Was bedeutet eigentlich „christlich“?

Dieser Begriff ist unklar geworden, weil sich hinter ihm alles Mögliche sammelt.
Begriffsklärung
Bei dem Begriff „christlich“ stecken das Wort „Christ“ und die Wortendung „-lich“ zusammen.
a) „Christ“
„Christ“. Woher kommt der Begriff? Schaut man ins Wörterbuch, steht da: „Anhänger des Christentums“ (Duden).
Der Begriff „Christ“ kommt aus dem Griechischen von „Christus“ (Χριστός), was „der Gesalbte“ bedeutet – entsprechend dem hebräischen „Messias“ (מָשִׁיחַ). Er bezeichnet jemanden, der zum König oder Priester gesalbt wird. Dieser Titel „Christus“ bezieht das Neue Testament ausgehend von der alttestamentlichen Erwartung eines zukünftigen Retters dann als Erfüllung auf Jesus Christus (Johannes 1,41).
Wo taucht der Begriff „Christ“ zuerst auf? Die ersten Menschen, die als „Christen“ bezeichnet wurden waren Jünger Jesu (Apostelgeschichte 11,26b). „Christ“ ist also eine Außenbezeichnung für Menschen gewesen, die Jesus Christus als Schüler nachgefolgt sind und ihn als ihren Herrn anerkennen. Deutlich wird das in dem Bekenntnis des Thomas zu Jesus: „Mein Herr und mein Gott“ (Johannes 20,28). Der zweifelnde Thomas erkennt Jesus als den gekreuzigten und auferstandenen Herrn und Gott in seinem Leben an. Nach dem Zeugnis des Neuen Testamentes ist ein „Christ“ also nur jemand, der ein Jünger Jesu geworden ist und mit seinem Leben anerkennt, dass Jesus Christus sein persönlicher Herr und Gott geworden ist. Im Leben eines solchen „Christen“ hat ein Herrschaftswechsel stattgefunden. Nicht mehr man selbst, jemand anders oder auch gottfeindliche Mächte regieren über das Leben, sondern man gehört allein Jesus Christus.
Wie kann das geschehen? Jesus Ruf hier auf der Erde war: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Matthäus 4,17). Genauso setzt es Petrus fort: „Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“ (Apostelgeschichte 2,38). Menschen, die „Christen“ geworden sind, haben persönlich auf diesen Ruf Jesu geantwortet in Form von Sündenbekenntnis, Lebensumkehr und mit der Taufe auf den Namen Jesus. Dadurch wurde deutlich, dass man nun zu einem Jünger Jesu, zu einem „Christen“, geworden ist. So eine Lebensantwort finden wir bei dem Gefängniswärter von Philippi: „Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Sie [Paulus und Silas] sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig! […] Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.“ (Apostelgeschichte 16,30-34).
Dieser Ruf von Jesus Christus („Tut Buße und ändert euer Leben“) schallt auch heute durch seine heutigen Jünger in die Welt und fordert zur Lebensantwort auf. Fordert dazu auf, der Botschaft Jesu Christi persönlich zu antworten – an ihn zu glauben und diesen Herrschaftswechsel in seinem Leben zu vollziehen. So eine Lebensantwort kann z. B. in einem kurzen Gebet geschehen: „Herr Jesus Christus, ich glaube, dass du am Kreuz für meine Sünden gestorben und auferstanden bist. Bitte sei du ab heute der Herr meines Lebens.“
Erst dann gehört man zu Jesus Christus und ist somit ein „Christ“ und darf sich zu der Gemeinschaft der „Christen“ zählen. Damit wird deutlich: zuerst kommt „Christ werden“ und dann erst „Christ sein“ – nicht umgekehrt.
b) „christlich“
Die Wortendung „-lich“ macht aus einem Nomen ein Adjektiv und beschreibt die Art und Weise, die dem Hauptwort entspricht. Wir sprechen häufig von „christlichen Kirchen“, „christlichen Verhaltensweisen“, „christlichen Parteien“ und „christlichem Abendland“. Und meinen dabei eine wie auch immer geartete Lebensart oder Kultur. Das Problem dabei ist jedoch, dass sich „christlich“ verselbstständigt hat. Es kann losgelöst von der Quelle sein – nämlich der persönlichen Zugehörigkeit zum Herrn Jesus Christus. Man kann sich heute „christlich“ verhalten, aber dennoch kein „Christ sein“. Doch das ist nicht im Sinne des Erfinders Jesus Christus. Vor einem „christlichen Leben“ kommt das „Christ werden“.
Die Bibel nennt einen „christlichen“ Lebensstil „Heiligung“ und nimmt Jesus Christus als Vorbild. Sie wird dabei sehr konkret: kein Neid, Streit, keine Habsucht, Unzucht, sondern Liebe üben: allen Menschen (auch den Feinden) gegenüber und Vergebung praktizieren. Dieser Lebensstil aus der Liebe Gottes heraus äußert sich in einem Jesus Christus entsprechenden Tun und Lassen. Doch nicht, um sich etwas zu verdienen. Die Gnade und Liebe Gottes in Jesus Christus führt dazu, dass sich diese Liebe aus Dankbarkeit Gott gegenüber im Umgang mit Menschen und der Schöpfung zeigt – ohne etwas zurückzuerwarten:  „Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“ (Kolosser 3,17).
Darin wird deutlich, dass „christlich“ leben unmittelbar an die Zugehörigkeit als „Christ“ zu dem persönlichen Herrn Jesus Christus gebunden ist. Es ist ein Lebensstil der daraus folgt.
Fazit
„CHRISTlich“ ohne Christus und christliches Leben ist unchristlich.
„CHRISTlich“ mit Jesus Christus im Herzen und gemeinsamer christlicher Nächstenliebe im Leben ist wahrhaft christlich.
„CHRISTlich“ ist nur der, der zu Jesus Christus gehört und der in Gemeinschaft mit anderen „Christen“ ein Leben führt, das seiner Liebe entspricht.