Fundamentalistische Interpretation des Wetterbulletins

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Nach der bultmann’schen Exegese des Wetterbulltins 2013 sei auch der Gegenstimme das Wort gewährt. Es folgt eine fundamentalistische Interpretation zum Aussagegehalt der folgenden Zeilen:
1. Im Januar 2013 registrierte die MeteoSchweiz im Engadin und auf der Alpensüdseite bis 2 Grad wärmere Temperaturen im Vergleich zur Normperiode 1981-2010.
2. Ansonsten war der Wärmeüberschuss gering. An den hoch gelegenen Stationen auf der Alpennordseite war es etwas kälter als in der Normwertperiode 1981-2010.
3. Die Niederschlagssummen blieben teilweise stark unternormal, vor allem in den westlichen und südlichen Landesteilen.
4. In den nördlichen und östlichen Landesteilen machte sich die Sonne rar, derweil im westlichen Flachland mehr Sonnenstunden registriert wurden als im Mittel von 1981-2010.
Aus diesen Versen dürfen wir einmal mehr die Bestätigung sehen, dass die Wettervorhersage als System in sich völlig logisch ist. Es bieten sich uns historische Fakten, die nachprüfbar sind. Jede der Aussagen ist einzeln und für sich so in Raum und Zeit geschehen. Bereits zu Beginn sehen wir, dass sich auch hier wieder eine Bestätigung findet für die Schöpfungstheorie der 7×24 Stunden, denn es wird von der Sonne gesprochen. Sonne bedeutet Tag, ein Tag dauert 24 Stunden. So klar, so einfach stellt sich uns als Glaubende dieser Abschnitt dar.
Zudem gelten diese Verse universal, für die gesamte Schöpfung. Vom Westen bis zum Süden. Vom Norden bis zum Osten. Überall. Wieso? Weil es so geschrieben steht. Wort für Wort.
Natürlich könnten in uns nun Zweifel aufkommen, ob im Flachland wirklich mehr Sonnenstunden registriert wurden. Zweifel daran, ob es das Leben wirklich immer so gut und freundlich mit uns meinte. Aber halt: Die logische Erklärung folgt sogleich: Es handelt sich um einen Mittelwert in den Jahren 1981-2010! Die Aussage des Meteorologen erscheint also plötzlich völlig logisch und wir sehen, wenn wir etwas nicht verstehen, liegt es nur an unserem beschränkten Blickwinkel. Das System des Wetters als Ganzes muss logisch sein. Wenn auch nur beim Wörtchen „rar“ im Urbulletin geringste Zweifel bestehen würden, wäre die Sonne nicht mehr rar und das gesamte System würde sich als falsch erweisen. Auf einen Schlag hätten wir in der Schweiz zu viel Sonne.
Zu oft wurde in der Vergangenheit dieses Bulletin historisch-kritisch betrachtet. Bultmann-Barth-Brunner-Tillich-Niebuhr und schon sind wir bei der Wetter-ist-tot Theologie von Meteorologinnen wie Knölle. Die Passage wurde sämtlicher Inhalte entleert. Das „Flachland“ hatte nur noch symbolischen Wert und konnte dadurch mit allerhand Vorstellungen des Interpreten gefüllt werden. Man sprach von Flachland und der gläubige Leser verstand auch Flachland. Aber der liberale Meteorologe, ja der meinte vielleicht Hügelland, Bergland oder noch schlimmer: Einfach „Land“. Das gesamte Bulletin wurde somit seines Sinnes beraubt.
Durch die hegelsche Synthese wurde die Antithese von Regen und Sonne aufgelöst. Auf einmal ist da nur noch grauer Nebel und Wolke. Mit Kierkegaards Sprung ins Ungewisse blieben nur noch Tag-für-Tag Prognosen. Keiner konnte mehr wissen, wie das Wetter in einem Monat sein wird. Nichts war mehr absolute Wahrheit. Kommt Sonne, kommt Regen? Wer kann es schon sagen in einer Welt des Relativismus und Pluralismus. Der Meteorologe wurde bloss gestellt, keiner vertraute ihm mehr. Die eigene Vernunft überstieg alles und so konnte bald jeder in der Dorfbeiz über das Wetter referieren. Die logische Folge einer solchen Interpretation war eine völlige Zweiteilung der Prognosen. Es kam zu Begriffen wie Bulltin und Überbulletin, tatsächlichen Prognosen und  Glaubensprognosen. Einerseits haben wir dann messbare Sonnenstunden und Niederschlagsmengen. Diese sind aber völlig gelöst von der Glaubenstatsache des Wärmeüberschusses. Wer definiert nun, was Überschuss ist? Wenn wir dem Meteorologen nicht mehr vertrauen, bleiben keine Absoluta mehr. Was folgt ist ein ethischer Zerfall des Wetters. Wir sehen dies an den schmelzenden Polarkappen und Gletschern. Bultmann hat dieser Stelle schweren Schaden zugefügt, wenn er die „Normwerte“ einer blossen Tradierung durch die kreative Gemeinde zuschrieb.
Wir jedoch berufen uns auf Meteorologen, welche vor dieser sogenannten Aufklärung, also bevor die Sonne der Vernunft den Nebel durchbrach, bereits die Wahrheit erkannten. Wir berufen uns auf die Bekenntnisse eines Jörg Kachelmann. Für ihn waren Bulletins noch Bulletins. Bulletins enthielten nicht nur Meteorologenworte, nein, Bulletins sind Meteorologenworte! Wir halten fest an der Wahrheit dieses Bulletins! Wir suchen kein Bulletin im Bulletin, wir suchen auch keine Mitte des Bulletins (diese würde hier rechnerisch bei der „Normwertperiode“ liegen, wo auch sonst). Wir begeben uns nicht auf Glatteis und fragen, was die Sonne treibet. Dies würde nur Fragen auslösen. Fragen aber sind der Urgrund des Zweifels. Zweifel aber sind unmeteorologisch und daher mit Vehemenz abzuweisen. Das Bulletin erhebt von seinem Selbstverständnis her Anspruch auf die Wahrheit, ohne Wenn und Aber. Amen.
http://sola-scriptura.ch/?p=619#comment-85