Der Preis der Nachfolge

Eines Tages zogen große Menschenmengen hinter Jesus her. Vielleicht bekannten sie sich lautstark zu ihm und schworen ihm in Sprechchören Gefolgschaft. Jesus aber wusste, wie oberflächlich ihre Anhänglichkeit war. Er blieb stehen und erzählte ihnen ein Gleichnis, das sie zur Besinnung bringen sollte: »Wer ist unter euch, der einen Turm bauen will, und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen? damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann’s nicht ausführen, alle die es sehen, über ihn spotten, und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann’s nicht ausführen« (Luk. 14,28-30).
Die Landschaft der Kirche ist übersät mit solchen halbfertigen Bauwerken, mit gescheiterten Existenzen, die anfingen, was sie nicht durchhalten konnten. Tausende von Menschen entschließen sich Jahr für Jahr, Christus nachzufolgen, ohne das Risiko dieses Unternehmens zu bedenken. Das Ergebnis ist eben jenes nominelle Christentum, von dem wir vorhin sprachen, das große Ärgernis in der heutigen Welt.
In Ländern, die von einer christlichen Kultur erfasst wurden, haben die Menschen in großer Zahl ein Christentum übernommen, das ihnen doch nicht unter die Haut ging. Das alte Holz ist nur mit einem christlichen Furnier überzogen worden. Es reichte aus, um in einer Gesellschaft, die nicht besser war, zu Ansehen zu kommen. Es war aber nicht genug, um diese Gesellschaft umzuwandeln. Ja, man machte es sich auf christliche Art recht gemütlich. Diesem Grundübel begegnen wir heute allerdings vor allem gerade in den »alten« Kirchen. Kein Wunder, dass unsere Kritiker von den frommen Heuchlern in der Kirche sprechen und den Glauben als eine Flucht aus der Wirklichkeit abtun.
John R. W. Stott – Grundkurs christlicher Glaube Seite 104

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