Zur Komplementarität des biblischen Denkens Teil IV Prädestination und Verantwortung

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Viele biblische Themen und Fragen  haben wie gesagt zwei Seiten, die gleichermaßen wichtig sind, und manche theologische Diskussion in Geschichte oder Gegenwart ergibt sich nur daraus, dass die Diskussionspartner eine Seite betonen und die andere vernachlässigen. Die Bibel macht den Menschen als einzelne Person voll verantwortlich. Und dennoch bezieht sich diese Verantwortung nur auf den Verantwortungsbereich, den Gott den Menschen gegeben hat. Darüber steht Gott in seiner Allmacht und lenkt die Schöpfung. Aus dieser Allmacht heraus wird überhaupt erst die Verantwortung des Menschen und das Gebot an den Menschen begründet. Dies macht etwa Phil 2,12-13 deutlich: „Schaffet euer Heil mit Furcht und Zittern, denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen, als auch das Vollbringen schafft, nach seinem Wohlgefallen“. Hier führt das Wissen dar  um, dass Gott alles wirkt, nicht zur Passivität, sondern gerade zum ‚Schaffen‘. In ähnlicher Weise werden in Eph 2,8-10 die guten Werke des Christen mit Gottes souveränem Handeln verbunden: „Denn aus Gnaden seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich niemand rühme. Denn wir sind sein Gebilde, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“
Das Verhältnis von Prädestination und Verantwortung, also das Verhältnis von Gottes allmächtigem und souveränem Handeln zum menschlichen Handeln in Verantwortung vor Gott, hat für die Ethik eine ungeheure Bedeutung. Es macht nämlich deutlich, für welche Bereiche der Mensch überhaupt zur Verantwortung gezogen wird. Der Mensch ist nicht für Gottes Bereich zuständig, sondern nur für die Bereiche, in die Gott ihn eingesetzt hat.
„Laut Augustinus muss man, wenn dem Reichtum und der Komplexität der biblischen Aussagen zu diesem Thema Gerechtigkeit widerfahren soll, zugleich an der absoluten Souveränität Gottes und an der wirklich menschlichen Freiheit und Verantwortlichkeit festhalten. Die Problematik durch eine Bestreitung der Souveränität Gottes oder der menschlichen Freiheit zu vereinfachen, liefe auf eine ernsthafte Infragestellung des christlichen Verständnisses der Art und Weise hinaus, in der Gott den Menschen rechtfertigt.“
Dass das Wissen darum, dass Gott alle Dinge lenkt, die Verantwortung des Menschen nicht schmälert und umgekehrt die völlige Verantwortung des Menschen nicht die Souveränität Gottes in Frage stellt, zeigen insbesondere solche Bibeltexte, in denen beide Seiten zugleich vorkommen, ja, in denen aus der einen Seite ein Schluss auf die andere gezogen wird. Der Kirchenvater Augustinus schreibt: „Wer da behauptet, die Gnade hebe den freien Willen auf, begreift nicht, dass er den Willen nicht festigt, sondern haltlos treiben lässt.“
Wir danken Gott im Gebet für das Essen ebenso wie demjenigen, der das Essen gekocht hat. Jedes mal wenn ein neuer Mensch entsteht, ist er von Gott ganz neu geschaffen worden und dennoch zugleich durch zwei Menschen auf dem Weg einer biologischen Zeugung entstanden. Derartige Beispiele dafür, wie Gottes souveränes Wirken und menschliches Handeln und Beteiligt sein zueinander gehören und sich nicht gegenseitig ausschließen, ließen sich beliebig vermehren.
Texte zur Vorherbestimmung in Bezug auf das Heil, in denen Vorherbestimmung und Verantwortung des Menschen miteinander erwähnt werden
Phil 2,12-13: „Schaffet euer Heil mit Furcht und Zittern, denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen [oder: Ratschluss].“ (Christen schaffen, doch das nur, weil sie wissen, dass Gott alles tut.)
1Petr 2,7-8: „Für euch nun, die ihr glaubt, ist er die Kostbarkeit. Für die Ungläubigen aber heißt es: ‚Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden‘, und: ‚ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses‘. Da sie nicht gehorsam sind, stoßen sie sich an dem Wort, wozu sie auch gesetzt worden sind.“ (Sie sind persönlich verantwortlich, weil sie ungehorsam sind, und dennoch dazu von Gott gesetzt worden.) Joh 1,12-13: „So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu heißen [oder: zu werden], denen, die an seinen Namen glauben, die nicht von ihrer Abstammung her, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“ (Man muss Gott persönlich aufnehmen, und dennoch geschieht dies nicht aus menschlicher Kraft, sondern von Gott her.)
Joh 6,37: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ (Man muss zu Jesus kommen, doch wer kommt, ist vom Vater gegeben.) Joh 6,29: „Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.“ (Antwort auf die Frage in 6,28, welche Werke Gottes getan werden sollen.) (Sie glauben persönlich und doch ist dieser Glaube das Werk Gottes.)
1Kor 15,10: (Paulus über sich:) „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und seine Gnade ist an mir nicht vergeblich gewesen.“ (Alles ist Gottes Gnade und dennoch kann Paulus zugleich darauf verweisen, dass er die Gnade nicht umsonst empfing. Ähnlich:)
2Kor 6,1: „Wir ermahnen euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt.“ Vgl. auch Apg 27,22-24+31: Paulus erhält die Verheißung, dass niemand beim Schiffbruch umkommen wird, und verkündigt sie der Schiffsbesatzung: „Keiner von euch wird verlorengehen“. Trotzdem sagt er über die Soldaten: „Wenn diese nicht im Schiff bleiben, könnt ihr nicht gerettet werden“. (Hier geht es natürlich nicht um das ewige Heil.)
Wer verhärtete den ägyptischen Pharao?:

1. Gott verhärtet den Pharao oder die Ägypter: 2Mose 4,21; 7,3; 9,12; 10,1+20+27; 11,10; 14,4+8 und 2Mose 14,17 (Volk)
2. Ohne Angabe des Verursachers: 2Mose 7,13+14+22; 8,15+28; 9,7+35
3. Der Pharao verhärtet sein Herz: 2Mose 8,11; 9,34 (vgl. 1Sam 6,6; Spr 28,14)
„Die Verstockung ist so beides, göttliche That und zugleich eigene That des Subjekts, wie denn beiderlei Ausdrücke wechseln … In erster Beziehung ist die Verstockung Wirkung des göttlichen Zorns.“ Das Wort „verstocken“ kommt im Neuen Testament als Verstockung durch Gott in Mt 13,15; Joh 12,40;  Apg 28,27; Röm 9,18; 11,7; 2Kor 3,14 vor, als selbstverschuldete Verstockung des Menschen oder als Warnung davor in Mk 3,5; Apg 19,9; Röm 2,5; Hebr 3,8+13+15; 4,7.
Texte, in denen die Verantwortung des Menschen allgemein und die Prädestination der Ereignisse durch Gott zusammen erwähnt werden Lk 22,21-22: (Über Judas:) „Doch siehe, die Hand dessen, der mich überliefert, ist mit mir auf dem Tisch. Und der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie es beschlossen ist. Wehe aber jenem Menschen, durch den er überliefert wird!“ (Judas‘ Schicksal ist Erfüllung von Prophetie und beschlossen und dennoch ist er voll verantwortlich.) Ähnlich, aber allgemeiner formuliert, lautet:
Mt 18,7: „Es müssen ja Verführungen kommen; doch weh dem Menschen, der zum Abfall verführt!“ 5Mose 29,28: „Das Verborgene steht bei dem Herrn, unserm Gott; aber das Offenbare gilt uns und unsern Kindern für ewig, damit wir alle Worte dieses Gesetzes tun.“ (Gottes verborgenes Handeln kann nie als Entschuldigung für das Nichtbefolgen seiner Gebote benutzt werden.) Jak 4,13-17: Wir sollen uns nicht mit unseren Planungen rühmen, sondern sagen „So der Herr will und wir leben, werden wir dieses oder jenes tun.“ (Alles soll unter dem Vorbehalt stehen, dass Gott letztlich darüber bestimmt, und dennoch soll man handeln)
Neh 2,20: „Der Gott des Himmels lässt es uns gelingen. Und wir wollen uns als seine Knechte aufmachen und bauen.“ (Das Wissen um Gottes Gelingen lassen führt nicht zum faulen Abwarten, sondern zum aktiven Mitarbeiten.) 1Petr 3,17: „Denn es ist besser, wenn der Wille Gottes es will, für Gutestun zu leiden als für Bösestun.“
(Das Leiden geschieht nach Gottes Willen und dennoch sind wir dafür verantwortlich, ob wir wegen böser Dinge oder wegen guter Dinge leiden.) Menschen bitten darum, dass Gott sie zur Umkehr bringt Jer 31,18-19: „Lass mich umkehren, damit ich umkehre, denn du, HErr, bist mein Gott. Denn nach meiner Umkehr empfinde ich Reue, und nachdem ich zur Erkenntnis gelangt bin, schlage ich mir auf die Seite [= ein Zeichen der Reue].“
Das Wissen um die Prädestination zum Heil führt zur Evangelisation und zum Einsatz für die Erwählten 2Tim 2,10: „Deswegen erdulde ich alles um der Auserwählten willen, damit auch sie das Heil, das in Christus Jesus ist, mit ewiger Herrlichkeit erlangen.“ (Paulus muss also noch etwas für die Erwählten tun!; ähnlich:) Apg 18,9-10: Gott hat „ein großes Volk in dieser Stadt“, was gesagt wird, als die meisten noch ungläubig sind. Gerade weil Gott ein Volk von Auserwählten hat, soll Paulus reden und nicht schweigen (18,9).
Phil 2,12-13: „Schaffet euer Heil mit Furcht und Zittern, denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen [oder: Ratschluss].“ (Christen ’schaffen‘, doch das nur, weil sie wissen, dass Gott alles tut. Das Wissen um die Prädestination macht sie nicht passiv, sondern aktiv, nicht träge, sondern eifrig.)
Vgl. auch Neh 2,20: „Der Gott des Himmels lässt es uns gelingen. Und wir wollen uns als seine Knechte aufmachen und bauen.“ Völker, die im Auftrag Gottes das Gericht vollziehen, werden dennoch dafür bestraft
Jes 47,6-7: Babylon besiegt auf Befehl Gottes Israel, wird aber dafür bestraft. Jes 10,5-19: Die Assyrer besiegen auf Befehl Gottes Israel, werden aber dafür bestraft, weil sie meinten, sie hätten es vollbracht.
2Chr 28,1-15 (bes. V. 5+10+13): Das Königreich Israel vollzieht das Gericht am Königreich Juda, muss aber selbst für seine Schuld büßen.
„O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes. Wie unausforschlich sind seine Gerichte und unausspürbar seine Wege. Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt oder wer ist sein Mitberater gewesen? Oder wer hat ihm vorher etwas gegeben und es wird ihm vergolten werden? Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge. Ihm sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen“ (Röm 11,33-36).
http://www.thomasschirrmacher.info/wp-content/uploads/2009/02/q200104komplementaritaeti.pdf

http://bibelkreis-muenchen.de/?p=2471   Teil I

http://bibelkreis-muenchen.de/?p=2476 Teil 2

http://bibelkreis-muenchen.de/?p=2478 Teil 3

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