Segen in der Bibel

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:
Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
Der Begriff „Segen“ im AT und NT
Im AT steht für segnen vor allem das Wort barak und im NT das Wort eulogeo. Als Grundbedeutung des alttestamentlichen Begriffs nimmt man meist die Bedeutung „Heilskraft“ an. Der griechische Begriff bedeutet eigentlich „schön oder gut reden“. Deutlich wird dies noch Röm. 16,18: Denn solche dienen nicht unserm Herrn Christus, sondern ihrem Bauch; und durch süße Worte und prächtige Reden verführen sie die Herzen der Arglosen.
Oder der griechische Begriff wurde gebraucht, um jemanden zu loben (z.B. Soldaten). In der Bibel gibt es drei Richtungen des Segens:
1. Menschen „segnen“ Gott
In diesem Zusammenhang wird der Begriff eher mit „loben“ oder „preisen“ wiedergegeben. Es ist die dankbare Anerkennung des Handelns Gottes an seine Geschöpfe. Daher ist diese Bedeutung häufig in den Psalmen zu finden. Dies gilt umso mehr, da das Hebräische kein Wort für Danken kennt. (In Stellen wie „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich …“ [Ps.106,1], liegt meist eine Übersetzung eines Wortes vor, das besser mit „preisen“ übersetzt wird.) Der Grund der Freude und des Dankes ist zumeist sehr verschieden: ein Kind, Erfolg, Bewahrung, Heil usw. Der Lobpreis Gottes entsteht da, wo der Mensch vor den Erweis der göttlichen Wohltat gestellt wird. Man könnte hier sagen, dass der Mensch Gott anbetend segnet. Aber das Segnen Gottes bedeutet auch, seine Machtstellung sowie sein Herrschaftsanspruch in aller Form anzuerkennen. Der Segnende bekennt Gott als seinen Herrn.
2. Menschen segnen Menschen
Dieser Segen gehört z.B. in die Situation eines bestimmten Lebensabschnitts. So segnet der sterbende Vater seine Kinder. Aber auch das einfache Begrüßen ist ein Segensausspruch, wie auch das Tischgebet, als Dank für die Versorgung. Der König segnet sein Volk und wird seinerseits vom Volk gesegnet. Letzteres ist Anerkennung seiner königlichen Würde und seines Amtes. Aber immer da, wo Menschen segnen, ist es letztlich Gottes Ermächtigung den Segen zu sprechen (z.B. Bileam 4.Mose 22,38. 24,1ff; aaronischer Segen 4.Mose 6,22-27). Im Mittelpunkt des Segens steht das Wort. Dazu kommt oft noch die Geste des Handauflegens oder des Handaufhebens. Wie beim Fluch gehört zumindest der Blickkontakt zum Segen dazu.
Der Segen des Priesters ist Höhepunkt und Ziel des Gottesdienstes. Damit unterscheidet sich dieser Gottesdienst vom Götzendienst, der als Zielpunkt die Enthüllung der Statue hatte. (siehe 4. Mose 6,22 – 27)
3. Gott segnet Menschen
Dies soll im Mittelpunkt der Betrachtung stehen: Gottes Segen gilt den Menschen! Sein Segen zeigt sich schon in der Schöpfung. Wenn er hier segnet, so ist das einmal die Verleihung der Fruchtbarkeit, aber auch die Übertragung der Herrschaft an den Menschen. Der Segen des Schöpfers gibt dem Menschen seine Würde und Stellung innerhalb der Schöpfung. Die Bedeutung des Segens und der Wunsch, ein Gesegneter zu sein, lässt sich sehr gut an Kain und Abel (1. Mose 4) wie auch an Jakob und Esau (1. Mose 27,34ff) erkennen. Die letzte Geschichte zeigt auch, dass zum Segen die Erwählung gehört. Gesegnet kann nur der werden, der auch erwählt ist. Der Segen Gottes ist sein machtvolles Wort, das nicht leer zurückkehrt. Damit ist der Segen als Vermittlung von Lebensmacht und Lebensfülle charakterisiert. Doch steht der Segen nicht in der Verfügung des Menschen.
Der „Ursegen“ oder „Schöpfungssegen“ erging dabei an Mensch und Tier (1. Mose 1, 22.28; 2,3). Sie werden zum Träger des Lebensstroms. Doch alle Erhaltung des Lebens wie eine reiche Ernte, Erfolg, Haus und Familie sind Segensgaben des Schöpfers. So ist auch ein langes Leben eine Segensgabe Gottes. Der Gesegnete ist ein Mann des Erfolgs (Josef, David; vgl. auch Ps.1 ). Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Ziel allen Segens der salom ist. Dabei ist der Begriff salom viel umfassender als unser Begriff Friede. Der Begriff salom beschreibt einen Zustand des Friedens, des Rechts, der Ordnung, des Wohlstands und Wohlergehens. Der König sollte diesen Zustand herbeiführen durch eine weise Regierung. Doch letztlich wird dies nur der Friede – Fürst leisten können.
Somit bedeutet Segen Gottes höchste Begnadigung und das Leben vor seinem Angesicht, wie eben der Fluch (‚arur) das Getrennt sein von Gott bedeutete. Segen bedeutet also auch Aufnahme in die Gottesgemeinschaft. In dieser Gottesgemeinschaft darf auch Vergebung erfahren werden (Ps. 32). Unter dem Lichtglanz der Gnade Gottes weiß sich der Gesegnete behütet und im Leben wie im Sterben geführt.
Der Sabbat gilt als Tag, der gesegnet ist (1. Mose 2,3). Damit ist dieser Tag als geheiligter Tag auch in die Sphäre Gottes gerückt. Dieser Tag wird Erkennungszeichen Israels sein und seine Erfüllung in der letzten eschatologischen (= endzeitlichen) Sabbatruhe finden (siehe hierzu Hebr. 4,1ff).
4. Segnen als Aufgabe der Gemeinde
Segnen bedeutet also im Innersten, einen Menschen in die Nähe Gottes zu rücken, ihm Gutes zu tun und zu wünschen. Dazu ist gerade die Gemeinde berufen 1. Pt. 3,9. Ihr ist gesagt, dass sie selbst die Feinde lieben sollen und sie segnen soll. Das Fluchen ist dem Jünger untersagt. Die größte Segnung Gottes ist die endgültige Vergebung im Opfer Jesu (Apg. 3,26). Darf auch vom NT her der materielle Segen nicht einfach nur als nicht mehr existent angesehen werden, so steht doch der geistliche Segen im Vordergrund (Eph. 1,3ff).
Nun ist also die Gemeinde zum Segnen aufgerufen. Meistens wird am Ende eines Gottesdienstes ein Segen gesprochen. Oft sind es Bibelverse, die verlesen werden. Doch ist dies wirklich Segen? Die Segensformeln klingen oft so fremd an unser Ohr, dass wir uns nicht viel darunter vorstellen können. Auch sind viele Segensgebete eher als Fürbitten zu bezeichnen. Segen ist immer ein Zuspruch im Namen Gottes. Was aber können wir der Gemeinde, dem Einzelnen zusprechen? Z.B. dies, dass Jesus seine Gegenwart verheißen hat und jeden begleiten wird. Dem Mitarbeiter, den Gott in einen Dienst beruft, darf zugesprochen werden, dass er von Gott begabt und ausgerüstet ist. Hier wird Segen konkret im Alltag, im Zuspruch Jesu an den Einzelnen. Wenn es stimmt: An Gottes Segen ist alles gelegen, dann muss das auch im Gottesdienst, im Leben der Gemeinde und im Alltagsleben des Christen sichtbar werden. Kann es sein, dass wir diesen Satz vergessen haben? – oder ihn nur noch als Parole ohne Wert vor uns her tragen? Ich wünsche uns neu die Erfahrung, dass Gott seinen Segen über uns ausgießt.
Gott,
Ursprung und Ziel allen Lebens,
segne dich,
deine Gedanken und dein Tun,
dass dir gelingen möge,
was du dir vorgenommen hast,
und behüte dich
vor falschen Schritten,
dass du zur rechten Zeit sagen
und tun kannst,
was richtig für dich ist.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir
und erhelle dir Zeiten
innerer Unsicherheiten,
damit du Klarheit gewinnst über das,
was du wirklich bist.
und sei dir gnädig,
indem sich auch deine Irrtümer zum Guten
hin wenden lassen.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich
und begabe dich mit Mut und Phantasie,
allen Enttäuschungen zum Trotz wieder
Neues zu wagen, und gebe dir Frieden.
in der Erfüllung deiner Träume und deiner Zeit.
Christa Spilling – Nöker
Dieser Artikel ist in Licht und Leben, Monatszeitschrift der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland, 12.2000 erschienen. Frank Koppelin war Prediger der EGfD in Boppard und ist jetzt Dozent am Bucer-Seminar.

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