Ich bin nackt – schau gefälligst weg! Bestandsaufnahme des Sexismus

Sollten wir uns nicht alle darüber aufregen, dass Frauen im 21. Jahrhundert immer noch diskriminiert und belästigt werden, ihr aufgrund des Geschlechts Barrieren in den Weg gelegt werden und wir uns nicht alle ständig fragen, warum das noch möglich sei angesichts einer Armada von Vorkämpfern des Feminismus? Sollte diese chauvinistische Gesellschaft nicht endlich einsehen, dass Frauen keineswegs das schwache Geschlecht darstellen? Die Gesellschaft scheint – bei Betrachtung der neuen Sexismus-Debatte – nur noch aus Testosteron-gesteuerten Bullen zu bestehen. Bullen wie der Rainer. Prüderle.
Überall erheben sich die Stimmen gegen die Männlichkeit, etwa in dem NDR-Magazin Panorama 3, in dem drei Journalistinnen über weitere schlüpfrige Begegnungen mit dem Rainer berichten. Die Katze ist aus dem Sack, Zeit für Prügel für die Medien-Machos!
Ein “Cicero”-Reporter schreibt: “Ein Kinderspiel, dachte ich. Und fragte bei den zuständigen Stellen nach: Wie oft wenden sich Sexismus-Opfer an sie? Und welcher Fall war besonders aufsehenerregend? Zuerst die Gewerkschaften: Ver.di kann nicht weiterhelfen; der Deutsche Journalistenverband verweist auf seine Landesverbände. In Berlin und Brandenburg erinnert man sich „nur an einen einzigen Fall, der schon länger zurückliegt“ und den man aus Datenschutzgründen nicht ausführen könne. Das Macho-Land Bayern? Fehlanzeige: Der Landesverband weiß von keinen Fällen zu berichten. Im Fachbereich Gleichstellung? „Keine offiziellen Beschwerden oder Hilfegesuche.“
Bleibt noch die Geheimwaffe. Der Verein „ProQuote“, der sich für mehr Frauen in Führungspositionen einsetzt. Dort muss man doch von irgendwelchen Fällen wissen!
Ein Anruf bei der Vorsitzenden Annette Bruhns, die selbst unter den Spiegel-„Bullen“ arbeitet. Wir plaudern über die Notwendigkeit von mehr Frauen in den Chefetagen, darüber, dass es echtes Teamwork zwischen den Geschlechtern braucht. „Natürlich gibt es auch in unserer Branche Sexismus.”
Hätte sie ein Beispiel parat? Bruhns zögert. „Die erschütterndste Meldung erreichte uns via Facebook von einer Frau, die in der Werbung arbeitet.“ Sie halte es für “naiv zu erwarten, dass Angestellte ihre Vorgesetzten öffentlich anprangern – egal ob Journalistinnen, Bankangestellte oder Arzthelferinnen. Für solche Vorfälle – die meines Wissens in keiner Branche zum Alltag gehören – gibt es Betriebsräte, Personalabteilungen oder, etwa bei öffentlich-rechtlich Sendern, Frauenbeauftragte.”
Beim WDR schwärmt die Gleichstellungsbeauftragte Wilhelmine Piter erst einmal von den dortigen Strukturen: Frauen in Nöten könnten sich an sie, ihre Vorgesetzten, den Personalrat, die Personalabteilung oder aber an den hauseigenen psychosozialen Dienst wenden. Außerdem gebe es Verhaltenskodizes und regelmäßige Konfliktbewältigungsschulungen. Sexismus im Arbeitsalltag? Eigentlich „kein Problem“, ausgenommen von „wenigen Einzelfällen“, lässt Piter wissen. Vielleicht liegt das auch daran, dass sich die WDR-Belegschaft im Jahre 2011 aus 2158 Frauen und 2304 Männern zusammensetzte.
Angesichts dieser Daten lässt sich pfiffigerweise die Frage stellen: Hat Deutschland überhaupt ein Problem mit Sexismus? Kann es vielleicht sein, dass hier eine gewaltige Sexismus-Debatte aufgeblasen wurde? Eine Debatte, die zwar wenig Fundament, dafür aber umso mehr Wortgewalt bietet? Die im Kampf um die rare Ressource Aufmerksamkeit einen deutlichen Punktsieg für das weibliche Geschlecht verspricht?
Es ist interessant, dass zwar keine der Gesprächspartnerinnen konkrete Beispiele für Sexismus im Medienbetrieb nennen kann, aber dennoch alle versichern, dass es sich um ein gesamtgesellschaftliches, strukturelles Problem handle. „Es zieht sich auch durch alle Arbeitsbereiche und ist keineswegs auf den Journalismus beschränkt“, teilt etwa verdi-Frau Cornelia Haß mit. Es ist leichter, Pudding an die Wand zu nageln, als aus so einer Aussage irgendeinen empirischen Wahrheitsgehalt herauszulesen.
Diese Debatte über einen empirischen Sexismus, der sich “durch die Gesellschaft” zieht, ist schlichtweg verlogen. Da werden Aussagen getroffen, die niemand verifizieren kann, nicht einmal das Heer von Gleichstellungsbeauftragten und Sexismusberatern. Es stimmt jedenfalls nachdenklich, wenn die Artikel, die prominent in unseren großen Magazinen aufgemacht werden, nicht durch eine einzige Aussage bestätigt werden können – das widerspricht jedem journalistischen Grundsatz.
Warum beschwert sich niemand über die barbusigen Damen, die täglich die Seiten von Welt-Online, dem Focus oder anderen Medienanstalten zieren? Warum beschwert sich niemand darüber, dass das Dschungel-Camp für den Grimme-Preis nominiert wurde? Ist das nicht der Siegeszug des Sexismus, dass Frauen unbeschwert nackt sein dürfen, während die Reaktion von Männern eben auf Nacktheit als Sexismus verschrieen wird?
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Silikon-Brüste einer RTL-Show als preisverdächtiges Kulturgut für einen Medienpreis gelten, und wollen uns weis machen, dass der Rainer Symbolfigur unserer patriarchalischen Gesellschaft ist? Da muss doch irgendwas aus dem Lot geraten sein.
Achtung für Frauen bedeutet, dass man sie nicht als Lustobjekte degradiert, so wie unsere medienverseuchte Wirklichkeit das tut, sondern sie in ihren Aufgaben, in ihrem Sein schätzt und ihnen das zeigt. Sexismus ist real, solange die Medien – eben die, die diese Debatte selbst hervorriefen – das Dschungelcamp produzieren. Sexismus ist eben auch real, solange wir uns diesen Schrott ansehen.
Jesus ging mit Frauen anders um, er beachtete sie, er hörte ihnen zu, er schenkte ihnen keine erotische, sondern barmherzige Aufmerksamkeit. Jesus war ein wahrer Mann. Anders ist es nicht zu erklären, dass alle Männer – Petrus, Jakobus und die anderen Jünger – von ihm geflohen sind in der Stunde seines Todes. Aber von den Frauen heißt es:

Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria von Magdala und Maria, die Mutter Jakobus’ des Kleinen und des Joses, und Salome, die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.

Vielleicht ist die Bibel, Gottes Wort, weniger sexistisch als unsere Gesellschaft, auch wenn wir heute das Gegenteil meinen. Ich hoffe, dass viele Menschen darin Antworten finden auf die Fragen unserer Zeit. Denn sie ist so aktuell wie nie.
Von Simon