2.Petrus 2, 10 am meisten aber die, die nach dem Fleisch leben in unreiner Begierde und jede Herrschaft verachten. Frech und eigensinnig schrecken sie nicht davor zurück, himmlische Mächte zu lästern,

Hiermit schließt Petrus den Kreis, indem er noch einmal die beiden Hauptmerkmale der Irrlehrer herausstellt. Das Stichwort des Abschnittes ist „lästern“.
Wie lästern die Irrlehrer diese Engelwesen? Vom Zusammenhang her stellen sie sich über die Engel (2,11) und über Jesus Christus (2,1.10a), maßen sich an, deren Wesen zu kennen (vgl. l,2f.8f; 2,12; auch 3,2-4), lehnen deren Verehrung ab und fürchten weder sie noch Satan und seine Engel (vgl. Offb 2,24), lehnen deshalb Gottes und Christi Gebote ab und verkünden Freiheit im Sinne religiöser und sittlicher Ungebundenheit (s. 2,19). Insofern vertreten sie eine besondere Heilslehre und praktizieren eine freizügige sittliche Lebensweise. Auf alle Fälle sind sie Antinomisten* aufgrund des Anspruchs, eine tiefere „Erkenntnis“ Gottes, Christi, der Engel und Geistwesen und der Erlösung zu. * (Anhänger einer christlichen Lehre bezeichnet, die die Gültigkeit der religiösen Gesetze des Alten Testamentes ablehnen.)
Petrus hat nicht das Adjektiv „schmutzig“ gebraucht, sondern in hebr Sprechweise formuliert: in Begierde der Befleckung. Das kann man als „Begierde, die befleckt“ auffassen oder als „Begierde nach Befleckung“. Jedenfalls sind sie hinter Fleisch her.
Frech (authadeis) – ein Begriff, der an selbstgefällige Einbildung, Eigenwillen und Starrsinn denken lässt. Petrus möchte nun das Ausmaß dieser Vermessenheit illustrieren, von der sie nicht lassen wollen. Dazu merkt er an, dass sich diese Irrlehrer nicht fürchten, Majestäten zu lästern.
Das Wort lästern (blasphēmeō), das in dem eingedeutschten Begriff Blasphemie transliteriert wurde, meint „verunglimpfen“ oder „abfällig bzw. verunehrend von heiligen Dingen reden“ (vgl. 2Kö 19,4.22; Ps 74,18; 1Tim 1,20; Offb 16,10-11). Und Majestäten bezieht sich in diesem Kontext auf Dämonen (vgl. Jud 8), die insofern Majestäten (doxa, „Herrlichkeiten“) sind, als dass sie ein transzendentes, übernatürliches Wesen besitzen, das über die menschliche Ebene hinausgeht (Eph 6,12). Obgleich diese Irrlehrer nichts als sterbliche Menschen und von Natur aus „unter die Engel erniedrigt“ waren (Ps 8,6; Elb 2003), glaubten sie in ihrer Arroganz, sie seien den Engelwesen überlegen.
Wer Christ geworden ist, der beugt sich in Ehrfurcht unter die Herrschaft Christi, während diese Irrlehrer hier Christus als Herrn verneinen.

Werbeanzeigen