Zur Komplementarität des biblischen Denkens Teil III

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In der Physik hat man viele Phänomene entdeckt, die man nur komplementär (von Lat. ‚complementum‘, Ergänzung, Vervollständigung) beschreiben kann, und zwar in einer Zweier- und Dreierkomplementarität. So spricht man von Komplementärfarben, wenn sich zwei Farben (z. B. Rot und Grün) zu Weiß ergänzen. Ein Elektron kann im Experiment nur getrennt einerseits als Teilchen und andererseits als Welle erwiesen werden und ist doch immer beides zugleich. Das gilt somit auch für das Licht. Ein solches komplementäres Denken war lange umstritten. Der Däne Niels Bohr (1885-1962), der 1922 den Nobelpreis erhielt, führte den Begriff 1927 in die Physik ein und sorgte für den Siegeszug des komplementären Denkens in der Phsyik des 20. Jahrhunderts. Komplementäres Denken bedeutet also, dass man zwei, drei oder mehrere Seiten eines Phänomens nur nacheinander untersuchen und beschreiben kann, obwohl man weiß, dass die einzelnen Ergebnisse und Aussagen gleichzeitig wahr sind und man ein exaktes Ergebnis nur hat, wenn man beide oder alle beteiligten Seiten ins richtige Verhältnis setzt – man denke etwa an die Komplementärfarben, die nur dann ein klares Weiß ergeben, wenn sie richtig gemischt sind. Inzwischen hat sich dieses Denken weit über die Physik hinaus in allen Wissenschaften und Lebensbereichen durchgesetzt. Nicht die ‚Unlogik‘, sondern die Begrenztheit des Menschen sorgt dafür, dass der Mensch gerade auch im Bereich der biblischen Offenbarung und der Theologie auf komplementäre Aussagen angewiesen ist. Die Frühe Kirche hat bewusst die zentralsten Dogmen des christlichen Glaubens komplementär formuliert, als sie verteidigte, dass Gott dreieinig ist und Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott zugleich ist. Diese Komplementarität spielt meines Erachtens auch eine herausragende Rolle im Überwinden unnötiger Streitigkeiten unter Christen. Wir neigen dazu, eine Seite der Komplementarität gegen die andere zu stellen oder einen Teil der Komplementarität überzubetonen. So wurde zur Zeit der Frühen Kirche das Menschsein Jesus gegen sein Gottsein ausgespielt, und die Tatsache, dass Jesus seinem Vater gehorsam war, gegen die Tatsache, dass er eines Wesens und Ranges mit seinem Vater ist, gestellt. In der Bibel werden häufig zwei Seiten einer Münze (oder auch noch mehr Seiten) aufgezeigt, also zwei biblische Lehren, die sich scheinbar widersprechen, in einem Atemzug genannt. Die Tatsache, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott ist und die Dreieinigkeit sind die beiden zentralsten Beispiele. Es gibt viele Beispiele für komplementäre Lehren in der Bibel, so zum Beispiel: Prädestination und Verantwortung, Glaube und Wissen, Gesetz und Gnade, Gericht und Begnadigung, Liebe und Zorn Gottes, Lehre und Leben, die Taufe als Handeln Gottes und des Menschen, die Notwendigkeit von Amt und allgemeinem Priestertum oder die Unterschiedlichkeit und Zusammengehörigkeit von Mann und Frau werden uns in der Bibel jeweils mit zwei oder mehr Seiten vorgestellt, die unlösbar zusammengehören und doch nur nacheinander zu denken sind. Der Christ ist frei vom Gesetz und lebt dennoch nach den Geboten Gottes. Der Christ ist frei von der Sünde und dennoch nicht sündlos. Der Teufel ist längst entmachtet und hat dennoch große Macht. Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott; Gott ist einer und doch drei. Der Christ hat ewiges, unverlierbares Leben und wird dennoch eindringlich gewarnt, den Glauben festzuhalten. Auch an Bibelabschnitten mit komplementärer Botschaft kann man dies deutlich machen: 5Mose 28-30 spricht vom „Segen oder Fluch, die ich euch vorgelegt habe“ (5Mose 30,1). Der Bund mit Gott bringt Vorzüge, aber auch ein ernsteres Gericht mit sich (vgl. Röm 2,9+10). In 1Mose 2,15 erhält der Mensch den Auftrag, die Welt zu „bearbeiten“ und zu „bewahren“, also zu verändern und zu erhalten, was sich theoretisch ausschließt, doch im Alltag untrennbar zusammengehört. In Ps 73,23: „Dennoch bleibe ich stets bei dir, denn du hältst mich an meiner rechten Hand.“ Dass der Gläubige sich an Gott festhält, wird damit begründet, dass Gott ihn festhält. Wer hält hier wen fest? Beide Seiten gehören untrennbar zusammen. In 1Joh 1,5-3,10 wechselt Johannes ständig mit immer neuen Formulierungen zwischen vier Grundaussagen: „Jeder, der aus Gott geboren ist, sündigt nicht“ (1Joh 3,9); „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst“ (1Joh 1,8); „So wir unsere Sünden bekennen …“ (1Joh 1,9) und: „Das schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt“ (1Joh 2,1). Die vier Aussagen, 1) dass der Christ nicht sündigt, 2) dass jeder Christ Sünde tut, 3) dass jeder Christ seine Sünde bekennen soll und 4) dass der Christ von der Sünde ablassen soll, widersprechen sich nicht, sondern gehören zusammen.

http://www.thomasschirrmacher.info/wp-content/uploads/2009/02/q200104komplementaritaeti.pdf

http://bibelkreis-muenchen.de/?p=2471   Teil I

http://bibelkreis-muenchen.de/?p=2476 Teil 2

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