Neue Missionsschancen durch die NSA

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Ach, was war das Missionieren im Internet bisher manchmal öde und trist. Kaum jemand wollte die sorgsam geschriebenen Verkündigungsposts lesen. Oder gar Stilvoll Glauben – wer liest so was schon? Versteckt auf irgend einer Subdomain von evangelisch.de – wer verirrt sich da schon hin? Manche Blogger sind ja schon stolz, wenn ein Beitrag mal 20 Klicks bekommt. Frustrierend, nicht? Ja klar, Gott liest das alles. Vermutlich. Das ist doch schon mal was. Aber sonst? WER BITTESCHÖN INTERESSIERT SICH FÜR UNSER GESCHREIBE?
Na endlich. Snowden sei Dank. Nun wissen wir es: Die NSA liest alles! ALLES! Liebe NSA, wir danken Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und hoffen sehr, dass Sie in unserem Blog viel Spaß haben. Ich hoffe, einer Ihrer Zehntausenden von Mitarbeitern ist extra für unser schwer subversiv-religiöses Blog zuständig, das theologisch oft weit von der US-amerikanischen, von der Regierung abgesegneten Normchristentumsmeinung abweicht. Wie sieht’s aus, lieber Sachbearbeiter? Sind Sie schon zum Glauben gekommen durch unsere Beiträge? Wie Sie ja aus diversen meiner Texte wissen, ist „Freiheit“ für uns Protestanten ein sehr wichtiger Begriff. Nicht nur für unseren Bundespräsidenten, dessen vertrauliche Mails Sie sicher auch genauestens kennen, der das Wort aber vielleicht manchmal anders interpretiert als ich. Freiheit – das ist auch die Freiheit der Kommunikation, des Wortes. Ohne dass wie bei der Stasi alles, was ich schreibe, aufgezeichnet wird. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“, heißt es in der Bibel. Vermutlich kam auch dieser Satz schon ab und zu in Ihren Scannern vor. Kennen Sie den Satz? Schon mal drüber nachgedacht? Ich finde: Das verträgt sich nicht gut mit Kontrolle und Schnüffelei, schon gar nicht mit (un-)heimlicher.
OK, auch Gott kennt meine Gedanken, selbst die verborgensten, die, die ich keinem elektronischen und auch keinem analogen Medium anvertrauen würde. Aber bei ihm sind meine Gedanken, finde ich, besser aufgehoben als bei Ihnen. Ihm vertraue ich sie gerne an, weil ich mich bei ihm angenommen fühle. Geliebt. Akzeptiert, trotz und mit diesen Gedanken.
Bei Ihnen, liebe NSA, ist das anders. Sie verdächtigen mich, ein potentieller Terrorist zu sein. Sie scannen meine Mails, meine Posts, meine Telefonate, weil Sie Verrat und Verschwörung überall vermuten. Sie Ärmsten. Sie wirklich Bedauernswerten. In Ihrer Welt möchte ich nicht leben. Eine Welt voll Verrat, Bespitzelung, Vertrauensbruch, Angst. Jesus bietet Ihnen etwas anderes: Die Freiheit. Eine Welt voller Vertrauen und ohne Angst, oder jedenfalls mit weniger Angst. Liebe NSA, wie wäre das? Denken Sie doch mal drüber nach. Kehren Sie um. Ändern Sie ihr Leben. Oder ist da vielleicht doch niemand? Hallo? NSA? Ist da wer? HAAALLLOOO .
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