Winter im Sommer – Frühling im Herbst Erinnerungen

Winter im Sommer – Frühling im Herbst Erinnerungen Joachim Gauck (Autor)
in Zusammenarbeit mit Helga Hirsch
Erinnerungen fangen gewöhnlich bei der Kindheit an, so auch hier.
Joachim Gauck ist den Deutschen, welche die Wiedervereinigung miterlebt haben, als erster Wächter über die Stasi-Unterlagen wohlbekannt. Er erzählt sein Leben von Kindheit an bis zur Gegenwart, und der Leser erfährt oder bekommt bestätigt wie es wirklich in der DDR war, wie die Stasi alles Leben bewacht, jede freie Meinungsäußerung unmöglich gemacht hat.
Nach dem Mauerfall wurde er Abgeordneter und schließlich Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Er schildert seine Arbeit beim Aufbau dieser Abteilung und den Schwierigkeiten denen er dabei begegnet ist, um den Bürgern die Einsicht in ihre über sie gesammelten Unterlagen zu ermöglichen.
Das Buch ist in 14 Kapitel, gegliedert.
Wo ich her bin …“
Winter im Sommer
Gehen oder bleiben
Wege – Suche – Wege
Aufbruch in ein Missionsland
Kirche im Sozialismus?
Schwarze Pädagogik in rot
Zum Beispiel
Frühling im Herbst
Volkskammer: frei und frei gewählt
Aufbau ohne Bauplan
Turbulente Jahre
Freiheit, die ich meine“
Berlin. Mai
Joachim Gauck erzählt neben einer Reihe von Fakten und historischen Ereignissen sehr ergreifend von vielen „betroffenen“ Personen.
„Winter im Sommer – Frühling im Herbst“ ist mit Ausnahme der ersten fünf Kapitel keine Autobiografie, sondern der Rückblick eines nachdenklichen Zeitzeugen auf das Leben in der DDR, die Wende und den Umgang mit den Stasi-Akten.
Zwischendurch übergibt Joachim Gauck auch anderen das Wort:
Sibylle Hammer, Patentante seiner Tochter Gesine
Thomas Abraham, der als Schüler den verbotenen Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ trug
Hansjörg Geiger, Stellvertreter des „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR“ (1990 – 1995)
Joachim Gauck versucht nicht, sich als Dissidenten darzustellen, sondern schildert glaubwürdig, dass er in der DDR blieb, weil er in der Kirche einen Frei- und Schutzraum fand.
Gauck veranschaulicht den Umfang der Stasi-Hinterlassenschaft: 204 Kilometer Akten, darunter sechs Millionen Personendossiers (vier Millionen über DDR-, zwei Millionen über Bundes-Bürger), Fotos, Filme, Tonbänder und „die perversen Geruchsproben, gelbe Tücher, die – hatten sie einmal den speziellen Geruch einer Person an seinen Geschlechtsteilen aufgenommen – in Einweckgläsern konserviert worden waren“. Beim DDR-Zusammenbruch gab es 90.000 hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter und 174.000 aktive Inoffizielle. „Insgesamt erfüllt es mich mit tiefer Genugtuung, dass wir ein Spezialgesetz geschaffen haben, das zur Delegitimierung der vergangenen Diktatur beigetragen hat.“
Gerade in Zeiten einer gewissen „DDR-Nostalgie“ und Verklärtheit, sind solche Dokumente der Zeitgeschichte von großem Wert.
Originalausgabe:Siedler Verlag, München 2009 ISBN: 978-3-88680-935-6, 349 Seiten
Pantheon Verlag, München 2011 ISBN: 978-3-570-55149-3, 349 Seiten

Ein Gedanke zu „Winter im Sommer – Frühling im Herbst Erinnerungen

  1. Das Gott uns Deutschen, nach einer biblisch anmutenden Prüfungszeit von 40 Jahren, wieder zusammen geführt hat, empfinde ich, trotz aller Schwierigkeiten, als eine große Gnade. Bleibt zu hoffen, dass auch in anderen Diktaturen (China, Nordkorea, Afrika, Arabien, …) Gesetze geschaffen werden, die wesentlich zur Delegitimierung der Diktaturen beitragen können und dass – ähnlich, wie Gauck es erleben durfte – Menschen auch in diesen Ländern, trotz aller Verfolgung, in Christus und seiner Kirche „einen Frei- und Schutzraum“ finden.

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