Areligiöses Pharisäertum

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„Es gibt zunächst ein gewisses areligiöses Pharisäertum, das zu vermeiden ich versuchen will. Als areligiöse Pharisäer bezeichne ich die Leute, die vorgeben, es sei eine Kleinigkeit, Christ zu sein, und die sich anschicken, im Namen eines nur von außen gesehenen Christentums mehr von den Christen zu fordern als von sich selbst. Ich bin in der Tat überzeugt, dass der Christ zu vielen Dingen verpflichtet ist, dass es aber einem Menschen, der selber diese Verpflichtungen ablehnt, nicht zusteht, sie einem anderen, der sie bereits erkannt hat, in Erinnerung zu rufen.
Zum zweiten möchte ich auch festhalten, dass ich mich nicht im Besitz irgendeiner absoluten Wahrheit oder einer Botschaft fühle und deshalb niemals vom Grundsatz ausgehen werde, die christliche Wahrheit sei eine Illusion, sondern nur von der Tatsache, dass ich ihrer nicht teilhaftig zu werden vermochte.
Nach diesem Bekenntnis fällt es mir leichter, meinen dritten und letzten Grundsatz auszusprechen.
Er ist einfach und eindeutig. Ich werde nicht versuchen, irgendetwas an meinen oder Ihren Gedanken zu ändern, um eine uns allen wohlgefällige Versöhnung der Standpunkte herbeizuführen. Vielmehr möchte ich Ihnen heute sagen, dass die Welt ein echtes Zwiegespräch nötig hat, dass das Gegenteil eines Dialogs ebenso gut Lüge heißt wie Schweigen und dass ein Zwiegespräch deshalb nur zwischen Menschen möglich ist, die das bleiben, was sie sind, und die wahr sprechen. Mit anderen Worten: die heutige Welt verlangt von den Christen, dass sie Christen bleiben. Albert Camus, Fragen der Zeit, S.65-66

Albert Camus  Aus einem Vortrag Der Ungläubige und die Christen, den er 1948 die er  im Dominikanerkloster von Latour-Maubourg hielt