Wer ist „Ich“?

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Wer ist „Ich“? Zweitausend Jahre lang schien die Sache klar. Jeder Mensch hat ein „Ich“. Wie ein roter Faden bestimmt der Gegensatz zwischen Ich und Welt, Subjekt und Objekt das abendländische Denken. Nur wenige wagten daran zu zweifeln, wie der jüdische Philosoph Baruch Spinoza, der Schotte David Hume oder der Physiker Ernst Mach. Geht es nach ihnen, so ist es falsch, das Ich als etwas anzusehen, was von der Außenwelt getrennt existiert. Es gebe gar kein Ich im Oberstübchen, sondern das Ich sei eine Illusion. Ende des 19. Jahrhunderts unterschied der US-amerikanische Psychologe und Philosoph William James das Ich vom Selbst. Unser Ich ist der dunkle Bewusstseinsstrom, der die Welt erlebt. Und unser Selbst ist die Beurteilungszentrale, die diesen Bewusstseinsstrom interpretiert. Sigmund Freud griff diesen Ball auf. Aus dem Ich wurde der dunkle Trieb des Es und aus dem Selbst das Über- Ich. Und Freuds Ich war ein Spielball zwischen diesen beiden Mächten. Die Hirnforschung geht heute noch viel weiter und zerlegt unser Ich in acht bis neun verschiedene Teile. Ob wir unseren Körper als unseren eigenen begreifen oder ob wir wissen, an welchem Tag wir geboren sind, spielt sich in ganz verschiedenen Hirnregionen ab. Aber ergibt die Melodie dieser verschiedenen Instrumente am Ende nicht doch ein Konzert – mithin ein „gefühltes“ Ich? Können sieben Milliarden Menschen irren, die zu sich „Ich“ sagen? R. Precht