2. Petrus 2, 11 wo doch die Engel, die größere Stärke und Macht haben, kein Verdammungsurteil gegen sie vor den Herrn bringen.

Die Irrlehrer werden hier charakterisiert als religiös ehrfurchtslose, anmaßende, selbstgerechte Menschen, die selbst Engelwesen, gegenüber vor Kritik und Abwertung nicht zurückschrecken. Vom Kontext her legt sich nahe, an gefallene, von Gott bereits in den Abgrund verbannte Engelwesen zu denken. Gemeint ist dass die den gefallenen Engeln überlegenen Engel, die vor Gott und Christus, dem Herrn stehen, kein abwertendes, ehrfurchtsloses Urteil über diese vor Gott auszusprechen wagen. Statt dessen stellt er allgemein fest, dass die mächtigsten Engelwesen vor Gott (s. dazu Mt 18,10; Lk 1,19) die gefallenen Engel nicht aburteilen oder gar schmähen, obwohl sie das böse Treiben Satans und seines Anhangs kennen.
So wird beispielsweise über Michael gesagt, der mit einer außerordentlichen Machtfülle ausgestattet ist: „Als er mit dem Teufel Streit hatte und über den Leib Moses verhandelte, wagte (er) kein lästerndes Urteil zu fällen, sondern sprach: Der Herr strafe dich!“ (Judas 9). Wie Michael sollten sich Gläubige nicht allein gegen Satan und seine Handlanger stellen.
Wie lästern die Irrlehrer diese Engelwesen? Vom Zusammenhang her stellen sie sich über die Engel (2,11) und über Jesus Christus (2,1.10a), maßen sich an, deren Wesen zu kennen (vgl. l,2f.8f; 2,12; auch 3,2-4), lehnen deren Verehrung ab und fürchten weder sie noch Satan und seine Engel (vgl. Offb 2,24), lehnen deshalb Gottes und Christi Gebote ab und verkünden Freiheit im Sinne religiöser und sittlicher Ungebundenheit. Insofern vertreten sie eine besondere Heilslehre und praktizieren eine freizügige sittliche Lebensweise.
Hier ist nicht die Abweisung gottfeindlicher teuflischer Mächte, der Hass gegen das Böse, getadelt, sondern die selbstsichere Überheblichkeit, die zur Art dieser seltsamen „Christen“ gehört. Die Meinung, alles von hoher Warte beurteilen zu dürfen und von keiner Gefahr bedroht zu sein. Gott hat uns zur Demut berufen, aus eigenem Wissen und Können ist da „nichts zu rühmen“.
Petrus spricht hier von der geistlichen Haltung aller Frommen, die unter der Sünde der anderen leiden wie Noah, Lot und die Propheten, wie Mose. Auch wir sollen bei aller Klarheit, mit der wir das Unrecht erkennen und beim Namen nennen, Mitleid mit den Sündern haben. Diese Haltung sehen wir am deutlichsten an Jesus, der als der Reine und Herrliche den Willen Gottes einzigartig erkannte und vertrat, dennoch für die Sünder büßte, um sie zu retten. Unser Auftrag ist, die Sünder zur Buße zu rufen (2. Kor 5,20).
Bei diesen Falschlehrern hängen Unzucht und Ehrfurchtslosigkeit eng zusammen. Paulus widerlegt die Apostel der geschlechtlichen Ungebundenheit mit der Erinnerung an die Fülle der Gnade, die auch den Leib des Christen durchwaltet: „Oder wißt ihr nicht, daß eure Glieder Tempel des Heiligen Geistes sind, der in euch ist, daß ihr den Leib von Gott habt, und daß er euch nicht gehört? Ihr seid um einen Preis erkauft. Ehret also Gott in eurem Leib“ (1 Kor 6,19 f.).
Vers 10 http://bibelkreis-muenchen.de/?p=3230
Vers 9 http://bibelkreis-muenchen.de/?p=3148
Vers 8 http://bibelkreis-muenchen.de/?p=3139

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