Bultmann’sche Exegese des Problemtextes “Wetterbulletin 2013″

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Nachfolgend präsentiere ich eine (nicht ernstgemeinte) Exegese zum Problemtext „Klimabulletin Januar 2013“, Verse 1-4, im Sinne Rudolf Bultmanns. Die meisten Wendungen finden sich innerhalb von nur gerade 20 Seiten von Bultmanns „Geschichte der synoptischen Tradition“![1]
1. Im Januar 2013 registrierte die MeteoSchweiz im Engadin und auf der Alpensüdseite bis 2 Grad wärmere Temperaturen im Vergleich zur Normperiode 1981-2010.
2. Ansonsten war der Wärmeüberschuss gering. An den hoch gelegenen Stationen auf der Alpennordseite war es etwas kälter als in der Normwertperiode 1981-2010.
3. Die Niederschlagssummen blieben teilweise stark unternormal, vor allem in den westlichen und südlichen Landesteilen.
4. In den nördlichen und östlichen Landesteilen machte sich die Sonne rar, derweil im westlichen Flachland mehr Sonnenstunden registriert wurden als im Mittel von 1981-2010. Bei dieser schwer verständlichen Perikope müssen wir bei der Logik, respektive der inneren Kohärenz des Textes einsetzen. Auf den ersten Blick wird zudem klar, dass es im vorliegenden Problemtext ältere und jüngere Stücke gibt. Die sekundäre Analogiebildung des „Wärmeüberschusses“ in Vers 2 legt denn auch gleich zu Beginn eine Einfügung in den Zusammenhang nahe. Bei dieser Bezeichnung empfindet der sorgfältige Exeget, dass es des Guten fast zu viel ist. Trotzdem erweckt der ganze Vers innerhalb des Gefüges bis dahin noch den Eindruck einer einheitlichen Konzeption.
Schwieriger wird die Betrachtung, wenn wir uns den verschiedenen Stadien widmen, in denen der Text gewachsen ist (wobei das Urteil natürlich subjektiv bleibt). So kann zum Adjektiv „unternormal“ in Vers 3 nur gesagt werden, dass es sich dabei um eine pedantische Neubildung handelt, welche kein authentisches Meteorologenwort darstellt. Der Ausdruck ist bearbeitet und erhielt erst nachträglich seine Folie. Hieraus wird der disparate, auseinanderdrängende Traditionsstoff ersichtlich.
Was meint der Meteorologe zudem in Vers 4 mit „machte sich die Sonne rar“? Hier handelt es sich um einen ursprünglich selbständigen Satzteil, welcher als gesonderter Spruch für sich existiert hat und anschliessend sekundär kombiniert wurde. Auch das „westliche Flachland“  ist ein sekundärer Zusatz und steht so nicht mehr im ursprünglichen Zusammenhang des authentischen Logions. Hier hat der Bearbeiter das Meteorologenwort redaktionell verbunden, wobei sich allerdings die Frage stellt, wer von beiden geändert hat, der Redaktor oder der Meteorologe. Auf jeden Fall erfuhr dadurch das „westliche Flachland“ eine völlige Umgestaltung infolge der Eingliederung in den fremden Zusammenhang der gesamten Perikope und stellt damit eine schlechte Anwendung des ursprünglichen Logions dar. Trotzdem handelt es sich um eine typische Modifikation innerhalb der literarischen Tradierung der Meteorologen.
Eine dogmatische Umgestaltung erfuhren sodann die „nördlichen und südlichen Landesteile“ in Vers 4. Wobei erwähnt werden muss, dass das dogmatische Motiv natürlich nicht gemeint ist als bewusstes Eintragen bestimmter Lehrsätze, sondern als ein in der Regel unbewusstes Abfärben der meteorologischen Anschauung auf geographische Zusammenhänge, welche selbstverständlich ausserhalb des Denkhorizontes eines Meteorologen befindlich sind. Diese Diskontinuität in der Erzählung liegt jedoch klar im Verständnis der „Normwertperiode“ begründet, auf die weiter unten eingegangen wird.
Zur Legende, respektive zu einem massiven Mirakelglauben führt die Perikope gegen Ende des Verses 4, wenn von „mehr Sonnenstunden“ gesprochen und dies als Tatsache dargestellt wird. Der Grund dafür wird in der Remeteorologisierung oder allenfalls im Frühklimatismus zu suchen sein.
Sodann gibt es in unserer Perikope diverse angestückte Gebilde, vermutlich durch Gemeindebildung entstanden. Exemplarisch sei die „Normwertperiode“ in Vers 2 betrachtet. Der Ausdruck scheint nachhinkend und wurde wohl von dritter, sicher aber zweiter Hand eingefügt. Wobei durchaus zugestanden werden kann, dass das ursprünglich Begonnene sorgsam weitergesponnen wurde. Grund wird sein, dass das Vorangehende zu deutenden Erweiterungen herausforderte, welche der Redaktor schliesslich mit dem Begriff der „Normwertperiode“ vollzogen hat. Allerdings resultiert spätestens an dieser Stelle ein klarer Wunderglaube, welcher für die Gemeindeinteressen zurechtgemacht wurde. Der Satzteil hat somit keine ursprüngliche und direkte Beziehung mehr zur Person des Meteorologen.
Abschliessend kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass die gesamte Perikope in ihrer Urgestalt profanen Charakter hatte und erst später, wohl ganz sekundär, weiter spezialisiert wurde. Dies beraubt die Perikope trotzdem nicht ihres Inhaltes. Im Gegenteil spricht ein wundersamer Glaube aus dem Berichteten. Die Analogiebildung fordert heraus und möchte in ihrer Endgestalt ernst genommen werden. Denn nicht umsonst kann der Inhalt damit zusammengefasst werden, dass es irgendwann durch irgendwelche Umstände zwei Grad wärmer wurde. Daher ist doch die kerygmatische Aussage des Textes klar: Alles wird anders, in einer Welt in der nichts mit Sicherheit postuliert werden kann.
 [1]Rudolf Bultmann, Geschichte der synoptischen Tradition, 5. Aufl. (Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1979).
http://sola-scriptura.ch/?p=616