeten Europäer nur Traum- und Phantasiegestalten.
Seit etwa zwei Jahrzehnten kann man beobachten, wie jene angeblichen Phantasiegestalten wiederkehren. Die sogenannte Postmoderne macht’s möglich. Man ist der Nüchternheit von Vernunft und Wissenschaft müde geworden, unter denen Herz und Gemüt zu erfrieren drohen. So haben die Menschen angefangen, nach den alten Weisheiten, nach den Wurzeln zu suchen. So sind Esoterik und Magie groß geworden unter uns und haben den Raum gefüllt, den der verlorene Gottesglaube hinterlassen hat. Auf einmal sind auch wieder die Engel da, jenes „himmlische Federvieh“ [W. Busch] wie man sie vor hundert Jahren verspottet hat. Die frei schaffende Phantasie entwirft Engelbilder und -gedichte. Manches fließt ein an biblischen Erinnerungen, noch mehr aber stammt aus tiefen Sehnsüchten und Träumen, die ins Bild der Engel gefasst werden. So wie man vor zweihundert Jahren die Engel für erledigt erklärt hat kraft menschlicher Vernunft, so werden sie jetzt wieder ins Leben gerufen kraft menschlicher Seelenbedürfnisse.
Der biblische Ansatz
Als Christen sind wir gewohnt, nach der Bibel und ihren Aussagen zu fragen, wenn es um ein Thema geht, das für unseren Glauben Bedeutung hat. „Es ist unser Grundsatz, dass Gottes Wort allein Glaubensartikel aufstellt und sonst niemand, auch kein Engel vom Himmel“, stellt Martin Luther klipp und klar fest (Schmalkaldische Artikel II,2,15; BSLK 421).
Also wenden wir uns entschlossen der Bibel zu und fragen: Was sagt uns die Bibel von den Engeln? Welche Rolle spielen Engel in den biblischen Schriften?
Die Bibel bezeugt uns die Engel Gottes auf vielfältige Weise.
Niemand muss so an Engel glauben, wie man an Gott oder an Jesus Christus glaubt. Wie ist das zu verstehen? Nirgends wird in der Bibel der Glaube an die Engel verlangt, so viel und so selbstverständlich viele biblische Bücher vom Wirken der Engel sprechen. Es geht immer um den Glauben an Gott, an Jesus Christus. Jesus sagt klar: „Glaubt an Gott und glaubt an mich“ (Joh 14,1). Vom Glauben an Gott und an seinen Sohn Jesus Christus hängen Leben und Seligkeit ab, Sein oder Nichtsein in Zeit und Ewigkeit.
Mit den Engeln ist das anders. Sie sind zwar Gottes Diener (und als solche wird sie biblischer Glaube achten und sich sogar an ihnen freuen), aber die Engel stehen nicht im Glaubensbekenntnis an den dreieinigen Gott. Unsere Gebete richten wir darum nicht an Engel, sondern an Gott. Es wird uns kein Engelevangelium verkündigt, sondern allein das Christusevangelium. Damit werden die Engel nicht unwichtig, aber sie bleiben als Diener eindeutig unter Gott.
Unser deutsches Lehnwort „Engel“ kommt aus dem Griechischen (angelos). Dieses Wort ist wiederum eine Übersetzung des hebräischen Begriffs für „Bote“ (malach ). Das kann ein ganz gewöhnlicher menschlicher Bote sein, aber auch ein Bote aus Gottes unsichtbarer Welt. Es gibt in der Bibel noch gar keinen Fachbegriff für „Engel“. Es ist immer von einem „Boten“ die Rede, einer, der unterwegs ist mit einer Botschaft. So sind die Engel Boten, die Gott sendet. Sie selbst sind von sich aus gar nichts. Ihr Leben und Dienst hängen ganz an Gott.
Neben diesen Botenengeln werden noch die Cherubim und Serafim genannt, die „himmlischen Heerscharen“, die um Gott her sind, ihn, den „Herrn Zebaoth“, den „Herrn der Heerscharen“, und ihn anbetend lobpreisen: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth“ (Jes 6,3).
Der Dienst der Engel
Die erste Stelle, wo in der Bibel Engel erwähnt werden, ist die Geschichte vom Sündenfall. Als die in Sünde gefallenen Menschen aus dem Garten Gottes vertrieben waren, da „ließ Gott der Herr lagern vor dem Garten Eden die Cherubim mit dem flammenden, blitzenden Schwert“ (1Mose 3,24). Gottes Engel verwehrten den Sündern die Rückkehr ins Paradies und bewahrten sie zugleich davor, vor dem heiligen Gott vergehen zu müssen. An diesem ernsten Dienst der Engel sehen wir eindrücklich: Die Engel gehören ganz auf die Seite Gottes, erfüllen seine Aufträge, ja, vollziehen sein Gericht. Alles, was sie für Menschen tun, tun sie auf Weisung Gottes, als seine Diener.
Die Cherubim sind so etwas wie Gerichtsengel. Sie sorgen für die Vollstreckung eines Urteils Gottes. So in Ägypten, als der Pharao den Abzug Israels verhindern wollte (2Mose 12,23). So als der Todesengel gegen den gottlosen König Herodes Agrippa (Apg 12,23).
Schließlich haben die Engel eine wichtige Rolle am Ende der Tage, wenn Christus wiederkommt. Die Engel sind seine Helfer und Begleiter (Mt 13,41; 16,27; Mk 8,38). Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, sehen wir Engel als Gerichtsengel, aber auch als himmlische Liturgen, die den himmlischen Gottesdienst feiern mit den Erlösten und den Blutzeugen.
Sehr breit ist in der Bibel bezeugt der Dienst der Botenengel, also in der Aufgabe, nach der sie heißen: Boten, Boten Gottes. Sie erscheinen vor allem an wichtigen Wendepunkten der Heilsgeschichte und sprechen für Gott.
So kommen drei Boten Gottes zu Abraham, um ihm die Geburt seines Sohnes und den Untergang von Sodom und Gomorra anzukündigen (1Mose 18).144 In dieser Geschichte wird mehrmals deutlich, dass zwischen dem Reden der Engel und dem Reden Gottes kaum unterschieden werden kann. Einmal sprechen die Boten, und gleich danach heißt es: „Der Herr sprach.“
Das Gleiche gilt in der Geschichte von der Berufung des Mose am brennenden Dornbusch (2Mose 3).145 Einmal heißt es: „Der Engel des Herrn erschien ihm“; aber dann redet Gott selber. Der Engel ist der Mund Gottes, die Gestalt, in die sich Gott verhüllt und durch die er spricht. Ein gewappneter Engel spricht Josua Mut zu für die Einnahme des verheißenen Landes (Jos 5). Ein Engel146 beruft Gideon zur Befreiung Israels (Ri 6). Ein Seraf reinigt Jesajas Lippen, als er zum Propheten berufen wird (Jes 6).
Eine ganz wichtige Aufgabe übernehmen Engel bei der Ankündigung der Menschwerdung Gottes (Mt 1; Lk 1). Der Engel Gabriel kündigt die Geburt des Vorläufers an, des Johannes. Sechs Monate später kommt er zu Maria und verkündigt ihr die große Aufgabe, die Mutter des Gottessohnes zu werden. Den Josef muss er überzeugen, bei Maria zu bleiben. Und dann singen die himmlischen Heerscharen über dem Hirtenfeld: „Ehre sei Gott in der Höhe“, nachdem der Engel des Herrn zuvor die Weihnachtsbotschaft verkündigt hat: „Euch ist heute der Heiland geboren“ (Lk 2).
Schließlich sind es Engel, die den trauernden Frauen und den ungläubigen Jüngern am leeren Grab die Auferstehung Jesu verkündigen. Engel sind es auch, die seine Himmelfahrt deuten und seine Wiederkunft ankündigen (Apg 1,10f).
In allen Fällen sagen die Engel nichts Eigenes, sondern richten Gottes Botschaft aus als gehorsame Boten. Ihr Wort ist Gottes Wort, das nicht in Zweifel gezogen werden darf. Endlich soll noch die Rede sein von dem Aufgabenbereich der Engel, der vielen Menschen der wichtigste ist: Schutz und Bewahrung von Menschen, also Schutzengel im weitesten Sinn des Wortes. Da erscheinen Engel im Traum und geben Weisungen, z.B. dem Erzvater Jakob oder dem Josef vor dem Kindermord in Bethlehem. Da schützt der Engel des Herrn Israel am Schilfmeer und geleitet es durch die Wüste. Ein Engel Gottes stärkt den müden Propheten Elia und ermutigt ihn (1Kön 19). Daniel wird in der Löwengrube bewahrt (Dan 6). Der Hebräerbrief beschreibt die Aufgabe der Engel als Dienst am Volk Gottes (Hebr 1,14). Engel dienen Jesus in der Wüste. Ein Engel stärkt Jesus in der Stunde tiefster Anfechtung im Garten Gethsemane (Lk 22,43). Petrus wird durch einen Engel aus dem Gefängnis befreit (Apg 12), Paulus in Seenot ermutigt (Apg 27,23). In allen diesen Fällen ist der Auftrag der Engel, Menschen zu vergewissern: „Gott ist da! Fürchte dich nicht!“ Der einzelne Gläubige wie die ganze Gemeinde sollen gewiss sein: „Gott ist der Herr der Lage. Er sorgt für uns.“ Erstaunlich schmal wird in der Bibel der persönliche Schutzengel bezeugt: Jesus warnt davor, die Kleinen zu verachten. „Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel“ (Mt 18,10). Nach Apostelgeschichte 12 können die Christen in Jerusalem nicht glauben, dass der gefangene Petrus frei vor ihnen steht. Sie sagen: „Es ist sein Engel.“
Niemals darf Engelglaube an die Stellen des Gottvertrauens treten, an die Stelle der unmittelbaren Beziehung zum lebendigen Gott selber.
Falscher Engelkult
Zum Schluss darf nicht unterschlagen werden, dass es in der Bibel neben allen positiven Zeugnissen vom Dienst der Engel auch entschiedene Warnungen vor einer falschen Engelverehrung gibt. Vor allem in den Briefen an die Kolosser und die Hebräer kommt das klar zur Sprache. Es gab damals Leute, für die die Engel so wichtig wurden, dass die Engelverehrung die Anbetung Jesu Christi in den Hintergrund drängte. Wo das geschieht, damals und heute, werden Geschöpf und Schöpfer verwechselt. Die Engel wehren selber jeder Engelverehrung. Es ist allein der Herr anzubeten und zu verehren, „dem alle Engel dienen“ Das Heil kommt nicht von den Engeln, sondern von Christus allein. Der Hebräerbrief betont, dass Christus hoch erhaben ist über alle Engel. Falsche Engelverehrung kann also von der Mitte des Evangeliums wegführen, weg von Jesus. Deshalb sollten wir aufpassen, dass wir nicht von Engeln reden, wo wir vom lebendigen Gott reden und von ihm unser Leben bestimmen lassen sollten. „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen“ (Mt 4,10)
Engel sind nur an dem, was sie im Namen Gottes sagen und tun, als Engel erkennbar, nicht an äußeren Erscheinungen wie Licht, weiße Gewänder oder gar Flügel.

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