Heilige

Den Meister durchklingen lassen
Landläufig betrachtet sind Heilige wie majestätische Berge von Frömmigkeit und Menschenliebe, deren schneebedeckte Gipfel aus unerreichbarer Ferne leuchten. „Das könnte ich nie“ oder „So wäre ich gerne auch“ ist die übliche Reaktion. Da sind Leute wie Albert Schweitzer oder Mutter Theresa, die bei uns Bewunderung und ein schlechtes Gewissen auslösen. Die katholische Kirche spricht seit Jahrhunderten immer wieder besondere Menschen heilig. Papst Benedikt XVI dehnte am 10. Mai 2012 zum Beispiel die Verehrung der Hildegard von Bingen auf die ganze Kirche aus und schrieb sie in das Verzeichnis der Heiligen ein. Umso bemerkenswerter ist, dass das Neue Testament jeden Christen zu den Heiligen zählt. Luther erklärt im Großen Katechismus diese überraschende Beobachtung so: „Ich glaube, dass da ein heiliges Häuflein und Gemeinde auf Erden sei von lauter Heiligen unter einem Haupt, Christus, durch den heiligen Geist zusammenberufen, in einem Glauben, Sinne und Verstand; …“ Solche Heilige sind nicht sündlos. Und doch gilt: Wenn Johann Sebastian Bach auf einer alten Dorforgel spielt, wird es bei allen Mängeln des Instruments klar durchzuhören sein, dass ein unvergleichlicher Meister da ist. Im Leben von Heiligen ist der Abstand zwischen ihnen und Christus nicht vertuscht, sondern deutlich wahrnehmbar. Es gibt Heilige, die diesen Abstand vertuschen – wie ärgerlich ist diese verzerrte Heiligkeit! Es gibt Heilige, die ihn nicht vertuschen, sondern daran schier verzagen und ihr Christsein in Frage stellen. Aber so lange wir hier im Irdischen unterwegs sind, haben wir den alten Adam immer noch am Hals! Darum lebt es sich am besten im Licht: Im Licht Jesu, vor dem wir alles Zukurzkommen und Versagen aussprechen dürfen. Im Licht Jesu, der sein gutes Werk in mir angefangen hat und es ja wohl auch vollenden wird. Auf diesem Wege klingt bei allen Mängeln des Instruments der unvergleichliche Meister durch. Übrigens, mit dem Heiligsein ist es wie mit der Demut: sie wird nur „auf dem Rücken des Trägers erkannt“ (Dilthey).
Dr. Manfred Dreytza Pastor und Leiter des Krelinger

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