Der Glaube soll kein Hausschlüssel sein!

“Mein Glaube war mir nichts anderes als ein Hausschlüssel, den man, wenn man des Morgens früh ausgeht, in die Tasche steckt, damit man des Abends wieder ins Haus hineinkömmt und nicht draussen zähneklappern müsse. Den ganzen Tag bekümmert man sich um ihn nicht; er nützt nichts, ja er ist lästig, man steckt ihn von einer Tasche in die andere, nur verlieren darf man ihn ja nicht – wie sollte man sonst ins Haus hinein?”
Bild
Die Geschichte von Gotthelf handelt vom Leben eines Lehreres. Das Leben als Schulmeister war Anfangs 19. Jahrhundert kein Zuckerschlecken.
Die Menschen waren zu dieser Zeit alle noch sehr fromm. Aber der Schulmeister bemerkte in einer schweren Lebensphase, dass der Glaube ihm keine Hilfe war. Eben wie ein Hausschlüssel. Wichtig dabei zu haben und doch eigentlich im Alltag nur lästig.
Wir leben heute in einer anderen Zeit. Aber dennoch hat mich dieses Bild angesprochen. So schnell wird der Glaube auch für mich nur noch zu einen lästigen Hausschlüssel, der keine Relevanz im Alltag hat. Am Sonntag gehe ich in die Kirche und der ganze Rest der Woche ist mir dieser Glaube mehr ein Hindernis als wirkliche Hilfe. Ich schäme mich vielleicht sogar ein bisschen dafür.
Mein Glaube soll kein Hausschlüssel sein. Ich wünsche mir einen Glauben, der jeden Tag im Leben relevant ist. Der mir weder im Ausgang, nicht bei meiner Arbeit oder bei meinen Hobbys lästig ist. Mit Jesus will ich in meinem Alltag leben. Er ist nicht mein Hausschlüssel, sondern mein Freund, der mir Tag für Tag zur Seite steht.
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Was ist das Evangelium?

Evangelium bedeutet gute Botschaft. Das Evangelium hat das römische Reich auf den Kopf gestellt. Das Evangelium wird in der Bibel als etwas Einzigartiges und Außergewöhnliches beschrieben. Engel möchten das Evangelium ständig anschauen, berichtet ein Apostel (1. Petrus 1,12). Das Evangelium gibt nicht nur Kraft, sondern es ist die Kraft Gottes. Paulus sagt nämlich: “Ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden.” (Römer 1,16)
Das Evangelium zeigt uns unsere Hilflosigkeit und Sünde, denn Christus musste am Kreuz dafür sterben. Gleichzeitig sagt das Evangelium uns, dass das Leben und Sterben Christi ausreicht, um für unsere Sünde zu bezahlen. Das Evangelium ist in dem Sinne keine Religion, sondern ein Eingeständnis, dass wir nicht mehr diejenigen sind, die unser Leben retten und kontrollieren. Stattdessen sagt uns das Evangelium: Jesus Christus ist der Erlöser, er befreit uns von Egoismus, aber auch von Selbstzerfleischung und Religiösität, von Hedonismus, aber auch von Moralismus.
Unsere Kirchen und Gemeinden sind jedoch voll von verzerrten Formen des Evangeliums. Pastor Trevin Wax machte folgende Beobachtungen:
Es gibt
•    das therapeutische Evangelium: Das Evangelium ist dazu da, unser volles Potential auszuschöpfen. Die Gemeinde ist dazu da, uns glücklich zu machen
•    das formale Evangelium: Sünde bedeutet, die Gemeinderegeln zu missachten. Der Tod Christi gibt mir einen Katalog mit Regeln und Formen, an die ich mich halten muss.
•    das moralistische Evangelium: Es geht vor allem um Sünden (Plural) und nicht um Sünde (Singular = unser sündiges Wesen). Der Tod Christi ermöglicht uns eine zweite Chance und macht bessere Menschen aus uns. Erlösung erfolgt durch Disziplinierung des Willens mit Gottes Hilfe.
•    Evangelium ohne Gericht: Gottes Vergebung muss nicht notwendigerweise durch den Opfertod Christi erfolgen. Beim Gericht geht es mehr um Gottes Güte und nicht so sehr um eine Bestrafung menschlicher Rebellion. Evangelisation ist nicht dringend.
•    Gemeinschaftsevangelium: Errettung bedeutet, Gemeinschaft und Freundschaft in der Gemeinde zu finden. Das Evangelium wird auf Beziehungen reduziert, die uns dabei  helfen, das Leben zu genießen.
•    das Aktivistenevangelium: Es geht darum, eine gerechte Gesellschaft zu schaffen. Die Kraft des Evangeliums zeigt sich in einer veränderten Kultur. Die Kirche steht vereint hinter politischen und gesellschaftlichen Projekten.
•    Evangelium ohne Gemeinde: Der Schwerpunkt der Errettung liegt auf dem Individuum, sodass die Gemeinschaft mit Gläubigen zur Nebensache wird. Gemeinde ist nur eine Option für meine persönliche Spiritualität oder sogar ein Hindernis, um wirklich christusähnlich zu werden.
•    das mystische Evangelium: Errettung erfolgt durch ein emotionales Erlebnis mit Gott. Die Gemeinde ist dazu da, dass ich mich nahe bei Gott fühle und sie unterstützt mich auf meiner Suche nach mystischen Erfahrungen.
•     das quietistische Evangelium: Errettung bezieht sich auf geistliche Dinge, nicht auf weltliche Angelegenheiten. Der christliche Glaube dreht sich nur um individuelle Lebensveränderung und hält sich raus aus Gesellschaft oder Politik.
Paulus jedoch, stellt uns das Evangelium als etwas vor, was unabhängig von unserer Performance oder unseren Gefühlen fest steht. Es geht darum, was Gott getan hat. In Römer 8 sagt er:
“Also ist jetzt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleisch verurteilte.”
Weiter schreibt er, dass sich dieses Prinzip auf jede Ebene unseres Denkens, unseres Fühlens, unserer Beziehungen, unserer Arbeit und unseres Verhaltens auswirkt.
Von: Conrad

38 Jahre selber versucht?

Es war aber ein Mensch dort, der achtunddreißig Jahre mit seiner Krankheit behaftet war. Als Jesus diesen daliegen sah …, spricht er zu ihm: Willst du gesund werden? Johannes 5,5.6
Neulich kauften wir ein Trampolin für unsere kleine Tochter. Im Gegensatz zu vielen dieser Art hatte es keine Federn. Das Sprungtuch musste mit einem langen Gummiseil exakt an den Rahmen geflochten werden. Im Internet wurde vorher schon gewarnt, der Aufbau sei sehr kompliziert, viele versuchten es mehrere Stunden lang und hätten entnervt aufgegeben, andere holten sich weitere Erwachsene als Helfer dazu. Irgendwo stand aber, man solle die Aufbauanleitung des Herstellers genau befolgen und das Tuch vorher mit ganz normalen Seilen spannen. Sollte ich tatsächlich alle eigenen Ideen beiseite lassen und mich nach diesen Empfehlungen richten? Ich tat es und war in einer Stunde fertig.
Der Mann im oben stehenden Bibelvers versuchte 38 Jahre aus eigener Kraft zum Heilungswasser zu gelangen. Er schaffte es nie. Wie viele Menschen versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen, aus Süchten frei zu werden, ihre Ehe zu retten, ein anderer Mensch zu werden – manchmal mehr als 38 Jahre lang. Und doch liegt die Hilfe so nahe! Jesus Christus kam zu diesem Mann. Jesus wusste, wie lange er schon an seinem Problem herumdokterte. Die Frage für diesen Mann – genau wie für uns – ist, ob wir tatsächlich Hilfe annehmen wollen. Das bedeutet, die Unzulänglichkeit der eigenen Kraft zuzugeben. Aus eigener Kraft kann man zwar ein guter Kirchgänger oder Almosenspender sein, aber niemals ein neuer Mensch werden oder Vergebung der Sünden erlangen.
Was hindert Sie, Ihr ganzes Leben Jesus Christus anzuvertrauen? Wie lange wollen Sie noch selbst versuchen, Ihr Leben zu ordnen? Bis zu welchem Punkt müssen Sie kommen, um sich von Jesus helfen zu lassen?
An welcher Stelle könnten Sie Hilfe gebrauchen?
Lesen Sie doch mal die Anleitung Ihres göttlichen Herstellers – die Bibel.
Markus Nicko

1.Petrus 4,4 Das befremdet sie, dass ihr euch nicht mehr mit ihnen stürzt in dasselbe wüste, unordentliche Treiben, und sie lästern;

Jedenfalls hat die Tatsache, daß die Christen sich von ihrer früheren Lebensform getrennt haben, Konflikte mit der Umwelt heraufbeschworen. Diese Distanzierung von der Vergangenheit bedeutete freilich nicht nur den Bruch mit dem Laster, sondern auch mit alltäglichen Lebensgewohnheiten der Gesellschaft, vor allem auch mit der gemeinsamen Religion und Kultausübung (vgl. „Götzendienst“ in V.3). Distanz aber schafft Ressentiment und Befremden. Wer das gängige Schema sprengt und nicht mehr im „Strom der Liederlichkeit“ mitschwimmt, der gilt nicht nur als Sonderling und Außenseiter, als Störenfried und Spielverderber, sondern der wird beargwöhnt, verdächtigt und verunglimpft.
Das Wort befremdet (oder „verwundert“) hat den Unterton der Verärgerung. Es ist wirklich eine Entfremdung eingetreten. Die Ursache: Wer zur Besinnung und Umkehr gekommen ist läuft nicht (mehr) mit in denselben Strom der Heillosigkeit, oder auch: „Flut von Liederlichkeit“. Dieses Mitmachen wird als „hineinstürzen“ bezeichnet (eigentlich: „mitlaufen“ Mitläufer), wobei die Hetze und das Getriebensein betont wird.
Lästern (blasphemeō) bedeutet wörtlich so viel wie „jemanden verleumden oder diffamieren“ oder „schlecht über eine Person reden“. Alte Quellen, sowohl christlichen als auch nichtchristlichen Ursprungs, liefern reichlich Anhaltspunkte dafür, dass die Weigerung der Christen, an vielen allgemein akzeptierten Vergnügungen, an gottlosen bürgerlichen Zeremonien und an götzendienerischen, unmoralischen Veranstaltungen teilzunehmen, die Ungläubigen veranlasste, sie zu hassen und zu schmähen.

 

Glauben wir, dass Jesus alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist?

Er hat die Kontrolle über die Natur, die Herrscher der Welt, den Geschichtsverlauf, die Gemeinde, die Krankheiten, die Okkulten und selbst über den Teufel. Deine und meine Lebensumstände liegen vollkommen in seiner Hand! Wenn wir glauben, dass er regiert, wollen wir uns heute wieder in seinen Dienst stellen und tun, wozu er uns beauftragt (Matthäus 28,18-20). Lasst uns ihm unser Vertrauen schenken und nicht so ängstlich sein. Jesus Christus herrscht und wird für seine Brüder und Schwestern sorgen!
Luther und Melanchthon befanden sich auf der Reise nach Wittenberg. Sie kamen an die Elbe, die Hochwasser führte. Der kleine Kahn, in dem sie übersetzen wollten, schwankte bedenklich auf den wilden, vom Sturm gepeitschten Wogen. Ein schweres Gewitter stand drohend am Himmel. Luther wollte beherzt in den Kahn springen. Aber der zaghafte Melanchthon packte ihn am Arm, riss ihn zurück und rief: „Martin, Martin, steig nicht ein! Die Sternenläufe sind gegen uns!” Darauf rief Luther zurück: „Wir sind des Herrn, und darum sind wir die Herren auch über die Sterne!”, riss sich los und sprang in den Kahn. Handeln wir so, als ob Jesus Christus wirklich herrscht?
Christi Himmelfahrt ist nicht der leise Abgang Jesu von dieser Weltbühne, sondern seine ehrende Erhöhung und der Antritt seiner allumfassenden Herrschaft. Wir dürfen jedes Jahr aufs Neue seine Krönung und Thronbesteigung feiern. Der größte und herrlichste Machthaber aller Zeiten und Orte, unser Erlöser Jesus Christus hat es verdient!
http://www.lgvgh.de/wp/tag/1-petrus-322

1.Petrus 4,3 Denn es ist genug, dass ihr die vergangene Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als ihr ein Leben führtet in Ausschweifung, Begierden, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und gräulichem Götzendienst.

Diese eigenartige Formulierung „es ist genug“, die wir im Deutschen auch kennen („nun ist es aber genug“ im Sinn von: es ist schon zu viel), soll besagen: es ist an der Zeit, Schluß damit zu machen. Dieses Leben ohne Jesus – vor Jesus – war ein Leben „nach heidnischem Willen“. Das griechische Wort meint „Wollen, Verlangen, Wünschen“, also gerade nicht den bewussten Willen, sondern ein Leben, das vorangetrieben wird von Leidenschaften, Wünschen und ungezügeltem Wollen, die der Verstand und Wille oft gar nicht mehr kontrollieren kann. So leben Menschen, die nicht nach Gott fragen und ihm nicht vertrauen. So haben auch die Christen, an die Petrus hier schreibt, vor ihrer Bekehrung gelebt. Es sind alles Gesellschaftssünden, die Petrus hier, in diesem Lasterkatalog, nennt, Sünden, die zwar aus meinen Leidenschaften kommen, aber mit anderen ausgelebt werden, sie auch hineinziehend.
Auch wird nicht allgemein von der „Idee“ der Sünde gesprochen, sondern von ganz bestimmten Dingen, die freilich alle zeigen, dass es dabei immer um dieselbe innere Haltlosigkeit und Grenzenlosigkeit geht, in der der Mensch den Begierden hingegeben ist, solange er die Erfüllung all seines Begehrens nicht in Christus gefunden hat.
Wie an den meisten der oben aus dem NT genannten Stellen und im Judentum wird auch der Götzendienst angeführt, hier betont am Ende. Es soll damit gesagt werden, dass der Urgrund aller Verfehlungen darin liegt, dass sich der Mensch von Gott trennt, nicht mehr ihn, sondern alles Mögliche andere „begehrt“.

Textkritik – Wer kennt eigentlich Paulus´Handschrift?! – Zur Verlässlichkeit des Neuen Testamentes Teil 2

Was ist eigentlich die textliche Grundlage des Neuen Testamentes? Woher können wir eigentlich wissen, dass wir die richtigen Texte lesen und deren Inhalt nicht im Laufe der Jahrhunderte verfälscht wurde?! Die Handschriften der Evangelisten oder des Paulus kennen wir nicht, denn die ersten Niederschriften, welche direkt aus den Federn der Autoren kamen, sind uns heute leider nicht mehr zugänglich. Wie können wir uns also sicher sein den richtigen Text zu haben?
1. Was wir haben: 
Wie oben schon erwähnt, ist leider keine einzige der „Urschriften“ erhalten geblieben. Dennoch können wir auf eine enorm große Zahl von Abschriften zurückgreifen, welche es uns ermöglichen die „Urschriften“ („Autographen“) zu rekonstruieren. Es sind etwa 5300 griechische Abschriften erhalten (Das neue Testament wurde ursprünglich auf Griechisch verfasst), sowie etwa 10.000 lateinische und 10.000 anderssprachliche Manuskripte, wobei Letztere generell jünger und weniger zuverlässig sind.
Innerhalb der 5.300 griechischen Abschriften gibt es einige Unstimmigkeiten, da die Manuskripte in der Regel nicht exakt identisch sind. Dies ist allerdings nicht verwunderlich, sondern eher normal. Beim Diktieren oder Abschreiben der Texte sind im Laufe des Prozesses und der Jahrhunderte Fehler vorgekommen, welche sich natürlich verbreiteten.
Die Aufgabe der Textkritik ist es nun aufgrund dieses textlichen Befundes, welcher uns vorliegt, den Urtext zu rekonstruieren. Textkritik ist im übrigen keine Bibelkritik. Ganz im Gegenteil – Es geht viel mehr darum den ursprünglichen Bibeltext zu ermitteln, um dann mit diesem arbeiten zu können.
Natürlich sind nicht alle Manuskripte gleich. Textkritiker unterscheiden zwischen:
A) Papyri:
Abschriften des Neuen Testamentes auf Papyrus – Diese sind in der Regel die Ältesten und in der Textkritik gewichtigsten Manuskripte. Uns liegen heute noch 117 Papyri vor, welche zusammen fast das gesamte NT außer den zweiten Timotheusbriefen bezeugen.
B) Majuskeln 
Majuskeln sind Abschriften bzw. Handschriften des gesamten Neuen Testamentes. In diese Kategorie fallen z.B. die berühmten „Kodizes“. Der bekannteste dieser Kodizes ist wahrscheinlich der von Tischendorff im Sinai entdeckte Codex Sinaiticus. Die großen Kodizes tragen bei textkritischen Entscheidungen häufig auch ein großes Gewicht.
C. Minuskeln 
Die Minuskeln sind griechische Handschriften, die meistens jünger sind und somit in der Regel in ihrer Bedeutung nicht so schwer gewichtet werden. Einige von ihnen sind jedoch von größter Bedeutung, auch wenn sie teilweise erst aus dem 11.Jh. stammen. Die Minuskeln stellen außerdem die größte Gruppe von Handschriften dar, welche uns vom greichischen Text vorliegen.
2. Auswertung 
Die oben genannte Fülle von Abschriften ist zugleich ein Segen, als auch eine große Menge Arbeit, für die Wissenschaftler, welche sich mit der Rekonstruktion des „Urtextes“ des Neuen Testamentes befassen.
Wie zuvor schon erwähnt haben wir mehr als 5300 griechische Abschriften, wovon die Ältesten gut in die Zeit um 120 n.Chr. zu datieren sind. Nehmen wir an, dass das NT in einem Zeitraum von etwa 50-90 n.Chr. verfasst wurde (Die Meinungen hierüber gehen stark auseinander), so besteht eine Differenz von gerade einmal 20 Jahren zwischen der Niederschrift der jüngsten Original-Handschrift des NT und der Niederschrift einer uns vorliegenden Abschrift.
Verglichen mit der Bezeuigung anderer antiker Autoren ist das NT hier extrem gut bezeugt und reich an Abschriften. Andere antike Autoren können oft nur 20 Abschriften aufweisen, welche lange nach dem Original entstanden sind. Die Menge der NT Abschriften und ihre zeitliche Nähe zu den Autographen ermöglichen uns eine fast sichere Rekonstruktion des griechischen Urtextes (Über einige wenige Stellen, vielleicht 1-2% des NT Textes, ist man sich nicht sicher. Keine der textkritisch schwierigen Stellen greift allerdings einen einzigen orthodoxen-christlichen Lehrsatz an).
Was nun tun mit der Menge an Abschriften?
Die NT-Textforschung hat Methoden entwickelt die einzelnen Abschriften miteinander zu vergleichen und somit zu entscheiden welche Lesart die ursprünglichere ist.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass viele Abschriften in drei große Gruppen einordbar sind, da sie sich sehr ähnlich sind und aufgrund ihrer Entstehungsorte einen „Texttyp“ bilden. Man unterscheidet hierbei zwischen dem:
a) Alexandrinischen Text, welcher die ältesten und oft auch besten Manuskripte enthält. Man misst dem alexandrinischen Text großes Vertrauen bei, da dieser wahrscheinlich durch eine lange Tradition sorgfältiger Bewahrung entstanden ist.
b) Byzantinischen Text, welcher eventuell auf eine Revision des griechischen NT zurückgeht, die im 4.Jh. in Antiochien stattfand. Der Byzantinische Text wird meist als sekundär gewertet.
c) Westlichen Text, welcher zwar ähnlich alt wie der alexandrinische Text ist, aber wesentlich länger. Hier wurden wahrscheinlich einige Zusätze zum Urtext gemacht.
Die Unterscheidung in diese „Texttypen“ ist allerdings keine statische – Sie soll lediglich eine Hilfe darstellen, die einzelnen Manuskripte richtig zu bewerten.
Wie wird nun vorgegangen, um herauszufinden was genau der Urtext ist? Beim Vergleichen der Texte arbeitet man zunächst mit der „äußeren Bezeugung“: Man fragt sich welche Manuskripte welche Leasart stützen und wie vertrauenswürdig diese sind. Ein älterer und besserer Text erhält hierbei in der Regel den Vorzug.
Da jedoch nicht allein die „äußere Bezeugung“ entscheiden kann, welcher Text der ursprünglichere ist (es kann ja vorkommen, dass ein jüngerer Text ursprünglicher liest), achtet man natürlich auch auf die innere wahrscheinlichkeit. Hierbei haben sich einige Faustregeln entwickelt: Der kürzere Text ist vorzuziehen (Texte werden eher länger als kürzer), der schwierigere Text ist vorzuziehen (Texte werden eher geglättet als komplizierter gemacht), aus dem ursprünglichen Text müssen sich die Entstehung der anderen Texte ableiten lassen (wie z.B. durch Abschreibefehler oder bewusste vereinfachunf der Syntax).
Hat man diesen Prozess von Methodenschritten durchlaufen, sollte man in der Regel den ursprünglichen Text feststellen können. Wir können mit gutem Gewissen behaupten, dass wir 99% des NT Urtextes gesichert haben. Die fehlenden 1 oder 2% haben keinen Einfluss auf eine einzige christliche Lehre.
3. Abschluss
Der von Muslimen oft vorgebracht Vorwurf „Die Bibel wurde verfälscht“ ist aufgrund der Textkritischen Arbeit unhaltbar. Wir können die Texte des Neuen Testamentes gesichert rekonstruieren, was nicht zuletzt an einer Fülle von Abschriften liegt, die die Zahl der Koran-Abschriften weit übersteigt. Der Textbestand des NT wurde von Anfang an durch die Jahrhunderte hinweg dokumentiert und hat sich nie wesentlich verändert. Es ist wohl nicht überhoben zu behaupten, dass dem Text des Neuen Testamentes, wie er in unseren modernen Bibelübersetzungen abgedruckt ist, vollstes Vertrauen entgegenbringbar ist. Es ist Gottes Wort und durch seine Gnade haben wir vollen Zugang dazu.

http://gesellschaftsfaehig.blogspot.de/2011/10/textkritik-wer-kennt-eigentlich.html