Was uns noch immer trennt Reformatorische Lehre und römisch-katholisches Dogma im Vergleich

Thema Reformatorische Position Römisch-katholische Position
Bibel Die Bibel gilt als alleinige Autorität und Regel für Lehre und Leben der Gläubigen (sola Scriptura). Kirchliche Lehre muss sich stets messen lassen am Kanon (Richtschnur) der Heiligen Schrift. Allein die Kirche kann die Schrift richtig auslegen. Die offizielle Lehre der Kirche (magisterium) und ihre Tradition sind auf einer Ebene mit der Heiligen Schrift zu sehen
Kirchen-oberhaupt Jesus Christus allein ist Herr und Haupt der Kirche. Kein Mensch kann von sich behaupten, der Kirche als Stellvertreter Christi vorzustehen. Amtsträger der Kirche (Pastoren, Älteste, Diakone) sind lediglich Diener (minister) und haben keinen anderen Status als alle anderen Gläubigen auch. Der Papst wird als geistlicher Nachfolger Petri verstanden, den Christus als Herr der Kirche eingesetzt hat. Er gilt als das irdische Oberhaupt der Kirche und Stellvertreter Christi auf Erden. Christus geht in der ›mystischen Person‹ der Kirche nahezu auf.
Heil Gott erklärt Sünder für gerecht allein aus Gnade (sola gratia) aufgrund des stellvertretenden Gehorsams und Leidens Jesu Christi (solo Christo), auf das der Glaube sich beruft (sola fide). Werke (Heiligung) sind keine Ergänzung des Glaubens, sondern dessen Frucht. Das Heil kommt allein von Gott. Christus hat durch seinen Tod einen Verdienst (Kirchenschatz) erworben, der mittels der Sakramente den Gläubigen eingegossen wird. Diese Gnade muss allerdings durch eigene Werke (d.h. die Heiligung) ergänzt werden. Das Heil kommt von Gott, der Mensch muss aber seinen Beitrag leisten.
Kirche Die Kirche ist die Versammlung der Gläubigen, bei der das Evangelium rein gepredigt, die Sakramente demgemäß dargereicht und Kirchenzucht geübt wird. Außer ihr gibt es kein Heil. Wenn es eine ›Sukzession‹ (d.h. Amtsnachfolge) gibt, besteht sie in der reinen Verkündigung der apostolischen Botschaft, wie sie in der Schrift überliefert ist. Die römisch-katholische Kirche ist die eine wahre Kirche aufgrund der apostolischen Sukzession der Bischöfe und versteht sich als Mittlerin des Heils. Andere christliche Konfessionen gelten als ›getrennte Brüder‹. Allerdings können auch andere Religionen (z.B. die sogenannten ›abrahamitischen Religionen‹ Judentum und Islam) ein Heilsweg sein.
Sakramente Es gibt nur zwei Sakramente, die Jesus Christus selbst eingesetzt hat und auf denen die Verheißung Gottes liegt: die Taufe und das Abendmahl. Sie sind Gnadenmittel, d. h. Zeichen und Siegel des Bundes Gottes, die Gott seinem Volk darreicht. Sie müssen im Glauben empfangen werden. Es gibt sieben Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Priesterweihe und Trausakrament), die aus sich selbst heraus effektiv (ex opere operato) denen Gnade vermitteln, die sie empfangen.
Taufe Die Taufe ist das Zeichen und die Verheißung dafür, dass der Mensch von seinen Sünden rein gewaschen ist und ein neues Leben empfangen hat. Sie deutet auf die Wiedergeburt hin, ist aber nicht an sich schon die Wiedergeburt. Der Glaube muss hinzutreten, beim getauften Kind später.  In der Taufe geschieht die Rechtfertigung (Auslöschung der Erbsünde und Vergebung der Sünden) und Wiedergeburt des Sünders effektiv, unabhängig von dessen Glauben.
Abendmahl Beim Abendmahl werden die Gläubigen gemeinsam an das vollbrachte Werk Jesu Christi am Kreuz erinnert und haben geistliche Gemeinschaft mit dem erhöhten Christus. Brot und Wein sind gewisse Wahrzeichen seines Leibes und Blutes, die den Gläubigen versichern, dass Christus für sie geopfert wurde. Die sogenannte ›Heilige Messe‹ ist eine ständige unblutige Wiederholung des einen Sühnopfers Christi, wobei Brot und Wein wesenhaft in Leib und Blut Jesu verwandelt werden.

 

Raphael Schuster studiert evangelische Theologie am Reformatorisch-Theologischen Seminar (RTS) in Hannover.
http://www.reformationheute.de/was-uns-noch-immer-trennt/#more-55