Gott ist nicht interessant

Das ist ein zweiter Grund, warum die Methoden der exakten Naturwissenschaften nicht auf den religiösen Bereich übertragbar sind. Der Forscher im Bereich der Naturwissenschaften muss so unbeteiligt wie möglich sein. Seine Person muss völlig zurücktreten; Gefühlsmomente dürfen auf keinen Fall mitspielen. Das Ideal ist, sich in jeder Hinsicht von dem Gegenstand zu distanzieren, der untersucht werden soll.
Aber Gott ist kein Gegenstand für diese Art distanzierter Betrachtung. Gott ist nicht »interessant«. Gott ist in hohem Maße beunruhigend. Dasselbe gilt von Jesus Christus. Der historische Christus hat allein schon auf Grund seines ethischen Appells religiösen Charakter. Bei der Auseinandersetzung mit ihm ist unser Gewissen beteiligt. »Wir gedachten, ihn im Lichte der Vernunft zu prüfen: wir stellen fest, dass er im Geiste uns prüft. Die Rollen sind vertauscht… Wir studieren Aristoteles und sind erbaut von ihm; wir studieren Jesus und sind zutiefst beunruhigt. Wir werden genötigt, diesem Jesus gegenüber eine ganz persönliche Haltung des Herzens und Willens einzunehmen. Wer sich mit Jesus befasst, kann unvoreingenommen über ihn nachdenken, aber nicht innerlich neutral bleiben. Wir müssen Farbe bekennen. Wir begannen auf der Ebene kühler Sachlichkeit; unversehens finden wir uns auf das Feld persönlicher Entscheidung gerufen.« (R Carnegie Simpson, The Fact of Christ, S. 23f.)
Grundkurs Christlicher Glaube von John R Stott Seite 13