Untergräbt analytisches Denken den religiösen Glauben?

“Ach, wenn man sich seinen braven Kinderglauben doch nur immerzu bewahren könnte! Doch kaum entwickelt sich das eigene Denkvermögen, ist es auch schon vorbei mit dem naiven Vertrauen auf Gott und die Welt. Fortan regiert der Zweifel – und der sucht sich seine Gewissheiten eher in der wissenschaftlichen Fachliteratur als in der sonntäglichen Predigt.” (Quelle: www.zeit.de/2012/19/PS-Religion)
Der Absatz in dem Magazin “Zeit” ist ja furchtbar: Hier wird Glaube gebrandmarkt als das Gegenteil von Denken! In der Fachzeitschrift “Science” (ja, ich lese als gläubiger Mensch wissenschaftliche Literatur) wurde jetzt laut verkündet: Analytisches Denken fördert den religiösen Unglauben. Zwei Psychologen der University of British Columbia im kanadischen Vancouver hatten mit mehr als 650 Probanden experimentiert und festgestellt: Wer sich stärker an nüchterner Ratio orientiert, ist weniger gläubig und neigt eher dem Zweifel zu als jene Menschen, die ihrem intuitiven Bauchgefühl folgen.
Die Vernunft als natürlicher Gegner des Glaubens? Ist das so? Glaubt man den Statistiken, so sind Menschen mit höherem Intelligenzquotienten aufgeklärter und damit natürlich gleich abgeklärter was Glauben angeht als weniger Intelligente. Wer doch als intelligenter Homo sapiens in den Glaube zurückfällt, müsse dann eine schreckliche Erfahrung gemacht haben, die es nur durch Spiritualität zu überwinden gilt.
Glaube als Schrumpfform menschlichen Denkens. So hätten es die Atheisten gern, und das am besten noch wissenschaftlich belegt. Doch leider macht Gott da einen Strich durch die Rechnung. Schon Blaise Pascal sagte einmal:
“Nichts ist so der Vernunft gemäß als die Verleugnung der Vernunft.” Das heißt so viel wie: Wenn du wirklich vernünftig bist oder intelligent, dann weißt du schon selbst, dass du eigentlich ein ziemlicher Kleingeist bist. Derjenige, der wirklich vernünftig ist, weiß um seine eigene Begrenztheit. Denn der letzte Schritt der Vernunft ist anzuerkennen, dass es unendlich viele Dinge gibt, die über sie hinausgehen. Die Vernunft ist nur schwach, wenn sie nicht so weit geht, das anzuerkennen.
So in etwa sagt es auch die Bibel, nur anders:
Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden. Psalm 147,3
Das erste, was wir kapieren müssen, ist dass Gott unser Herz ansieht und sich dem offenbart, der ein zerbrochenes Herz hat, ein demütiges. Das hat also gar nichts mit Intelligenz zu tun. Ob du Albert Einstein bist oder Cindy von Marzan: Wenn beide zugeben, dass sie nur kleine Kleingeister sind vor Gott, dann heilt er ihr Herz.
In 1. Korinther 1, 18ff wird das noch weiter erklärt:
Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen. Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.
Eigentlich wird doch klar ersichtlich, dass diejenigen, die sich für ach so weise halten, gar keine Chance haben zu erkennen, wie groß das Kreuz eigentlich ist. Es ist so klein und klingt auch so dumm – ein Gott der am Kreuz hängt – und ich verstehe, wenn Menschen so darüber denken. Aber in dem Moment, wenn sie sagen, dass sie eben nicht alles verstehen erkennen sie, dass darin ein riesen Reichtum liegt.
Glaube und Wissenschaft gehören zusammen und schließen sich keinesfalls gegeneinander aus, so wie uns das solche “weisen” Wissenschaftler klar machen wollen. Ich als Christ liebe Wissenschaft, denn sie hilft mir Gott mehr zu lieben mit meinem Verstand. Nur kann ich ihn nicht lieben, solange ich denke, dass ich weiseste und tollste und verständigste Mensch auf Erden bin. DAS ist der Widerspruch. Intelligenz  gepaart mit Arroganz schließt Glaube aus und ist ein Widerspruch! Simon

Der Zweifel verhält sich zum Glauben wie die Dunkelheit zum Licht

Wir leben in einer Zeit, die lieber zweifelt als glaubt. Wir reden oft vom „blinden Glauben“ und vom „aufrichtigen Zweifel“. Sowohl der Glaube als auch der Zweifel können blind oder aufrichtig sein, doch selten sprechen wir vom „aufrichtigen Glauben“ oder vom „blinden Zweifel“. Glaube und Zweifel werden beide gebraucht, aber der Glaube hat mehr Gewicht. Selbst wenn ich etwas bezweifele, muss ich glauben, dass es Kriterien gibt, nach denen es beurteilt werden kann. Ich muss erst an etwas glauben, ehe ich etwas anzweifeln kann. Der Zweifel verhält sich zum Glauben wie die Dunkelheit zum Licht, wie die Krankheit zur Gesundheit. Er ist das Fehlen von etwas. Eine Krankheit mag das Fehlen von Gesundheit sein, aber Gesundheit ist mehr als das Fehlen von Krankheit. So verhält es sich auch mit Zweifel und Glauben. Der Zweifel ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr.
„Der Zweifel ist eine Zeitlang nützlich … Wenn Christus eine gequälte Nacht lang im Gebet verbrachte, wenn er am Kreuz ausrief: ,Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?‘, dann ist es uns gewiss gestattet zu zweifeln. Aber wir dürfen nicht dabei stehen bleiben. Den Zweifel als Lebensphilosophie zu wählen ist etwa so, als wählte man die Unbeweglichkeit als Transportmittel.“ Seite 33
Glaube & Zweifel von John Ortberg Gerth Medien September 2009 224 Seiten ISBN 978-3-86591-860-4 16,95 Euro www.gerth.de

Das Führen ist eine milde, sanfte Tätigkeit – keine gewaltsame, eine liebenswürdige, keine gehässige. Johann Amos Comenius

Die heilige Bibel selbst, sage ich, sei unser Kanon, unser Glaube, unsere Richtschnur, unsere Regel, sie selbst sei der Leuchter unserer Füsse, das Licht unserer Pfade, unsere Augensalbe, unser Morgenstern, ja sogar die Sonne in unserer Dunkelheit, Ratgeber in unseren Zweifeln, Richter und Schiedsmann zwischen unserem Sinn und unserer Meinung, Spiegel unserer Geheimnisse, hohe Schule unserer Übung, unberührte Milch, mit welcher die Kinderlein Gottes wachsen, unsere Zisterne zum Tragen lebendiger Wasser (Ps 119,11; 12,7; 1 Petr 2,2). Wenn die Bibel auf diese Weise unter uns ist, dann sendet der Herr sein Licht und seine Wahrheit und führt uns auf den Berg der Heiligkeit; wir werden im göttlichen Licht das Licht sehen [nach Ps 36,10], und klar werden wir vor uns den rechten Weg und auf den Seiten die irrigen Scheidewege erblicken und wissen, an wen wir zu glauben begonnen haben (denn auf dem Felsen wird unser Glaube begründet). (Haggaeus XIV)1 Weiterlesen