„… Dein Stecken und Stab trösten mich!“

Es ist einer der bekanntesten Texte der Christenheit, der Psalm 23 – gleich neben dem Vater Unser und dem Apostolischen Glaubensbekenntnis. Wer ihn betet, stellt sich hinein in den Trost und die Geborgenheit, die in der Nähe Gottes zu finden sind.
Poetisch ist der Psalm ein Kleinod. Der Jhwh-Name rahmt das Gebet ein: „Jhwh, mein Hirte“ und „Rückkehr zu Jhwh (Tempel) lebenslang“. In der Mitte rühmt David: er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit „um seines Namens willen“. Bilder aus der Welt der Hirten leiten den Psalm ein. Er führt weiter zu einem Festmahl und endet im Gottesdienst im Tempel. Mit einem gekrümmten Hirtenstab ließen sich Schafe an den Hörnern oder Beinen führen und z.B. von der Herde trennen oder wie im Psalm durch die Gefahrenzone leiten. Der Stab zeigt die Gegenwart des Hirten an. Bemerkenswert sind auch die Beziehungsebenen: Ich-Er-Sprache im ersten Teil des Psalms und Ich-Du-Sprache im zweiten. Von Aussagen über Gott wechselt der Psalm zu einem Gespräch mit Gott. Emotional intensiver sind die direkten Reden. Der Sprachwechsel, der den Psalm teilt, erfolgt mitten in V. 4: „Du (bist) bei mir“. Wie der Anfangssatz „Jhwh (ist) mein Hirte“ ist auch dieser hebräisch ein Nominalsatz, mit dem strukturell der Einsatz der zweiten Strophe des Psalms markiert ist. Beide Sätze stehen somit parallel. Und an dieser Stelle der Wende von der Rede übe/-Gott zur Rede mit Gott steht das Wort von dem „Stecken und Stab“. Rede über Gott – das ist Theologie. Rede mit Gott – das ist vollzogener Glaube, Frömmigkeit, Spiritualität. Der Stab des Guten Hirten verbindet beides: das staunende Nachdenken, das Reflektieren über Gottes Welt und den vertrauenden Glaubensvollzug, der sich unmittelbar und persönlich an Gott wendet. Das ist auch nötig bei der Etappe durch das „Tal der Todesschatten“, wie auch bei der Festfeier „im Angesicht der Feinde“. Das Gebet in der Not wendet sich an den Gott, dessen Art zu handeln vorher nachdenkend beschrieben ist.
JHWH ist mein Hirte, (V1 A)
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue (V2B)
und führet mich zum frischen Wasser. (C)
Er erquickt meine Seele. (V3 C)
Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen. (B)
Und ob ich schon wanderte im Tal des Todesschattens (4 A)
fürchte ich kein Unglück.
Denn Du bist bei mir. (A)
Dein Stecken und Stab trösten mich. (B)
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. (5 C )
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. ( C )
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, (V6 B )
und ich werde wiederkehren ins Haus JHWHs immerdar. (A)
Die zweistrophige Ringstrukturierung anhand grammatischer Muster ist angelehnt an W. Creighton Marlowe, David’s I-Thou Discourse: Verbal Chiastic Patterns in Psalm 23. SJOT 25:1 (2011), 105-15.
Anmerkung: Prof. Dr. Herbert H. (Clement.
Prof. Dr. Herbert H. Klement Professor an der STH Basel für Altes Testament  STH Perspektive Juli 2011

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