Zertifizierungen – Formulare – Dokumentationen

Systematiker, Perfektionisten und Kontrollfreaks werden sich freuen, wenn die Erde über kurz oder lang zu einem globalen Büro mutiert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Welt in einem rasenden Stillstand verliert.
Zweifellos, wenn man einem der hunderttausende Spezialisten oder Sachbearbeitern zuhört, klingen viele der ständig neu geschaffenen Regeln, Vorschriften und Zertifizierungen durchaus sinnvoll, manchmal sogar notwendig. Spätestens aber wenn der Arzt mehr Zeit mit seiner ausufernden Büroarbeit verbringt als mit dem Patienten, muss die Frage erlaubt sein, ob das alles wirklich noch sinnvoll ist. Es erhebt sich zurecht der Hilferuf des Bürgers, der diese ganze Papier- Lawine und Verwaltungsbüros schlussendlich bezahlen muss.
Wer heute ein Altenheim oder auch nur eine Bäckerei betreibt steht fast unweigerlich immer schon mit einem Bein im Gefängnis, weil er ständig gegen irgendeine der 1001 Vorschriften, Verordnungen, Gesetze, Empfehlungen der Sicherheits-, Feuer-, Gesundheits-, Gender-, Unfall-, Bau-, … Beauftragten und Spezialisten verstößt – wissentlich oder unwissentlich. Immer wieder fordern verschiedenste Spezialisten unter dem ganzen Ernst ihres Amtes und mit furchtbaren Konsequenzen drohend sogar genau gegensätzliche Maßnahmen. Der eine fordert ein Geländer zur Patientensicherheit, der andere erzwingt den Abbau desselben mit Hinweis auf die Feuersicherheit. Der eine will aufgrund von Ernährungsvorschriften regelmäßig Avocados auf dem Speiseplan, der andere fordert auf sie zu entfernen, weil sie weder politisch korrekt noch fair Trade gehandelt werden.
Wahrscheinlich liest heute kein normaler Mensch mehr die ganze Betriebsanleitung für irgendein neues technisches Gerät oder den Beipackzettel irgendeines Medikaments. Möglicherweise entspricht es 27 verschiedenen Landes-, Bundes-, Europa-, und Weltnormen, aber es versteht niemand mehr und den meisten Menschen fehlt auch schlichtweg die Zeit, alle 257 Seiten zu lesen ehe er den Wasserkocher in Betrieb nehmen.
Ganze Heere von Spezialisten arbeiten beständig daran, die Welt sicherer, geschlechtergerechter, juristischer, abgesicherter, politisch korrekter usw. zu machen. Alles wird teurer und teurer, weil der Bauarbeiter seine Schaufel erst in die Hand nehmen kann, wenn er von drei Ärzten untersucht, fünf Verwaltungsangestellte alle Formulare, Genehmigungen und Abrechnungen verarbeitet haben, wenn alle Arbeitsgeräte zertifiziert, dokumentiert und überprüft wurden und wenn dann noch genügend Zeit bis zur nächsten tariflichen Pause überbleibt.
Angesichts dieser unübersehbaren Masse an Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften, die zwischenzeitlich jeden Bereich unseres Daseins bestimmen, wirken die Gebote Gottes echt bescheiden. Mit knapp 400 Ge- und Verboten wird alles gesagt, was für das tägliche Leben relevant ist. Da wundert es, dass manche Zeitgenossen Gott und die Bibel ablehnen, weil sie vorgeblich Probleme mit den göttlichen Forderungen und Geboten haben.
Zweifellos ist es nicht immer ganz einfach, sich nach Gottes Ordnungen zu richten; aber immerhin, sie sind weitaus übersichtlicher und einsichtiger als zahllose Forderungen die uns das Leben tagtäglich schwer machen. Gottes Gebote haben auch eine wesentlich längere Gültigkeitsdauer als staatliche Erlasse, die manchmal schon bei Erscheinen wieder überholt sind. Gottes Regeln vermehren sich auch nicht rasant wie die behördlichen Vorschriften und Erlasse. Der zeitliche Aufwand ist bei den biblischen Geboten überschaubarer, weil sie sich ans Gewissen richten und keine endlosen Dokumentationen fordern, weil sie viel Freiheit im Detail lassen und nicht jede Kleinigkeit mit hunderttausend verschiedenen Einzelbestimmungen festlegen. Insgesamt können Gottes Regeln in dem unüberschaubaren Wirrwarr von Vorschriften und Verordnungen eine echte Befreiung sein, für den Kopf und für das Leben. Michael Kotsch