„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“

Jetzt habe ich es auch getan, wie eine Million andere Deutsche: Ich habe das Buch „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ gelesen. Ich bin in der Straßenbahn gefahren und kicherte immer wieder vor mich hin.
Allan Karlsson hat Geburtstag. Er wird 100 Jahre alt. Eigentlich ein Grund zu feiern. Doch während sich der Bürgermeister und die lokale Presse auf das große Spektakel vorbereiten, hat der Hundertjährige ganz andere Pläne: er verschwindet einfach – und schon bald steht ganz Schweden wegen seiner Flucht auf dem Kopf. Doch mit solchen Dingen hat Allan seine Erfahrung, er hat schließlich in jungen Jahren die ganze Welt durcheinander gebracht. Wer jetzt denkt, dass es hier um einen Seniorenroman handelt, der irrt, denn die Geschichte entwickelt sich zu einer irrwitzigen Verfolgungsjagd erster Güte, in dem die zwei die kuriosesten Typen treffen und die Fluchtgruppe dadurch immer größer und interessanter wird (vom Rockerchef Per-Gunnar über den ewigen Studenten Benny bis zur Schönen Frau mit ihrer Elefantendame Sonja).
Neben der Flucht quer durch Schweden springt der Roman immer wieder in die Vergangenheit und schildert chronologisch Allans bisheriges Leben. Schon in jungen Jahren begeistert von Sprengstoff (und dadurch verantwortlich für die ein oder andere Kuhfehlgeburt), bereist der politisch eigentlich uninteressierte und überaus gutmütige Allan die ganze Welt, ist „zufällig“ beteiligt an diversen historischen Ereignissen und trinkt Schnäpse mit (unter anderem) General Franco, Präsident Truman und Stalin…
Es ist schwer zu beschreiben, was da fabriziert, gesponnen und inzwischen in 30 Ländern verbreitet wird. Es ist ein lustiges, ein abenteuerlich lustiges Buch. Ein Rezensent sagt, es habe die Botschaft „Wer wagt gewinnt – und das auch noch im hohen Alter“ – ein echtes Kaufargument in einer alternden Gesellschaft. Hat es mir vielleicht deswegen auch gut gefallen? Wahrscheinlich trifft die Ablehnung jeder politischen oder weltanschaulichen bzw. religiösen Festlegung des alten Mannes (Allan Karlson) den Nerv der Zeit.
Ein Erfolgsgrund liegt für mich darin, dass uns hier ein Mensch präsentiert wird, der sich in seinem Leben extrem wenig Sorgen um den nächsten Tag macht und ohne durchgeplante Strategie schwierigste Situationen meistert. Ein Mensch, der mit Leichtigkeit durchs Leben geht. Er gewinnt und er verliert und stellt keine großen Ansprüche.
Man mag ihn, den alten Protagonisten des Romans, weil er so herrlich unbedarft ist. Man weiß: es ist nur eine verrückte Story, ein modernes Märchen, aber man projiziert seine Erwartung nach Leichtigkeit und Sorglosigkeit in ihn hinein. Und das tat der Autor, Jonas Jonasson wohl auch.
Manche empfinden ihren Alltag wie eine Mühle, in der sie zermalmt werden, fühlen sich unter Druck und überfordert. Wir wissen, dass Stress und Druck zum Leben gehören und auch gar nicht schlecht sind. Aber wir brauchen Luft zum Atmen, wollen nicht erdrückt werden und sehnen uns danach, ein wenig so zu sein wie dieser Hundertjährige.
Jesus sagt: „So seid nun nicht besorgt“ (Mt. 6,31). Angesichts von Kriegsgeschrei und anderen Katastrophen sagt er: „Erschreckt nicht“ (Mt. 24,6). Und Petrus rät: „Werft all eure Sorge auf ihn (Gott), denn er sorgt für euch.“ (1.Petr. 5,7). Diese Worte von Jesus  haben ihren Grund darin, dass Er König und Herr ist, sein Reich baut und Ihn nichts und niemand erschüttern kann. Wer ihm gehört, empfängt etwas von der Sorglosigkeit, die Kinder (oder Hundertjährige) haben.
Broschiert: 416 Seiten Verlag: carl’s books; Auflage: 8. Auflage (29. August 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570585018
ISBN-13: 978-3570585016

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