«Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind»

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«Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Persönlichkeit nach bekannt, der Kaufmann Hermann Einstein, wohnhaft in Ulm, Bahnhofstraße Nr. 135, israelitischer Religion, und zeigte an, dass von der Pauline Einstein, geborene Koch, seiner Ehefrau, israelitischer Religion, wohnhaft bei ihm zu Ulm, in seiner Wohnung am 14. März des Jahres 1879, vormittags ½ 11 Uhr, ein Kind männlichen Geschlechts geboren sei, welches den Vornamen Albert erhalten habe.»
Kaum hält die junge Mutter ihren Erstgeborenen in Händen, versetzt sie sein «außergewöhnlich großer eckiger Hinterkopf» in Schrecken. Anfangs glaubt sie «an eine Missgeburt». So jedenfalls will es die Familiensage, die Maja, die zweieinhalb Jahre nach Albert geborene Schwester, zu Papier bringt.
Albert Einstein hat unser Weltbild revolutioniert. Allein durch Denken, durch seine Beiträge zur theoretischen Physik, hat er das alte Gebäude der Physik niedergerissen, um auf den Trümmern sein bis heute gültiges neues Weltbild zu errichten. Mit seiner kurzen Formel E = mc2, mit der er „Kraft und Stoff“, „Energie und Materie“ zusammenbrachte, vereinfachte er die Welt tiefstgründig. Einstein: «Das letzte Ziel aller wissenschaftlichen Erkenntnis besteht darin, das größtmögliche Tatsachengebiet aus der kleinstmöglichen Anzahl von Axiomen und Hypothesen zu erhellen. »
Von 1896 an lebt er in der Schweiz, wo er 1905 sein bekanntestes Werk veröffentlicht: die „Spezielle Relativitätstheorie“. 1914 Umzug nach Berlin. 1915 formuliert er die „Allgemeine Relativitätstheorie“, die die bis dahin geltenden physikalischen Erklärungsansätze ersetzt. Einstein wird zum Vollender und Überwinder der klassischen Physik.
1921 wird er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. In den Jahren 1921 bis 1923 reist er, als Held und Heiliger verehrt, um den Globus, u.a. nach Amerika, England, Frankreich, Japan und Palästina. Seit dieser Zeit bezieht er, von einem pazifistischen Standpunkt aus, Stellung zu politischen Fragen. Wegen seiner jüdischen Herkunft seit 1920 angefeindet, verlässt er 1933 Deutschland. Er lehrt und forscht bis zu seinem Tod 1955 in Princeton, USA.
Als Gegner jeder Art von Gewalt förderte Einstein pazifistische Bewegungen. Doch aus Angst davor, dass in Deutschland an der Entwicklung einer Atombombe gearbeitet wird, unterzeichnet er am 2. August 1939 einen Brief an den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt, um ihn auf die atomare Gefahr hinzuweisen. Er regt an, dass die USA ihre kerntechnischen Forschungen forcieren sollten.
Einstein gab den Menschen nach den drei großen Kränkungen durch die Wissenschaft so etwas wie Trost: Hat Kopernikus die Krone der Schöpfung aus dem Zentrum ihrer Welt befördert, hat Darwin ihr den Glauben an eine göttliche Erschaffung genommen und Freud auch noch ihr Unbewusstes zum Herrscher über das Ich erklärt, so zeigt nun ein triebgesteuertes (Freud), von niederem Leben abstammendes (Darwin), auf seinem kleinen Planeten einsam durch das Weltall (Kopernikus) irrendes Wesen, wie großartig der Mensch trotz allem ist. Allein durch Nachdenken, seine edelste Kunst, ist es ihm gelungen, das Universum und dessen Tiefen zu durchdringen.
II
Das bewegte Leben des bekanntesten Naturwissenschaftlers, der zugleich als Querdenker und unkonventioneller, politisch denkender Zeitgenosse im Gedächtnis blieb, beleuchtet Jürgen Neffe in „Einstein – eine Biographie“ (Rowohlt-Verlag). Er erzählt die Geschichte Einsteins und seiner Epoche – mit vielen neuen Dokumenten und überraschenden Einsichten. Basierend auf erst seit kurzem der Forschung zugänglicher persönlicher Korrespondenz – von, mit und über ihn – deckt er auf, was hinter dem Mythos Einstein steht. Er beschreibt anschaulich, wie der «neue Kopernikus», so nennt ihn einmal Max Planck, mit seinem Denken den Aufbruch in die Moderne vorangetrieben und geprägt hat. Wenn ich im folgenden die Persönlichkeit Einsteins und seine Religiosität in den Blick nehme, orientiere ich mich an Neffes Ausführungen.
Einstein war einer der bekanntesten Menschen, die je auf unserem Planeten herumspaziert sind. Zumindest hat es kein Wissenschaftler auch nur annähernd zu vergleichbarem Ruhm und ähnlich mythischer Verklärung gebracht. Umso mehr umgibt ihn der Zauber des Rätselhaften, der sich nicht zuletzt der extremen Spannweite seines Charakters verdankt. Ein Mann, Bürger und Bohemien, Übermensch und ungezogenes Kind in einem, der zwar Widersprüche zwischen Weltbildern aufheben konnte, selbst aber den Widerspruch personifiziert und seine Mitmenschen wie kein anderer polarisiert hat. Den einen Freund, den anderen Feind, ein Narziss, der sein Äußeres vernachlässigt, Sonnyboy und Rebell, Menschenfreund und Autist, Weltbürger und Eremit, ein Pazifist als Forscher auch in militärischen Diensten.
Hier die Ideale der Französischen Revolution, sein Einsatz für Freiheit und Brüderlichkeit, dort der blinde Fleck, wenn es um die weibliche Hälfte der Menschheit geht. Hier moralische Autorität, dort Verdacht auf uneheliche Kinder und Syphilis. Mit seinem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit steht er der Königin im Prinzip so nah wie dem Clochard. Die Gleichheit der Geschlechter hat ihn dagegen nie bewegt. Im Gegenteil: Frauen hat er als Geliebte geschätzt und benützt, als Gefährtinnen auf gleicher Augenhöhe aber nie wirklich akzeptiert (außer vielleicht beim Musizieren) und das Weibliche unverhohlen verachtet. Die Ehe ist «eine Sklaverei in kulturellem Gewande», behauptet er – und wie er vor seinem Tod einräumt, «ein Unterfangen, in dem ich zweimal schmählich gescheitert bin. »
Selten waren sich Hellsicht und getrübter Blick so nahe. Die Gefahr durch die Nazis, das Ausmaß der Judenverfolgung, die Bedrohung der Demokratie in den USA durch die amerikanische Militarisierung nach dem Zweiten Weltkrieg – kaum einer hat diese Entwicklungen so früh und so klar erkannt wie Einstein. Dann wieder erschreckt er Freunde und Weggefährten durch das Ausmaß seiner politischen Naivität.
Dank seiner Vorstellungskraft kann er sich in das Wesen von Elektronen ebenso einfühlen wie in das Schicksal ferner Sterne. Wenn es aber um Menschen geht, die ihm nahe stehen, besonders um seine Söhne und deren Nöte, fehlt ihm jegliche Empathie. Da kann er regelrecht brutal werden. Dann wieder zeigt er tiefes Mitgefühl für die Armen, Schwachen und Verfolgten. Mal gütiger Weiser, mal unverbesserlicher Sturkopf – ein egozentrischer Einzelgänger mit Verantwortungssinn für die gesamte Menschheit.
Durch seinen souveränen Umgang mit Presse, Funk und Film schafft er etwas, das Werbestrategen heute wohl «Markenzeichen» nennen würden. In der Marke Einstein verbindet sich der Inbegriff des zerstreuten Professors mit dem Bild des furchtlosen Kämpfers für Frieden, Menschenrechte, Abrüstung und Weltregierung, des trotteligen, sich über Konventionen wie etwa Kleiderordnungen und Bevormundungen hinwegsetzenden Bohemien mit dem hellsichtigen Analytiker der Zeitläufte.
Schon vor seinem Palästinabesuch sympathisierte Einstein mit dem Zionismus, setzte er sich für die Gründung der Hebräischen Universität Jerusalem ein. Doch mahnt er Zeit seines Lebens: Israel wird sein Glück nur mit den Arabern finden. Seine Beziehung zum religiösen Judentum war offenbar nicht religiöser Natur. So schrieb er 1946: «Obgleich ich so etwas wie ein jüdischer Heiliger bin, habe ich seit so langer Zeit keine Synagoge mehr besucht, dass ich fürchten muss, Gott würde mich nicht mehr erkennen. Wenn er es aber täte, wäre es wohl schlimmer.»
III
Keine Autorität, und sei sie auch nur gedacht, keinen Gott über den Menschen lässt Einstein gelten. Aber kaum ein Naturwissenschaftler ist von tieferer Religiosität erfüllt als er. Einstein glaubt nicht an einen personifizierten Gott, aber er benutzt ein Gottesbild. Nicht das eines Gottes, der straft oder belohnt, sondern eines, der die Natur so gesetzmäßig geschaffen hat, dass alles im Universum diesen Gesetzen folgen muss. Wenn er von Gott und dessen Erschaffung der Welt spricht, meint er stets die innere Folgerichtigkeit und logische Einfachheit der Naturgesetze. Nur diese Autorität akzeptiert Einstein. Sein Gott ist ein Prinzip – das Prinzip von Ursache und Wirkung. Er glaubt an das Gesetz der Kausalität, in dem allein sich göttliches Wirken ausdrückt. «Ich bin nicht an dieser oder jener Erscheinung interessiert, am Spektrum dieses oder jenes Elements. Ich möchte Seine Gedanken kennen, das übrige sind Details.» «Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind», sagt Einstein. Wie kaum einer seiner gläubigen Kollegen hat er die Religiosität seiner Zunft erkannt. «Jedem tiefen Naturforscher muss eine Art religiösen Gefühls nahe liegen; weil er sich nicht vorzustellen vermag, dass die ungemein feinen Zusammenhänge, die er erschaut, von ihm zum ersten Mal gedacht werden. »
Als 1929 Herbert S. Goldstein per Telegramm Einstein fragt: «Glauben Sie an Gott? Stop Antwort bezahlt 50 Wörter», schreibt Einstein dem New Yorker Rabbi mit 25 Worten zurück: «Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart, nicht an einen Gott, der sich mit dem Schicksal und den Handlungen der Menschen abgibt.» Vor allem der 29. Lehrsatz Spinozas hat es Einstein angetan: «In der Natur gibt es kein Zufälliges», heißt es da, «sondern alles ist vermöge der Notwendigkeit der göttlichen Natur bestimmt, auf gewisse Weise zu existieren und zu wirken.» Gott darf nicht einmal Zufall spielen. «Im Alter aber nannte er sich wiederholt einen tiefreligiösen Ungläubigen», berichtet Rudolf Kayser über den Schwiegervater. So kommt Einsteins berühmter Spruch zustande, mit dem er dem Allmächtigen wie einem Geist in der Flasche selbst das freie Spiel untersagen will: «Gott würfelt nicht.»
IV
Abschließend einige Einstein-Zitate, die auch heute noch höchst relevant sind:
Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.
Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.
Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.
Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.
Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicher nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen können.
Raffiniert ist der Herrgott, aber boshaft ist er nicht.
Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt.
Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Mißbrauch.
Der Horizont der meisten Menschen ist ein Kreis mit dem Radius 0. Und das nennen sie ihren Standpunkt.
Jürgen Dünne, Pfr. iR Albert Einstein wurde am 14. März 2009 130 Jahre alt
http://www.ekir.de/mettmann/28338.htm