„Bibel-Autoren erfanden Kamele“

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Es waren reißerische Schlagzeilen, die einen bei der Lektüre einiger renommierter Zeitungen geradezu ansprangen. „Bibel-Autoren erfanden Kamele“ schrieb die Süddeutsche Zeitung, und die Zeit fragte: „Die Bibel umschreiben? Wegen Kamelen?“ Auf der ganzen Welt erschienen ähnliche Artikel mit entsprechenden Überschriften, die den Lesern klar machen sollten, wie albern und unwissenschaftlich es ist, an die Bibel zu glauben.
Doch worum geht es eigentlich? Zwei Wissenschaftler der Tel Aviv University erforschten die Knochen einiger Kamele, die in der Aravasenke, südlich vom Toten Meer gefunden wurden. Laut ihren Messungen mit der Radiokarbonmethode wurden in den dortigen Kupferminen keine Kamele vor dem 10. Jahrhundert v.Chr. verwendet. Dies wären rund 1000 Jahre später als die Zeit, in welcher die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob lebten und der Bibel zu Folge auch auf Kamelen ritten. In 1.Mose 24 z.B., zieht Abrahams Knecht Elieser mit 10 Kamelen in das Zweistromland um eine Frau für Isaak zu finden.
Die Journalisten haben nun das getan, was man umgangssprachlich als „aufpeppen“ oder „aufpimpen“ bezeichnen könnte. Da die Wissenschaftler zu dem Schluss kamen, vor dem Ende des 10. Jahrhunderts hätte es keine domestizierten Kamele in Israel gegeben, wird geschrieben, die biblischen Autoren hätten die Berichte über die Stammväter etc. erst tausende Jahre später eingefügt.
Doch es gibt Wissenschaftler, die das anders sehen und damit die einseitige Berichterstattung etwas relativieren. Von dem Fund einer Kupfermine darauf zu schließen, nirgendwo anders in Israel hätte es Kamele gegeben, ist für sie sehr übertrieben. Und dann gibt es noch andere Quellen. Es gibt Abbildungen von Menschen, die Kamele führten, die man auf eine frühere Zeit datiert. Auch andere Hinweise über eine frühere Domestizierung in Mesopotamien existieren.
Kann man also sagen, der biblische Bericht sei frei erfunden oder gar das Machwerk machthungriger Redakteure, die mit einem selbsterschaffenem Mythos naive Gläubige unterdrücken wollten? Das wäre viel zu einfach! In der Altertumsforschung gibt es einen Grundsatz und der besagt: Die Abwesenheit von Indizien ist keinesfalls ein Indiz für Abwesenheit. Nur weil keine älteren Kamelknochen gefunden wurden, kann man nicht darauf schließen, es gebe keine. Das ist so wie bei der kürzlich durchgeführten Razzia in der Wohnung der Biathletin Evi Sachenbacher-Stehle im schönen Ruhpolding. Nur weil dort keine verbotenen Mittel gefunden wurden, heißt das nicht, sie habe nicht doch irgendwo welche.
In der Beurteilung der biblischen Geschichte haben sich schon Viele zu weit aus dem Fenster gelehnt. In Bezug auf die Bibel herrscht oft eine Hermeneutik des Verdachts vor. Zunächst einmal hält man die Inhalte der Bibel nicht für glaubwürdig. Im 19. Jahrhundert meinten viele Gelehrte, das Volk der Hethiter sei eine Erfindung biblischer Autoren, bis man auf die Zeugnisse des hethitischen Reiches in Anatolien stieß.
Es ist also keinesfalls naiv, an der Glaubwürdigkeit der biblischen Berichte festzuhalten. Die Bibel ist anders als die Mythen vieler Religionen und sie erhebt den Anspruch, Tatsachen zu berichten. Ja, sie erzählt auch von Wundern und übernatürlichen Phänomenen und die kann niemand beweisen, sie müssen geglaubt werden. Doch diese Wunder sind nicht der Normalfall, sondern geben Zeugnis von Gottes außergewöhnlichem Wirken. Denn wenn es Gott wirklich gibt, dann kann man auch erwarten, dass er sich hier und da übernatürlich offenbart. Die Wunder sind eingebettet in realistische und glaubwürdige Geschichte und deshalb nachvollziehbar. Von Conrad Heide