Die Komplementarität des biblischen Denkens II

Normal
0
21

false
false
false

MicrosoftInternetExplorer4

Die frühen Konzile
Es war die Stärke der Frühen Konzile (Nizäa 325, Konstantinopel 381, Ephesus 431, Chalkedon 451), sich in der Frage des Verhältnisses von Vater, Sohn und Heiliger Geist und des Verhältnisses des Mensch und des Gottseins Jesu nicht auf eine Seite festlegen zu lassen, sondern alle in der Bibel bezeugten Wahrheiten gleichzeitig festzuhalten und zu betonen. Denn immerhin waren die zahllosen Richtungen und Sichtweisen der beiden größten Kontroversen der Frühen Kirche nicht nur durch den Einfluss nichtchristlicher Religionen und Zeitströmungen von außen entstanden, sondern maßgeblich bei dem Versuch, die biblischen Aussagen zusammenzuschauen. Man berief sich meist auf ganz verschiedene Aspekte der Heiligen Schrift, anstatt die gesamte Wahrheit zusammenzuschauen. Die Konzile wählten glücklicherweise nicht den Weg, eine ‚vernünftige‘ Formulierung zu finden, sondern alle biblischen Einsichten in einer Aussage zusammenzuführen. Deswegen heißt es zu Christus in der Entscheidung des Konzils von Chalcedon (22.10.451 n.Chr.): „[Definition] In der Nachfolge der heiligen Väter also lehren wir alle übereinstimmend, unseren Herrn Jesus Christus als ein und denselben Sohn zu bekennen: derselbe ist vollkommen in der Gottheit und derselbe ist vollkommen in der Menschheit: derselbe ist wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch aus vernunftbegabter Seele und Leib; derselbe ist der Gottheit nach dem Vater wesensgleich und der Menschheit nach uns wesensgleich, in allem uns gleich außer der Sünde [vgl. Heb 4,15]: derselbe wurde einerseits der Gottheit nach vor den Zeiten aus dem Vater gezeugt, andererseits der Menschheit nach in den letzten Tagen unsertwegen und um unseres Heiles willen aus Maria, der Jungfrau (und) Gottesgebärerin, geboren: ein und derselbe ist Christus, der einziggeborene Sohn und Herr, der in zwei Naturen unvermischt, unveränderlich, ungetrennt, und unteilbar erkannt wird, wobei nirgends wegen der Einung der Unterschied der Naturen aufgehoben ist, vielmehr die Eigentümlichkeit jeder der beiden Naturen gewahrt bleibt und sich in einer Person und einer Hypostase vereinigt; der einziggeborene Sohn. Gott, das Wort, der Herr Jesus Christus, ist nicht in zwei Personen geteilt oder getrennt, sondern ist ein und derselbe, wie es früher die Propheten über ihn und Jesus Christus selbst es uns gelehrt und das Bekenntnis der Väter es uns überliefert hat.“ Die Abschnitte 2.3. und 8.2. des Westminster Bekenntnisses von 1647 fassen die altkirchliche Lehre zur Dreieinigkeit und zu den zwei Naturen Jesus gut zusammen und zeigen, dass die komplementären Entscheidungen der frühen Konzile auch für spätere Generationen Bestand hatten: „In der Einheit der Gottheit sind drei Personen mit einem Wesen, einer Macht und Ewigkeit, Gott der Vater, Gott der Sohn und Gott der Heilige Geist. Der Vater ist von niemandem weder geboren noch ausgehend; der Sohn ist ewig vom Vater geboren; der Heilige Geist ist ewig vom Vater und vom Sohn ausgehend.“ „Der Sohn Gottes, die zweite Person in der Dreieinigkeit, wahrer und ewiger Gott, eines Wesens mit dem Vater und ihm gleich, hat in der Fülle der Zeit, empfangen durch die Kraft des Heiligen Geistes im Leib der Jungfrau Maria, aus ihrem Wesen die menschliche Natur mit allen wesentlichen Eigenschaften und allgemeinen Schwachheiten angenommen, jedoch ohne Sünde, so dass die beiden ganzen, vollkommenen und unterschiedenen Naturen, die göttliche und die menschliche, in der Einheit der Person unzertrennlich miteinander verbunden waren, ohne Verwandlung, Zusammensetzung oder Vermischung, die Person wahrer Gott und wahrer Mensch ist, jedoch ein einiger Christus, der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen.“ Ich bedauere es außerordentlich, dass eine solche weise Zusammenschau den späteren Konzilien zu Fragen des menschlichen und göttlichen Wirkens beim Erlangen des Heils (bes. Ephesus 431, Orange 529) nicht gelungen ist. Grund dafür ist wesentlich, dass man zwar negativ die Lehren des Pelagius und anderer verworfen hat, aber nicht die Kraft hatte, wie im Falle der Dreieinigkeit und der Natur Jesu einfach die gesamte biblische Offenbarung zusammenzuschauen. Hätte man dies getan, hätte eine solche komplementäre Lösung wohl die Christenheit genauso geprägt und zusammengehalten, wie diese anderen beiden Themen, was sich immerhin daran zeigt, dass der verurteilte Pelagianismus (reine Werkgerechtigkeit) nie wieder sein Haupt erhob, auch nicht in der katholischen Kirche

Dr. Thomas Schirrmacher

http://www.thomasschirrmacher.info/wp-content/uploads/2009/02/q200104komplementaritaeti.pdf

http://bibelkreis-muenchen.de/?p=2471   Teil I

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s