Generation Maybe

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Von welcher Seite man sich auch der geistigen Befindlichkeit der Generation Maybe nähert, aus allen Poren tropft das süße Gift der Harmonie. Wir machen uns das Leben, so wie es uns gefällt. In unserer Generation siegt immer das Leichte über das Schwere. Daher kaufen wir zum Beispiel Magazine mit weichen Liebes-, Sex-, Gesundheits- und Psychothemen lieber als Zeitungen mit hart recherchierten Politik- oder Wirtschaftsnachrichten. Daher freuen wir uns, wenn der Chef uns duzt. Deswegen sind wir die erste erwachsene Generation, die noch immer Zeichentrickserien ansieht, ob nun SpongeBob oder die Simpsons, und die noch mit Ende zwanzig den Elektronikfachhändler nach der neuesten Ausgabe von Assassin’s Creed fragt, damit die Playstation am Abend endlich wieder ordentlich rotiert.
Unsere Generation ist süchtig nach Harmonie und hat nie richtig gelernt, wie man Konflikte löst. Wir wollen ein Leben, das schmeckt wie süßer Sirup, der aber trotzdem nicht auf die Figur schlägt. Wir alle haben unseren Paulo Coelho gelesen und im Anschluss das Gefühl gehabt, das Leben nun ein wenig besser zu begreifen. Wir alle haben schon mal – heimlich oder ganz offen – Ratgeberbücher gekauft, die uns erklären, wie das alles zu bewerkstelligen ist im Alltag, im Büro, mit Freunden und Familie. Blogs darüber, wie das Leben gelingen kann, schießen wie Unkraut aus dem Boden.
Man kann es so sagen: Wir haben zwar den Glauben an den einen Gott verloren, auch den Glauben an herkömmliche Religionen generell. Für unsere Generation gilt immer mehr: Wir glauben an alles Mögliche, nur nicht an Gott. Die Lücke, die das bei vielen hinterlässt, wird mit schwammigen Ersatzreligionen gefüllt. Unsere Ersatzreligionen heißen Esoterik, Fußball, Gesundheit, Ökologie, Apple, Social Media, um nur einige von vielen zu nennen. Statt jeden Sonntag in die Kirche pilgern viele von uns jeden Samstag ins Fußballstadion oder versammeln sich im Halbrund vor dem Livestream aus dem Silicon Valley, wenn Apple wieder ein neues iPad präsentiert.
Diese Weltanschauung drückt sich insbesondere aus in einem Zwang zum Positivdenken, einem endlosen Streben nach Glück und der Angst vor Konflikten. Wir wollen das schöne, gute Leben, nicht so sehr das wahre. Wenn es irgendwie geht, versuchen wir Widerstände zu vermeiden. Unser Leben richten wir ein wie die Villa Kunterbunt von Pippi Langstrumpf, eine Welt, in der wir tun und lassen können, was immer wir wollen. Wie sehen unsere Werte aus? Haben wir überhaupt noch welche? Woran glauben und vor allem – wie denken wir?

„Wir 20- bis 30-Jährigen sind eine Generation ohne Eigenschaften. Gut ausgebildet, aber ohne Plan, ohne Mut, ohne Biss. Weil alles möglich ist, sind alle heillos überfordert. “ Oliver Jeges. Autor von „Generation Maybe“